| Hier lesen Sie die besten Beiträge der ersten Runde (Nov '01 - Jan '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Gao Xingjian eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Fünfundzwanzig Jahre«. Sie findet sich im Fischer Taschenbuch 15183 mit dem Titel »Auf dem Meer«. Aus dem Chinesischen von Natascha Vittinghoff. ISBN 3-596-15183-X. 8,90 EUR: |  | »Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich einmal wiedersehen würde« atmete er auf und setzte sich. Wiedersehen von Monika Blesius, 54338 Schweich Im Stadtcafé schreibt er ein Gedicht. Er erinnert sich an ihr Gesicht. Er Denkt an vergangenen Jahren, wie sie immer zusammen waren. Ihr Kuss, ihr Lächeln, ihre Stimme, das würde eine lange Liste. Oh,wie schön wäre, wäre sie hier! Schaut er zur Tür, und was er da sieht, lässt höher schlagen seinen Herzen. Denn seine Sehnsucht in den Versen Hat jetzt ein Ende, er atmet auf. Sie begrüßen sich fröhlich, laut. Er zeigt sein Gedicht, wohl verlegen: Welch` ein Glück dieses Wiedersehen. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Was für den einen Liebe ist ... von Marianne Grudde, 60320 Frankfurt am Main "Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich einmal wiedersehen würde" atmete er auf und setzte sich. Sein Herz begann wie rasend zu klopfen. Wie hatte René auf diesen Augenblick gehofft, ihn mit allen Sinnen herbeigesehnt. Nun saß Carla ihm gegenüber, als wäre sie nie weg gewesen. Die hellen Augen in ihrem schmalen Gesicht blickten ein wenig spöttisch, doch um ihre Lippen spielte ein sanftes Lächeln. Während er ihre Hände ergriff und dabei nach weiteren Worten suchte, glitten die Bilder jener Tage durch seine Erinnerung. Sie hatten im letzten Spätsommer zwei unvergessliche Wochen miteinander verbracht. Sie waren das Traumpaar des kleinen Ferienortes gewesen, die dunkelhaarige zierliche Carla und der große blonde René. Die alten Fischer unten am Hafen hatten ihnen ihre guten Wünsche zugerufen und in den kleinen Kneipen am Strand auf ihr Wohl getrunken. Endlos waren die Spaziergänge, bei denen sie über ihren Gesprächen und den innigen Umarmungen die Zeit vergaßen. Bis über beide Ohren war er in Carla verliebt gewesen und hatte nur noch von einer gemeinsamen Zukunft mit ihr geträumt. "Er ist sich treu geblieben" dachte sie und entzog ihm ihre Hände, um nach der Zigarettenschachtel zu greifen. "Immer noch derselbe offene Blick voller Aufrichtigkeit und Liebe." Rasch zückte er das Feuerzeug und ließ die Flamme aufblitzen. "Warum bist du gegangen, ohne ein Wort, ohne eine Nachricht zu hinterlassen" brach es aus ihm heraus. "Nun bin ich doch da" lachte sie ein wenig verkrampft und fuhr fort "du hattest mich also vermisst und nicht damit gerechnet mir jemals wieder zu begegnen". Sie zögerte einen Augenblick und griff dann in ihre Handtasche. "War es das, was dir ein Wiedersehen so wichtig machte" fragte sie, um Kühle in ihrer Stimme bemüht und schob ein edel verarbeitetes goldenes Armband über den Tisch. Die Farbe wich aus seinem Gesicht, als er stammelte "aber ich glaubte ganz sicher, dass ich es verloren hätte. Woher hast du mein Armband?" Sie betrachtete ihre schlanken Hände mit den langen, gelenkigen Fingern. "Mein Gewissen hat mich dazu gebracht, es dem Besitzer zurückzugeben" sagte sie leise und streichelte kurz seine Wange. "Ich konnte nicht damit leben, dass ich ausgerechnet dich genau so bestohlen habe, wie all die anderen." Als René wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, war der Platz, an dem Carla gesessen hatte leer. Seine Faust verkrampfte sich um das Armband bis die Knöchel weiß wurden. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Urlaub und Beauty-Segeln von Rosi Schumacher, 53518 Wimbach Die Merlin. Was für ein Schiff. Ein schwimmender Kosmetiksalon auf dem Ionischen Meer. Individuelle Kosmetik-Anwendungen, Farb-Beratungen, Massagen finden unter Deck oder draußen in der warmen Morgensonne statt. Ein Wunder. Anja, der Kosmetikerin, gelingt es innerhalb drei Tagen grauen Gesichtszügen Farbe zu verleihen. Während des reichhaltigen Abendessens an Bord, mit überbackenem Ziegenkäse, gefüllte Tomaten, gegrillten Sardinen und Paprikaschotten, sehen wir in der warmen Abenddämmerung einen Teil der unvergleichlichen Schönheit der Insel Korfu. Rechts von uns am Hafenbecken die beleuchtete alte Festung mit dümpelnden Fischerbooten. Das Klimpern der Masten und das Geräusch der Segel wirkt entspannend. Wir verlassen huldvoll winkend, unter den bewunderten Augen der Menschen Korfu in Richtung Westküste. Fernab der übrigen Welt gehen wir in der blauen Lagune vor Anker. Von den Bergen weht uns der Duft der Pinien und Orangenhaine entgegen. Das blau schimmernde Wasser bewegt unser Schiff leise hin und her, so als ob wir schweben. Anja hat an Deck alle Hände voll zu tun. Es wird gesalbt, geölt und lackiert. Sie knetet, reibt und drückt die schlaffen Muskeln. Träge liegen wir auf den warmen Planken, genießen die Sonne, lassen uns von leiser Musik berieseln. Entspannung pur. In dem schmucken Hafenort Syvota, mit seinen zahlreichen Tavernen, Bars und einigen Boutiquen, treffen sich schicke Yachten und aufwendige Segelboote. Von den kleinen Fischtavernen werden die ankommenden Segler bewundert. Als die ersten Kutter unter Getöse anlegen und den Frischfisch versorgen, schleppen wir uns total geschafft auf die Merlin. Wir schlummern bis zum Morgen. Ein Traumtag. Mit aufgeblähten Segeln stundenlang vorbei an der urwüchsigen Landschaft mit Höhlen, Felsen und Buchten, Buchten... Seeschwalben umschwärmen das Schiff in der Hoffnung Essbares zu ergattern. Vor unserem Schiff Delphine die uns den Weg zeigen. Endlose Ruhe. Nur vom Geräusch des Windes in den Segeln und dem aufschäumende Wasser unterbrochen. Wir werden uns noch eine Sauerstoffvergiftung holen. Wehmütig stehen wir an der Reling; denn es heißt Abschied nehmen. Uns geht es ja soo...schlecht, wir brauchen eine alkoholische Medizin. Jammas, Jammas..., was so viel heißt: wie Prost. Plötzlich pfeife ich fröhlich und sage: „ Wer hindert uns wiederzukommen?“ Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Wiedergefunden von Marie-Luise Wendland, 44805 Bochum So, das war die erste Hürde,schlimmer wird die nächste nicht. Damals, in der dunklen Nacht, als er böse Worte sagte ging sie einfach fort von ihm, doch mit keinem Wort sie klagte. Jahrelang war sie verschwunden,er wußte gar nicht wo sie war. Langsam heilten seine Wunden, doch gestern hört`er, sie sei da. Jetzt sah er sie, sie saß vor ihm, die Augen stumpf, den Blick gesenkt. Ein Häuflein Elend sah er jetzt, als habe s i e ihn einst gekränkt. In seinem Innern forschte er, ob er noch etwas für sie fühle. Da war nur Mitleid, und da war in seinem Herzen eine große Kühle. Warum, so dacht`er, bin ich nur hierher gekommen, hätt ich doch bloß von ihrer Rückkehr nichts vernommen. Jetzt sah sie ihn mir ihren stumpfen Augen flehend an. Der blasse Mund formt` leise Worte,er hörte:Ach, mein lieber Mann! Sie sprach jetzt und die Stimme wurde heiser. Stockend kamen Worte, wurden immer leiser. Damals, als sie von ihm fortgegangen, wußt`sie mit dem Leben nichts mehr anzufangen. Der Selbstmord war ihr nicht gelungen. Danach fehlten ihr alle Erinnerungen. Jetzt sei die Erinnerung endlich zurückgekommen. Ers sah entsetzt sie an, war wirklich ganz beklommen. Und plötzlich wurde es in seinem Herzen doch ganz warm. Er beugte sich zu ihr und nahm sie fest in seinen Arm. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Wie eine Blume im Sand von Jürgen Berus, 44575 Castrop-Rauxel Wie eine Blume im Sand Die ich einst so lieblich fand
Ich atmete die angehauchte Luft Überwältigend für mich War fasziniert von Ihrem Duft Ihre Schönheit war verführerisch
Im Glückstaumel vergaß ich immer mehr Meine Umwelt um mich Ihre Nähe erwärmte mich sehr
Ich erblickte dieses Juwel Jene Blume Mein Herz machte Sprünge Ergriffen von diesem Anblick Und ich Begann mich daran zu erfreuen Ja , ich labte mich An dieser wohlgestalteten Form
Ich ging näher heran War hingerissen von ihrem Wohlgeruch Und ihrer Ausstrahlung Der jeden Punkt Meiner Aura umgab
Ich wollte sie zu mir nehmen Ihr all das geben Ja noch viel mehr So viel mehr Als sie selbst zu geben bereit war
Aber andere sahen auch Diese Perle von einem Gewächs Und eh ich mich versah War sie weg Fortgetragen von irgendwem Nach irgendwo Wohin auch immer Ich sah sie nicht mehr
Dann , nach einiger Zeit Jahre vergingen Sah ich etwas liegen Auf ein paar Steinen Im nahegelegenen Sand Eine Blume Verwahrlost am Strand
Ich erkannte sie wieder Dieses Geschöpf von eher Wir schauten uns an Kaum waren wir uns näher
Was ist denn nur Tränen rannen mir Was passierte mit Dir Meine Wangen wurden feucht Was ist Dir widerfahren Kein Glanz , keine Freude mehr Beim Anblick meiner geschundenen Ja , so malträtierten Zartheit
In all meinem Mitgefühl Für dieses Wesen Schwang auch ein wenig Freude mit Nun ist sie endlich wieder bei mir Wir werden es schaffen Wir werden wachsen Zu einer Einheit Aus Glück und Zufriedenheit
Ich hob sie auf ging nach Haus pflegte sie Und mein Schatz blühte wieder auf
Doch den Lauf der Zeit Niemand konnte daran drehen Irgendwann verwelkte sie Wann werden wir uns wiedersehen Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |