| Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: |  | Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Erinnerungen von Monja Meyer, 28844 Weyhe (Deutschland) Ein wahnsinniges Lächeln strahlt mir entgegen. Ein Lächeln, was mir seit Tagen entgegen fliegt. Dahinter diese beindruckende Frau, die mit ihrer Energie alle mitzureißen scheint. Mich hat sie in ihren Bann gezogen. Blonde Locken wie ein Engel und immer wieder dieses Lachen. Unsicher schaue ich mich um, obwohl ich tief in mir fühle, dass das Lächeln für mich bestimmt ist. Wie jeden Abend fliege ich die Treppe runter. Ein Jahr noch muss ich diese Qualen durchhalten. Dann kann ich endlich studieren. Studieren mit 24 Jahren. Nicht doch ein wenig spät? Meine Gedanken vermischen sich. Mir wird ganz warm, und meine Gedanken schweifen um den jungen Mann des neuen Jahrgangs. Selten habe ich so einen schönen Mann gesehen. Blond, einen kräftigen Körperbau und ein männliches Gesicht. Gestern hat er zum ersten mal auf mein Lächeln reagiert. Latein. Oh mein Gott. Es fällt mir schwer mich zu konzentrieren. Ihr Lachen hat sich fest in meine Erinnerungen eingebrannt. Warum spricht sie mich nicht an? Alles würde ich geben nur um sie kennen zu lernen. Irren ist menschlich. Hallo???...Erde an Romeo? Oh nein, jetzt habe ich meinen Einsatz verpasst. Errare humanum est. Lachend rennen wir die Treppen runter. Ich benehme mich wie ein verliebter Teenager. Vor seinem Auto bleiben wir stehen. Ein kleiner schwarzer Flitzer. Meine beiden Klassenkameraden, gestandene Männer um die 30, stehen Schmiere. Schnell habe ich das schöne schwarz-weiß Foto von mir an seiner Autoscheibe befestigt. Wird er mich anrufen? Findet er es vielleicht zu gewagt? Mein Kopf scheint sich mit 1000 Fragen zu beschäftigen und deshalb übersehe ich die dunkle Gestalt die oben im Flur steht und mich beobachtet.
Luft, ich brauchte Luft und ein paar Minuten Ruhe und einen klaren Kopf zu bekommen. Chemie raubte mir die Sinne. Oder war es diese geheimnisvolle Frau, die mich seit Wochen Tag und Nacht beschäftigte? Langsam ging ich den Flur entlang.. Meine Gedanken schweiften wieder ab. Unbewusst schaute ich in den Hof und suchte mein Auto. Mein Blick bliebt aber nicht an meinem Auto haften, sondern an IHR. Leider konnte ich von oben nichts genaueres erkennen. Ich nahm meinen Mut zusammen und lief die Treppen hinunter. Schon stand sie jedoch vor ihrem eigenen Auto. Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. An meinem Auto jedoch fand ich das Bild von IHR. Ein Bild was mein Leben verändern sollte. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Schlüsselerlebnis von AHORN, 75015 Bretten (Deutschland) Es war nicht einfach. Sie hatte noch nie im Leben einen Reifen gewechselt. Ihre helle Bluse war verschmiert, die Fingernägel waren ruiniert und es schien, als wollten sich diese bescheuerten Schrauben gar nicht lösen. Sie arbeitete keuchend und in fieberhafter Eile. Obwohl Arbeit nicht ihr Fall war; Arbeit bei der man keuchen und schwitzen mußte erst recht nicht. Trotzdem, sie mußte das mit den Reifen hinkriegen. Sie würde es dem Arsch zeigen. So war noch niemand mit ihr umgegangen. Dieser kleine miese Wichser sollte nicht derjenige sein der damit anfing. Ihr Herz hämmerte gegen Trommelfelle, Rippen und Hirnschale. Endlich hatte sie es geschafft. Sie schloß die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Es war ihr egal, daß sie mit den öligen Gabelschlüsseln die cremefarbenen Ledersitze von Vaters Daimler eingesaut hatte. Gelassen schlenderte sie die Straße hinab. In ihrem Rücken wurde die Musik aus der Kneipe immer leiser. Am unteren Ende der Straße schlüpfte sie in eine Hecke. Unter einem der größeren Büsche fand sie einen Platz von dem aus sie die Straße im Blick hatte. Irgendwann würde es soweit sein. Sie wollte sich keine Sekunde des Schauspiels entgehen lassen. Von hier aus würde sie alles sehen können, ohne gesehen zu werden. Gerade war sie dabei einzunicken, als die Musik für einen Moment lauter wurde. Sie spähte in die warme Nacht. Er kam aus dem Lokal, die kleine Schlampe im Arm. Sie kletterten in den schwarzen Mini, der Motor schnurrte und das Auto setzte sich in Bewegung. Langsam rollte der Wagen unter den Straßenlaternen entlang. Sie sah das Mausegesicht der Schlampe, die himmelte diesen blöden Arsch an, der mit einem Siegerlächeln dabei war sein Rostlaube zu Schrott zu fahren. Warum passierte nichts? Es hätte längst geschehen müssen? Aber der Mini setzte seinen Weg unbeirrt fort. Schon brannte ihr wieder die Wut im Bauch. Genau in diesem Moment flog das erste Rad davon, gleich drauf das zweite. Das Auto schlingerte, ein weiteres Rad löste sich. Sie hockte in ihrem Busch, erschrocken und zu keiner Bewegung fähig. Der Wagen überschlug sich und krachte gegen eine Mauer, dann auf den Busch und auf sie. Ihr letzter Blick fiel mitten in die panisch aufgerissenen Augen der mausgesichtigen Schlampe. Dann wurde zum letzten Mal das Licht gelöscht. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Der Prototyp von Ines Braun, 51067 Köln (Deutschland) Livs Verschwinden überraschte niemanden, denn wir wußten alle von der kleinen Erbschaft, die keinen von uns interessiert hätte. Aber für Liv waren die Aufzeichnungen ihrer Großmutter wertvoll. Endlich war sie an die Konstruktionspläne gekommen und kannte den genauen Standort des Prototypen, an dem die Großmutter ihr ganzes Leben gearbeitet hatte. Liv parkte ihr Auto, das den steilen Anstieg nur schwerfällig geschafft hatte, unter der Ulme. Sie stieg aus und betrachtete die Blockhütte und den angrenzenden Schuppen. Sie nickte kurz, als sie bemerkte, daß der Schuppen in einem tadellosen Zustand war. Dann ging sie ein paar Schritte durch wucherndes Gestrüpp, bis Brombeerranken ihr den Weg versperrten. Sie genoß den Blick auf die Rücken der Milane, die rotglänzend über dem Tal kreisten. Weit unten konnte sie ein gesprenkeltes Dorf erkennen, umklammert von buntscheckigen Feldern und einigen Straßen, die sich wie Adern durch die Landschaft wanden. Hier oben würde sie gut arbeiten können. Liv begann ihr Auto zu entladen. Sie hatte Verpflegung für zwei Wochen dabei. Länger würde das Instandsetzen nicht dauern. Als sie das Werkzeug, die Pläne und Ausbesserungsmaterial bereit gelegt hatte, warf sie den Autoschlüssel auf den Sitz, verriegelte die Tür von innen und warf sie zu. Ab jetzt lief die Zeit. Schnell räumte sie die Vorräte in die Hütte, sperrte die störrischen Fensterläden auf und bemerkte die speckige Fliegerkappe, die auf einem Nagel an der Wand hing. Für einen Augenblick meinte sie, sommerliches Gras zu riechen, sah die Kappe auf dem Kopf der Großmutter, die mit ausgebreiteten Armen auf sie zugelaufen kam, lachend in einem wilden Spiel. Laß uns mit deinen Spinnereien zufrieden! hatte Livs Mutter gesagt, konnte aber nicht verhindern, daß aus Omas Kleiner Pilotin später eine echte Pilotin wurde. Liv lächelte bei dem Gedanken.
Erst am nächsten Tag, als die Sträucher gerodet waren, konnte sie die Flügeltüren des Scuppens aufziehen und einen Blick ins Innere werfen. Funkelnd wie ein ein Adler aus Stahl stand der Prototyp da. Mit ein paar Schritten war sie beim Cockpit. Die Beschreibungen ihrer Großmutter waren genau. Sie konnte die kleine Maschine ohne Mühe starten, testete die Armaturen auf ihre Funktion, befüllte den Tank und registrierte, daß alle ihre Vorbereitungen unnötig gewesen waren. Das Wetter war perfekt. Sie würde sofort starten. Sie drückte sich die Fiegerkappe aufs Haar, rollte die LIV I aus dem Schuppen und auf die Steilwand zu. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Der Parkplatz-Werther von Andreas Bischoff, 38268 Lengede (Deutschland) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Ihre anfängliche Wut flaute bereits ab. Dann musste Ulrike lachen. Nein, dieser Herr Goethe war schon eine komische alte Type! Der meint doch glatt, es gäbe noch gar keine Autos. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers das Ende von Hoth, 4232 Hagenberg/M. (Österreich) »Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu.«
Völlig außer Atem erreichte er schließlich auch das Auto. Er packte den Türgriff und rüttelte daran. Sie saß vor dem Auto in der Wiese und starrte in ein Loch. Ihm lief der Schweiß von der Stirn und er schien jeden Augenblick zu explodieren. Er war der Jahreszeit angepasst sehr warm angezogen. Eine dicke Daunenjacke und darunter einen schwarzen Rollkragenpullover aus Wolle. Als er endlich begriff, dass es sinnlos war weiter zu versuchen ins Wageninnere zu gelangen wandte er seinen Blick zu ihr auf den Boden. Ihre Augen sahen noch immer ins Leere. Er begann in der näheren Umgebung des Wagens nach einem Stein zu suchen und wurde auch rasch fündig. Er packte ihn in seine Faust und schlug das Seitenfenster ein, löste die Verriegelung der Fahrertüre und öffnete dann schnell den Wagen. Er griff die Schlüssel startete den Wagen und schob verkehrt von der Wiese weg in Richtung Strasse. Innerhalb weniger Augenblicke war er verschwunden. Es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass sich die beiden sahen. Als sie sich nach etwa einer Stunde wieder gefangen hatte, versuchte sie ihre momentane Situation noch einmal ganz nüchtern zu betrachten und stellte fest, dass es ganz gut gelaufen war. Sie stand auf und machte sich auf den Weg nach hause. Ahnen konnte sie nicht, dass er endlich völlig aus ihrem Leben verschwunden war. Nun da diese Ereignisse schon mehr als 20 Jahre her sind kann sie nicht mehr als über ihn zu lachen. Zumal sie seit einigen Tagen weiss, dass er nicht mehr am Leben ist. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |