| Hier lesen Sie die besten Beiträge der ersten Runde (Nov '01 - Jan '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Gao Xingjian eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Fünfundzwanzig Jahre«. Sie findet sich im Fischer Taschenbuch 15183 mit dem Titel »Auf dem Meer«. Aus dem Chinesischen von Natascha Vittinghoff. ISBN 3-596-15183-X. 8,90 EUR: |  | »Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich einmal wiedersehen würde« atmete er auf und setzte sich. Die Flucht von Hagen Doernberg, 16341 Zepernick Der Zug hatte fünfzehn Minuten Aufenthalt. Als Hermann über den Bahnsteig huschte, fröstelte es ihn in der kalten Winterluft. Er hätte sich eine Jacke überziehen sollen. Am Kiosk standen vier Leute vor ihm. Das müsste zu schaffen sein, dachte er bei sich. Trotzdem trommelte er nervös mit der Hand auf dem Glas der Vitrine, was ihm einen zurechtweisenden Blick der Verkäuferin einhandelte. Als er an der Reihe war, hatte er noch sechs Minuten. Hastig raffte er Restgeld und Kaffe zusammen und stürmte zurück auf den Bahnsteig. Noch drei Minuten bis zur Weiterfahrt des Zuges - komfortabel. Da passierte es. Als Hermanns Blick von der Uhr zurück in die Richtung seines Dahinhastens schwenkte, wurde ihm die Sicht durch etwas Voluminöses genommen. Er konnte nicht mehr ausweichen und prallte gegen eine weiche Wand, die gleich darauf zu schreien begann: „Können Sie nicht aufpassen, Sie Dussel, Sie!“ Er sprang erschrocken zurück. Sein Gegenüber war ein rotgesichtiger Dicker, dessen heller Wintermantel in der Magengegend von einem riesigen braunen Fleck geziert wurde. Hermann schaute betroffen auf die leeren Becher in seiner Hand und stammelte Worte der Entschuldigung, die aber in der zum Einsteigen aufrufenden Lautsprecherstimme untergingen. Es war sonst nicht seine Art, vor unangenehmen Dingen zu fliehen, aber hier und jetzt blieb ihm nichts anderes übrig. Der Dicke schwang seinen Regenschirm und schrie ihm wütende Ausdrücke hinterher, die hier nicht widergegeben werden können. Hermann erreichte den Zug in dem Moment, da der Schaffner seine Backen schon zum Abfahrtspfiff aufgeblasen hatte. Das war sein Glück, denn der Dicke war ihm auf den Fersen. „Ich hatte schon nicht mehr geglaubt, dich jemals wiederzusehen.“, atmete er auf und setzte sich. Seine Frau hob angewidert den Blick von ihrer Lektüre und schaute ihn mit hochgezogenen Brauen mitleidig an. Für mehr hielt sie ihren Mann nicht würdig. Plötzlich fragte er sich, wieso er eben alles daran gesetzt hatte, den Zug zu erreichen. War der Zusammenstoß nicht gar ein Wink des Schicksals gewesen? Die Idee brauchte nur bis zur nächsten Station zum Reifen. Als der Zug seine Fahrt verminderte, nahm er seine Jacke und verließ das Abteil, ohne dass sein Frau die geringste Notiz davon zu nehmen schien. Beschwingt sprang er von der letzten Stufe und schlenderte über den Bahnsteig. Er hatte den Fahrplan studiert und wusste, dass der Zug hier nur eine Minute halten würde. Aber das spielte überhaupt keine Rolle mehr... Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Verabredung mit Hofmann von Stefan Mangold, 60385 Frankfurt „Ich hätte nicht gedacht, daß ich dich einmal wiedersehen würde,“ atmete er auf und setzte sich. Eigentlich hätte es an mir gelegen, den Erleichterten zu spielen. Denn schließlich hieß es vor ein par Tagen „Hofmann liegt auf Eis.“ Unser gemeinsamer Freund Kurt sprach desgleichen mit der ihm typischen lockeren Zunge. Stimmte ja auch, Hofmann hatte auf Eis gelegen. Mit einer Flasche Cognac und einer Packung Valium ging er in der Nacht von Montag auf Dienstag in eine Waldschlucht Nähe Bensheim an der Bergstraße, trank die Flasche aus und aß die Packung leer. Kurt meinte, in seiner Eigenschaft als Arzt, unter anderen Umständen hätte Hofmann drei Tage geschlafen und sich nach Erwachen einen kalten Lappen auf die Stirne gelegt. Doch die Umstände waren nicht so. Die Temperatur jener Nacht lag 15 Grad unter Null. Hofmann schien die Einnahme der Mixtur gereut zu haben. Denn er hatte versucht, die Schlucht zu verlassen. Ein paar Meter gelang ihm das auch. Anschließend mußte er gefallen sein. Denn die Spuren deuteten hin, daß Hofmann zurück in den zugefrorenen Bach gepurzelt war. Da schlief er ein, auf Eis, und als ein Förster ihn den Tag darauf fand, war Hofmann selbst zu Eis geworden. Tod durch Unterkühlung, wie damals bei Uwe Barschel in der Wanne von Genf. Aber Hofmann und ich, wir hatten eine Verabredung. Sonntag elf Uhr Cafè Kante. Er wußte, wie unangenehm mir solche Zeiten sind. Selten stehe ich vor zwölf auf. Aber Hofmann meinte, er sei nur kurz in Frankfurt und könne nur dann. Als Hofmanns Freundin mich anrief und vom Geschehenen erzählte, dachte ich, am Sonntag doch ausschlafen zu können. Später überlegte ich. Hofmann war tot, doch abgesagt hatte er nicht. Ich gelte als zuverlässiger Zeitgenosse, ein Ruf, an dem mir liegt. Um zehn vor elf saß ich heute im Cafè Kante. Mir war übel vom Henningerpils und vierzig Zigaretten der vergangenen Nacht. Hoffnung, daß Hofmann käme, hatte ich kaum. Um elf war er nicht da. Er wußte, wie ich Unpünktlichkeit hasse, dennoch war er immer zu spät gekommen. Eine viertel Stunde später dachte ich an noch eine Zigarette und dann nach Hause zurück ins Bett. Aber die Türe ging auf, Hofmann kam rein und begrüßte mich wie anfangs erwähnt. Wie immer tadelte ich seine Unpünktlichkeit. Dann sprachen wir über dies und jenes und ich fragte, was er demnächst vorhabe. Hofmann schaute zu Boden. Ob ich von seinem Tod nicht wisse. Er schien peinlich berührt. Ich wechselte das Thema. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers erinnerung von Schröder Sonja, 49809 Lingen deb aide wortsalat ebd eaid buchstbenlabyrinth bed deai gedankenstau bed idea süße klarheit dab aide verzückung abd eaide rausch bad idea erkenntnis Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Der Abschied von Werner Hardam, 38667 Bad Harzburg Es hatte geklingelt. Der Alte schlurfte zur Tür. Er öffnete - und erschrak. "Robert!?" Vor ihm stand sein Sohn. Derselbe Sohn, der vor drei Jahren die Tür hinter sich zugeschlagen hatte, weil er es bei ihm, dem Vater, nicht hätte 'aushalten' können! Robert, kein Zweifel! Älter sah er aus, älter als es Zeit seit seinem Weggang hätte vermuten lassen. Vielleicht war dieser Eindruck aber dem trüben Licht im Hausflur zuzuschreiben. Der Vater schluckte, wusste nicht, was er sagen sollte. "Komm rein", stammelte er schließlich und drehte sich um. Robert sollte nicht sehen, wie ihm Tränen in die Augen stiegen. Er humpelte den Weg zur Stube zurück. Er hörte, dass Robert die Wohnungstür schloss und ihm folgte. - Robert zurück! Jetzt musste alles gut werden. Er zog sich einen Stuhl heran und wandte sich Robert zu. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich einmal wiedersehen würde", atmete er auf und setzte sich. Robert sagte nichts. Er stand im Zimmer, sah sich um. "Schau dich nur um!", rief der Vater. "Es ist alles so geblieben, wie du es gewohnt bist. Ich habe nichts verändert." Da Robert nicht antwortete, fuhr er fort: "Immer habe ich mir vorgestellt, dass du eines Tages zurückkommst. Dass du vor der Tür stehen würdest - so wie heute. Robert, du gehörst hierher! Du weißt es..." Er machte eine Pause. "Mit unserem Leben wird es wieder schön werden!" Mit leiserer Stimme fügte er hinzu: "Vielleicht wieder so schön wie damals, als du klein warst und Mutter noch lebte." Er musterte Robert genauer. Robert sah schlecht aus! Der erste Eindruck an der Tür hatte nicht getrogen. "Dir ist es in letzter Zeit nicht gut gegangen?" Robert wich seinem Blick aus. Er nickte. "Sehr schlimm?" Wieder dies Nicken. Der Vater seufzte. Dann sagte er in fröhlich forschem Ton, so als müsste er sich und Robert Mut machen: "Wir werden es, was immer es auch sei, in Ordnung bringen! Du kannst dich drauf verlassen." Robert wollte nicht reden. "Was meinst du, was mich am Leben hält?", fuhr der Vater fort. "Mein Wohlbefinden? Die Wohnung? Die Erinnerungen? - Nein, nichts davon lohnt noch. Du bist es! An dir habe ich einiges gut zu machen. Jetzt ist die Zeit gekommen." Da sah Robert dem Vater in die Augen. Er nahm die Hände des alten Mannes in die seinen. "Vater", sagte er leise. "Hör mir zu: nichts wird mehr gut werden! Es ist zu spät!" Und als der Vater ihn stumm mit aufgerissenen Augen anstarrte, fügte er hinzu: "Ich bin gekommen, um mich von dir zu verabschieden." Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Der Glaube in die Sterne von Heinrich Leschber, 25336 Elmshorn „Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich einmal wieder sehen würde“, atmete er auf und setzte sich. Er hätte gerne etwas von dem Whiskey getrunken, den sie auf den kleinen Tablett stehen hatte. Aber sie stand still in der Mitte des Zimmers und betrachtete ihn. „Einiges hat sich hier verändert“, sagte er und sah sich die Einrichtungsgegenstände an, die sich im Licht des Mondes spiegelten. Der Schreibtisch, an dem ihr Mann Liebesbriefe für sie schrieb, war nicht mehr da. Jedenfalls dachte er, dass es welche waren. Die Bilder an den Wänden suchte sie aus. Sie hatte schon immer einen besseren Sinn für Kunst bewiesen. Jetzt waren die Wände bleich und nur die Abdrücke in der Wand zeugten von der Vergangenheit. Alle diese Dinge und noch einige andere rührten in seinem Gewissen herum und er fragte sich, ob er damals richtig gehandelt habe oder war es eine andere Macht gewesen? Er wusste nicht, warum er sich in den Zug gesetzt hatte und wieder zurückgekommen war. Es waren seine Sehnsüchte, die ihn wieder zurück in seine Erinnerungen trieben. Wie sollte er sich dagegen wehren? Als er auf dem Zielbahnhof, einem zugigen und ungemütlichen Flecken, angekommen war und auf sein Taxi wartete, betrachtete er den Nachthimmel. Es war eine sternenklare Nacht. „Wie ist es Dir in letzter Zeit ergangen?“ fragt er. „Ich denke Du weißt wie.“, erwiderte sie und ihre Stimme zitterte bei der Antwort. Er senkte seinen Blick zu Boden und betrachtete seine Schuhe. Stille durchschnitt die Luft. Seine Augen wanderten durch die große Wohnzimmerscheibe nach draußen in den schwarzen Himmel. Es sah so aus, als ob die Sterne sich wie eine schützende Mauer um den Mond stellten. „Betrachtest Du auch wieder die Sterne am Himmel?“ fragte er. Sie ging auf ihn zu und sah ihn an. Seine leidenschaftliche Stimme und seine vertrauten Augen haben ihr damals schon gefallen. „ Die Antwort müsstest du dir selber geben können“, sagte sie und verließ das Zimmer. In keiner Zeit seines Lebens war er so einsam gewesen wie jetzt. Nicht mal in der Zeit, als er im Gefängnis war, wo er keine Reue für seine Tat empfunden hatte, als er ihren Mann erschlug, der ihre Seele rauben wollte. Damals war es auch eine sternenklare Nacht gewesen und er war zurückgekommen um ihr den Glauben in die Sterne wiederzugeben. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |