Satzfischer - Das literarische Kreativprojekt des Literatur-Cafés in Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag
Hier lesen Sie die besten Beiträge der ersten Runde (Nov '01 - Jan '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Gao Xingjian eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Fünfundzwanzig Jahre«. Sie findet sich im Fischer Taschenbuch 15183 mit dem Titel »Auf dem Meer«. Aus dem Chinesischen von Natascha Vittinghoff. ISBN 3-596-15183-X. 8,90 EUR: Cover: Auf dem Meer

»Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich einmal wiedersehen würde«
atmete er auf und setzte sich.

Die Zeit steht nicht mehr still
von Squire, 1110 Wien/Österreich

"Du siehst noch genau so aus wie vor zehn Jahren." Die junge Frau begann zu weinen. "Warum weinst du, Maria?"
"Mich schaut kein Mann an, weil mich alle für ein kleines Mädchen halten. Ich
kann machen, was ich will..." Er beugt sich zu ihr hinüber und gibt ihr einen Kuß auf die Stirn. "Aber du bist doch eine intelligente Frau. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du nie einen Mann abbekommen wirst." Sie schaute ihn treuherzig an. "Ich habe dich damals geliebt", sagte sie dann. "Du hast immer nur von Lizzy geschwärmt, und dich nicht um mich gekümmert." Er lachte kurz auf. "Das mit Lizzy ist schon seit Jahren zu Ende."

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Sie schauen fest aneinandergeschmiegt fern. "Ich hätte nicht gedacht, dass du mich einmal heiraten wirst", sagt Maria. "Du kennst doch Harry und Sally, so ähnlich ist es scheinbar bei uns", meldet er sich zu Wort.

Sehr erstaunlich war allerdings, dass sich Marias Aussehen seit der ersten Zusammenkunft nach zehn Jahren mit ihrer ehemaligen großen unerwiderten Liebe innerhalb kürzester Zeit ohne ihr Zutun radikal veränderte. Nunmehr gleicht sie einer jungen, attraktiven 25-jährigen Frau mit Herz und Verstand an der richtigen Stelle, wovon sich die gemeinsamen Freunde des Paares noch oft überzeugen werden können.

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Das beendende Wiedersehen
von Regenliebhaberin, 94036 Passau

So fing der vermeintliche Satz an, der Ihr Leben einmal wieder aus den Bahnen geleiten lässt. Seit längerem hat sie gehofft ihn noch einmal zu sehen damit sie die Chance ergreifen kann alle vergangenen Erinnerungen für einen kleinen Moment aufzuarbeiten. Sie hat schon seit längerem mit dem Gedanken gespielt wie es denn wäre wenn sie ihn noch einmal sehen würde und trotz aller Zweifel das es soweit kommen wird weilte tief in ihr ein kleiner Funke von Hoffnung, dass es der Zufall doch herbei führen wird. Die Unterhaltung verlief anfänglich sehr schleppend da noch viele Dinge aufzuholen waren und trotz der langen vergangenen Zeit eine unerklärbare Nähe herrschte mit der beide erst einmal umzugehen versuchten. Er fing an ihr zu erzählen was in seinem alltäglichen Leben geschehen war und sie beobachtete ihn dabei. Sie verfolgte jede einzelne Silbe die aus seinem Munde kam und sog sie förmlich in sich auf. Sie stoppe seinen Redefluss und sagte „ Es tut mir leid“. Er sah sie ganz verlegen und gleichzeitig verwundert an. Sie fing an zu erzählen, dass sie es bereue nicht zu ihren Gefühlen gestanden zu haben bzw. versucht habe diese mit Hass zu überspielen und das sie niemals vergessen hat was sie sich bedeutete haben. Aus ihrem verzerrten Gesicht kam allmählich ein leichtes und zufriedenes Grinsen zum Vorschein Ehe er sich fassen konnte stand sie auf schenkte ihm ein Lächeln und ging aus dem Cafe.

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WIEDERSEHEN
von Peter Janßen, 38112 Braunschweig

Ein Mann, eine Frau - sie sehen sich zufällig wieder, nach vielen Jahren. Es ist ihnen peinlich. Was war, ist vorbei, ist längst verschüttet. Verlegen blicken sie einander an, zwei Fremde, wechseln belanglose Worte. Dann der hastige Abschied, ein matter Händedruck. Ciao!

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Wiedersehen
von Roman Graf, 8003 Zürich

Wiedersehen
am Bellevue-Kiosk
unter den Bäumen

auf der Schattenseite
können meine Augen
dich wieder sehen

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Wohnt Egon in Sliema ?
von S.F. Vaclav, A-1030 Wien

Es ist nicht leicht, auf Malta einen Bus zu ergattern. Winken, hat Egon gesagt, dann bleiben sie stehen. Ich springe herum, kugle mir fast den Arm aus, und jetzt ist schon wieder einer vorbei gefahren.
Ich bin voll Dreck, sagenhaft. Bei mir bleiben die nie stehen, aber wenn die Rothaarige aus 123G doch mit mir losgefahren wäre wie versprochen, dann hätten sich die sicher eingebremst. Mehr als sicher.
Hey - der nächste, der Dritte! Ich habe gewunken, Du Schweinehirt! Warum hat mich der andere Idiot heute Morgen nach Schlemma mitgenommen, so ganz ohne Schwierigkeiten? Damit ich mir auf dem Weg zurück die Beine in den Bauch stehen kann? Ich habe den Verdacht, dass ich nie wieder in Valetta ankommen werde. Jetzt ist es schon Sechs, und um Punkt Sieben ist Einlass in den Speisesaal, und ich will rechtzeitig da sein, sonst kommen diese Luigis elendslang nicht!
Ich werde ein paar Schritte laufen, vielleicht treffe ich auf ein paar Leute, und dann muss der Fahrer die Tür aufmachen.
Verdammt, was habe ich mir dabei gedacht, nach Malta zu fliegen? Nur weil es das Gerücht gibt, dass Egon mit der Kleinen hier irgendwo leben soll? Ich habe mir vorgestellt, dass Malta eine überschaubare Insel ist, in drei Tagen abgegrast - und jetzt sehe ich, dass es Städte gibt, Nachbarinseln, und ich weiß nicht was noch alles.
Und Englisch war auch nie meine Stärke.
Da, jetzt!!!
"Ja, please. Very friendly from you. A Ticket nach Valetta. Thank you."
Das war ein Aufatmen, mein Bester, was? Ah, zwei Plätze frei, da kann ich mich ausbreiten. Na gut. Wie viele Stationen noch? Fünf. Das heißt, in einer Stunde bin ich leicht im Speisesaal auf meinem Platz. Ungeduscht zwar, aber das ist ja wurscht, und dann darf mir kein Kellner mit Überlastung kommen. Ich bin der Erste. Ich werde als Erster bedient.
Da schau her, ein Pärchen. Und der Bus fährt vorbei! Ja, ihr müsst eben das Handerl heben ...
Die Landschaft ist auch öd. Und die antiken Stätten - Steinhaufen. Na ja, nicht alle: diese eine Kirche in Schlemma ist schon was Schönes.
Warum bleibt er jetzt stehen? Da ist doch überhaupt keine Haltestelle! Ach, ein Mann, den er kennt. Na, das ist ja klar, dass er da stehen bleibt. Unsereiner kann sich Hühneraugen holen bei der Warterei, aber für andere bleibt er stehen. Er soll weiter fahren - Alter, was soll das?
Nein, nicht neben mich! Gibt es keine anderen Plätze? Ich habe die Reisetasche -
"Egon, der Bart, Wahnsinn! Du hättest nicht gedacht, dass du mich einmal wiedersehen würdest?"

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