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Textkritik: Der Sieger oder die hohe Kunst des Stolperns – Prosa

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Montag morgen, sieben Uhr. Frisch wie immer, dynamisch, frohgelaunt, voller Tatendrang geht er in den Tag. Bei seinem »guten Morgen beisammen« trifft er unvermittelt auf seinen Chef. Dieser nimmt ihn aus den Augenwinkeln kurz wahr, fixiert ihn, dreht sich wieder um und geht in Richtung Büro.
»Ach Stepper, kommen Sie doch bitte gleich mal mit.«
Stepper gefiel der Tonfall nicht, das Timbre, der Rhythmus, die deutlich wahrnehmbare Aggression in den Worten. Jedes einzelne gestochen scharf gesprochen, kein Zusammenschleifen, keine Satzmelodie. Jedes Wort wie ein Hammer, der auf den Amboß fällt, das heiße Eisen beizeiten zu formen. Stepper schwitzt.
Alles nur Einbildung, reiß dich zusammen. Du hast dich doch erst vor zwei Wochen beim Betriebsausflug in Basel – oder war es Zürich? Jedenfalls haben wir uns ganz prächtig unterhalten. Und die Depotspritze wirkt gegen diese lächerliche Angst doch ausgezeichnet, versucht Stepper sich zu beruhigen.
»Stepper, altes Haus, setzen Sie sich, Kaffee?«
»Ja, bitte.«
Altes Haus, das bedeutet nichts Gutes. Letzte Woche nannte er Heidi »unsere Seele«, und eine Stunde später taucht sie heulend auf, entlassen. Nun ja, sie geht auf die fünfzig zu und hat erhebliche Probleme mit der neuen Software und den flachen Hierarchien, die seit geraumer Zeit für höhere Rendite sorgen sollen. Heidi und die Standortprobleme!
»Stepper, wie lange arbeiten wir schon zusammen? Das müssen ja Lichtjahre sein!«
Jetzt spürt er es wieder, trotz Depotspritze, dieses Gefühl, das sich wie Mehltau ausbreitet, das den Hals austrocknen läßt, wo man immerzu schlucken muß, weil die Zunge im oberen Mundraum festklebt.
»Ich, ähh, ich war doch von Anfang an, also ich meine…«, stammelt er.
Bilder der letzten Jahre schießen ihm durch den Kopf. Er, Stepper, immer aktiv vorne mit dabei neben dem Chef, meist gut gelaunt. Ohne ihn fing keine Sitzung an. Er ist jemand, auf ihn wird gehört. Um ihn muß man sich bemühen, er gehört zum inneren Zirkel der Firma. Das heißt bis auf neulich, als es um diese Verschlankungs-Diskussion ging. Er wurde nicht mit einbezogen, fällt ihm jetzt auf.
»Genau, Stepper, sie waren von Anfang an dabei, und das ist ja nun schon eine Weile her. Sie gehören sozusagen zum Inventar, mein Lieber, aber Spaß beiseite.«
Der Chef nahm einen Schluck Kaffee, den mittlerweile die Sekretärin gebracht hatte.
»Sie kennen die Regel. Wir haben sie ja sozusagen gemeinsam aufgestellt. Ich kann nun wirklich kein Auge mehr zudrücken, Stepper. Es fehlen ihnen 10 Punkte, glatte 10 Punkte zuwenig, Stepper.«
Stepper stammelt etwas. Er sei wieder auf dem Weg nach oben. Vielleicht hätte er doch den ein oder anderen Abschluß am Wochenende tätigen sollen, statt in diesem blöden Boot zu sitzen und auf Wind zu warten.
Stepper schwitzt. Sinnlos erscheint jeder Widerspruch. 10 Punkte zuwenig. Die Regeln sind bekannt. Dieses Gefühl, das ihm den Hals zumacht und den Rachen austrocknen läßt, sagt ihm: wer die Regeln nicht kennt, muß gehen. Wer die Regeln kennt und sie nicht einhält muß auch gehen.
Jetzt war also er an der Reihe. Er, der erfahrene Außendienstler, ein alter Hase, gewieft, mit einem festen Kundenstamm. Er, Stepper, hat die Norm verfehlt, um gerade mal 10 Einheiten. Der Chef hält sich an die Regel. Warum sollte er sich gerade bei ihm nicht daran halten. Warum sollte die Physik für ihn nicht gelten, wo sie überall und jederzeit für alle gilt, ein göttliches Axiom! Stepper schämt sich ob seiner Torheit. Fakten zählen. Letzten Monat hat es den Glesing erwischt. Das war abzusehen. Glesing war ein Schönwetter-Verkäufer.
Beinahe hätte es ja letztes Jahr geklappt mit dem Aufhören, als dann diese Sache mit dem Herz passieren mußte. Ausgerechnet an der letzten Raststätte vor der Ausfahrt. Und dann haben sie ihn alle besucht in der Klinik, und sie haben ihm gut zugesprochen. Das würde er schon schaffen und die Firma braucht ihn doch und all diese Dinge eben. Die Ärzte waren ganz begeistert, wie schnell er wieder regenerierte. Er werde wieder voll einsatzfähig sein. Das hat ihn schon gefreut, hat er doch seine Arbeit vermißt, seine Kunden, die ihm baldige Genesung wünschten, die nach ihm, nach Herrn Stepper fragten.
»Stepper, sind Sie noch da oder träumen Sie schon von der großen Frührentnerfreiheit, na ist schon gut, Sie kennen mich ja. Über die Abfindung werden wir uns einigen. Nehmen Sie Urlaub oder gehen Sie zu Ihrem Arzt, der soll Ihnen eine Kur verpassen, das machen wir dann schon passend, Stepper!«
Stepper hörte die Worte wie durch eine Wand, nicht für ihn bestimmt, von ganz weit herkommend, wie damals die Worte des Pfarrers im Beichtstuhl. Unwirklich, aus einer anderen Welt kommend. Sie waren an ihn gerichtet und doch erreichten sie ihn nicht, nicht wirklich. Damals nicht und auch jetzt nicht.
»Stepper, nun machen Sie nicht so ein trostloses Gesicht. Sie wissen ganz genau, daß ich nicht anders kann, Mensch! Betrachten Sie die Angelegenheit einmal nüchtern. Die paar Jahre bis zur Rente kriegen Sie doch locker rum, Sie sind clever, und die Geschichte mit Ihrem Herz, Mensch Stepper, da müssen Sie ehrlich dankbar sein!«
Gleich werden die Knie anfangen zu zittern. Die Beine werden ihren Dienst verweigern, werden taub und wie abgestorben sein. Ich werde hier sitzen bleiben müssen, für immer, dachte Stepper.
Ihm drängen sich Szenen von grotesker Komik auf. Er sitzt wie eine Puppe im Sessel. Der Chef starrt ihn an, versucht ihn anzusprechen, schreit auf ihn ein, läuft aufgeregt im Büro umher. Schließlich greift er zum Hörer, wählt und schreit einige Sätze hinein. Kurz darauf kommen die zwei in Weiß gekleideten durchtrainierten jungen Männer mit einer Trage zur Tür herein. Vorsichtig fassen sie ihn an, setzen ihn auf die Trage, um ihn dann, einem Sitzbild gleich, aus dem Büro zu tragen! Dieses Bild ist so komisch, so skurril, daß Stepper lächeln muß.
»Stepper, es freut mich, daß Sie die Sache so gelassen sehen. Das spricht für Sie und Ihre souveräne Einstellung dem Leben gegenüber. Sie haben mich nicht enttäuscht, Stepper«, meinte der Chef jovial, und er lächelte ihm dabei aufmunternd zu.
Steppers Knie fangen nicht an zu zittern. Er wundert sich darüber und schaut kurz, nur ganz kurz an sich hinunter, so als wolle er es auch sehen, mit seinen eigenen Augen sehen, daß seine Knie wirklich nicht zitterten. Jetzt schießen ihm wieder Bilder durch den Kopf, Bilder seines Lebens, Situationen, die er bestanden hatte. Sein ganzes Leben hindurch mußte er immer wieder etwas bestehen, und dabei hatte er nie sein Gesicht verloren. Dies prägte seine Einstellung, seine Lebenshaltung: Verliere nie dein Gesicht!
Es war nach seinem dreißigsten Abschluß, er eilte in die Klinik, um Rita aufzusuchen. Es ist sicher alles gut gegangen, sie wird noch etwas schwach sein, vielleicht erkennt sie mich auch noch nicht aber sicher ist alles gut gegangen.
Der Stationsarzt teilte ihm mit, daß er zwei Stunden zu spät gekommen sei.
Jetzt nicht stolpern, nicht straucheln, das muß jetzt erst alles organisiert werden und dann sieht man weiter, sagte er sich. Nachdem er die Beerdigung gemeistert hatte, erlaubte er sich eine Träne.
»Ich habe da schon mal was vorbereitet, lesen Sie es sich durch. Ich bin überzeugt, auch in Ihrem Sinn formuliert zu haben. Sie können selbstverständlich auch mit einem Anwalt sprechen, Sie wissen, es ist reine Formsache.«
Der will mich stolpern sehen, denkt Stepper, jetzt gleich will er mich stolpern sehen!
Als Ministrant wurde er bevorzugt zum Hochamt eingeteilt, und besonders an hohen Festtagen war die Kirche voller Gläubiger, die nur gekommen waren, um ihn stolpern zu sehen. Davon war er jedenfalls fest überzeugt. Die ganze Gemeinde wartete jahrelang vergeblich auf diesen Tag. Er war der perfekte Ministrant gewesen.
Man muß sich auf das Wesentliche konzentrieren, sich nicht ablenken lassen und diese Sache dann konsequent durchziehen, dann kann einem das Leben nicht mehr krumm kommen, sagte er sich immer wieder. Davon war er überzeugt. Es war dies seine Lebenshaltung, den Menschen und den Dingen gegenüber.
Er war gerne Ministrant, denn jedes mal nach der Heiligen Messe überkam ihn dieses Glücksgefühl einer wohligen Zufriedenheit, so wie man sich nach einer körperlichen Anstrengung ermattet auf sein Bett sinken läßt und den Augenblick genießt. Nicht daß Stepper ein gläubiger Christ gewesen wäre, nein, er konnte es sich nicht näher erklären, es interessierte ihn auch nicht weiter. Es war das Gefühl, wieder gewonnen zu haben, und dafür empfand er tiefen Dank. Er hatte lange darüber nachgedacht, schließlich war er überzeugt davon, bevorzugt, ja auserwählt zu sein, ein Liebling der Götter. Wie in der griechischen Mythologie, seiner Lieblingslektüre.
»Stepper, man muß Sie wirklich beneiden. Sie haben es geschafft. Sind wir mal ehrlich. Die ganze Schinderei, all die Jahre, alles für’n Arsch, Mensch! Stepper, wissen Sie was, Sie sind nun ein freier Mann!«
Die Leute waren gegangen, der Pfarrer und der Organist hatten ebenfalls die Kirche verlassen. Jetzt war Stepper mit ihm allein. Er unterhielt sich ganz zwanglos mit ihm. Stepper hatte es wieder einmal allen gezeigt, auch ihm, der ebenfalls darauf wartete, ihn endlich stolpern zu sehen, wegen der Demutshaltung, die ihm fehlte, die er innerlich nicht hatte aufbringen können, vermutete Stepper. Er, Stepper, war hier der Sieger und sonst keiner. Er lief in der Kirche umher, als sei er zu Hause, und nachdem er diese Zufriedenheit ausgiebig genossen hatte, stellte er sich vor den Altar, atmete tief durch und verließ die Kirche, ohne wie es üblich war auf die Knie zu sinken und sich dabei zu bekreuzigen.
Als erfolgreicher Verkäufer, unmittelbar nach dem Vertragsabschluß, erlebte er immer wieder diese Wohlgefühl, das ihm alles bedeutete, und nur so erreichte er es. Dies war sein Geheimnis, sein Antrieb. Er brauchte diese Belohnung immer wieder. In ihr lag etwas Zwanghaftes, dem sich Stepper nicht entziehen konnte. Sein Erfolg mußte immer wieder bestätigt werden, immer wieder aufs Neue.
»Ja, also dann Stepper, machen Sie es gut, wir sehen uns dann nächste Woche. Bis dahin haben wir den Formalkram erledigt.«
Stepper ist glücklich, er weiß es mit jeder Faser seines Körpers, sie werden ihn tragen. Er wird sein Gesicht nicht verlieren, er wird nicht stolpern. Er wird wieder siegen, so wie damals in der Kirche und beim Tod seiner Frau. Er steht auf, geht mit festem Schritt hoch konzentriert auf seinen Chef zu, reicht ihm die Hand, atmet tief durch, dreht sich souverän um und geht in Richtung Türe, hält inne, dreht sich noch einmal zu seinem Chef und fragt lächelnd: »Tschuldigung Chef, kann ich eben mal schnell Ihre Toilette benutzen?«

© 2000 by Willi Herdrich. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Das Problem beginnt in der Überschrift: Eine Erzählung wird versprochen »über die hohe Kunst des Stolperns«. Davon ist jedoch nie die Rede, denn Stepper stolpert nicht. Sollte die Überschrift gar ironisch gemeint sein, müsste der Text zumindest einen entsprechenden Unterton haben, der fehlt aber völlig. Der Untertitel könnte vielleicht lauten »über die hohe Kunst des Nicht-Stolperns«, bringt nichts als ebenfalls die aufdringliche Alliteration von Stolpern, Stepper und dem Englischen step. Wozu ein solcher Untertitel?
Das Problem setzt sich fort mit Stepper: Sein Charakter ist völlig unausgegoren; was treibt Stepper eigentlich an, was ist sein Problem, warum versagt er, inwiefern versagt er? Dazu braucht es eine klare Vorstellung von dieser Person und kein Sammelsurium von Zutaten! Es gibt eine einsame, in Ansätzen verständliche Erinnerung: die an seine Ministrantenzeit; der Tod von Steppers Frau ist lächerlich banal so, wie er beschrieben wird: Da gibt es nichts zu bewältigen; diese beiden einzigen Beispiele stehen völlig auf verlorenem Posten gegenüber dem gewaltigen Anspruch von »Sein ganzes Leben hindurch musste er immer wieder etwas bestehen«.
Ich danke dem Autor für die vielen Möglichkeiten, einfache Verbesserungen zeigen zu können!

Die Erzählung will ein ernstes Thema gestalten: die plötzliche Arbeitslosigkeit eines geübten Verdrängers. Es bleibt bei einem Versuch. Dennoch ist die Darstellung dieses Arsches von Chef einfach grandios, wie er sich einzig und allein in und durch seine Äußerungen entlarven darf! Das sollte doch auch bei Stepper gelingen, wenn es beim Chef möglich war?! Eine Überarbeitung würde sich lohnen!

Die Kritik im Einzelnen

Hier haben wir eine vorzügliche Übersetzung von »dynamisch«; letzteres ließe sich also entfernen: Frisch wie immer, voller Tatendrang und frohgelaunt geht er in den Tag. Frohgelaunt habe ich ans Ende gestellt, weil es dann näher bei der fröhlichen Begrüßung steht. zurück
Ich gerate in Schwierigkeiten, die Stimme seines Herrn mir vorzustellen: wodurch unterscheiden sich Tonfall und Timbre? Wie werden die durch den Rhythmus beeinflusst bzw. der Rhythmus durch diese? Nimmt Stepper diese Feinheiten wirklich wahr? Ich würde nur das letzte in dieser Aufzählung registrieren, denn nur das hätte für mich Bedeutung: die deutliche Aggression in den Worten!
Aber weiter: wenn jedes Wort gestochen scharf gesprochen ist, ist ein Zusammenschleifen von vornherein unmöglich, muss also nicht ausdrücklich erwähnt werden.
Und noch weiter: ein scharf gesprochenes Wort passt nicht in das Bild eines Hammers ­- hier muss eine Entscheidung gefällt werden, welches Bild wichtiger ist! Ich ziehe Hammer vor, denn scharfe Worte machen einen fertig, weisen einen zurecht, von einem Hammer wird man unversehens getroffen (von einem Schlag getroffen, aus heiterem Himmel usw.) – was genau hier der Fall ist. Beim Schmied fällt der Hammer nur auf den Amboss, wenn ihn (den Schmied) unversehens ein Schwächeanfall ereilt; ist er (der Schmied) gesund, schlägt er mit dem Hammer auf das zu bearbeitende Werkstück (und nicht auf den Amboss), und so weit ich im Bilde bin, braucht der Schmied nicht für jeden Schlag (für manche schon) einen eigenen Hammer: meist reichen einige Schläge mit dem gleichen Hammer, um die Grobform herzustellen. In diesem Bild ist Stepper das heiße Eisen, das vom Chef bearbeitet wird. Ich würde diesen Absatz folgendermaßen verändern:
Stepper gefiel nicht die deutlich wahrnehmbare Aggression in den Worten. Jedes einzelne Wort ein Hammerschlag, das heiße Eisen beizeiten zu formen. zurück
Dieser Satz suggeriert, dass sich Stepper ganz bewusst eine Depotspritze setzt, obwohl er andrerseits lediglich versucht, sich zu beruhigen; trotzdem verspürt er Angst, sonst würde er sie nicht lächerlich nennen müssen. Das passt auf keine Weise zusammen!
Was ist jetzt die Depotspritze? Und was bewirkt sie? Für mich ist das Setzen der Depotspritze genau dieser vergebliche Versuch, sich zu beruhigen – und ist ein Kommentar des Erzählers, aber nicht die Denkweise Steppers! Es ist ein Ritual Steppers, ein untaugliches, wie sich im Laufe der Erzählung herausstellt (dazu später mehr und Genaueres). Zur Beseitigung dieser Unreinheiten empfehle ich (oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker):
Jedenfalls haben wir uns ganz prächtig unterhalten, setzte sich Stepper die Depotspritze gegen aufkeimende Angst.
Das Komma ist notwendig, um einen engen inneren Zusammenhang herstellen zu können zwischen dem inneren Monolog und dem Bild »Depotspritze«. Dass die Depotspritze tatsächlich nicht wunschgemäß wirkt, wird später eh gesagt: warum hier schon alles verraten? Lassen wir Stepper doch in seiner – jetzt leicht irritierten, aber dennoch – frohgelaunt-tatendurstig-frischen Stimmung!    zurück
Mit flachen Hierarchien hätte ich auch Probleme, denn ich habe keinen Schimmer, was das ist (ich könnte mir zwar was vorstellen, aber das gehört nicht hierher); ich muss es aber auch nicht unbedingt wissen, denn es hängt irgendwie mit Rendite zusammen, und von der weiß ich wiederum nur, dass sie Lebens- und Leidenselixier ist für alle, die sowie schon mehr als genug von allem und jedem haben, also interessiert es mich nicht: ich gehe einfach davon aus, dass Stepper hier in (s)einem Fachjargon redet, und schließe daraus, dass er seinen Beruf beherrscht (was immer er treibt: hier ahnt es der Leser allenfalls).
Die Standortprobleme hingegen verursachen mir echte: Heidi war alt (schon gut, schon gut: ich ändere das sofort, schließlich wäre ich dann ja auch alt! Und wie ändert man alt, um jemanden jünger zu machen? Man steigert es.). Heidi war schon älter und kam mit der neuen Software überhaupt nicht zurecht. Was aber hat das mit »Standortproblemen« zu tun? Muss die Firma umziehen? Muss sie Leute rausschmeißen (was kein Standortproblem wäre, sondern Ergebnis verfehlter oder rücksichtsloser Firmenpolitik)? Ich kann mir diesen Absatz prima ohne Heidi und die Standortprobleme vorstellen, nichts an Zusammenhang ginge verschütt. zurück
Du meine Güte! Ist der Chef einfach nur dumm? Oder gibt er hier einen der gefürchteten Vertreterwitze zum Besten, Marke »Wie vergraule ich potentielle Vertragspartner«? Ganz deutlich wird das nicht, denn zu oft wird das Entfernungsmaß »Lichtjahre« tatsächlich mit einem Zeitmaß verwechselt. Je nach Chef (Blödmann oder Humorbolzen) sollte/könnte eine Ergänzung folgen: so was wie ein ohrenpeinigendes Meckerlachen vom Meister persönlich oder eine stille Reaktion Steppers. Muss zwar nicht sein, verdeutlicht aber den Charakter des Vorgesetzten! zurück
Mehltau ist einigermaßen abwegig! Erstens weiß wohl kaum jemand, wie sich Mehltau ausbreitet (ausgenommen natürlich all jene, die es wissen). Zweitens gibt sicher welche, die wissen, dass Mehltau weißlichgrau ist und befallene Blätter sich einrollen: aber was hat das mit einem Hals zu tun, der nicht einmal weißlichgrau belegt ist, sondern schlicht trocken? Oder rollt sich das Gaumensegel ein? Von Mehltau im Mund kann ich nur dringend abraten: viel zu aufdringlich!
Vorhin hatte das Gefühl den Namen Angst. Jetzt werden Auswirkungen von Angst beschrieben, aber nicht entschieden genug: wieso soll die Angst nicht eigenhändig (»Kann man das bei Angst sagen?« – »Klar kann man’s, hab’s doch gerade getan!« – »Ich meine: Wie soll Angst eigenhändig, wo sie doch keine Hände.« – »Du machst mich noch irre mit deiner verdammten Pingeligkeit! Jetzt ist gleich Mitternacht, schau, dass du zu Potte kommst, sonst sitzen wir übermorgen noch.« – »Ja, is ja schon gut! Krieg dich wieder ein. Alter Labersack!« – »Korinthenkacker!« – »!%#?!§$!!!« – [Labersack verlässt wütend die Tür zuknallend den Raum, worauf er hastenichtgesehn von einer erbosten, da aus einem süßen Traum gerissenen Nachbarin mit einem Maurerinnenhammer entleibt wird. Das hat er jetzt davon!]) So, jetzt kann ich den Satz in Ruhe korrigieren: Die Angst ist viel entschiedener, wenn sie aktiv eingreift, d.h. sie lässt den Hals nicht austrocknen, sondern sie trocknet ihn aus; die Depotspritze samt – dem Leser hoffentlich präsenten – Zusammenhang muss in Erinnerung gerufen werden, gehört also an den Anfang des Satzes; dem obere Mundraum gebührt sein höchsteigener schöner Name; das Festkleben der Zunge ist Folge der Austrocknung und Ursache des Schluckens, also machen wir diese Zusammenhänge auf einfachste Art und Weise deutlich; da man erst schlucken muss, wenn die Zunge bereits klebt, also nicht während des Festklebeprozesses, muss fest weg. Von mir in tiefster Nacht verbessert würde der Absatz dann so lauten (aber dann gehe ich wirklich in die Heia: heute ist schließlich auch noch ein Tag!):
Trotz Depotspritze kam wieder dieses Gefühl, das den Hals austrocknet, so dass man immerzu schlucken muss, weil die Zunge am Gaumen klebt.
Das soll genügen auch als Beispiel für die Hauptregel beim Schreiben, die da ganz einfach lautet: Streichen, streichen und nochmals streichen! Ich kann nicht jeden Satz in jedem Text so ausführlich beackern; hier aber bot es sich an, weil sich vieles demonstrieren ließ, zu Nutz und Frommen von Autor und vielen Generationen Lernwilliger.
(Jetzt werde ich ernsthaft größenwahnsinnig, und alter ego liegt erschlagen ach! in meinem Blut! Ab ins Bett und Gute Nacht!) zurück
Guten Abend! Melde mich frisch & müde zurück (und alter ego ist auferstanden von den Toten: »Hallo, altes Haus!« – «Lass mich in Ruhe!« – Ist wohl nicht soo gut drauf! Lassen wir ihn in seinem Schmollwinkel); los geht’s: da das Stammeln vom Autor gerade anschaulich demonstriert wurde, tritt automatisch die Hauptregel in Kraft, die da lautet? Na??? Richtig: Streichen, streichen und nochmals streichen! Den anschließenden Absatz, der (zu Unrecht, wie wir gleich sehen werden) mit Bilder anhebt, könnte direkt angeschlossen werden, um diese Nichtbilder an die Auslassungspunkte zu rücken, wohin sie zeitlich/inhaltlich gehören. zurück
Jetzt geht’s den Bildern an den Kragen! Wie sehen Bilder der letzten Jahre aus, z.B. das Bild von 1999? 1991 gar? Müsste wohl eher Bilder aus den letzten Jahren heißen; stimmt aber immer noch nicht, denn es sind keine Bilder, die da durch seinen Kopf jagen, sie hätten sonst zumindest kurz beschrieben werden müssen: alle warten auf Stepper, damit er die Sitzung eröffnet; der Chef, wie er Stepper vergeblich eine Gehaltserhöhung anbietet; die Kollegenschlange vor Steppers Büro, die auf seinen Rat hofft: das wären Bilder, Schnappschüsse! Stepper hingegen erinnert sich an große Zeiten, nicht mehr und nicht weniger. Dieses Problem muss der Autor selbst lösen. zurück
Die Verschlankungsdiskussion (VSD) liegt unwiederbringlich in der Vergangenheit, folglich wäre abgeschlossenen Vergangenheit (Plusquamperfekt, wer es genau wissen will) die korrekte Zeitstufe: »Er war nicht einbezogen worden« (dieses schmarotzerische mit ist still, heimlich und leise der Hauptregel geopfert worden). zurück
Dass die VSD in der Vergangenheit liegt, rechtfertigt nicht, den Chef ebenfalls dort anzusiedeln, zumal er gerade noch bei uns war: »Der Chef nimmt einen Schluck Kaffe« – es besteht kein Anlass für einen Zeitenwechsel (der gehört wohl eher in die Rubrik »Flüchtigkeitsfehler«). zurück
Dieses Stammeln kann aus zwei Gründen bleiben: zum einen wurde das obige Stammeln eliminiert, andernfalls wäre hier eine lästige Wiederholung zu bereinigen: Schwein gehabt; zum anderen folgt eine indirekte Rede, die das Stammeln selbst nicht illustriert.
Verschwinden aber muss etwas, denn Stepper stammelt nicht etwas, sondern das, was die indirekte Rede wiedergibt: »Stepper stammelt, er sei wieder auf dem Weg nach oben.« Tatatataaa: erneut ein überflüssiges Wort fachmännisch erlegt!
Zu diesem Absatz ist fünferlei anzumerken: zum einen schwitzt Stepper immer noch (siehe oben) und jetzt schon wieder. Wenn seine Hände feucht würden oder die Achselhöhlen, ließe sich das als Steigerung verstehen, und die Wiederholung wäre vermieden; zum zweiten erscheint der Widerspruch sinnlos, damit ist er es jedoch keinesfalls: also weg mit erscheint; zum dritten sagt ihm die Angst gar nichts, denn er kennt die Regeln und weiß, was passiert. Dazu benötigt er keine  enthüllende Angst; zum vierten brauchte den Satz »wer die Regeln nicht kennt, muss gehen« nicht einmal ein Mensch zu äußern, denn Stepper kennt ja die Regeln: der Gebrauchswert dieses Satzes für ihn entspräche »Wenn das Messer nicht scharf ist, fällt ein Sack Reis um«: ganz schnell vergessen; zum fünften ist die Aussage » (.) muss auch gehen« vollends unverständlich: so definiert sich schließlich eine Regel, dass bei Nichteinhaltung Konsequenzen zu erwarten sind, sogar unabhängig vom Wissen um sie. Was bleibt?
Sinnlos jeder Widerspruch. 10 Punkte zuwenig. Die Regeln sind bekannt. Wer die Regeln kennt und sie nicht einhält, muß gehen. zurück
Da der letzte Absatz erheblich verkürzt ist, würde ich diesen direkt anschließen, aber folgendermaßen verändert:
(.) muß gehen. Jetzt war also er, Stepper, an der Reihe. Er, der erfahrene Außendienstler, er, ein alter Hase mit einem festen Kundenstamm. Er hat die Norm verfehlt, um gerade mal 10 Einheiten. Der Chef hält sich an die Regel. Warum sollte er sich gerade bei ihm nicht daran halten.
Die Betonung von Steppers eingebildetem Sonderstatus erscheint hier früher, damit anschließend die Zuordnung der jeweiligen Charakterisierungen klar ist: er, Stepper und er, der… usw. usw. Ein alter Hase wäre keine alter Hase, wenn er nicht gewieft wäre (dann wäre besagter nämlich ein alter Trottel). Die Hauptregel wurde wieder im Anspruch genommen. zurück
Das Gehen-Müssen hat, da vereinbarter Rauswurf, keinerlei Bezug zur Physik, und die hat ihrerseits nur insoweit mit Axiomen zu tun (die nebenbei alles andere als göttlich, nämlich pure menschliche Erfahrung sind), als ihre Berechnungen auf mathematischen Gesetzen beruhen. Die Mathematik allerdings ist sehr wohl auf Axiomen aufgebaut, aber das hat nichts mit dem Zahlensystem zu tun, in dem wir Europäer zur Zeit rechnen. Ersatzlos streichen, Schwamm drüber! Und da wir gerade beim Streichen sind, schicken wir auch den nächsten Satz gleich mit zum Teufel: Weswegen um alles in der Welt schämt sich Stepper denn? Worin/woran zeigt oder zeigte sich seine unverschuldete Dummheit (= Torheit)? Wenn nix wiss, Rauschmiss! Wieder zwei falsche satzähnliche Getüme weniger: der Text kriegt zunehmend Form, Gehalt und Zug! zurück
In einem Beichtstuhl gibt es keine Wand, also kann er die Wörter nicht durch eine solche hören, muss er auch nicht, denn es ist ja beschrieben, wie er sie wahrnimmt; wozu also die Wand? Es wird gesagt, dass er die Worte hört, als seien sie nicht für ihn bestimmt, was dann später anlässlich der Beichtstuhl-Erinnerung wiederholt wird: wozu? Um zu betonen, dass es im Beichtstuhl seinen Ohren so erging wie jetzt beim Chef (dessen Worte hören sich sogar an »wie aus einer anderen Welt kommend«, was wiederum »unwirklich« klingt) – das ist erneut zu-viel-auf-einmal-gewollt:
Stepper hörte die Worte von ganz weit herkommen, wie damals die Worte des Pfarrers im Beichtstuhl. Sie waren an ihn gerichtet und doch erreichten sie ihn nicht, nicht wirklich. Damals nicht – und auch jetzt nicht.
So reicht der Bogen vom Chef zum Pfarrer und wieder zurück, was durch den Gedankenstrich betont wird: auch Stepper muss aus der Erinnerung wieder in die »Wirklichkeit« zurück. Wiederholungen werden vermieden.
Überhaupt: ich muss mal ein Plädoyer halten für die Aschenputtel unter den vielen Satzzeichen. Oder lieber doch nicht, sonst werde ich nie fertig! Aber eine Bitte darf ich äußern (die Erfüllung genehmige ich mir selbstverständlich ohne Ansehen meiner Person): verwendet sie alle alle alle, sie haben ein Existenzrecht, weil sie einen Sinn haben! Nicht allein Punkt und Komma und ab und zu ein Fragezeichen – das ist, als würde man in der Musik nur zwei Töne verwenden! zurück
Umständlich und inhaltlich problematisch: Stepper stellt sich vor, das etwas geschehen wird (Kniezittern) – da es geschehen wird, schließt die Zukunft auch den Anfang dieser Aktion ein: also muss der Beginn nicht nochmals betont werden (es sei denn ganz außergewöhnlich besonders extrem wichtig: Gleich werden die Knie sehr bald sich aufs Beginnen einstimmen, das Anpacken des Anfangens vom beidbeinigen Kniezittern anzubahnen in Angriff zu nehmen); im nächsten Satz wird erneut etwas geschehen (Dienstverweigerung der Beine); dem ging voraus, dass die Beine taub und wie abgestorben sind – was aber nur nach dem noch in der Zukunft liegenden Kniezittern passiert sein wird! Ich bin für die stinknormale Reihenfolge, und halte außerdem dafür, dass Stepper das nicht denkt (Gegenwart!), sondern sich vorstellt: das böte dann auch einen direkten Anschluss an den folgenden Absatz (an dem ich einiges auszusetzen gehabt haben werde!). Stinknormale Reihenfolge:
Gleich werden die Knie zittern, dann die Beine taub werden, absterben und schließlich ihren Dienst verweigern; für immer werde ich hier sitzen bleiben müssen, stellt Stepper sich vor. zurück
Solche Ankündigungen leisten das gleiche wie eine Warntafel: Obacht! Groteske Komik kreuzt! Und es wirkt gleichermaßen penetrant wie die bedauerlicherweise üblich gewordenen künstlichen Lacher in vielen, auch überhaupt nicht komischen Fernsehsendungen. Wann endlich werden diese Lachmaschinen eingesetzt bei Nachrichtensendungen oder Neujahrsansprachen: »Liebe Bürgerinnen und Bürger! (Gelächter) Wir blicken auf eine erfolgreiches Jahr (brüllendes Gelächter) zurück, in dem es uns (leises Kichern) gelungen ist (höhnische Laute und Zwischenrufe), die Weichen für das nächste Jahrtausend zu stellen (ausgelassene Heiterkeit)«?! Ich schwoff (schwiff? bin geschwoffen/geschwiffen? schweifte? bin geschweift! – immer wenn ich es mit Politik zu tun kriege, versagt mir die Dings, die ähm, na., Siewissenschon) – ich bin sogar beim Abschweifen  abgeschweift. Schon gemerkt?
Ich könnte in Zukunft vor jedem Satz ankündigen (siehe oben), was den Leser erwartet: etwa Achtung Abschweif! Warnung: Toller Ratschlag, das vorhergehende betreffend: Streichen. Vorsicht: jetzt werde ich sagen, dass ich bereits gesagt habe, dass der Übergang vom letzten Absatz zu diesem schon durch meine Verbesserung geleistet ist: Stepper muss sich nichts vorstellen, denn das ist in meiner Verbesserung des vorhergehenden Absatzes bereits geschehen. (Doch lieber keine Ankündigung: Das strengt ja fürchterlich an!)
Gleich werden die Knie zittern, dann die Beine taub werden, absterben und schließlich ihren Dienst verweigern; für immer werde ich hier sitzen bleiben müssen, stellt Stepper sich vor. Und er sieht sich im Sessel sitzen wie eine Puppe. zurück
Die Hektik des Chefs sollte nicht durch einen Punkt unterbrochen werden; der Chef sollt nicht zweimal schreien; der Chef würde Stepper auch schütteln (sozusagen als Sofortmaßnahme am Unfallort); der Chef ist sowieso im Büro, also läuft er auch genau da umher und nicht in Han Lis Garküche!
Der Chef starrt ihn an, versucht ihn anzusprechen, springt auf, schreit ihn an, schüttelt ihn, läuft aufgeregt umher, greift schließlich zum Telefonhörer und bellt einige Befehle hinein: Kurz darauf.
Auf diese Weise habe ich gleichzeitig ein unterschätztes Satzzeichen eingeschmuggelt.zurück
Warum die zwei? Bisher sind sie noch nicht erwähnt worden! Oder sind es die üblichen zwei Funktionsträger? Dann würde ich zähneknirschend dafür plädieren, üblichen hinzuzufügen, wenn es partout die sein müssen! Viel lieber wäre mir, die einfach zu entfernen.
Handelt es sich um hauseigene Sanitäter? Befindet sich das Büro in einem stillgelegten Trakt eines Krankenhaus? Dann wäre »in Weiß gekleidet« angemessen; kommen sie jedoch von einem Rettungsdienst, tragen sie mindestens alarmierend leuchtend-rotorange Westen, wenn nicht gar Jacken. Da merkt man das Weiß der Hosen kaum noch. Manche mögen zusätzlich »durchtrainiert« sein: In der Regel sind das Fachkräfte, die auch als Untrainierte durchaus wissen, mit welchen Techniken selbst Fleisch- und Phettberge auf die Trage zu manövrieren sind. Oder es sind tatsächlich die allgemein bekannten und beliebten die zwei Durchtrainierten. Hier heißt es für den Autor, eine Entscheidung treffen und dementsprechend klar formulieren. zurück
Was fummeln die am Chef rum? »ihn« bezieht sich auf diesen, da der Chef den vorletzten längeren Satz als Subjekt dominiert hat! Er ist der Täter, nicht das Opfer. Die sollen sich gefälligst um Stepper kümmern! zurück
Was ist wichtig: dass sie ihn anfassen? Oder dass sie ihn fassen? Fassen sie ihn sofort an? Versuchen sie nicht erst rauszukriegen, was mit Stepper los ist: ansprechen, anstupsen, kneifen, Puls fühlen usw.? Das ließe sich analog zu den Aktionen des Chefs schildern, im gleichen Satzrhythmus! Und was treibt der Chef derweil? Was ist mit den vollmundig angekündigten Szenen von grotesker Komik? Nichts ist damit! Stattdessen tragen sie (das sollte hier Träger heißen, dann hätten wir dreimal die Stammsilbe kurz nacheinander, und das wäre dann sogar zweimal mehr als gut tut!) auf einer Trage einem Sitzbild gleich Stepper! Ich habe meiner Lebtage noch kein Sitzbild gesehen! Oder soll Sitzbild ein Witz sein, eine heitere Erweiterung des Vokabulars, das nur schnöde Standbilder kennt (deren Figuren oder Figurengruppen stehen und sitzen und hocken und liegen dürfen, selbst Fliegendes wird in Standbildern festgehalten.)? Sitzbild? Liegebild, Hockbild, Sitzbild: – meinswegen: Das wäre dann immerhin ein dürftiger Witz – aber Lichtjahre entfernt von grotesker Komik! zurück
Hieße der Satz: »Stepper muss unwillkürlich lächeln.« wäre alles in Ordnung. Niemand kann Stepper dessen Humor vorwerfen: er ist halt so! Aber zu behaupten, dieses Sitzbild sei so komisch, so skurril, dass Stepper lächeln muss, klingt wie ein Eingeständnis: »Eigentlich hätte da was grotesk Komisches, ja sogar Skurriles stehen sollen, hat aber irgendwie nicht geklappt oder so, na ja, aber immerhin könnt ihr euch doch einbilden, es wäre so komisch, so skurril gewesen, dass Stepper lächeln muss (klar: soo komisch, dass er echt hätte lachen müssen, wäre es eh nie geworden, also war es eigentlich auch gar nicht so komisch, sondern höchstens komisch). Jedenfalls habe ich sicherheitshalber am Ende noch mal gesagt, dass das Sitzbild jetzt eigentlich komisch gewesen ist.« zurück
Meinte & lächelte stehen in der falschen Zeitstufe: es muss meint & lächelt heißen! zurück
Entfernen! zurück
Weg damit! zurück
Falsche Zeitstufe: zittern! zurück
Bilder seines Lebens sind noch nie zuvor durch seinen Kopf geschossen: das waren Bilder aus den Jahren! Jetzt aber erinnert er sich an ganz bestimmte Situationen, die sein Lebenshaltung erklären sollen; tatsächlich folgen später genau zwei Situationen! Die brauchen also nicht durch den Kopf zu jagen, sondern da kann die Erinnerung gemächlich auftauchen! Zudem sind es nicht Bilder seines Lebens, sondern – wie vorhin schon angemerkt – Bilder aus seinem Leben, konkret eben Erinnerungen an Situationen; warum nicht gleich Bilder von Situationen? Wozu dieses allmählich-umständliche Herantasten an das, was gesagt werden will? Gekürzt und umgebaut lautet der Satz folgendermaßen: Bilder von Situationen, die er bestanden hatte, tauchen in seinem Kopf auf. zurück
Sein ganzes Leben hindurch musste er nix bestehen! Es waren einzelne Momente in seinem Leben, die in dem Augenblick ihr ruhmvolles Ende fanden, als sie bestanden waren! Zurück blickt Stepper also auf eine Reihe von erfolgreich bestandenen Prüfungen. Und es waren immer wieder andere Situationen. Wenn das so ist, dann sollte man es auch so schreiben: Immer wieder in seinem Leben hatte er etwas bestehen müssen und dabei nie sein Gesicht verloren! Wegen der korrekten Zeitstufe wäre hatte gedoppelt worden, deswegen habe ich den folgenden Hauptsatz in eine Aufzählung verwandelt. zurück
Was ist der Unterschied zwischen Einstellung und Lebenshaltung? Warum steht das in dieser Reihenfolge? Solche Fragen müsste ein Autor präzise beantworten können, sollte er gefragt werden. Ich will aber keine Antwort, denn ich halte beide Begriffe für untauglich! Wieso die Feststellung, dass er nie sein Gesicht verloren hat, seine Lebenshaltung, die doch den gleichen Inhalt hat, nur prägte, vermag ich auch nicht zu deuten: was macht Steppers Lebenshaltung denn sonst noch aus? Ich sehe vielmehr, dass Steppers Erfahrungen seine Lebensregel bestimmten: Verliere nie das Gesicht! Das ist nicht nur eine Haltung, die man einnehmen kann oder nicht, sondern eine selbstgegebene Regel (oder Maxime), an die man sich zu halten hat! Und so sollte zu lesen sein: Diese Erfahrungen bestimmten seine Maxime: Verliere nie dein Gesicht! zurück
Es war nach seinem dreißigsten Abschluss gewesen; dieser Zeitpunkt liegt erledigt & unwiederholbar in der Vergangenheit; die Erinnerung an die Ereignisse sind noch da, also können die in normalem Präteritum berichtet werden. zurück
Der Satz zuvor fing schon mit es an, und am Ende des Absatzes heißt’s: sicher ist alles gut gegangen. Lassen wir ihn doch seinen Selbstbetrug stereotyp wiederholen: Sicher ist alles gut gegangen, sie wird noch etwas schwach sein, erkennt mich vielleicht auch noch nicht (als Folge des Schwachseins, deswegen kein eigener Satz), aber sicher ist alles gut gegangen. zurück
Stepper hat bereits seine Lebensregel formuliert – hat er sie jetzt aufgegeben um einer anderen willen? Das kann nicht sein, denn die Ministranten-Episode liegt zeitlich vor Ritas Tod, also muss in diesem Abschnitt Steppers ursprüngliche Regel (man muss alles konsequent durchführen) formuliert worden sein, die er bei Ritas Tod ändert. Dass zuerst von Ritas Tod erzählt wird und dann von seinen Hochamtfreuden, verwirrt wegen der Auslassungen zu Steppers Lebenshaltung. Ich habe auf meinem Blatt diesen Absatz vollständig gestrichen und gestehe nur zu gerne ein, dass mir überhaupt nichts fehlt: so komme ich auch besser mit der Umkehrung der Chronologie zurecht: der Chef will Stepper stolpern sehen, die Gemeinde will Stepper stolpern sehen; Stepper aber wird nicht stolpern, wird sein Gesicht nicht verlieren: denn auch die Ministranten-Erfahrung trägt ja, wie oben in der Erzählung ausgeführt behauptet, zu seiner Lebensregel bei und produziert keine eigene. zurück
Hier überkommt’s mich auch: Glücksgefühl einer wohligen Zufriedenheit. Unglücksgefühl einer  wohligen Zufriedenheit; Glücksgefühl eines zufriedenen Unwohlseins; Kotzgefühl eines unzufriedenen Glücks; Zufriedenheitsgefühl eines glücklichen Wohlseins; Wohlgefühl eines zufriedenen Unglücks – dem Unsinn sind nicht Maß noch Ziel gesetzt, wenn man den Anfängen nicht wehrt!
Merke: Din Doppelburger mundet nicht widerlicher als ein einfacher, und niemand schaut in zwei Fernsehapparate gleichzeitig, um besser zu sehen. Im Glücksgefühl einer wohligen Zufriedenheit wird sogar verdreifacht, und anschließend wird ein Vergleich gezogen, damit jeder, der den Überblick verloren hat, in etwa ahnen kann, was gemeint ist! Welch Verschwendung von Zeit und Mühen!
Das ist nicht mehr nur Kitsch, das ist fetter Schwulst! Wäre es nicht möglich, auf die triefende Tripel-Benennung zu verzichten und sich auf den Vergleich zu beschränken? Mit weiteren notwendigen Änderungen – nach der Messe etwa bezeichnet den Beginn eines längeren Zeitraums, sinken lassen einen kürzeren abgeschlossenen Zeitraum, Augenblick genießen einen fast gar keinen Zeitraum, der sich ereignet nach Beendigung des Sich-sinken-Lassens, was wiederum enorme Sorgfalt bei der Zeitwahl bedeutet usw. usw.: Ach so vieles hakt in diesem so harmlos dahertapernden Sätzlein – könnte dieser Satz etwa folgendermaßen lauten:
Er war gerne Ministrant, denn das Ende der Heiligen Messe genoss er so wie ein anderer das Liegen genießt, wenn er sich nach körperlichen Anstrengung ermattet auf sein Bett hat sinken lassen.
Das ist nur eine grobe Vorform, denn ich will der Vorlage nicht allzu viel Tort antun: Ich bin noch längst nicht zufrieden, habe jetzt aber eine gute Viertelstunde verschiedene Versuche allein für diesen lächerlichen Satz unternommen; mir reicht’s, es ist schließlich nicht meine Erzählung! zurück
Dass Stepper kein gläubiger Christ ist, erfahren wir demnächst sowieso; dass er es sich nicht näher erklären konnte bzw. dass es ihn nicht weiter interessierte, ist frech gelogen: später heißt es, er habe lange darüber nachgedacht. Ich glaube zu Steppers Gunsten das Letztere, und plädiere energisch dafür, diesen Satz mit Stumpf und Stiel zu entsorgen! zurück
Wo anfangen bei dem Kuddelmuddel dieser drei Sätze? Fangen wir beim Dank an, beim tiefen: wem gegenüber empfindet Jung-Stepper diesen? Offenbar doch gegenüber griechischen Göttern wie Hephaistos oder Eurynome; doch nicht die griechischen Götter pflegten sich gemeinhin 1 Liebling auszusuchen, sondern jeder Gott und jede Göttin bzw. wechselnde Koalitionen hatten ihren, den sie gegen den der anderen hetzten oder um den sie sich balgten (siehe die Lieblinge der Götter Achill oder Odysseus oder Iphigenie oder Ödipus oder oder oder). Auch war Steppers Lieblingslektüre hundertpro nicht die griechische Mythologie, denn die ist so wenig eine Lektüre wie Physik oder Himalaja, sondern er schätzte überaus die griechischen Göttersagen; dann wird er sich ausgekannt haben und wissen, wer ihn auserwählt hat: warum wird uns Lesern das vorenthalten? Es wäre doch wichtig, ja entscheidend für Steppers Charakter, schließlich war er zu diesem Zeitpunkt noch sehr jung! Wieso werden wir mit Versatzstücken abgespeist, statt mit Inhalten gefüttert?
Wenn ein Autor jedweden Geschlechts seine Protagonisten ernst nimmt, dann ist es erforderlich, sich deren Gedanken- und Gefühlswelt anzueignen; in diesem Fall bedeutet das konkret: sich Kenntnisse zu verschaffen über die griechische Mythologie, um zumindest auf Steppers Stand zu sein und Stepper gerecht zu werden. Ohne entsprechende Kenntnisse aber bedeuten diese Sätze nur warme Luft im hohlem Geschwätz, und dagegen hilft nur eines: Luft rauslassen und ab in den Restmüll! Entlüftet bleibt von diesem Absatz nur noch übrig
Er war gerne Ministrant, denn das Ende der Heiligen Messe genoss er so wie ein anderer das Liegen genießt, wenn er sich nach körperlichen Anstrengung ermattet auf sein Bett hat sinken lassen: es war das Gefühl, wieder gewonnen zu haben. zurück
Warum so schüchtern? Der Liebling griechischer Gottheiten kann sich doch problemlos mit Gott anlegen! Wenn dieser Bezug anders deutlich gemacht würde, entfiele auch das spätere Problem, als er und ihn unvermittelt und überraschend nicht mehr Stepper meinen, sondern Gott! Wie wäre es mit IHm – wie in älteren Bibeln zu lesen ist, analog zu HErr? zurück
Wenn Gott darauf wartet, dass Stepper stolpert (hier merkt man zu deutlich, woher der Name Stepper stammt; siehe dazu die Zusammenhängende Beurteilung) , ist er ein ziemlich hilfloses Wesen, jenseits von Allmacht und Allwissenheit, was herzlich wenig mit allen christlichen Sichtweisen zu tun hat; selbst griechische Götter wären ihm haushoch überlegen, Zeus hat immerhin noch seine Blitze; was aber hat jener? Was für ein Pfarrer, der Stepper dieses Gottesbild vermittelt hat. zurück
Da ist die angekündigte Umkehrung: Wäre das Gottes-Ihn gekennzeichnet wie angeraten, wäre klar, dass hier Stepper gemeint ist! Ohne Hervorhebung muss an dieser Stelle umformuliert werden, damit die Zusammenhänge sich nicht verknoten; obwohl andererseits die Vorstellung, Gott zeige nicht genügend Demut gegenüber Stepper, durchaus reizvoll wäre: Stepper fordert von Gott, innerlich angemessene Demutshaltung aufzubringen (doch, das hat durchaus was!). zurück
Ursache, Wirkung, Addition von Gleichwertigem? Die Demutshaltung fehlte ihm und er konnte sie nicht aufbringen? Wenn ich keinen Mut aufbringen kann, habe ich keinen: dann fehlt er mir. Also wohl Ursache und Wirkung, wobei die Wirkung als Auswirkung trivial ist und: gestrichen werden kann (was würde ich nur ohne die Hauptregel machen? Oh, ich wüßte schon, sag’s aber nicht! Komm ja auch nicht dazu, bin ja noch nicht fertig mit dem Streichen!). zurück
Was vermutet Stepper: dass Gott ihn stolpern sehen will? Oder weiß Stepper, dass Gott ihn stolpern sehen will, und vermutet, dass Gott das aus Rache tut, weil Stepper es an Demutshaltung fehlen lässt? Oder vermutet Stepper beides zugleich und weiß also letztlich nicht die Bohne, warum dieses Glücksgefühl wohliger Zufriedenheit über ihn herfällt? Ich will doch nur, dass ein Schreiber weiß, warum er was in die Tasten haut: das ist offenbar an einigen Stellen in diesem Text viel zu viel verlangt; denn »wer im Trüben fischt, braucht sich über die Klarheit des Wassers keine Gedanken zu machen« (Karlheinz Deschner sagte das, glaube ich). zurück
Jede Wette gehe ich ein, dass Stepper in der Kirche nicht so umher läuft wie zu Hause, denn zu Hause hat er niemals dieses Siegergefühl: zu Hause fehlen besiegte Gemeinde, besiegter Pfarrer, besiegter Organist und last not least besiegter GOtt. Dieser Vergleich haut voll daneben! Stepper hat es allen gezeigt, er ist stolz; Also stolziert er durch die Kirche, als gehöre sie ihm: er ist der Herr in diesem Haus, der HErr nicht! zurück
Es ist ganz und gar nicht üblich, auf die Knie zu sinken beim Verlassen einer katholischen Kirche, also sollte das auch nicht geschrieben werden! Man senkt ein Knie zu Boden und bekreuzigt sich in dieser Stellung. Solche überflüssigerweise falschen Sätze sind nur noch ärgerlich! zurück
Die trübe Brühe breitet sich aus, Zusammenhänge, Sinn und Steppers Psychologie gehen endgültig baden! Das stimmt mich traurig, denn diesen Absturz hatte ich nicht erwartet! Ich werde mich aber zusammen nehmen und den Nachweis liefern:
Stepper ist ein erfolgreicher Verkäufer geworden; auf dem Weg dorthin hat kein Wohlgefühl ihn ereilt (zuvor, ich erinnere mich nur allzu gut, hieß es noch geschwätzig Glücksgefühl einer wohligen Zufriedenheit – worum wohl auf diesen wohligen Wohlklang hier verzichtet worde? Vermutlich ist es lästig, so etwas Langes wie Glücksgefühl einer wohligen Zufriedenheit wieder und wieder zu schreiben (Tipp: dafür bieten Textverarbeitungen copy & paste, habe ich gerade eben erfolgreich angewendet); vielleicht wurde es einfach vergessen: wozu auch nachlesen, was man geschrieben hat, wenn völlig unerheblich ist, was man geschrieben hat.) Das (dieses Glücksgefühl einer wohligen Zufriedenheit – copy & paste) kam erst, als er ein erfolgreicher Verkäufer geworden war. Soweit alles klar? Na denn mal los:
Es war einmal ein Stepper ein erfolgreicher Verkäufer geworden, und seitdem ging es dem erfolgreichen Verkäufer Stepper ganz prima: jedes Mal wenn dieser erfolgreiche Verkäufer Stepper einen Vertrag erfolgreich abgeschlossen hatte, stürzte ein Wohlgefühl auf und in ihn und begrub, was es an Verstand noch antraf oder dafür hielt, unter sich und lullte es ein, während es heimlich daran nagte.
»Iiiiiiiiiiiiiih!!!«
Ruhe!!! Das war die Belohnung für Steppers geheimnisvollen Antrieb. Andere Verkäufer entdeckten Steppers Wohlgefühl, wurden neidisch und wollten auch so etwas haben. Sie begaben sich zu Stepper und fragten ihn: Stepper, sag uns doch, wie wird man ein erfolgreicher Verkäufer, was ist der Antrieb? Aber Stepper blieb die Antwort schuldig.
Also hetzten die Vertreter durch die Welt, sammelten Punkte, schlossen erfolgreich einen Vertrag nach dem anderen ab – aber nie schafften sie es, ein erfolgreicher Vertreter wie Stepper zu werden, nie hatten sie dieses Wohlgefühl, das nur erfolgreiche Vertreter bei erfolgreich erfolgtem Vertragsabschluss haben! Nie kamen sie unter Druck, erneut Verträge abschließen zu müssen, nein, sie taten das freiwillig: sie dachten, sie würden erfolgreiche Vertreter, wenn sie erfolgreich Verträge abschlössen! Und wenn sie nicht gestorben sind, so hetzen sie noch heute durch die Welt, schließen noch heute erfolgreich Verträge ab, und das Wohlgefühl verschont sie, weswegen sie bei Verstand bleiben.
»Und was ist aus Stepper geworden?«
Nun, liebe Kinder, die Wohlgefühldroge (böse Hexen nennen das auch Glücksgefühl oder Zufriedenheit) hat sein ganzes Gehirn aufgefressen; diese Sucht war so doll, dass er nicht einmal mehr etwas von der Sucht spürte! So vergaß er eines Tages erfolgreich den Schließ-erfolgreich-einen-Vertrag-ab-Zwang, setzte sich erfolgreich in ein Boot und wartete erfolglos auf einen Wind, statt erfolgreich einen Vertrag abzuschließen. So konnte er sich natürlich nicht wohlfühlen, und er verlor seinen Arbeitsplatz, durfte keine Verträge mehr abschließen, nicht einmal erfolgreich, und war hinfort kein erfolgreicher Vertreter mehr!
»Ist man denn nur ein erfolgreicher Vertreter, wenn man erfolgreich Verträge abschließt?«
Richtig!
»Aber warum sind dann die anderen Vertreter nicht auch erfolgreiche Vertreter gewesen?«
Das ist halt so im Märchen und außerdem ein Geheimnis! Und jetzt Schluss mit den dummen Fragen: Marsch ins Bett! zurück
Jede Faser seines Körpers weiß es: das sind mindestens zwei (sonst hieße es ja die Faser), also eine Mehrzahl! Und was wissen die Fasern? Sie wissen, dass sie Stepper tragen werden. Das stimmt jedoch nicht ganz, denn die Fasern wissen gar nichts. Da das Wohlgefühl Steppers Hirn gefressen hat (s.o.), muss er jetzt mit jeder Faser denken; deswegen weiß keine Faser was, wie ich Bösewicht unterschoben habe (wer hat’s gemerkt? Klasse!), sondern Stepper weiß mit jeder Faser was (was bleibt ihm auch übrig; merken wird es kaum einer, weswegen das Faserdenken auch nicht so betont werden müsste, denn es ist nicht schlechter als das mit seinem Kopf), selbstverständlich mit jeder Faser seines Körpers, nicht etwa seines Leibchens oder Krawattenknotens. Ob Stepper jetzt die Fasern trägt oder die Fasern Stepper – das ist eine interessante anthropologische Frage, die durchaus hart am Philosophischen vorbeischrammt, darf aber hier glücklicherweise vernachlässigt werden, denn sie meint natürlich (natürlich!) nicht die Fasern, sondern allenfalls zwei etwas dickere, die Beine nämlich! Könnte man auch direktemang schreiben, aber was könnte man nicht alles, wenn man könnte. zurück
Was soll das Stolpern in dieser Aufzählung an zweiter Stelle? Der Chef wollte ihn stolpern sehen, die Gemeinde wollte ihn stolpern sehen, GOtt wollte ihn stolpern sehen, aber nicht seine Frau und auch nicht der Stationsarzt; da »Stepper stolpern sehen wollen« das unergiebigste der Motive ist und ein äußerliches zumal, gehört es an die unwichtigste Stelle einer Aufzählung, an die erste; »sein Gesicht nicht zu verlieren« wurde mal zum Wichtigsten deklariert, jetzt aber läuft Siegenwollen ihm offenbar den Rang ab (so etwas geschieht nur, wenn man eine Erzählung nicht im Griff hat und sie sich heimlich auf und davon macht) – oder doch nicht? Ist Siegenwollen oder Seingesichtnichtverlieren die Hauptsache? Nur danach richtet sich die Reihenfolge; allerdings wird die im ganzen Text nicht klar; warum soll es dann auch am Schluss klappen! Zusätzlich wird Siegenwerden von den anderen beiden Motiven durch einen Punkt abgeklemmt, sozusagen als Quintessenz aus Gesichtnichtverlieren nach außen und Stepperstolpernsehenwollen von innen. Oder lediglich irgendwie zusammengemanscht: Denn gegen wen oder was oder wie überhaupt hat er beim Tod seiner Frau gesiegt? Weil er nicht gestolpert ist, obwohl das keiner sehen wollte? Nichts passt da zusammen. zurück
Um den Flachsinn dieser Kombination herauszufiltern, spiele ich zum Abschied gerne nochmals das Wörtlein-wechsel-dich-Spiel, denn das sagt mehr als viele Worte (garantiert gibt es Beispiele, wo dieses Spiel nicht angebracht ist: garantiert lassen sich dann wichtige & triftige Gründe dafür finden). Ausgangspunkt ist: mit festem Schritt und hoch konzentriert. Variante A: mit festem Schritt und unkonzentriert (Haut nicht hin, denn fester Schritt ist etwas Bewusstes, also Konzentriertes). Variante B: Stolpernd und hoch konzentriert (Wäre bei einem Besoffenen möglich, müsste aber korrekt heißen »stolpernd, doch hoch konzentriert«, weil es eben ein Gegensatz ist; Stepper hingegen ist nicht besoffen, nicht einmal vom Zufriedenheitsgefühl eines glückliche Wohlseins, denn besagtes ereignet sich laut Autor nur bei erfolgreichem Vertragssabschluss durch einen erfolgreichen Verkäufer). Variante C: stolpernd und unkonzentriert (hier wäre »unkonzentriert stolpernd« besser, weil unkonzentriert die Ursache des Stolperns offenbarte). Was folgt? Mit festem Schritt und hoch konzentriert taugt nichts, da ein Teil des Ganzen dem Ganzen zum Ganzen zugesetzt wird. zurück
Warum plötzlich ein und? Nehmen wir einfach jede Handlung als eine bewusste (und verpassen ihr ein entsprechend bewusstes Verb!!!), worauf nicht minder bewusst die nächste folgt; um diese Bewusstheit auch formal abzugrenzen von des Chefs Hektik (während Steppers Phantasien, er sei eine Puppe), können die einzelnen Handlungen durch Strichpunkt getrennt werden:
Stepper atmet tief durch; erhebt sich; geht festen Schrittes auf seinen Chef zu; reicht ihm die Hand; wendet sich freundlich nickend um; schreitet in Richtung Türe; hält inne; dreht sich noch einmal zu seinem Chef und fragt lächelnd: »Tschuldigung, Chef, kann ich eben mal schnell Ihre Toilette benutzen?« zurück

Hinweis: Wem der Text vielleicht bekannt vorkommt, irrt sich nicht. Er war bereits – in einer andern Version – im Bereich Prosa & Lyrik zu finden. zurück

Textkritik: wäre rockstar geworden – Lyrik

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wäre
rockstar
geworden

wenn ich
nicht so

ein sensibelchen
wär
(sagt mutter)

oder nicht die füße
unter seinem
tisch gehabt hätte.

mit 15 geträumt
er schnalle
mir die
gitarre um
und

one two
test und all

so kram
brüllen

das ist
nicht das
schlechteste.

bechern in
backstagebereichen und

weiber,
weiber haben

vater wäre neidisch
(bier und weiber, beides gratis)

mutter wäre
sensibelchen

und ich

würde
nie im
leben mehr

tauschen wollen

mit diesem
hässlichen
tisch aus den sechzigern

© 2000 by Jochen Weeber. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Ein feines Gedicht! Es kommt so schmunzel-leicht daher, charakterisiert dabei so treffend die Aufbruchträume, in und mit denen man es allen zeigen kann, denen man es zeigen will – vor allem den Eltern, die als personifizierte Besserwisser & Belehrungs-Institution grundsätzlich sowieso die allerschlimmsten sein müssen (so sehr man sie – klammheimlich – auch schätzt…)! Klarer Aufbau, Spiel und bewusster Umgang mit Sprache, Beschränkung auf das Wesentliche: Lob, Lob und nochmals: Lob!

Die Kritik im Einzelnen

Das Gedicht beginnt mit diesen drei Zeilen; es hat selbst keine Überschrift. Aber ich wollte dieses Gedicht nicht einfach »Ohne Titel« nennen, denn das wäre ja einer. Also habe ich – wie es häufig und üblich ist – die erste Zeile (in diesem Falle die Strophe: »wäre« wäre zu albern gewesen) als Überschrift und damit Kennzeichnung gewählt.
Im Übrigen möchte ich zu Kritik etwas sagen: Allzu häufig wird darunter nur die Kennzeichnung von Fehlern gedanklichen, inhaltlichen und sprachlichen Ursprungs verstanden. Kritik ist aber einfach eine gedankliche Auseinandersetzung und enthält per se Positives – soweit vorhanden. Die folgende Kritik enthält nur Positives! zurück
In den ersten vier Strophen klingt das Thema an:  der Wunsch, Rockstar zu werden, Mutters Einschätzung des Lyrischen Ichs sowie Vaters patriarchalisches Machtwort in seinem Reich. Hat Mutter eigentlich recht mit ihrer Bezeichnung? Immerhin wird »sagt Mutter« eingeklammert nachgeschoben, als der Satz »wenn ich nicht so ein Sensibelchen wär« eigentlich bereits beendet ist und bis dahin als Selbsteinschätzung durchgehen kann. Beide Sichtweisen sind möglich: das erzeugt eine leise Spannung. zurück
Hier ist für mich die einzig rätselhafte Stelle: wer ist das, der dem lyrischen Ich die Gitarre umschnallt? Von den genannten Personen kommt nur der Vater in Betracht – aber warum sollte der seinen Sohn wegschicken? Schließlich kann er ihn dann nicht mehr erziehen!
Wenn er die Traumvorstellung des lyrischen Ichs ist, müsste er aber sich die Gitarre umhängen und nicht dem lyrischen Ich. Eine starke Identifizierung von Traum-Ich und dem lyrischen Ich kann auch nicht gemeint sein, denn die ist bereits in der ersten Strophe festgezurrt. Ist ein ungenannter Rockstar gemeint, der das lyrische Ich auf die Reise schickt, ihm quasi einen Anstoß gibt? Ist es eine Identifikation, die während dem (vorgestellten) Schreibprozess sich ereignet: das gealterte lyrische Ich erinnert sich an seine Wünsche, die ihm inzwischen sehr fremd geworden sind, aber sie werden beim Schreiben immer vertrauter, so dass aus dem fremden er (dem jungen lyrischen Ich) unerwartet ein vertrautes ich wird?
Warum ich mir solch umständliche Gedanken mache? Weil ich bei diesem Gedicht den Eindruck habe, dass an ihm gearbeitet und gefeilt worden ist. Ich mag mich täuschen, aber das würde mich nicht ärgern. Es kann auch ganz anders sein: Vielleicht liegt ein Abschreibfehler vor (nicht von mir), und es müsste heißen »er schnalle sich die Gitarre um« oder sogar »ich schnalle mir die Gitarre um«. Autor allein weiß! zurück
Nach den vier Eingangsstrophen mit Wunsch und Hindernissen nun in vier Strophen die Situation vor dem Konzert; schön die Irreführung beim Mikrofontest: Nach one, two und test erwartete ich selbstverständlich ein wenn nicht englishes, so doch zumindest germishes all – um dann unvermittelt in das umgangssprachlich-lässige „all so Kram brüllen“ zu geraten: fein gemacht! Zu meinen eigenen Band-Zeiten fand ich mich auch immer großartig, als ich mit umgehängter Gitarre fachmännisch das Mikro testete, am besten vor Publikum, obwohl ich doch nicht singen durfte, weil ich es nicht konnte. Nein: »das ist nicht das schlechteste«, das kann ich voll und ganz bestätigen. zurück
chan in ckstäidschraichän: Ich bitte um Entschuldigung wegen der Schreibweise, aber sie hilft vielleicht, die Alliteration (be bzw. ba) und die Vokalharmonie zu verdeutlichen, womit diese beiden harmlosen Zeilen gespickt sind! »bechern in backstagebereichen« – das klingt, das macht Laune zum Mitbechern! zurück
Das Konzert selber fehlt logischerweise in diesen vier Strophen, denn ein Rockstar zeichnet sich nicht durch die Musik aus, sondern durch seine Beliebtheit (ich hatte gerade Beleibtheit getippt und dann kritisch an mir hinabgemustert.) und das Hinterher: das vor allem! Damals hießen diese Wesen Groupies. Was für Vorstellungen eines Pubertierenden vom vollen Leben, das er bei den Eltern nie hätte leben dürfen/können/wollen: Wein, Weib und Gesang hieß das vor meiner Zeit, sex and drugs and rock’n’roll in den 60er und 70ern. Und heute, im Jahrhundert der vielen Nullen?
Unser lyrisches Ich ist hier voll in seinem Element: Bier und Weiber, dass Vater neidisch wird auf seinen Sprössling, der das wahre Leben leben kann, das Vater nie hat leben können; Bier und Weiber, dass Mutter jammert und verzagt (wunderbar die Umkehrung des »sensibelchen«). zurück
In den letzten 4 Strophen wird die Abrechnung endgültig vollzogen: Das traumverlorene lyrische Ich würde nie im Leben (!) mehr zurück wollen ins Elternhaus: es ist selbständig geworden (das schreibt sich jetzt selbstständig: hat man mir erfolgreich ausgetrieben, muss ich mühsam wieder lernen – falls ich das will!).Wo war ich? Ach ja: das lyrische Ich ist selbstständig und selbstbewusst geworden, hat sich sogar eine eigene einzeilige Strophe verpasst: frappierender lässt sich Selbstbewusstsein in einem Gedicht nicht demonstrieren! Das ehemalige Zuhause ist fremd geworden und überflüssig; in dieser vorgestellten Entfremdung wird der symbolische Tisch aus der vierten Strophe, unter den man die Füße gestreckt hat, zu einem konkreten hässlichen aus einer bestimmten Zeit, mit dem man nichts mehr zu tun haben will.
Das alles aber bleibt Fantasie, wird spielerisch vorweggenommen: man ist nicht Rockstar geworden, wie die erste Strophe beweist! Man schaut vielleicht MTV oder VIVA2 und seufzt gelegentlich, man ist Bankangestellter oder Versicherungsvertreter oder Literaturkritiker oder oder und hat einen hässlichen Ikea-Tisch. Wird darunter auch mal jemand seine Füße strecken und deswegen leiden (müssen)?
Im Gegensatz zu Vater gilt Folgendes: Rockstar sein: Das ist nicht schwer! (Rockstar werden leider sehr!) zurück

Textkritik: Ohne Datum – Prosa

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Vielleicht war er von gestern. Der Text. Für morgen. Irgendwann. Nur so ein Papier. Buchstaben. Das Bildschirmflackern regte mich zu sehr auf. Diese schwarz auf weißen Buchstaben, die der Curser plötzlich verschluckte. Deswegen klickte ich mit dem kleinen weißen Pfeil auf Datei. Datei und Drucken. Der Drucker ächzte, kratzte die Tinte auf das Blatt. Und dann war mein Daumen darauf gekommen. Oben links. Jetzt war der Anfang verschmiert. Nur so ein grauer Wisch. Ein nicht mehr lesbarer Hauch. Ein Text, der seinen Anfang verloren hatte. Seinen Adressaten, sein Datum. Raumlos. Zeitlos. Eine Verwechslung war nicht auszuschließen. Verschiedene Leute benutzten den Drucker. Ich hatte keinen Überblick. Ein unsortierter Tag. Müde, von irgendeinem Abend davor, der mit Veltlins begann und Nenas Wutausbruch endete. Ich spürte die Bartstoppeln an meinem Kinn. Kratziger Morgen. Vielleicht war es also der Text, auf dessen Rezension der Verlag wartete. Vielleicht war es etwas anderes. Ich stülpte meine Augen unter den grauen Nebel und las … »zwei karamellfarbene Beine unter einem Minirock. Karamellfarben. Die Beine glitten im Blues-Rhythmus über das Kopfsteinpflaster. Sonnenscheinkringel tropften neben die Sandalen. Vergiss-mich-nicht-Lust. Flirtzauberduft. Die Rundungen des Körpers verschwanden im Schatten zu einem schwarzen Strich. Fliederduft im schwarzen Nichts
Ich legte den Text zur Seite und öffnete das Fenster. Mir war warm geworden und der Tag schickte ein Frühlingsblinzeln. Nebenan schlug eine Tür, eine Amsel brüstete sich schimpfend. Der Kiesweg vor meinem Büro knirschte erwartungsfroh. Schrittetrappeln. Leises Läuten. Graugrüne Mandelsplitter glänzten mit schüchternem Wimpernklopfen unter dem kupferfarbenen Samt hüftlanger Locken.
»Der Text…« sagte sie und fing meine Augen, als sie über den Rocksaum stürzten, mit dem karamellfarbenen Lächeln ihrer Waden.
»Der Text von gestern?« antwortete ich beflissen und öffnete meine Bürotür. Sonnenscheinkringel im Fliederduft.
Vielleicht war es für morgen. Irgendwann. Zeitlos.
»Ich nehme einen Kaffee« flöteten die Kussmundlippen und falteten sich mit den anderen Rundungen in meinen Bürostuhl. Es hatte keinen Anfang gegeben. Nur ein Nebel. Fliederduft-Blues. Karamellstimme. Ohne Datum.
Ich hatte den Überblick verloren.

© 2000 by Verena Liebers. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Dieser kurze Text zerfällt in zwei sehr disparate Teile: einen sehr verkorksten ersten (mit falschen und unklaren Bezügen, sprachlichen und inhaltlichen Schludereien bis hin zu blankem Unfug und verkrampftem Pseudomodernitätskitsch) und einen eigenwilligen, pfiffigen, lebendigen und spannend-humorvollen zweiten, wo nur noch die Bezüge zum ersten Teil stören.

Was geschieht hier eigentlich? Ein offenbar verkaterter Rezensent liest einen Text, den er nicht kennt und nicht zuordnen kann (aus welchen Gründen auch immer) und trifft anschließend (zumindest gemäß der Erzählfolge) genau die Person, über die er gelesen hat und ist darüber begreiflicherweise verwirrt, sodass er Text und Realität nicht mehr unterscheiden kann (falls er es je hat können). Ohne Datum braucht noch ein Menge Überarbeitung, damit des Protagonisten Verwirrung deutlicher in Erscheinung tritt und das allzu plakativ Gewollte bescheidener daherkommen kann. Den Text zu retten, indem der inhaltliche Unsinn mit dem Daumenwischer und dem ganzen Drumherum bereinigt wird, stelle ich mir nicht einfach vor.

Ich tue mich auch sehr schwer mit diesem seit mindestens den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts unablässig modernen Stil, Satzfragmente aneinander zu reihen, um was sensationell Neues und Einzigartiges zu schaffen. Meistens geht das fürchterlich schief, und ich möchte auch jeden davor eindringlich warnen.
Wer es aber nicht lassen kann, dem rate ich, Sybille Berg zu lesen, um von ihr zu lernen, wie man absolut genial mit Satz-Fragmenten umgehen kann: Sie schafft es, durch das Kombinieren solcher Brocken ganz neue Ausdrucksmöglichkeiten zu finden – je nachdem, wie man diese Teile kombiniert und wo man den eigentlichen Punkt setzt. Das hat was! Also: Sybille Berg, Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot, Reclam Leipzig 1577 (oder Sex II, aber da löst sie sich schon wieder davon).

Die Kritik im Einzelnen

Der Anfang erzeugt unnötigerweise eine falsche Spannung: Warum nicht gleich den Text einführen? Der Kontrast zwischen von gestern und für morgen erzeugt wesentlich mehr Interesse als dieses verschnarchte »Ach ich hab da was vergessen entschuldige bitte lieber Leser und liebe Leserin oder umgekehrt hole ich sofort nach« – zumal das in diesem Text hier das einzige Mal so geschieht (und die Autorin diese Billigtricks absolut nicht nötig hat)! Vielleicht war der Text von gestern. Für morgen. zurück
Es gibt zweierlei, was den Protagonisten aufregt: dass der Bildschirm flackert und dass der Cursor immer wieder Zeichen verschluckt. Dieser Zusammenhang geht verloren wegen der Konstruktion: Das Bildschirmflackern regte mich zu sehr auf. Diese schwarz auf weißen Buchstaben stellt zunächst den Zusammenhang her, dass diese Buchstaben ihn auch aufregen (wobei sofort die Frage auftaucht, wie er es denn gerne hätte, wenn nicht schwarz auf weiß?!).
Der Satz geht jedoch weiter: Ihn regen die Buchstaben auf, die der Cursor plötzlich verschluckte. Ihn regt nicht etwa auf, dass der Cursor Buchstaben verschluckt (das nervt mich manchmal auch; der Cursor schafft aber zum Glück nur Is und Els bei serifenlose Schriften), sondern ihn regen die Buchstaben auf, die der Cursor verschluckt – aber auch da nur die schwarzen! Kleiner Tipp: schreibe doch einfach blau auf grün oder verwende hinfort solche Buchstaben, an denen der Cursor sich verschluckt!
Ich würde den Zusammenhang so herstellen: Das Bildschirmflackern regte mich zu sehr auf. Und dass der Cursor plötzlich Buchstaben verschluckte. Wobei auch das Präteritum mich irritiert: hat ihn das alles nur einmal genervt? Nervt ihn das nicht immer? Im letzteren Falle wäre Präsens die angemessene Zeitstufe in diesen beiden Sätzen; im anderen Plusquamperfekt (als abgeschlossener einmaliger Vorgang). zurück
Welches abartige Programm verwendet der Knilch, wenn er 2-mal auf Datei klicken muss, um zum Befehl Drucken zu gelangen? Ist aber das Programm normal, sollte der Satzbau sich dem anschließen: (.) mit dem kleinen weißen Pfeil auf Datei und Drucken. (Ich scheue mich, den angedeuteten Brocken-Stil zu verwenden, denn das führte dann zu (.) mit dem kleinen weißen Pfeil auf Datei. Und Drucken. Nun: wer’s mag .) zurück
Der Protagonist verwendet nicht nur ein bizarres Schreibprogramm, sondern auch noch ein Ausgabegerät aus der Steinzeit: angeblich ächzt das (wobei ich gestehe, dass ich noch nie einen Drucker habe ächzen hören, nicht einmal stöhnen) , und zweitens kratzt er Tinte auf das Blatt; das wäre nun nicht mehr Steinzeit, sondern Federkiel-Ära; Tintenstrahler aber kratzen höchstens, wenn man Sandpapier auf der rauen Seite zu bedrucken trachtet; ich erinnere mich lediglich an laut nadelnde Drucker, die ihrerseits keine Tinte aufs Papier brachten, sondern Farbe; da ließe sich dann auch nichts verwischen. Ich vermute daher, der Protagonist hatte einen heftigen Kater, sodass jedes Geräusch in seinem Hohlkopf mehrfach widerhallend sich verstärkte: anders macht das Gelesene keinen Sinn! zurück
Die Spinntisierei erklimmt den Kitschgipfel: Ein Text verliert seinen Anfang, wenn er – so der verkaterte Protagonist – den Adressaten und das Datum verloren hat. Und was passiert dann mit dem Text an und für sich? Sein Text-Sein entwest sich und wird raumlos und zeitlos. Da haben wir endlich die lang vermissten überzeugenden Ausführungen zur transzendentalen Fundamental-Onthologie der Nicht-Texte bzw. Nicht-Mehr-Texte: Wie schön, dass hier nur noch Briefen und amtliche Schreiben das Prädikat Text zugestanden wird! Alle anderen sind nämlich schon von Geburt an raum- und zeitlos. Vielleicht ist das der Grund, warum ich manche Bücher nicht mehr wieder finde … Ungelöst aber bleibt das existenzielle Problem des bedruckten Papiers: kann es noch seinem Seins-Zweck zugeführt, ergo erneut bedruckt werden, da der Text raum- und zeitlos geworden ist?
Selbstverständlich ist der Text weder das eine noch das andere: der Protagonist hält ihn ja in der Hand und kann lediglich Adressaten und Datum nicht lesen, sehr wohl aber anschließend einen Auszug. Hier wird ein Fliegenschiss zu einem mystischen Nicht-Existenz-Erlebnis hochstilisiert, und beim hirnlosen Herumhampeln in der sehr dünnen Luft da oben folgt die angemessene Strafe des inhaltlichen Totalabsturzes. zurück
Wie verwechselt man – um im genialischen Bild des sehr verkaterten Protagonisten zu bleiben – raum- und zeitlose Texte mit anderen, und seien es auch gleichnichtartige? Keine Bange: ich will die Antwort gar nicht wissen, weder ernst- noch spaßhaft! zurück
Was in aller Welt sucht der eigentlich am Drucker? Sollen die verschiedenen Leute ihn doch benutzen, um ihr 80er (kratzt bös!) oder 240er (kratzt lieb!) Sandpapier mit Clip-Arts zu verschönern: Wieso schaut er nicht auf den Bildschirm, wo der komplette Text inklusive Adressat und Datum zu sehen sein muss? Doch falls nicht nur der Inhalt, sondern auch sein Rechner (der mit dem dicken Cursor) zwischenzeitlich einen Totalabsturz gehabt haben sollte einschließlich kompletter Festplattenformatierung, der Protagonist also – selbst wenn er gewollt hätte – den Text nicht mehr identifizieren kann, nicht einmal mehr weiß, ob es der ist, den er ausgedruckt hat (in seinem Zustand mehr als verständlich und verzeihlich): dann soll er halt warten, bis alle die anderen ihre hübsch bedruckten Sandpapiere abgeholt haben: was übrig bleibt, muss er ausgedruckt haben!
Zum Schluss der einzig wahre und korrekte Satz seit langem: Ich hatte keinen Überblick. Bedauerlicherweise ist dieser Satz überflüssig: die vorhergegangenen sprechen eine zu deutliche Sprache, als dass diese Quintessenz noch irgendeinen Erkenntniswert haben könnte. zurück
Ich bin mir nicht im Klaren darüber, ob ich dieses unsortierter Tag gut finden soll oder nicht; gewiss ist, dass die Kombination irritiert: schließlich sind Tage ein Sortierkriterium schlechthin (direkt nach Tag und Nacht); gewiss ist ebenso, dass der Protagonist nicht mehr weiß, an welchem Tag geschieht, was gerade geschieht oder das geschehen ist, wovon er anschließend berichtet. Dann wäre es aber kein unsortierter Tag, sondern ein Erlebnis, dem er keinen bestimmten Tag zuordnen kann.
Beim Schreiben wird mir klarer, dass ich diese Verbindung eher für nicht gelungen halte: sie bringt nichts für den Protagonisten, sondern demonstriert einmal mehr dessen fatale Fähigkeit, mit Sprache wild um sich zu schlagen auf der Suche nach dem Besonderen, nur um es dabei erfolgreich in Scherben zu hauen. zurück
Womit begann der Abend? Mit einigen Bier der Marke.»Veltins« (was auch ein dem Bier angemessenes schnoddriges Veltins unterstützen würde)? War es Wein, etwa der österreichische grüne oder frührote oder rote Veltliner (wo das schnoddrige Veltlins eher unangemessen wäre)? War es Wein aus dem italienischen Veltlin (Valtellina), den die Schweizer pauschal »Veltlin« nennen (in welchem Falle eine Schnoddrigkeits-Klassifizierung von Veltlins aus Gründen eklatanter Unkenntnis meinerseits leider unterbleiben muss)? Heißen müsste es also entweder Veltins oder Veltlin; aber wozu die Mühe: Hauptsache Filmriss & Brummschädel!
Und womit endete der Abend? Laut Satzbau mit gar nichts: denn der Abend begann mit Getränken, die Nenas Wutausbruch endeten. Das ist ein so wunderschöner Anfang, dass die Frage nach dem Ende eigentlich zweitrangig wird.
Ich befürchte jedoch, dass der Abend tatsächlich in Nenas Wutausbruch endete, und ganz arg befürchte ich, dass es ursprünglich (durchaus richtig) heißen sollte: (.) der mit Veltlins (?) begann und mit Nenas Wutausbruch endete und dass auf das zweite mit verzichtet wurde aus sprachlichen Gründen (Wiederholung)- ohne zu registrieren, dass sich dadurch der Sinn erheblich ändert. Das kann passieren. zurück
Wie der Protagonist diesen Schluss zu ziehen vermag angehörs der Sandpapier-Druck-Orgie und angefühls seiner Bartstoppeln, ist mir absolut schleierhaft: ich frage mich allmählich, ob der Protagonist tatsächlich so jesusmäßig verkatert bzw. so blöde sein kann, wie die Autorin mich glauben machen will. Ich vermute eher, dass auf diese verkorkste Weise der Beruf des Protagonisten unter die Leser gebracht werden soll; und ich wünsche aus ganzem Herzen, dass ein jeder Verlag, der solch delirierende Dumpfbacken wie den Protagonisten bestallt, ganz schnell Pleite geht zum Wohle der Menschheit!
Notwendiges postscriptum: Ich bin immer wieder erschrocken, wenn ich merke, wie viel ein einziges falsches Wort – siehe dieses also – zerstören kann! zurück
Stülpen bedeutet umkehren, darüberdecken; bei Ärmelaufschlägen spricht man auch von umstülpen im Sinne von umschlagen; der Word-Thesaurus bietet darüber hinaus fälschlicherweise noch aufsetzen an – aber wer sich auf Word verlässt, ist selbst schuld. Unsere Dumpfbacke stülpt seine Augen unter den grauen Nebel. Auf so was muss einer erst mal kommen! Augenstülpen als olympischer Wettbewerb: wer stülpt seine Augen am schnellsten, tiefsten, weitesten? Guinness-Rekord im Augendauerstülpen in der Edeka-Auslage, Augenstülp-Zweikampf: wer stülpt seines Gegners Augen in die Höhlen zurück? Sogar das gern zitierte Schau mir in die Augen, Kleines gewinnt ungeahnte Dimensionen!
So etwas regt an: er grunzte seine Augen unter den ächzenden Nebel, er knetete seine Augen ins raumlose Unpapier, er stapelte seine Augen zwischen die Zeitlosigkeit – es ist letztlich so exkrement-egal, was hier geschrieben wird, denn Sinn entwickelt sich einzig und allein aus dem anschließenden Textausschnitt: Dumpfbacke kann mit seinen Augen machen was er will, es ist ohne jede Bedeutung! Warum also soll er sie nicht unter einen grauen Nebel stülpen?
Schriftstellerische Leistung? Innovation pur? Der zweidimensionale graue Wisch mutiert unversehens zum (eigentlich dreidimensionalen) grauen Nebel, unter den seine Augen gegrunzt werden (wodurch wir auf eine Ebene gelangten, die gemeinhin als zweidimensional gilt – wenn es in diesem Satz mit rechten Dingen zu ginge; doch ist er eher ein Fall für das Freiburger parapsychologische Institut: dort kümmert man sich um Dimensionsverbieger); der Nebel aber ist wie der graue Wisch hier zweidimensional »gedacht«, denn die Ebene unterhalb des Nebels sieht Dumpfbacke nicht; er hält immer noch das Sandpapier in der Hand und liest unterhalb des grauen Wisches einen Text.
Warum hier nicht einfach wieder grauer Wisch stehen darf (das doch eigentlich sehr klar war und verständlich), warum Dumpfbacke nicht einfach einen Blick auf den Text unterhalb des grauen Wisches werfen darf, verstehe wer will – ich nicht: für mich ist das Krampf in Reinkultur! zurück.
Über dieses Textzitat muss ich nichts sagen, es ist ein fiktiver Text innerhalb eines fiktiven, und da darf alles geschrieben werden; hier geht es nicht um Qualität, sondern nur um Funktion für das Gewesene (da finde ich nichts) und bzw. oder das Kommende (da entfaltet er seine volle Wirkung und erhält dadurch seine volle Berechtigung) zurück
Vielleicht mag sich jemand gewundert haben, dass ich zu Anfang geschrieben habe (.) und die Autorin diese Billigtricks absolut nicht nötig hat, anschließend aber ziemlich heftig mit dem Text hadere! Der Grund für meine Meinung ist hier zu lesen: Verena Liebers kann sehr gut und eigenwillig formulieren; diesen Absatz kann ich richtig genießen, und davon hätte ich gerne mehr gehabt, auch zu Beginn des Textes!
Aber ich wäre nicht malte, wenn ich nicht auch hier eine Klitzekleinigkeit zu meckern hätte: es ist da erwartungsfrohe Knirschen des Kiesweges! Das Kiesknirschen lässt doch den Protagonisten hoffen, dass etwas geschieht, und nicht der Kiesweg hofft erwartungsfroh, dass da jemand auf ihm herumknirscht, zumal die betreffende Dame es bereits tut! Oder hofft der Kiesweg, dass das Betrampeltwerden so bald wie möglich endet? zurück
Das ist ein Rückbezug auf den misslungenen Anfang und müsste entsprechend umgearbeitet werden, die triefsinnige Zeitlosigkeit darf ganz entfallen. zurück
Solche Sprechweisen zeichnet eigentlich Tussis aus, die bei Jerry Cotton und ähnlichen literarischen Erzeugnissen ihr triviales Unwesen treiben; soll das eine Parodie sein? Und wenn: warum dann nur hier? Oder ist mir was entgangen? zurück
Die Grammatik fordert hier zu Recht einen Nebel, denn dieses Fragment ist ein elliptischer Satz: Es hatte einen Nebel gegeben. zurück
Hier gilt das gerade Gesagte: kein Anfang, Nebel, ohne Datum, Überblick verloren sind Verweise auf den misslungenen Anfang und müssten entsprechend überarbeitet werden. zurück

Textkritik: unterwasserreihenhaus – Lyrik

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zart verschraubt
in dich & dein staunen
& über die stiege
schwebt schlafs
schwarzer rochen

ein zeppelin
wär meine lust
abgestürzt auf
deinem dachfirst
zu segeln

da blühten fische
in seinen gewölben
barrakudastern
für das kap
deiner lippen

lauerten kleine
tode im
flossengefächel
für deinen fuss
auf der leiter

© 2000 by Sissy de Leu. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Soll ich’s wagen? Soll ich ich’s sagen? Was soll die Scheu: Ich tu’s:

Ein Meisterwerk!
Ein Liebesgedicht und eine Sehnsucht: Denn alles ereignet sich unter Wasser, nicht über ihm; geborgen in einem Haus, in dem die beiden vereint sind und das gleichzeitig selbst Teil diese Vereinigung ist; eigenwillige und humorvolle Bilder in einer fast schon musikalischen Komposition! Ich liebe dieses Gedicht! Und ich werde mich noch sehr lange damit beschäftigen – aber nur für mich! Großen Dank an Sissy de Leu für dieses Geschenk!

Die Kritik im Einzelnen

Allein schon die Alliterationen und die Bilder, die entstehen dürfen durch zart verschraubt in dich & dein staunen & über die stiege; dann dieses starke &, das sichtbar aneinander kettet lyrisches Ich und sein Gegenüber und dessen Gefühl und die ­Vision – ich nenne es der Einfachheit halber so, obwohl es mir gleichzeitig missfällt!; die Bewegungsrichtungen: ineinander, nach oben, schweben über.
Ich weiß: das sind keine ganzen Sätze! Aber anders vermag ich meine Begeisterung nicht auszudrücken als durch Verstummen: Ich nenne nur noch Beobachtungen! Z.B. dieses Spiel mit Erwartungen: Was folgt nach schlafs schwarzer ? Ich habe sogar ernsthaft Rachen gelesen, stolperte aber gerade noch rechtzeitig, um den rochen zu entdecken, den Blick auf die Überschrift zu lenken und vergnügt schmunzelnd von vorne anzufangen, zurück
Wär meine Lust ist Prädikat von ein zeppelin; abgestürzt auf deinem dachfirst zu segeln kann seinerseits ein anderes Subjekt sein für dieses Prädikat; abgestürzt kann sich beziehen auf meine Lust oder auf den zeppelin oder und auf diesen; ich könnte stundenlang so weitermachen, ich finde immer neue Kombinationen, die mitschwimmen. Der Wunsch-Traum (ist eigentlich nicht besser als Vision) hat offenbar begonnen zurück
Irreales (wegen dem Irrealis blühten) Leben in den Gewölben des abgestürzten Zeppelins (abgestürztes Luftschloss oder Lustschloss?), der Teil des Hauses geworden ist; was aber ist ein Barrakudastern? Sternförmig angeordnete Barrakudas für das kap deiner lippen? Hier bleibt ein Rätsel, das ich lösen möchte!
Wie Land den raubenden Barrakudas den Weg versperrt, so hier das kap der lippen – Kaps sind herausragende Punkte, die umschwommen oder umsegelt werden müssen. zurück
Irreale kleine Tode (nach dem Leben der vorigen Strophe), die die Füße bedrohen; damit wäre der Rückweg abgeschlossen: dein Dachfirst – deine Lippen – deine Füße; und die stiege in der ersten Strophe wiederholt sich in der leiter. Auch der Rahmen ist geschlossen.
In jeder Strophe finden sich Elemente des Hauses: Stiege, Dachfirst, Gewölbe, Leiter; Elemente des Todes: Schlafs schwarzer Rochen, abgestürzt, Barrakuda, Tode; Elemente des Lebens: schweben, segeln, blühen, lauern; Possessivpronomen: dein Staunen, meine Lust & dein Dachfirst; sein Gewölbe & deine Lippen; dein Fuss (man beachte die Anzahl 1-2-2-1, wobei mein und sein nur jeweils einmal im Zusammenhang mit dein auftritt, und dein sich sowohl auf das Haus als auch die andere Person beziehen lässt .) Ich höre auch damit auf: es reicht bereits, den Grad an Komposition sichtbar zu machen, der in diesem Gedicht steckt! zurück

Textkritik: Ihr Lustproleten – Prosa

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Es ist die vollkommene Narkose, die ich bevorzuge. Nicht im Drogenrausch gebe ich mich dem Leben hin. Gar nichts gebe ich dem Leben hin. Keinen leichtfertigen Gedanken, kein Gefühl, keine Minute. Es kann mich nicht anrühren, dieses lächerlich vergängliche, hoch gepriesene und oft beweinte Leben, das nur dazu taugt, geflohen zu werden. Soweit interessiert mich dieses so genannte wahre Leben – und kein m mehr. Ich lebe in Narkose. Dieses Leben tangiert mich so wenig, dass ich nicht einmal Todessehnsucht oder Angst wirklich kenne.
Vor meinem reichhaltig bestückten und nachhaltig narkotisierten Erfahrungshorizont kann ich mir inzwischen begreiflich machen, dass es nur ein Quäntchen Sinn für dieses albern zelebrierte Leben gibt – es ist der, es erfolgreich zu fliehen; es ist das unaufhörlichen Pflegen der Narkose.
Gut. Ich gebe zu, dass zum Praktizieren der Narkose – vor allem durch hochwertige Geschichten, Anekdoten und anspruchsvolle Legenden – einige Fertigkeiten gehören, die man durch das so genannte Leben erst zu beherrschen imstande ist. Was mich angeht, so liegt der Erwerb dieser grundlegenden Fertigkeiten jedoch schon so lange zurück, dass ich mich nicht mehr wirklich daran erinnern kann. Zahlreiche tiefsinnige Mythen kennzeichnen meine Erinnerung an das Erlernen der perfektionierten Narkose. Durch einen Schleier erinnere ich auch noch einige kleine irrwitzige Lebensmythen, die Anfänge, die mir wahrscheinlich damals noch latente Emotion verursachten. Aber man muss mir zu Gute halten, dass das zu jener lang zurückliegenden Zeit war, als ich noch nicht begriffen hatte, dass es die Narkose ist, um die es geht; und dass gerade ich besonders gute Anlagen zur Perfektionierung der Narkose besitze. Eine dieser Anlagen – oder auch Grundvoraussetzungen – ist mein Kopf, den ich mir schon frühzeitig zerbrach, um damit – quasi instinktiv – mein Gehirn für die Narkotisierung zu rüsten.
Natürlich funktioniert auch dieser Bereich nicht ohne Training. Das ist ähnlich wie im Sport, übrigens eine sehr primitive Form der Selbstnarkotisierung, über die selbst manche erwachsenen Menschen nie hinausgekommen zu sein scheinen. Nun ja, wer sich der permanenten Selbstunterhaltung widmet, ohne die Narkose je zu erreichen, mag dieses lächerliche Leben wohl besser ertragen als ein gänzlich unbeschäftigter Gefühlsduseler. Aber den höheren Weihen der umfassenden und gnadenvollen Narkose wird er sich niemals nähern; allenfalls den beschämenden, ironisch anmutenden Albernheiten, die Religionen darbieten.
Nein. Die perfekte Narkotisierung ist schon eine Kunst an sich und selbstredend für sich. Sogar ich habe schon Tage erlebt, an denen ich nicht recht zufrieden bin mit meinen Betäubungsleistungen. Dann erreiche ich manchmal eine widerlich emotional verursachte Taubheit, die dieses plumpe Leben durch meine – ansonsten eher fein verwobenen – Hirngespinste trampeln lässt. Es gab schon Situationen, die mich tatsächlich auf die ein oder andere – selbstverständlich legale – Droge zurückgreifen ließen, wenn Gelüste nach Waldspaziergängen, Geschlechtsverkehr, tanzbarer Musik oder ähnlich dumpfen Sinnesempfindungen mich heimsuchten. In solch triebhafter Notlage habe ich dann per Droge die Sinnesempfindungen schnell und diskret ausgeschaltet, um nicht unkontrolliert derben Lüsten zu erliegen.
Ich gestehe auch, dass mich in einer solchen Ausnahmesituation schon einmal für den Bruchteil einer Sekunde nackte Angst gepackt hat. Aber es war ein wirklich kurzer Moment, gegen den ein Augenblick der Ewigkeit gleichkommt. Dennoch: In dieser verschwindend geringen Momentausdehnung hatte ich Angst, nicht zu meinen Narkotisierungsfähigkeiten zurück zu finden. Vermutlich war es sogar ein ganz herausragender Sekunden-Bruchteil, denn seitdem trotze ich dem sinnlich mutierten Leben entschiedener denn je und gebe keine Faser meiner narkotisierten Existenz dem Leben hin. Sobald ein Spalt breit Empfindung einzudringen droht, denke ich auf Hochtouren dagegen an. Ich denke die Gedanken, bis sie betäubend vor sich hin wirken. Ich denke mit angestrengt gerunzelter Stirn am Leben vorbei.
Und wenn ich einem dieser Menschen begegne, die immerzu der Befriedigung primitiver Lüste nachjagen und dabei in Panik geraten, dass dieses unappetitliche Schauspiel einmal vom Tod unterbrochen werden könnte, lasse ich mich hin und wieder dazu herab, in diese ekelhaft sinnliche Menschheit hinein zu lächeln. Es ist die beste Art, das ordinäre und pralle Leben von sich fern zu halten. Ein tiefgründiges, sinnierendes, narkotisiertes Lächeln; ein wissendes, halbherziges, narkotisiertes Grinsen; ein verachtendes, gefühlloses, narkotisiertes Lachen; ein höhnendes, gnadenloses, narkotisiertes Gelächter, das ich diesem abstoßenden Leben und seinen widerlich sentimentalen Kreaturen entgegen schleudere – in dem messerscharf reflektierenden Bewusstsein, dass sie alle mitlachen und dabei vulgäre Fröhlichkeit empfinden. Hahahahahaha.

© 2000 by Christine Sylvester. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

»Ich denke mit angestrengt gerunzelter Stirn am Leben vorbei.« Das ist ein ausgezeichnet gelungener Satz, und aller Einzelkritik zum Trotz: Es gibt einige gute Sätze und Gedanken in diesem Text! Insgesamt aber gilt: »Ich schreibe angestrengt & schrecklich bemüht mit stumpfer Feder am Sinn vorbei«. Ich weiß nicht, ob eine Überarbeitung dieses Textes überhaupt Aussicht auf Erfolg haben kann, denn schon die Grundidee ist viel zu unscharf!

Was unterscheidet prinzipiell Narkose von Drogen? Nichts! Warum aber wird dann in diesem Text so getan, als gebe es da einen? Und ist Narkose, selbst wenn sie etwas Besonderes wäre, vermittels Literatur zu erreichen oder durch das Denken eigener Gedanken – oder gibt es da Gemeinsamkeiten? Wieso ist Denken lächerlicher als Geschlechtsverkehr: weil Denken nicht sinnlich ist? Oder Geschichten nicht sinnlich sind? Was macht diesen Unfug so herausragend, dass man ihn durch eine Art satirischen kalten Kaffee ziehen will, was aber nicht gelingt, da der Text sich zunehmend verwirrt und in unzusammenhängende Einzelstücke zerfällt?

Erst sollte klar sein, was man schreiben will; dann sollte klar werden, wie man es schreibt: als Erzählung, als Drama, als Glosse, als Satire usw.; wird Satire gewählt, sollte aufmerksamst der nicht zu unrecht berüchtigte Grat beachtet werdet, auf dem man wandert, doch ist dabei die schwebende Leichtigkeit bewahren, sorgfältig nach allen Seiten sichernd: Nur dann ergibt sich die notwendige Fallhöhe zur Wirklichkeit. Wortgekeule und ständige Ausflüge nach unten und zur Seite (wo ja nichts ist) sind tödlich!

Die Kritik im Einzelnen

Wenn jemand flieht, dann muss er zumindest ein einigermaßen heftiges Gefühl von Bedrohung empfinden, und das ist eine ziemliche Anrührung! Wenn ihn das Leben aber gar nicht anrührt, dann wird er es auch nicht fliehen: der Relativsatz das nur dazu taugt, geflohen zu werden sollte gestrichen werden! zurück
Ist der Relativsatz gestrichen worden, muss dieser Satz ihm auf dem Fuße folgen (sofern bei Sätzen dieser Ausdruck erlaubt ist), da er jeden Bezuges beraubt wurde. Macht aber gar nichts! zurück
Der Satzbeginn dieses Leben bezieht sich auf den vorhergehenden Satz Ich lebe in Narkose, auf den er sich unter gar keinen Umständen beziehen darf! Er hätte sich eigentlich auf dieses so genannte wahre Leben vom vorletzten Satz beziehen sollen, aber den habe ich gerade exekutiert; es bliebe dann der Bezug zum ursprünglich vorvor- und jetzigen vorletzten – noch alles klar? – (.) oft beweinte(n) Leben, doch der kann aus grammatisch-logischen Gründen so nicht hergestellt werden: es müsste dann heißen Jenes Leben interessiert (.). Diese/r/s bezeichnet immer das näher liegende, und jene/r/s immer das entferntere.
Es geht aber eleganter: dieser Absatz begründet, warum Ich die vollkommene Narkose bevorzugt; warum aber muss die Folge Ich lebe in Narkose mitten in die Begründung gepackt werden? Die Konsequenz passt viel einleuchtender an das Ende dieses oder an den Anfang des nächsten Absatzes! Zusammengefasst ergibt sich Folgendes:
Es ist die vollkommene Narkose, die ich bevorzuge. Nicht im Drogenrausch gebe ich mich dem Leben hin. Gar nichts gebe ich dem Leben hin. Keinen leichtfertigen Gedanken, kein Gefühl, keine Minute. Es kann mich nicht anrühren, dieses lächerlich vergängliche, hoch gepriesene und oft beweinte Leben!. Es tangiert mich so wenig, dass ich weder Todessehnsucht noch Angst kenne. Ich lebe in Narkose.
Klammheimlich habe ich jetzt ein weder-noch hinzugemogelt und ein wirklich gestrichen (im vorletzten Satz – wenn ihr wisst, was ich meine): da Ich keine Kompromisse eingeht, sollte es auch keine eingehen, sondern seine Ansichten konsequent vertreten, sonst kippt der Text viel zu früh! zurück
Narkose-Fan Ich weiß doch Bescheid: wieso muss er es sich dann begreiflich machen? Ist er doch nicht so konsequent? Lässt er sich hier erneut ein Hintertürchen offen, um sich endlich dem heimlich doch irgendwie geliebten Drogenrausch hinzugeben? Gesteht Ich dem Leser sein, dass es sich seiner Sache überhaupt nicht so sicher ist, wie er tut? Hier droht der Text erneut zu kippen! Vorschlag:
Dank meines reichhaltig bestückten und nachhaltig narkotisierten Erfahrungshorizontes weiß ich inzwischen (.)
Will jemand wissen, warum ich vor in dank geändert habe? Dem teile ich das sofort mit, wenn all die anderen wieder zurück gegangen sind! Sind die Wissenden weg? Nein? Immer noch nicht? Selbst schuld! Also: im ursprünglichen Satz bezeichnete vor einen Ort: das Ich konnte angesichts seines Erfahrungshorizontes sich etwas begreiflich machen. In dem geänderten Satz könnte vor irritierenderweise auch als Reihenfolge aufgefasst werden: erst weiß das Ich etwas, dann wird es Teil seines Erfahrungshorizontes – und dieses potenzielle Missverständnis zu vermeiden dienete (das ist Absicht,…) mein ganzes ( …und zwar deswegen:) Trachten und Suchen nach einem sinnfälligen Ersatz für vor, denn ich wollte möglichst viel von dem vorhandenen Satz retten! So etwas heißt dann schlicht und ergreifend Überarbeiten eines Textes! endgültig zurück
Aus den oben genannte Gründen muss dieser Satz verschwinden! zurück
Anekdoten und Legenden sind beides Geschichten, die Addition ist also genau so falsch wie die Erkenntnis, dass es Menschen, Frauen und Kinder gibt (wobei meine Erkenntnis den Vorteil hat, zusätzlich auch noch aber so was von politisch unkorrekt zu sein); und wenn zu hochwertigen Geschichten Anekdoten jeder Art zählen, von den Legenden aber nur die anspruchsvollen, dann fühle ich mein prinzipielles Misstrauen gegen Adjektive vehement gestützt & bestärkt!
Satzbau und Inhalt kommen sich in die Quere: Fertigkeiten werden in dem Leben gelernt oder durch das Leben vermittelt; es ist aber immer ein Prozess, der zum Stillstand kommt, wenn die Fertigkeit beherrscht wird. Wenn man sie beherrscht, ist man auch imstande sie anzuwenden, andernfalls beherrscht man sie nicht! Man wird also durch das Leben dazu instand gesetzt, diese Fertigkeiten zu erlernen und zu beherrschen. Heißen müsste der letzte Teil dieses Satzes dann etwa
(.) Fertigkeiten gehören, die zu beherrschen man erst durch das so genannte Leben instand gesetzt wird. zurück
Hier geraten wir an ein mythisches Problem jeden Erzählens: statt dass eine oder zwei dieser Mythen dem Leser bekannt gemacht werden – schließlich kennt Ich sie sehr genau, da sie seine Erinnerung kennzeichnen, also nachgerade substanziell sind – wird der Leser mit Allgemeinem abgespeist: »Ich könnte ja, wenn ich wollte, aber ich will nicht!« Der ganze Satz ist zutiefst überflüssig, da bar jeden brauchbaren Inhalts! Und was die tiefsinnigen Mythen anbelangt: hier trieft wieder die Redundanz, denn es gibt keine flachsinnigen oder unsinnige Mythen: Es gibt alte Mythen (Eltern-, Kinder- und Geschwistermord als unverschuldetes Schicksal; der Sieg des Guten oder Schwachen über das Böse; der Mensch als Opfer höherer Mächte usw. usw.), und es gibt die neuen Mythen (Händi = Erreichbarkeit = Existenzbeweis; globales Dorf; Auto = Freiheit & Beweglichkeit; Technik = Fortschritt; das Alte = das Gute; Reichtum = Sinn des Lebens usw. usw.): Wieder einmal langt ein Adjektiv voll ins Leere . geschieht ihm recht: da gehört es auch hin!
Erlernen der perfektionierten Narkose entbehrt auch nicht des Unsinns: erlernen und perfektionieren bezeichnen Vorgänge! Perfektionierte Narkose bezeichnet einen abgeschlossenen Vorgang, perfekte Narkose hingegen einen wünschenswerten Zustand, den zu erlernen sich lohnte (zumindest für Ich). Kein Mensch will doch etwas lernen, damit er es erlernt hat, sondern um es anzuwenden. zurück
Da Ich sich nicht wirklich erinnern kann, kann es sich auch nicht durch einen Schleier erinnern, sondern nur durch genau diesen: nämlich dass es sich nicht wirklich erinnern kann. Und – jetzt muss ich Da Ich sich nicht wirklich erinnern kann schon wieder wiederholen, sonst verliere ich den Überblick – da Ich sich nicht wirklich erinnern kann, kann es auch nicht kleine irrwitzige Lebensmythen erinnern, für die genau all das gilt, was ich schon zu Mythen im Satz zuvor ausgeführt habe: weg mit den Benennungen, her mit Beispielen!
Angesichts der irrwitzigen Häufung von Adjektiven frage ich mich unwillkürlich, was ich mir unter großen witzigen oder kleinen aberwitzigen oder geschredderten traurigen Lebensmythen vorstellen soll, jedoch will und will und abermals will es mir nicht gelingen: ich stoße immer wieder auf Lebenslügen – aber die gehen keinen etwas an! Stattdessen wird mir weis gemacht, diese Lebensmythen seien die Anfänge, die damals noch latente Emotionen verursachten. Da verstehe ich nur noch Schrottplatz:
erstens: Sind Lebensmythen = die Anfänge, die usw.? Am Anfang war der Lebensmythos, pardon: in den Anfängen waren die kleinen irrwitzigen Lebensmythen? Und wie viele Anfänge waren es? Warum wird Lebensmythen samt dem adjektivischen Vorspiel eingeführt und gleich darauf umgetauft in die Anfänge? Hätte die Anfänge nicht gereicht? Oder sind Lebensmythen nicht die Anfänge, sondern Ich erinnert (was es nicht kann) außer Lebensmythen auch noch Anfänge, die usw.? Warum wird nicht deutlich gemacht, sofern da etwas deutlich zu machen wäre?
zweitens: Ist der Relativsatz deskriptiv gemeint oder prädikativ? Anders ausgedrückt: bezeichnet der Relativsatz eine bestimmte Klasse von Anfängen, nämlich die, die bestimmte Emotionen verursachten – das wäre prädikativ? Oder ist er deskriptiv gemeint, das heißt gab es auch noch etwas anderes außer Anfängen, was bestimmte Emotionen verursachte? Ganz anders ausgedrückt: Wenn schon so schwierige Begriffe wie Mythos verwendet werden müssen, erwarte ich eine angemessene Präzision in der Gedankenführung – ansonsten schmieren die Begriffe ab!
drittens: Was ist er der Inhalt des Relativsatzes die damals noch latente(n) Emotionen verursachten? Das bedeutet doch, dass die Emotionen jetzt zum Ausbruch kommen bzw. gekommen sind, wenn sie damals noch latent (also verborgen schlummernd) waren – das aber kann nicht sein, denn Ich kennt keine Gefühle, sondern nur Narkose! Weiterhin behauptet der Relativsatz, dass diese fragwürdigen Anfänge latente Emotionen verursacht haben wollen, welche sie aber nicht verursacht haben können, denn dann wären die Emotionen ja gerade keine latenten, sondern bekannt bis hin zur Ursache! Und da behauptet Ich, es könne sich nicht wirklich erinnern? Trau schau wem! zurück
Da es um eine Grundvoraussetzung geht, darf es nicht mein Kopf heißen, denn das wäre ja nur Ichs Kopf, in den sonst niemand Zugriff hätte, sondern muss allgemein der Kopf heißen! zurück
Jetzt wird gefährliches Gelände beschritten: gibt es auch eine Fremdnarkotisierung (klar gibt es die, z.B. vor Operationen, aber um diesen Bereich müssen wir uns jetzt nicht kümmern!)? Und ist Narkose ein qualitativer Sprung von Immer-stärkerer-Rausch? Ich wage keine Prognosen! zurück
Wie wäre es mit Erwachsene – schließlich ist bislang nur von Menschen die Rede?! Ich erinnere an die Hauptregel, die da lautet: Streichen, streichen, streichen!). Und nach Sport würde ich einen Gedankenstrich empfehlen, weil ein Einschub folgt. zurück
Mmh: wäre ein gänzlich unbeschäftigter Gefühlsduseler demnach einer, der ohne Drogen lebt? Ein teilzeitbeschäftigter Gefühlsduseler ein Hobbyfußballer, und ein gänzlich beschäftigter Gefühlsduseler ein Vollzeitsportler? Ach ja: und ist Gefühlsduseler: prinzipiell jemand, der überhaupt Gefühle hat, oder jemand, der sich ihrer bewusst ist, oder gar einer, der seine und fremde Gefühle lieb hat, oder – beinahe schon unvorstellbar – einer, der sie hervorruft? Ich sehe keinen verständlichen Sinn in der absteigenden Folge Geschichten-Narkose – beschämende Albernheiten qua Religion (davon später) – Selbstnarkotisierung – primitive Selbstnarkotisierung (vulgo Sport) – arbeitsloser cleaner Gefühlsduseler. Irgendwo dazwischen oder darüber oder darunter schweben oder hängen oder lungern Drogenrausch und allerlei Gefühle oder so: ich krieg das einfach nicht auf die Reihe. zurück
Wen beschämen die Albernheiten? Wen muten diese Albernheiten ironisch an? Oder beschämen und muten diese Albernheiten gleichzeitig ein und dieselbe Person an? Ein Verzicht auf diese albernen Partizipien würde dem Satz sehr gut tun; warum aber kommt hier die Religion überhaupt ins Spiel? Als die höchste Stufe der Nichtnarkose, das bekannte Opium fürs Volk? Dann wäre dieser mit magischem Leitungswasser gesegnete Langläufer – ich glaube, er nennt sich Mühlegg – in der Verbindung von Vollzeit-Sportler mit religiösem Wahn ja eigentlich schon auf einer höheren Stufe als jemand in Narkose! Wie war das mit dem qualitativen Sprung? zurück
Meiner Treu: diese Zeile lässt sich trefflich zusammenstreichen und mit Satzeichen verfeinern: Nein: Die perfekte Narkotisierung ist schon eine Kunst an sich und selbstredend für sich. zurück
Die Taubheit ist angeblich emotional verursacht, kann also keinesfalls von Ich erreicht werden. Was widerlich verursacht bedeuten soll, mag ich gar nicht erst ergründen wollen, und was widerlich emotional verursacht schon gleich gar nicht; ich halte eher dafür, dass die erreichte Taubheit deswegen widerlich ist, weil sie mit Emotionen bekleckert ist; das ist dann aber kein Erreichen (denn dieses impliziert ein für die betreffende Person positives Ziel), sondern ein eingeschränktes Gelingen; sind all diese Adjektive nötig, müsste dies Sätzlein folgendermaßen lauten: Dann gelingt mir manchmal nur eine widerliche, da emotional verursachte Taubheit. zurück
Welch Reichtum an Eigenschaften dieses Leben dem Leser bietet, übersteigt allmählich mein Fassungsvermögen! Deswegen sammle ich einfach alle Ein- und Unfälle in diesem Text, ausnahmslos zugehörig der Deponie Hassenswerte Adjektive: lächerlich vergänglich, hoch gepriesen, oft beweint, albern zelebriert, so genannt, lächerlich (in Kombination mit dem bereits genannten lächerlich vergänglich ergäbe sich ein lächerlich vergängliches und lächerliches Leben – wer’s braucht, wird selig: in den Niederungen des Nichtsinns), jetzt endlich plump, doch das reicht nicht, denn es folgt noch – um es in einem Aufzähl ein für alle Mal zu erledigen – sinnlich mutiert, ordinär & prall, abstoßend. Tipp: um sich die Mühen dieser Hirnblähungen zu ersparen, sollte man bei Substantiven je nach Gusto angeben (Obacht, es folgt ein Beispiel):
Dieses (siehe Adjektive im Duden S.89 bis 825) Leben ist so (siehe Adjektive im Duden S. 826, linke Spalte), dass kein (siehe Adjektive in Ohne Datum, 2. Abschnitt) Mensch, mehr versteht, wie er ohne es (siehe die ersten drei Adjektive auf dem dritten Link in www.muellseite.de) leben soll.
Selbstverständlich lässt sich auch der ganze Duden angeben (S. 87 bis 860) oder – wer es noch globaler mag – das komplette Internet: da finden sich sogar ausländische Adjektive! Das wäre die endgültige Befreiung der Literatur von der Diktatur der Autoren und Autorinnen und Schreibzwittern und Schreibnichtsen. Und ein Versprechen füge ich noch hinzu: ich werde zu keinem einzelnen deskriptiven Adjektiv aus diesem Text mehr etwas sagen, Heiliges Ehrenwort! Jede Leserin egal welchen Geschlechtes möge sich eigenkopfige Gedanken machen, welche dieser Bastarde irgend sinnstiftend sind, und welche besser getilgt werden! zurück
Fein verwobene Hirngespinste? Nicht eher fein gewobene Hirngespinste? Ich meine ja nur: wenn die Hirngespinste grob gewoben sind, wie will sie dann jemand oder etwas fein verweben, diese groben Gespinste? Ist egal? Hauptsache fein verwoben, und seien es Schiffstaue? Nun, wenn es so ist . zurück
Malte! Lass das!! Du hast es versprochen!!! zurück
Das kann gestrichen werden: der Zusammenhang zum vorhergehende Satz ist klar! zurück
Auch hier . »Malte, reiß dich am Riemen!!!!! Du hast .« Ich weiß! Reg dich ab, bin ja schon wieder ruhig! zurück
Wenn sogar legale Drogen schon genügen, um die (!!!) Sinnesempfindungen auszuschalten: wozu dann bitte die Anstrengung, die Narkose zu perfektionieren? Was könnte sie, was legale Drogen nicht auch können?
Meine Befürchtung ist zur Wahrheit geworden: Narkose hat in diesem Text keine andere Qualität als ein Nikotinrausch! Das ist alles nur aufgeregtes Getu um Nichts – schade drum: hier stürzen meine Erwartungen ins Bodenlose! zurück
Lautes Grußgegröhle vom Schrottplatz: Der Bruchteil eine Sekunde ist nicht etwa etwas, was lange dauert, bewahre: das ist nämlich aber (an diesem aber kann man Äonen kauen, wenn man könnte) ein kurzer Moment! Welch Steigerung: Ewigkeit – Sekunde – Bruchteil einer Sekunde – Augenblick – gaaanz lange nix (mindestens dreieinhalb Sekunden lang, das wären dann schon ca. 8,2 Millionen Ewigkeiten, wenn man mal bedenkt, wie viele Bruchteile eine Sekunde hat und wie viele Augenblicke in jedem Bruchteil stecken, von denen (den Augenblicken) jeder gegenüber einem kurzen Moment eine ausgewachsene Ewigkeit ist) – kurzer Moment. Gibt’s da nicht noch etwas Kürzeres als einen kurzen Moment? Einen oberkurzen z.B.? Nein?
Es gibt Leute, die finden es zum Totlachen, wenn sie lesen (oder selber schreiben), dass jemand 3,678955674536 Meter weit gesprungen ist, oder dass ein Auto nach heftigem Bremsvorgang (ohne ABS) genau 0,000846784253678564536 Millimeter vor einer Stahlwand zum Stehen kommt. Die obige Steigerung gehört in die gleiche Kategorie. Ich halte überhaupt nichts davon, denn es ist weder anschaulich noch verständlich. Es ist einfach nur (siehe Adjektive im Duden S. 87 bis 860). zurück
Wir hatten gerade ein völlig unangebrachtes aber, also folgt logischerweise ein ­- na? Wer weiß es? Nein, kein Adjektiv! Sondern es folgt ein . Richtig: – völlig unangebrachtes Dennoch. Es gibt offenbar nichts, was nicht noch schlimmer gemacht werden kann. zurück
Eigentlich würde ich gerne wissen, ob die verschwindend geringe Momentausdehnung länger oder kürzer ist als ein kurzer Moment, von wegen der Relation zu den 8,2 Millionen Ewigkeiten und vor allem der Anschaulichkeit wegen! Stellen wir uns doch einmal vor, wegen einer massiven Momentausdehnung wären es jetzt nur noch 8,1967548765 Millionen Ewigkeiten, dann hat doch die Momentausdehnung – Moment mal! Halt! Stopp! Zurück das Ganze! Muss ich mir Moment als einen dreidimensionalen Körper vorstellen mit drei Ausdehnungsachsen? Ist es nur ein zweidimensionales Ding mit zweierlei Dehnungsmöglichkeiten? Ist Moment ein Punkt auf einer Strecke und damit ohne jede Ausdehnungsmöglichkeit, was ein wenig dünner ist als verschwindend gering? So viele Fragen, so wenig Antworten! Böse, böse Welt! Das schreit geradezu nach einer Narkose: ich gehe jetzt zu Bett! Es ist Null Uhr und fünfundsiebzig Minuten, und um halbsechs in der Früh muss ich raus und was Ernsthaftes arbeiten, um mir meine Druckerpatronen zu verdienen! zurück
Hallo! Da bin ich wieder mit frischem Mut und hellwach! Wenn ich so zurückblicke auf das, was ich zu später Stund auf den Bildschirm gebracht habe, würde ich am liebsten wieder von vorne anfangen wegen der Ungenauigkeiten und Schludrigkeiten und Adjektive – aber das kann ich mir nicht leisten, sonst werde ich nie fertig!
Was wollte ich eigentlich? Ach ja: Die wundersame Verwandlung von Fertigkeiten in Fähigkeiten!
Was ist geschehen? Hat die fürs Spezielle zuständige Fertigkeit mutiert und ist zu einer globalen Fähigkeit geworden? Das ist ein logischer Rückschritt und völlig überflüssig: ohne Lernfähigkeit hätte Ich sich nie und nimmer eine Narkotisierfertigkeit aneignen können. Eine Narkotisierungsfähigkeit aber hat es nie gegeben und wird auch nie geben! zurück
Da ham wir den Salat: sollte vielleicht jemand die Ansicht vertreten haben, dass meine Fragen zur Dimensionalität der Momentausdehnung überzogen, wenn nicht gar abwegig gewesen seien, der wird hier sich reumütig sein Haupthaar strubbeln müssen und lautstark bekennen: »Ich bereue, ich bereue, ich bereue (drei Mal wegen der magischen Wirkung)! Recht hat er gehabt!« Herausragender Sekundenbruchteil! Nicht gilt der eindimensionale Zeitstrahl, nein: er bekommt unversehens einen Zacken in die zweite Dimension! Ich könnte jetzt die alte Momentskala wieder bemühen und darüber grübeln, ob die Einheit herausragender Sekundenbruchteil länger oder gar kürzer (lassen wir mal die Höhe bzw. Tiefe) ist als der stinknormale Bruchteil einer Sekunde – aber da ich doch zu keinem brauchbaren Ergebnis gelangen werde, nehme ich davon Abstand. zurück
Wie versprochen: Nix sag ich dazu! zurück
Wie kann das sein, dass ein Spalt breit Empfindung eindringt, schließlich ist doch die ganze Existenz narkotisiert? Lässt die Narkose nach wie jeder x-beliebige Rausch von der Stange? Erneut bestätigt sich: Narkose ist bloß ein (überflüssiges) Synonym für Droge! zurück
Ich fände es weit einleuchtender, wenn die Gedanken nicht nur vor sich hin wirken, sondern das Ich vom Ich betäuben, das wegen eines unmöglichen Spaltes in der angeblich perfekt narkotisierten Existenz zum Vorschein kommt. zurück
Ich sag nix! zurück
Ab jetzt sage ich überhaupt nichts mehr!!! zurück
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