| Hier lesen Sie die besten Beiträge der ersten Runde (Nov '01 - Jan '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Gao Xingjian eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Fünfundzwanzig Jahre«. Sie findet sich im Fischer Taschenbuch 15183 mit dem Titel »Auf dem Meer«. Aus dem Chinesischen von Natascha Vittinghoff. ISBN 3-596-15183-X. 8,90 EUR: |  | »Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich einmal wiedersehen würde« atmete er auf und setzte sich. Ein etwas anderes Wiedersehen von Julia Langhardt, A-6212 Maurach a.A. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich einmal wiedersehen würde atmete er auf und setzte sich. Er konnte nicht wissen, dass ich es eingefädelt hatte, dass er mich fand, und ihn erwartete. Er brauchte mich, und entsprechend erleichtert war er. Ich spielte die Unwissende. Bitte? Kann ich Ihnen helfen? Er wirkte verblüfft, dann lachte er. Jessy, erkennst du mich nicht? Ich bin es, Jeremy! Erstaunt runzelte ich die Stirn. Jeremy? Aus Dakota? Ich hätte dich nicht erkannt! Naja, ist ja auch schon zehn Jahre her. Er drehte das Feuerzeug in seinen Händen. Du weißt, warum ich hier bin? Das war keine wirkliche Frage. Ihm ging es um das Geld aus der Erpressung damals, und ich besaß den zweiten Schlüssel zum Schließfach. Er wusste immer noch nicht, dass er mein Fall gewesen war in meiner Tätigkeit für die Regierung. Er kannte weder meinen Auftrag noch meinen Hintergrund. Ich hätte ihn sofort verhaften können, aber jetzt bot sich mir die Gelegenheit, auf die ich gewartet hatte. Ich kann es mir denken. Du willst den Schlüssel! Er grinste. Genau. Und
Er zögerte. Und ich möchte, dass zwischen uns alles bereinigt ist
Ich möchte dich um Verzeihung bitten, für das, was geschehen ist! Mein Lächeln erstarb. Vielleicht könnte ich dem Mann verzeihen, der meinen Vater erschossen hat. Aber
Ich legte bewusst eine Pause ein. Aber ganz sicher kann ich niemals dem Mann vergeben, der diesen Mord von Anfang an geplant hat! Er sah mich starr an, als ich meine Hand hob und die Pistole auf ihn richtete. Aber ich danke dir dafür, dass du von selbst zu mir gekommen bist. Ich war mir sicher, dass du das eines Tages tun würdest! Und ich drückte ab. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Prinzessin Balaleika von Ines Braun, 51067 Köln Ich finde nur noch selten die Zeit in einem Café zu sitzen, in Zeitschriften zu blättern oder einfach nur meinen Gedanken nachzuhängen. Ich genieße die Stunde, die ich ganz für mich alleine habe. An diesem Tag beobachtete ich die Leute, die draußen in der Kälte vorbeiliefen und kleine Wölkchen aus Atemluft hinter sich herzogen.
Den alten Mann sah ich, noch bevor er die Tür öffnete. Er schaute sich suchend um, rieb erfolglos an seiner beschlagenen Brille und blickte dann in meine Richtung. Mühsam schob er sich durch die Reihen der Tische und blieb schließlich vor mir stehen. Ich hätte nicht gedacht, daß ich dich einmal wiedersehen würde, atmete er auf und setzte sich. Dann trafen sich unsere Blicke und gleichzeitig bemerkte er seinen Irrtum. Sie sind nicht Ivy? Ich schüttelte den Kopf und überlegte fieberhaft, wo ich diese magischen Augen schon gesehen hatte. Der alte Mann erhob sich, stützte sich mit seinen knotigen Händen auf der Tischplatte ab und murmelte eine Entschuldigung. Erst als er sich, am Eingang stehend, noch einmal umguckte und sich etwas ratlos am Kopf kratzte, keimte die Erinnerung auf.
Ein hell erleuchtetes Zelt mit flatternden Wimpeln. Der Geruch nach Sägespänen und gebratenen Mandeln, die Manege mit federgeschmückten Schimmeln und Akrobaten in glitzernden Anzügen. Schon immer war ich von dem bunten Treiben fasziniert. War da, sobald der Zirkus in unserem Ort gastierte und quälte meine Eltern so lange, bis sie wieder und wieder mit mir hingingen. Später bot mir ein Rudel von kichernden Freundinnen Sicherheit. Wir lungerten von Früh bis Spät auf dem Zirkusgelände herum und spähten, wenn wir kein Geld mehr für die Vorstellung hatten, durch die Ritzen der Absperrungen. Ich habe alle Zeitungsausschnitte aufbewahrt. Einmal gab es sogar einen langen Artikel mit Bild. Mit einem Bild von ihm. Dem Mann, der mit Seifenblasen jonglieren konnte, der mit den weißen Täubchen sprach und der mich immer wieder zum Träumen brachte. Als meine Freundinnen längst mit den Jungs aus der Parallelklasse Eis essen gingen, saß ich abends alleine in der ersten Reihe. Einmal kam er und holte mich als Assistentin zu sich in die Manege. Er lachte mich an, nahm meine Hand und nannte mich Prinzessin Balalaika.
Ich blicke erst wieder auf, als ein Luftzug die Kerze auf meinem Tisch tanzen läßt. Ich hätte nicht gedacht, daß ich dich einmal wiedersehen würde, seufze ich und schaue dem alten Mann nach, bis ich ihn im Strom der Passanten nicht mehr ausmachen kann. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Ein langer Augenblick von Jens Festmann, 24105 Kiel Er näherte sich dem Café, ja, er rannte fast vor lauter Freude. Wie sehr er sich danach gesehnt hatte, sie noch einmal treffen, ihr wieder in die Augen sehen zu können. Er konnte das Café jetzt sehen - und blieb stehen. Plötzlich war nicht mehr Freude, sondern Aufregung das vorherrschende Gefühl. Wie lange war es nun her? 1 Jahr? 2 Jahre? Er konnte seine Gedanken nicht mehr ordnen. Die Bilder, die er in seinem Kopf von ihr gespeichert hatte, ihr Lächeln, ihre Augen, alles war ihm jetzt so präsent, als hätte er sie erst gestern verlassen. Doch nun kamen Zweifel auf - war es wirklich ihre Stimme gewesen, die ihn heute früh am Telefon begrüßt hatte? Er war sich so sicher gewesen, aber klang sie früher nicht anders? War es vielleicht nur ein Scherz seiner Freunde, die so sehr unter seiner Trauer hatten leiden müssen? Er wußte es nicht. Doch das Verlangen, sie wiedersehen zu wollen, ja zu müssen, trieb ihn dazu weiterzugehen. Nur so würde er feststellen können, ob sie wirklich dort auf ihn wartete. Nur noch wenige Schritte, und er würde das Café erreicht haben. Er nahm nichts anderes mehr wahr, als die beleuchteten Fenster und den Türgriff, der vorsichtig von seiner Hand heruntergedrückt wurde. Beinahe platzend vor lauter Aufregung schaute er sich um. Hatte sie sich verändert? Die Haare gefärbt? Seine Augen suchten einen Tisch nach dem anderen ab. Die Aufregung drohte von Verzweiflung verdrängt zu werden. Sie war nirgends zu sehen! Er wandte sich an die Bedienung, wollte sie gerade nach der Frau fragen, die er so sehr geliebt hatte, als er eine Silhouette im hinteren Bereich des Cafés wahrnahm, die sich einem der leeren Tische näherte. Er sah hinüber, und da stand sie! So, wie er sie in Erinnerung hatte. Auch sie hatte ihn gesehen und ihre Blicke trafen sich, so wie damals, als sie ihn verabschiedet hatte, und das Schiff ausgelaufen war. Er blieb wie angewurzelt stehen, er wußte nicht, was er tun, was er sagen sollte - sie lächelte ihm schüchtern zu. Nur langsam überwand er seine Regungslosigkeit und ging behutsam auf sie zu. Schließlich löste sich auch der Knoten in seinem Hals, und mit zitternder Stimme und weichen Knien brachte er schließlich doch ein paar Worte hervor. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich einmal wiedersehen würde" atmete er auf und setzte sich. Der Weg an diesen Tisch war der längste seines Lebens gewesen, und erleichtert stellte er fest, daß er sich wohl nie etwas mehr gewünscht hatte, als mit dieser Frau hier sitzen zu können. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Gefangen von Michael Cornelius Zepter, 50670 Köln Ich, weißhäutiger Gründling, hätte schon fast mich verloren. Nicht gesellig hatte ich mich gedacht, versteckt in einsamen Höhlen.
Dass da eine Jüngere, Dunklere sei! Ich Weißhäuptiger, kalter Fisch dich Glatthäutige wagte ich nicht zu entfachen, einmal, vielleicht zweimal mit Blicken zu fangen. Wiedersehen, dies Feuerspiel und wieder zu sehen würde es schrecken?
Atmete doch noch in mir er, der fast schon erloschene Funke? Auf ein Weiteres also ... und zögernd las ich in ihren Gesten, setzte verstört mich fern, doch zog sich fester und fester die Schlinge. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Früh am Morgen von woschanova, 10707 Berlin Früh am Morgen zu neuen Ufern, schwebend, den Bordstein entlang schlendernd mit der Ahnung losgelassen zusein.
Graupel fällt auf den Asphalt kontrastierend, stechend, laufen, den Atem spüren, sich vergessen wollen.
Selbst beschäftigt mit dem Ich kritisch mit der Frische bereuend doch beteuernd Nicht nach zulassen
Bäume schauen herab Abgasschwaden schleichen herum die Haltung bewahren Ich vermisse Dich Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |