| Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: |  | Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Konsequent von Sigrid Schwach, 78050 Villingen-Schwenningen (Deutschland) Mal sehen, ob mein Mann heute wieder so viel trinkt. Er hat mir zwar versprochen, sich zurück zu halten, doch jetzt bestellt er schon das dritte Glas Bier. Da ich keinen Führerschein besitze, bin auf ihn angewiesen. Am Montag werde ich mich bei einer Fahrschule anmelden und nicht mehr auf meinen Mann hören, der mir immer nur sagt, ich würde die Fahrprüfung nie bestehen. Wenn ich sehe, welche Menschen hinter den Lenkrad sitzen, traue ich mir die Prüfung auch zu. Jetzt hat er noch mal ein Bier bestellt! Nein, heute fahre ich nicht mit ihm nach Hause! Und ihn lasse ich auch nicht mehr fahren! Erst letzte Woche hat er das Auto fast in den Graben gefahren. Die Autoschlüssel liegen auf dem Tisch. Ich lenke meinen Mann kurz ab und stecke sie ein. Jetzt kann ich in Ruhe abwarten, wie viel mein Mann noch trinken will, bis wir heimkehren. Sechs Bier stehen nun auf der Rechnung. Schwankt nicht mein Mann beim Aufstehen etwas? Na, egal! Ich weiß, was ich tun werde! Er sucht die Autoschlüssel. Ich lasse sie vor seinem Gesicht baumeln, gehe rasch zum Ausgang, bin vor ihm beim Auto, schließe die Türe auf, werfe die Schlüssel auf den Sitz, verriegle die Türe von innen und schlage sie zu. So jetzt gehe ich, soll er schauen, wie er nach Hause kommt. Gerade heute habe ich auch einen Wohnungsschlüssel eingesteckt. Da sie sehr müde ist und ungestört schlafen will, verschließt sie die Schlafzimmertüre. Sie findet ihren Mann am nächsten Morgen schnarchend auf dem Sofa, die Schuhe an den Füßen, im verstaubten Mantel, als hätte er alle Häuserwände damit gereinigt. Sie lässt ihn schlafen und hinterlässt die Nachricht, sie wäre bei einer Freundin, den Zweitschlüssel fürs Auto habe sie auch bei sich. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Das zweite Gesicht von Klaus Brunn, 64347 Griesheim/Darmstadt (Deutschland) Verzweifelt versuchte sie das glitzernde Häuflein ihres Autoschlüssels auf dem Sitz zu erkennen. Doch was sollte das bringen…jetzt hab‘ ich mich ausgesperrt…auch das noch…ich fühl mich so alleine…was soll ich denn jetzt nur anfangen? Immer deutlicher manifestierte sich das Spiegelbild ihres Gesichts in der Scheibe. Wie das Antlitz eines Geistes aus einer anderen Welt. Und mit Gewissheit glaubte sie ein Bild der Zukunft darin zu sehen. Zaghaft betastete sie das von Regentropfen bespritzte Glas. Ich weine, stellte sie traurig fest, dort weine ich schon, dabei, und sie griff sich prüfend an die Wangen, weine ich in der Wirklichkeit noch gar nicht. Ausgeschlossen und verlassen bin ich. Fröstelnd rieb sie sich die Arme auf diesem grossen verlassenen Parkplatz, schaute in die finsteren Fenster des Gebäudes über sich. Suchte etwas, konnte sich nicht orientieren und gab auf. Konnte nur mit Mühe gegen die Prophezeiung ihres zweiten Gesichtes ankämpfen. Nicht hier, nicht hier, nicht hier – presste sie flehend hervor. Sah wieder in die Scheibe – der Geist war noch da und sehnte sich in die schützende Geborgenheit ihres Autos. Doch sie fühlte sich zusehends verloren unter dem trostlosen Himmel, in welchem graue Wolkenfetzen durch die Nacht stürmten. Sie reckte den Kopf und horchte den Echos versehentlich gefallener Geräusche hinterher. Blickte erneut in das schwebende Gesicht hinter der Scheibe, zog ein Papiertaschentuch hervor und wischte wütend die Tropfen ab. Du sollst nicht heulen…du sollst nicht…du sollst nicht…du sollst nicht. Da plötzlich, ging über ihr in einem der Fenster – in dem Fenster – das Licht an. Erkannte es weil dort immer noch die Vase mit den Sonnenblumen stand. Die hatte er so gerne gemocht. Die schönste Kopie die die Natur je von der Sonne gemacht hat – hat er mal gesagt, dachte sie und zuckte zusammen als sie den Dreiuhrschlag der Kirche vernahm. Folgte den schwingenden Tönen solange diese in die Sphären zogen, wo sie höher und höher sangen, bis sie sich in jenen andauernden Ton verwandelten den die Maschine von sich gegeben hatte als sein Herz aufhörte zu schlagen – bis auch dies zum Echo wurde. Und als es heftiger zu regnen und das Gesicht in der Scheibe sich aufzulösen begann, blickte sie nochmals nach oben um die Sonnenblumen zu sehen. Doch dort, im dritten Stock, zweites Fenster von Links – jetzt wusste sie wo sie es finden konnte, war kein Licht mehr. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Zum ersten Akt von Anita Schmuck-López, 75014 Paris (Frankreich) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Zu spät! Sie schleppte sich zum Eingang des »Les Editeurs«. Aus dem Bauch des belebten Cafés drang seine Stimme, die, selbst noch, wenn sie drei hinter ihm her eilenden und rufenden Kellnern gleichzeitig anordnete, geschmeidig und wohlklingend war. Und seine Schuhe schlugen, trotz ihrer Hastigkeit, rhythmisch auf und ab - so ähnlich hatte sie sich Beethoven immer vorgestellt, wenn er durch die Gassen eilte, die Gassenjungen hinter ihm her johlend. »Bonjour Madame«, sagte er. »Wie viele Personen?« »Entschuldigung«, fragte sie, »Gestatten Sie mir, zu telefonieren?« »Mais oui.« Er machte eine Armbewegung in Richtung Theke. »Alle sind beim Abendessen?«, wiederholte sie laut. Zufrieden legte sie auf. »Alles in Ordnung?«, fragte er. »Ich habe mich aus meinem Auto ausgeschlossen und der Schlüsseldienst ist ... «. »Beim Essen«, ergänzte er und führte sie einfach an ihren Tisch. Sie ließ sich in den roten Sessel fallen. »Eine kleine Aufmerksamkeit des Hauses«, sagte er kurz darauf, und stellte ihr ein Glas Champagner auf den Tisch. »Erlauben Sie?« Sie nickte und er setzte sich. Öfter hatte sie beobachtet, wie er sich mit seiner aus Verlegern, Schriftstellern und Journalisten bestehenden Kundschaft unterhielt. Stand sie gerade an der Schwelle vom Zaungast zum Stammgast? »Gelegentlich habe ich mir erlaubt«, begann er zu sprechen, »auf ihre Titel zu schielen. Ich liebe die deutschsprachigen Autoren sehr. Bevor ich das Café eröffnet habe, war ich Verleger hier in St. Germain ... «, »die kleine Nachtmusik« setzte ein und ungläubig blickte sie zum Nebentisch. »Ihr Handy?« fragte er vorsichtig. Die vibrierende Haut, die längliche Wölbung ihrer Jackentasche ... eine Röte überzog ihr Gesicht. »Von welchem Roman haben Sie sich denn inspirieren lassen?«, begann er plötzlich zu fragen, »Sie sind doch keine Frau, die Hera Lind liest.« Sie erwiderte nichts. »Theater, Kino ...? Vielbeschäftigte Lektorin, Ende dreißig, des Alleinlebens überdrüssig, lässt sich ganz gegen ihren Anspruch dazu hinreißen ... « »Etwas mehr Leim«, unterbrach sie ihn schnell, »brauchen Sie schon für ihr Heimwerkerdrehbuch, da.« » ... sie ist für ihr kühnes Vorhaben jedoch, und zu meiner Erleichterung, nicht abgebrüht genug«, setzte er unbeirrt, einen Blick auf die dampfende Suppe am Nebentisch werfend, fort. »Wann darf ich Sie zum zweiten Akt der Komödie einladen?« Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Endstation von Petra Randschau, 22453 Hamburg (Deutschland) Nichts hält ewig, klar, weiß ich auch, aber etwas mehr hätte ich schon erwartet. War wohl zuviel verlangt. Und ganz ehrlich: Wir hatten jede Menge Spaß - zuviel Spaß. Scheiße, ja....jeder hatte mich gewarnt, wirklich jeder. Aber ich wußte es natürlich wieder mal besser. Besser als sie alle. Wie immer. "Hochmut kommt vor dem Fall." hat meine Oma früher immer zu mir gesagt. "Blöder Spruch." habe ich immer gedacht. Jetzt weiß ich, dass sie Recht hatte. Es war, wie mit dem berühmten Domino-Effekt: Tippt man einen an, liegen am Ende alle am Boden. Der absolute Selbstgänger sozusagen. Selbst schuld. Hätte ich damals mein vorlautes Maul gehalten oder mich einfach nur mal mit einem schlichten "Nee Leute, ohne mich." begnügt, würde der erste, verdammte Dominostein heute noch stehen. Wie eine Eins, ohne zu wackeln, bombensicher. Aber so ist es nicht. Und es macht keinen Sinn, sie alle wieder aufzustellen. Der Aufprall war zu hart, der Boden zu schmutzig. Sie haben Schaden genommen. Würde ich es dennoch versuchen, würden sie wie eine Parodie ihrer selbst wirken. Für mich gibt's hier nichts mehr zu tun. Zu viele Erinnerungen. Zu viele Träume und Illusionen, die nur noch Asche sind. Asche, die ich nicht mal mitnehmen und im Wind zerstreuen kann. Egal, irgendwo gibt's einen neuen Anfang, ich muß ihn nur finden. "Kurz bevor die Sonne aufgeht, ist die Nacht immer am dunkelsten." hat meine Oma immer gesagt. Zum Glück, dann habe ich es bald geschafft. "Sie schloß die Autotür auf, warf die Schlüssel auf den Sitz, verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Dann stieg sie auf das Brückengeländer, schloß die Augen, lächelte - und sprang. "Sie lächelte?" fragte der Polizeibeamte den Alten "Ja", antwortete dieser, "Einfach so." Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers ... Tatsachen von Kat, 68159 Mannheim (Deutschland) So konnte er nicht mit ihr umspringen.
Sollte er doch zusehen, wie er seinen scheiß Sportwagen wieder aufbekam. Er würde es nun jedenfalls kaum schaffen rechtzeitig vor seiner verdammten Frau zu Hause zu sein.
Triumph!
Es war ihr egal, dass sich in den umliegenden Häusern hier und da ein Vorhang bewegte. Sie fuhr sich mit der Hand durch die Haare, warf einen kurzen Blick die Straße hinunter.
Dann kam er hinter ihr her aus dem Haus gelaufen, atemlos, wild mit den Armen gestikulierend - als könne er damit noch etwas retten. "Was hast Du mit meinen Schlüsseln gemacht?"
Lässig lehnte sie sich gegen die Seite des Wagens und verschränkte die Arme vor der Brust. Ihr Blick signalisierte ihm mehr als deutlich, dass er ihr besser nicht näher kommen sollte. Er kannte diese Launen von ihr - und wenn er ganz ehrlich war, machten ihn diese Temperamentsausbrüche ziemlich an... Wie sie da auf der Straße stand, die Haare fielen ihr ins Gesicht, ihr Atem schnell und fast noch im Rhythmus ihrer ineinander verschlungenen Körper, die Augen funkelten - war es Wut, waren es noch die Spuren der Leidenschaft? Er wollte sie küssen, doch "Die Schlüssel...?"
Sie blickte ihn nur wortlos an, eine kurze Bewegung des Kopfes zur Seite führte seinen Blick ins Innere des Wagens. "Du hast sie nicht wirklich...?"
"Oh doch." Sie unterbrach ihn und ging zurück zum Haus. "Du bist so verdammt spießig und verklemmt. Du hättest mich vielleicht noch aufhalten können. Aber Du musstest Dich ja erst anziehen."
Sie stieß die Haustür auf und steckte den Schlüssel von innen ins Schloss und knallte die Tür zu und schloss ab. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |