Satzfischer - Das literarische Kreativprojekt des Literatur-Cafés in Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag - Sommerrunde
Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: Cover: Der Traum meiner Mutter

Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu.

U N B E W U ß T E S
von Rosemarie Falkenhagen, 15232 Frankfurt / Oder (Deutschland)

Das war endgültig!
Die bittre Wahrheit hielt ich fest,
klammernd, voller Haß!
Fand ein kaltes Liebesnest,
rannte, wurde blaß!

Ich war kopflos,
ließ mich lenken,
machte mich davon!
Konnte nicht vernünftig denken,
niemand nahm Pardon!

Es war verrückt,
doch ganz egal
und ich spürte nichts!
Trat und trat nur aufs Pedal,
meines angesichts!

Sah mein Leben,
ganz verschwommen,
hinter Glas verzerrt!
Gefühle,
die man mir genommen,
sind jetzt eingesperrt!

Da hilft kein Bremsen,
keine Träne,
gebe Gas und Gas!
Seh meine schönsten
P H Ä N O M E N E
und das wars!

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Vorbei
von Christine Gradl, 92242 Hirschau (Deutschland)

Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Ihre Gedanken wirbelten durcheinander wie buntes Herbstlaub. Sollte er doch gehen, soweit ihn die Füße tragen würden. Bitterkeit stieg in ihr auf. Die besten Jahre hatte sie gegeben, für ihn. Und jetz. Ein Leben in der Gosse, das jetzt wohl auf sie wartete. Mit zwanzig war die unbeschwerte Jugend vorbei gewesen. Die große Liebe meinte sie damals. Bei diesem Gedanken würgte es sie in der Magengegend. Das Kind war ausschlaggebend gewesen für die schnelle Eheschließung, zumindest für ihn, wie er ihr beim Abschied als Argument entgegenschleuderte. Plötzlich sah sie klar. Der Alptraum war vorüber. Das tägliche Warten auf ihn am Abend. Das Kind hatte sie meist längst zu Bett gebracht. Oft saß sie alleine vor dem liebevoll gestalteten Abendbrottisch. Wenn er spät nachts endlich nachhause kam, übersah er solche Kleinigkeiten einfach. Sie sollte eben nur funktionieren, Waschfrau, Putzfrau und Kinderfrau in einem, dazu allzeit bereit und eine gute Köchin. Eigentlich hatte sie sich damit abgefunden. Aber heute. Er kam er pünktlich zum Abendessen. Blumen hatte er auch dabei – zum Abschied. Er wolle sein Leben neu ordnen. Es gäbe eine junge Frau, die ein Kind erwartet. Für dieses Kind wolle er in Zukunft leben. Irgendwie kam ihr das bekannt vor. Gott sei Dank übernachtete ihr gemeinsames Kind bei Oma und Opa. Sie musste raus. Das Auto kam ihr wie eine Rettungsboot vor. Erstmal tief durchatmen, dann starten – in ein neues Leben.

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Unverhofft
von Cosima, 76199 Karlsruhe (Deutschland)

Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Sollte er doch sehen wie er mit dem Auto davonkäme! In diesem Moment war ihr alles egal, obwohl Sie ja eigentlich und un-eigentlich wusste, dass es unreif, albern und lächerlich war. Ihr Herz klopfte laut und schnell. Sicher würde er gleich um die Ecke kommen, schnellen Schrittes auf sie zugehen, schon mit einer Vorahnung. Schließlich würde er fassungslos auf den Sitz starren und seine Autoschlüssel, die so nah und doch so weit auf dem karierten Bezug in der Sonne blitzten, wehmütig betrachten.

10, 20 Sekunden vergingen....... Was machte sie hier bloß? Wo ist nur ihre Gelassenheit geblieben, die sie früher einmal besaß. Früher – wann war eigentlich früher? Sie lehnte sich an den Wagen, atmete tief durch, schloss die Augen und streckte den Kopf gen Himmel. Sie spürte die warme Sonne auf ihrem Gesicht und fing an zu lächeln!

Soll er doch hinfahren wohin er möchte. Mit ihr hatte das nichts mehr zu tun. Der feste Entschluss, der hinter ihren Gedanken stand, gefiel ihr. Auf einmal war alles ganz einfach. Nichts hatte sie verlernt! Ihre Power und mit dieser sinnvoll umzugehen war wieder da, einfach so!

Sie öffnete die Augen, wand den Kopf nach unten und betrachtete auf einmal ihre Füße.
Sie mochte ihre Füße und lächelte schon wieder. Am Besten gefiel ihr an ihnen, dass die große Fußzehn am längsten sind und von keinem anderen Zeh überragt wurden. Sie hatte mal irgendwo gelesen, dass dies ein Zeichen wäre dafür, nicht aus dem Rhythmus kommen zu können. Bezeichnend, dachte sie, dass ihr das jetzt auf einmal einfällt!

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Einen trifft es immer
von Anouschka, 63150 Heusenstamm (Deutschland)

Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Das sollte der Mistkerl ihr büßen. Was hatte er sich nur dabei gedacht, sie mit ihrer besten Freundin Sonja zu betrügen. Aber er wird schon sehen, was er davon hat oder vielmehr was er gleich nicht mehr hat. Seinem schönen neuen Porsche wird es gleich ganz warm werden. Sie nimmt den Benzinkanister und gießt fein säuberlich das ganze Benzin über das Auto. Ganz langsam, um es so lange wie möglich zu genießen. Sie geht ein paar Schritte zurück, zündet sich genüßlich eine Zigarette an, nimmt einen kräftigen Zug und schnipst die Zigarette auf das Auto. In Nu steht das Auto lichterloh in Flammen. Wie in Trance betrachtet sie sich das brennende Auto. Sie kann ihren Blick gar nicht mehr von dem Feuer abwenden. Zu spät erst bemerkt sie, dass das Feuer auf das Haus übergesprungen ist. So war das natürlich nicht geplant. In dem Haus befinden sich auch immer noch ihre Sachen und nicht zu vergessen, auch ihr Noch-Ehemann ist noch im Haus. Da es noch früh morgens ist und sein Schlafzimmer auf der anderen Seite vom Haus liegt, hat er noch nichts von dem Feuer mitbekommen. Es gibt auch keine Nachbarn in der Nähe, die etwas hätten bemerken können, dazu liegt das große Haus zu abgelegen. Ohne nachzudenken rennt sie zum Haus. Bei allem Haß auf ihren Mann, umbringen will sie ihn nicht. Sie reißt die Tür auf und schreit seinen Namen, doch es kommt keine Reaktion. Verdammt, er muß doch was gehört haben. Endlich in seinem Schlafzimmer angekommen findet sie aber das Bett leer vor. Wo ist er nur. Plötzlich wird die Tür hinter ihr zugeschlagen und verriegelt. Irritiert dreht sie sich um, geht zur Tür und hämmert dagegen. Was soll das, las mich raus! Ihr Mann antwortet mit einer verächtlichen Stimme: Du hast gedacht du könntest dich an mir rächen indem du mein Auto zerstörst. Da hast du dich leider geirrt! Das Auto bezahlt die Versicherung, genauso wie das Haus und du, na ja du hast von dem Brand nichts mitbekommen und ich konnte dich leider nicht mehr retten. Sonja und ich werden ein neues Leben in Spanien anfangen und du kannst uns nicht mehr davon abhalten. Ehrlich, es tut mir leid, dass du dafür sterben mußt, aber einen trifft es immer.

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Die Abrechnung
von EMAYA, 51429 Bergisch Gladbach (Deutschland)

SIE schloss die Tür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu.Sie blickte ihre ehemalige beste Freundin noch mal an,die tot über dem Steuer saß.Blut floss in dicken strömen von ihrer Stirn herunter.SIE spuckte und sprach: "Das hast du verdient du miese Schlampe!Hast ihn mir ausspannen wollen!" SIE schüttete das Benzin über das Auto der Freundin zündete eine Zigarette an rauchte sie und warf sie gegen das Auto. SIE drehte sich um,stieg langsam in ihr Auto und fuhr vom Feld runter.Das Auto fing langsam flammen und das ganze feld war plötzlich hell erleuchtet.SIE fuhr zu ihrem Freund und schlief mit ihm. Am nächsten Morgen verließ SIE seine Wohnung und ließ ihn mit zerschnittener Kehle zurück. Das Bett war Blut getränkt und seine Augen vor Schreck weit aufgerissen.Wenigstens hatte SIE so zugestoßen, dass es kurz und schmerzlos war.Jetzt hatte SIE mit allen abgerechnet,ihren Eltern,dem Chef,ihrem Freund und ihrer ehemaligen Freundin,aber eine Person fehlte noch.SIE fuhr in den Wald, mit einem dicken Seil auf dem Rücksitz. In einem einsamen Waldstück auf einer Lichtung erhängte SIE sich.SIE, die die meisten Fehler begannen hatte.Bevor SIE mit dem Seil um den hals gebunden und an einem dicken Ast befestigt von ihrem Autodach sprang murmelte SIE:"Stirb Bitch, Stirb! Amen!" Und mit einem ruck brach ihr Genick. Nun hatte SIE abgerechnet, mit der Welt und sich.

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