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»Metamorphosen« - vom Internet zum Buch

Im Frühjahr 2005 erschien bei Bastei-Lübbe Emma Marlowes erstes Buch »Lippenspiele«. Das Besondere daran: alles begann mit einer im Literatur-Café veröffentlichten Geschichte. Hier berichtet Emma Marlowe von ihrem Erfolg.

Das Buch: Lippenspiele von Emma Marlowe

Emma Marlowe: Lippenspiele: Erotische Geschichten (Erotik. Bastei Lübbe Taschenbücher). Taschenbuch. 2005. Lübbe. ISBN/EAN: 9783404153220 » Bestellen bei amazon.de Anzeige

»Habe ich durch eine Veröffentlichung im Literatur-Café auch Chancen, von einem richtigen Verlag entdeckt zu werden?« Diese Frage wird der Redaktion des Cafés regelmäßig von Autoren und Pressevertretern gestellt.
     Um keine falschen Erwartungen und Hoffnungen zu schüren, antworteten wir bislang immer, dass diese Chancen sehr, sehr gering sind. Auf den Tischen der Verlagslektoren stapeln sich unverlangt eingesandte Manuskripte. Warum sollten sich die Verlage also die Arbeit machen, auch noch das Internet nach neuen Talenten abzusuchen? Viele Texte im Internet haben ihren Reiz und finden dort auch Leser, aber die Veröffentlichung in gedruckter Form verlangt, dass Leute hierfür auch Geld ausgeben, denn schließlich sollte sich ein Buch wirtschaftlich tragen.
     Aber es gibt Ausnahmen. Und wer hier zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle ist, der oder die kann Glück haben. Denn auch namhafte und bekannte Verlage oder von ihnen beauftragte Agenturen durchforsten sehr wohl das Internet nach möglichen Geschichten für Buchprojekte. Allerdings geschieht dies nicht beliebig und wahllos. Jener wirtschaftliche Aspekt, der einen Text interessant macht, orientiert sich natürlich auch in der Buchbranche am Bedarf. Lyriker beispielsweise gibt es zuhauf, allerdings wenig Leser - also kaum Bedarf.
     Anders sieht es aber derzeit auf dem Gebiet der erotischen Literatur aus. Hier existiert sehr wohl Bedarf von Seiten der Leserinnen und Leser nach hochwertigen erotischen Geschichten, die mittlerweile fast jeder größere Publikumsverlag im Programm hat.
     Auf der anderen Seite ist dies jedoch ein Gebiet, in dem gute Autorinnen und Autoren nicht sehr zahlreich anzutreffen sind. Und da somit die Nachfrage größer ist als das Angebot, müssen sich plötzlich auch die großen und bekannten Verlage auf die Suche nach Autoren machen. Und natürlich bietet sich hierfür das Internet an.
     In den letzen Monaten gingen bei einigen Autorinnen und Autoren, deren Kurzgeschichten das Literatur-Café im eigenständigen Angebot www.erotische-literatur.de veröffentlicht hat, Anfragen von großen und bekannten Verlagen ein. Ja selbst der Mitteldeutsche Rundfunk vertonte bereits einige Texte unseres Angebots für den Kulturkanal MDR Figaro.
     Im Frühjahr 2005 veröffentlichte der Heyne Verlag eine Anthologie mit erotischen Geschichten. Auf einige der Autorinnen wurde der Verlag auch über Veröffentlichungen auf www.erotische-literatur.de aufmerksam.
     Den bislang größten Erfolg kann sicherlich Emma Marlowe verzeichnen, deren Text »Metamorphosen« seit geraumer Zeit in unserem erotischen Separee zu finden ist. Bei Bastei Lübbe erschien nun ein ganzes Buch mit Erzählungen ausschließlich von Emma Marlowe. Natürlich ist es ein Taschenbuch, aber es ist dennoch der erste wichtige Schritt in die (gedruckte) literarische Welt! Wir freuen uns, dass Emma Marlow für uns aufgeschrieben hat, wie ihr Weg vom Internet zum Buch verlief.

Ein neues Terrain für viel Fantasie - Mein Weg zum eigenen Buch

Von Emma Marlowe

Vorsicht Verlag!
Nicht jede Verlagsanfrage ist seriös, und nicht jeder Verlag bringt Sie als Autorin oder Autor wirklich weiter. Ein paar Ratschläge der Literatur-Café-Redaktion:

Offene Karten: Seriöse Verlage oder Agenturen, die für diese arbeiten, geben sich zu erkennen und nennen den Verlagsnamen. Sie sollten grundsätzlich misstrauisch sein, wenn zwar Versprechungen gemacht werden, aber z.B. die Agentur nicht die Verlage nennt, für die sie tätig ist.

Keine Blendung: Sollten Sie den Verlagsnamen nicht kennen, so dürfen Sie sich nicht durch große und bekannte Namen im Verlagstitel blenden lassen. Sofern es nicht allgemein bekannte und im Buchhandel vertretene Verlage wie Heyne oder Lübbe sind, recherchieren Sie am besten im Verzeichnis der Buchgroßhändlers KNV buchkatalog.de (Erweiterte Suche). Ist der Verlag dort verzeichnet? Mit welchen Titeln? Was dort nicht zu finden ist, hat auf dem Buchmarkt wenig Relevanz. Dann kann Ihr Text ebenso gut im Internet stehen bleiben, wo er wahrscheinlich mehr Leser hat. Recherchen bei Amazon oder Libri sind weniger aussagekräftig, da dort auch von Autoren finanzierte books on demand-Titel verzeichnet sind. Oft hilft auch einfach eine Anfrage beim Buchhändler Ihres Vertrauens.

Kein Geld vom Autor: Unsere klare Empfehlung lautet: Was immer passiert und wie glaubhaft es begründet ist, als Autor sollten Sie nie Geld an einen Verlag zahlen! Sie sollten entweder ein festes Honorar (bei Anfängern üblich) oder einen Anteil pro verkauftem Exemplar bekommen, aber niemals selbst Geld zuzahlen oder vorschießen. Auch dann nicht, wenn Sie im Gegenzug einige Belegexemplare bekommen oder man Ihnen erzählt, dass selbst Goethe für Veröffentlichungen gezahlt habe. Wenn Sie als Autor ihr Buch selbst finanzieren wollen, dann sollten Sie zu einer Druckerei oder einem books on demand-Dienstleister wie BoD gehen. Agenturen erhalten in der Regel eine Provision pro Verlagsvermittlung. Aber nur im Erfolgsfall. Zahlen Sie kein Geld, wenn Ihnen z. B. durch eine Überarbeitung größere Vermittlungschancen in Aussicht gestellt werden (siehe auch hier).

Kleine Lichter: Häufig suchen auch Einzelpersonen, Kleinverlage oder Autorengruppen nach Texten für Anthologien, die dann in der Regel bei BoD veröffentlicht werden. Sofern es Sie nichts kostet, können Sie denen natürlich Ihren Text zur Verfügung stellen, aber Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass eine solche Veröffentlichung für Ihre Schriftstellerkarriere meist wertlos ist. Sofern Sie also nicht Freunden und Bekannten imponieren wollen, sollten Sie genau überlegen, ob sie dort veröffentlichen. Stellen Sie auf jeden Fall sicher, dass Sie solchen Projekten nie die ausschließlichen Verwertungsrechte Ihrer Texte überlassen!

Geduld: Ist ein Verlag an Ihren Texten interessiert, so bedeutet dies nicht, dass ein Vierteljahr später schon das Buch auf dem Markt ist. Nicht selten vergeht ein Jahr oder mehr, bis Sie »Ihr« Buch in den Händen halten.

»Wie bist du ausgerechnet zur erotischen Literatur gekommen?«, ist die erste Frage, wenn ich über meine Tätigkeit als Autorin spreche, und die Antwort auf diese Frage erklärt gleichzeitig meinen Weg in die Belletristik überhaupt.
     Okay, ein bisschen Grundlage war vorhanden – ein Volontariat immerhin und der Luftzug eines Literaturstudiums war noch ab und zu spürbar. Als ich mich vor vier Jahren als freie Texterin auf eigene Füße stellte, ließ sich die Sache anfangs ganz gut an. Schnell etablierte ich mich in einer Werbeagentur, die mir das Texten eines Kundenmagazins völlig übertrug und damit auch die Themenwahl und die stilistische Gestaltung. Das Heft schlug ein, ich war happy und mein Lebensunterhalt schien gesichert.
     Dann kam die Wirtschaftskrise, die in einer Flutwelle alles mit sich riss, was nicht genügend Sicherheiten bot. Das Kundenmagazin war auch dabei, denn der Konzern, der es in Auftrag gegeben hatte, fror alle Werbemaßnahmen ein. Somit stand ich von heute auf morgen vor der Frage: Wie bezahle ich meine nächsten Mieten?
     In reiner Akquise-Absicht durchforstete ich das Internet, surfte durch alle Seiten, die auch nur im Entferntesten mit Texten zu tun hatten und stieß – siehe da – auf das Literatur-Café. Nur zu gern ließ ich mich damals zur Zerstreuung in die Rubrik »Erotische Literatur« entführen und schmökerte in den sehr unterschiedlichen Beiträgen. Erst dabei entdeckte ich, dass auch ich eine eigene Geschichte einschicken konnte und dachte: »Warum nicht?«
     Ein Urlaub in Irland hatte bleibende Eindrücke hinterlassen, die immer noch in meinem Kopf herumspukten und mich nicht losließen. Diese Bilder flocht ich ein in die romantische Story um eine junge Frau, die ihrem Berufsalltag nach Irland entflieht, um durch eine Begegnung einen Schritt auf sich selbst zuzugehen.
     Noch in derselben Nacht schickte ich »Metamorphosen« ans Literatur-Café und wenige Tage später erhielt ich von Wolfgang Tischer eine Mail, in der er mir mitteilte, dass die Story bereits online gegangen ist. Es war schön, meine Geschichte in diesem Rahmen zu sehen und eingebettet in meine Worte eine wunderschöne Grafik.
     Dann folgte per E-Mail ein positives Feedback nach dem anderen – ich war völlig überrascht und erkannte, dass solche Art Literatur (sofern sich meine Schreiberei als Literatur bezeichnen lässt) offenbar ein breites Publikum findet. Damit verselbstständigte sich eine anfängliche Spielerei und avancierte zu einer echten Idee. Ich schrieb drei solcher Geschichten, um sie in Form eines Kurzmanuskriptes an verschiedene Verlage zu schicken – immer noch ohne große Erwartung. Schließlich hatte ich schon die gruseligsten Geschichten über meterhohe Türme von Manuskripten auf Lektoren-Schreibtischen gehört und war nicht so vermessen zu glauben, dass tatsächlich einer dieser begehrten Menschen zu meiner Mappe greifen würde. Ich wollte einfach nur sicher sein, alles versucht zu haben.
     Dann, einige Wochen später – die Briefe waren schon vergessen und ich kostete gerade von den Spaghetti mit Tomate, Rucola und frischem Parmesan auf meinem Teller – klingelte das Telefon. Eine männliche Stimme am anderen Ende versicherte mir glaubhaft, Verlagsleiter des Lübbe-Verlags zu sein und machte mich augenblicklich mundtot. Diese Art der sekundenlangen Vollnarkose schien ihm nicht unbekannt zu sein, denn sein Lachen konnte mich wieder zurückholen in die Realität. Wir vereinbarten ein Treffen, bei dem zwei Wochen später die Vertragsbedingungen besprochen wurden.
     So richtig fassen konnte ich es immer noch nicht und musste mich nach diesem Gespräch auch monatelang in Geduld fassen – Monate, in denen ich weder vom Verlag noch vom Verlagsleiter etwas hörte und während derer ich mehrmals überlegte, ob ich einem Fake aufgesessen war. Ich war einfach mit den Gepflogenheiten eines Buchverlags nicht vertraut. Instinktiv schrieb ich einfach weiter und hielt mich an die Vereinbarungen. Plötzlich und ohne Vorwarnung kam der Vertrag, den ich augenblicklich unterschrieb. Mit einem guten Gefühl stellte ich mein Manuskript fertig, schickte es ein und die Dinge nahmen ihren Lauf.
     Inzwischen kamen auch andere Anfragen - »Metamorphosen« wurden im Rundfunk gelesen und eine meiner Storys ist in der Anthologie »Rubinrote Nächte« im Heyne-Verlag erschienen. Jetzt liegt mein erstes eigenes Buch mit dem Namen »Lippenspiele«, hübsch frivol an meinem Sofa, und es ist ein wunderbares Gefühl zu wissen, dass es seinen Platz in den Bücherregalen, den Köpfen und unter den Kopfkissen von Menschen finden wird, die gern träumen, ihre Fantasie auf Reisen schicken und sich in erotische Abenteuer entführen lassen. Ein Roman wird folgen und zurzeit schreibe ich an der zweiten Anthologie.
     Ach ja – natürlich folgt der ersten Frage, noch eine weitere – die obligatorische, die allen schreibenden Menschen bekannt sein dürfte: »Hat das, was du schreibst, autobiografischen Charakter?« In diesem Falle, nämlich der erotischen Literatur, stelle ich gern mal zwinkernd eine Gegenfrage: »Ist es wichtig für dich, das zu wissen?« Hört niemals auf zu schreiben und zu lesen, denn Schreiben ist die Brücke zwischen Realität und Traum, zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein und zwischen Denken und Reden. Aber vor allem ist es die Brücke von Mensch zu Mensch.

Meinen aufrichtigen Dank richte ich an Wolfgang Tischer, der mir mit seiner Begeisterung für meine Geschichte die Tür in die Literatur geöffnet hat. Seine Arbeit für das Literatur-Café hat längst die virtuellen Grenzen gesprengt, und sein Einsatz für die Förderung und Motivation neuer Autoren verdient höchstes Lob.
     Literatur allen zugänglich zu machen, die Interesse an Sprache und dem Spiel mit Worten haben, ist ein guter Ansatz, der langfristig unserem Land - auch ganz ohne den Anspruch des Intellektuellen - wieder ein wenig mehr Glanz verleihen kann.

Emma Marlowe
30.04.2005

Emma Marlowe: Lippenspiele: Erotische Geschichten (Erotik. Bastei Lübbe Taschenbücher). Taschenbuch. 2005. Lübbe. ISBN/EAN: 9783404153220 » Bestellen bei amazon.de Anzeige

Weiterführende Infos und Links zum Thema:

Im Internet: www.emma-marlowe.de - Die Website der Autorin. Hier gibt es weitere Geschichten online zu lesen.
Im Café: »…sehen wir gute Chancen für eine Veröffentlichung.« - Wie Zuschussverlage im Internet schnell neue Opfer finden
Im Cafe: »Literarisch erfolgreich durch kleine Schritte« - Tipps und Hinweise, wie Sie mit Literaturzeitschriften und -wettbewerben Ihren Ruf fördern können - oder auch nicht.


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