Satzfischer - Das literarische Kreativprojekt des Literatur-Cafés in Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag - Sommerrunde
Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: Cover: Der Traum meiner Mutter

Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu.

Der große Auftritt
von Birgit Wagner, 50674 Köln (Deutschland)

Heute wird sie es allen zeigen: Der Uta mit dem feuerroten Haar, die ständig das letzte Wort hat, der Neuen, die sich für die Schönste hält und Lea, ihrer ganz besonderen Erzfeindin. Tania springt aus dem Bett, spritzt sich kurz kaltes Wasser ins Gesicht, zieht sich die Klamotten über, die sie gestern Abend zurecht gelegt hatte und schnappt sich ihren Rucksack.
Es ist noch still in den Strassen, hier und da das Miauen einer Katze. Keine Mensch weit und breit. Sie geht noch mal alles durch im Kopf, jede Formel sitzt. Mit leichtem federndem Schritt nähert sie sich der alten Ziegelei. Zwei Autos stehen davor. Tania wundert sich und öffnet die verrostete Eisentür, als sie auch schon Leas Stimme vernimmt: "Die Nummer mit dem Frosch finde ich am besten, ihr glaubt ja gar nicht, wie oft ... ach seht mal, Tania ist auch da. Na das kann ja heute lustig werden..." "Ruhe!", donnert es durch den Raum und mit einen Schlag verstummen alle, Uta, die Neue und selbst Lea. Tania spürt auf einmal, wie ganz langsam die Angst durch ihren Körper kriecht, sie windet sich um ihren Hals wie eine Schlange und drückt ihr die Luft ab. Und während sie sich bemüht, nicht umzufallen, scheint sich ihr Gehirn bis in die letzte Windung zu leeren. "Tania, wo bleibst du?" Ein Blitz streift ihre Füße, und ehe sich Tania versieht, steht sie auch schon draußen neben den anderen. Frau Gwitter, ihre Lehrerin, erklärt gerade die Übung. Uta beginnt. Sie geht zu einem der Autos, schließt es auf, wirft den Schlüssel auf den Sitz und verriegelt die Tür von innen und schlägt sie zu. Dann stellt sie sich mit ernster Miene neben das Auto, hebt ihren Zauberstab, zeichnet ein paar Kreise in die Luft und spricht dazu. Unter Quietschen öffnen sich die Türen. Applaus. "Bestanden!" Frau Gwitter ist zufrieden. "Und nun zu dir Lea." "Ich dachte, wir machen etwas mit Fröschen..." Als Lea mit hängenden Kopf hinüber zu dem anderen Wagen schleicht, lockert sich die Schlange um Tanias Hals. Sie greift unauffällig in den Rucksack und holt ihren Zauberstab hervor. Als Lea den Schlüssel auf den Autositz wirft und die Tür schließen will, bewegt Tania den Stab kreisförmig hinter ihrem Rücken und murmelt etwas. Ein Blitz schießt durch das Auto, ein Knall ertönt und ein riesiger grüner Frosch sitzt auf einmal hinter dem Lenkrad. Ehe die anderen reagieren können, läuft Tania zu dem Auto, wirft sich auf den Beifahrersitz und schlägt die Tür zu. "Gib Gas!" Mit aufheulendem Motor brausen sie davon.

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Hedonistin
von JeepCreep, 22765 Hamburg (Deutschland)

Sie war mitte 30, war studiert, geehrt, in hoher Position und in abwesender Eile. Das
Schloss jeder sofort an ihren fahrigen Art, an dem halben Ohr, welches sie jedem schenkte und auch
Die unerwartet schmeichelnde Ordnung in ihrem Büro ließen darauf schließen, daß sie in Gedanken schon die
Autotür zuschmetterte und Fffitsch ein Wochenende voller recycelter Erfahrungen tat sich vor ihr
Auf und lullte sie ein in Wohlbehagen. Wie jeden Freitag würde sie sich losmachen
Und so richtig einen draufsetzen aufs Letzte Mal. Alles würde anders sein, anders als im Job, dort
Warf man ihr vor, zu streng zu sein, mit sich, zu bedacht, zu grau, zu sorgfältig
Die Macht zu nutzen, die ihr gegeben, wie nur wenigen ihres Geschlechts. Der
Schlüssel des Erfolgs läge nicht darin, die Männlichkeiten zu adaptieren, vielmehr gelte es sie
Auf ein neues Niveau zu heben, nicht dieselben Fehler zu begehen, pflegte ihr Chef zu sagen,
Den sie wegen seiner integren Art sehr mochte. Schwer sind die Bürden, locker scheint der
Sitz zu sein, wenn alle vermeintlich daran sägen, in den oberen Etagen gibt es keine Airbags
Und keine Möglichkeit mit einem gequälten Siegerlächeln des Zweikampfes zwischen Auto und Baum strotzend die
Verriegelte und zerquetschte Tür aufzubrechen und dem Gefährt zu entsteigen, als sei
Die Grenzerfahrung des nahen Todes etwas Alltägliches. Nein, dort verschließt man runzelnd die
Tür vor Feminitäten - ein System welches aufzubrechen schwerer ist als die Schale einer Kokosnuß. Doch
Von solchen Sachen wollte sie sich fernhalten dieses Wochenende, sie wollte einmal mehr nicht nach
Innen schauen, sondern sich nach außen geben, wie ihr beliebte. Sei so wie dein Kopf dir gewachsen
Und schalte mal ab, sei ausgelassen, fühl dich sexy und involviert, pulsiere und applaudiere,
Schlug ihr eine Stimme aus einer anderen Ecke des Autos vor, und sie hatte recht, wie recht sie hatte.
Sie würde so richtig Spaß haben, sich Männer nehmen, ganz Hedonistin, ganz nach dem Geist der Zeit, doch
Zu welchem Zweck, wenn sie es nicht richtig lebte - Wenn dies Leben nur wiederverwertet war???

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Mörderische Gedanken
von Andreas Ruhry, 8580 Köflach (Österreich)

Verlassen stand ein Wagen dort,
vor eingen Tagen, hier im Wald
heute ist der Wagen fort
die warme Stimmung- eisig kalt.

Etwas kühlt die Atmosphäre
etwas färbt den Himmel schwarz,
ich blickte stumm ins Leere
es lenkt mich der Geruch vom Harz.

Wieder seh ich sie vor mir
dort am Wagen, einsam stehn,
kann in ihren blauen Augen
angesammelt- Tränen sehn.

Und jetzt öffnet sie die Türe,
steigt hastig in den Wagen ein,
und die Stimmung, die ich spüre
macht mich so wie sie allein.

Und ich trete an den Wagen,
näher an die Frau heran,
wollt nur "Guten Abend" sagen,
bevor sie in den Wagen sprang.

Dann verriegelt sie den Wagen,
ich steh vor ihm und seh sie an,
hör wie ihre Augen sagen
"Geh doch fort, verschwinde Mann!"

Doch ich nehme einen Stein,
wirf damit das Fenster ein,
trete nochmals mit dem Fuß
blickte eisam auf den Fluß.

Jetzt erschreck ich, welch Gedanken
welche schaurigen und kalten,
die sich um dies Fleckchen ranken,
mög der Fluss die Frau behalten.

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Die Hoffnung
von redrum, 45701 Herten (Deutschand)

Sie schloss die Autotür auf und warf den Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Dann setzte sie sich im Park auf eine Bank und beobachtete ihr Auto in der Hoffnung, einer würde es klauen. Die Zeit verging und niemand hat auch nur ihr Auto angesehen. Da die Hitze ihr schon sehr zu schaffen machte, ging sie zum nächsten Kiosk um sich ein Eis zu holen.
Als sie wieder kam war ihr Auto weg. Sie freute sich und ging, in der Hoffnung sie würde das Geld von der Versicherung wieder bekommen, nach Hause.
Am selben Abend meldete sich noch die Polizei bei ihr, da ihr Auto von einem Abschleppdienst, da es im Halteverbot stand, abgeschleppt worden war. Sie ärgerte sich, denn jetzt muss sie auch noch Geld für diese Scheißkarre bezahlen.

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Sommertraum
von Elisabeth Regen, 53117 Bonn (Deutschland)

"Wir haben das doch schon so oft durchgesprochen; es hat nichts mit dir zu tun." Richard schaute sie mit einem bekümmerten Lächeln an. "Es sind einfach Familienpflichten. Wenn es vorbei ist, komme ich wieder und wir machen uns einen schönen Abend. Komm, nun sei nicht so schwierig." Marion spürte, wie der Druck in ihrem Hals immer stärker wurde, sie wollte schreien und brachte keinen Ton raus. Sie drückte seine Hand weg, die er auf ihre Schulter legen wollte, nahm seinen Mantel und begleitete ihn zum Wagen. "Die Kleine wäre so unglücklich, wenn ich nicht zu ihrer Konfirmation käme, und meine Schwiegereltern," – er verbesserte sich mit einem verlegenen Grinsen, "Ex-Schwiegereltern sollte ich wohl sagen, würden Petra den Tag zur Hölle machen, wenn ich nicht auftauche." Während er die Geschenke und den Wein, die sie für die anderen besorgt hatte, im Kofferraum verstaute, spürte sie, wie eine müde Leere sich in ihr ausbreitete. "Ich könnte doch mitkommen, warum willst du das unbedingt ohne mich machen?" Drinnen klingelte das Telefon. Richard schaute hoch und zögerte, dann sagte er: "Das wird Petra sein, sagst Du ihr, dass ich unterwegs bin?" Sie schüttelte den Kopf. Er seufzte und ging mit schnellen Schritten ins Haus zurück. Es war schon warm, er würde den Mantel nicht brauchen. Die Pfingstrosen standen in voller Blüte, so prächtig wie in diesem Jahr waren sie noch nie zuvor, auch die Magnolie gedieh unter ihrer liebevollen Pflege. Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Dann folgte sie ihm ins Haus. Er kam ihr in der Diele entgegen, streckte die Arme nach ihr aus, küsste sie auf die Stirn und sagte fröhlich: "Bis heut abend, Würmchen, machs dir in der Sonne gemütlich, das gefällt dir doch sowieso viel besser als all das Familiengetratsche." Sie drehte sich nicht mehr um, und als die Tür ins Schloss fiel, atmete sie tief auf. Dann ging sie ins Wohnzimmer und schloss auch die Balkontür.

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