| Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: |  | Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Ihr Schlüssel zur Lust von Ortheil, Ralf, 69483 Wald-Michelbach (Deutschland) Diesen Augustabend wollte sie auskosten. Ihr Körper brannte, verlangte nach mehr. Heute kein Duschen danach. Sie genoss das nicht enden wollenden Nachprickeln ihrer Haut, seinen Geruch an ihrem gerade geliebten Körper und spürte seine Männlichkeit noch tief in sich. Er wartete auf das alle vierzehn Tage schon übliche Ritual des Beischlafabschieds, wie er es burschikos zu nennen pflegte. In den fünfzehn vergangenen Monaten war sie regelmässig danach im Bad verschwunden, hatte sich geduscht, angezogen und von ihm, der noch genüsslich im Bett verweilte, mit einem innigen Kuss verabschiedet. Er schien zu träumen, starrte auf ihren Lust verheissenden knackigen Körper, den kein einziges, noch so winziges Kleidungsstück verhüllte. Einzig ihr Handy trug sie in der rechten Hand. Sie warf sich auf den gänzlich Überraschten und flüsterte ihm begehrlich ins Ohr: " Keine überflüssigen Fragen. Heute sollst Du mir die ganze Nacht gehören ". Für ihn war diese Nacht ein Lustgeschenk des Himmels, dessen Zauber er durch Hinterfragen nicht zerstören wollte. Sie allerdings wusste, ein zweites Mal konnte sie ihrem Mann nicht mehr per Handy die Geschichte vom Autoschlüssel auf dem Sitz, dem unbeabsichtigten Türverriegeln, von der bereits geschlossenen Autowerkstätte und von der hilfsbereiten Freundin mit Gästezimmer erzählen. Diese Augustnacht sollte für sie ein einmaliges Schlüsselerlebnis bleiben. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers angst von Marion Schughart, 56427 Siershahn (Deutschland) das herz ein einziges pochen atemlos lauernd in ihrer brust die tür von innen verriegelt
den schlüssel warf sie weg Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Entwicklung von Susanne Müller, 97950 Gerchsheim (Deutschland) Autos aggressive zerstörungshilfe umweltschädliche bewegungsvernichter stinkende lärmende blendapparate werft die schlüssel in den fluss füttert die fische mit ihrem rost entriegelt beine und füsse erobert die welt langsam zurück Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Sie und Er von Pawel Gdaniec, 27607 Langen (Deutschland) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Dann fing sie an zu heulen. Nichts mehr war so wie früher. Vor ihren Augen hatte sie immer noch das Gesicht ihres Vaters. Sie sah sich wieder an seinem Bett sitzen, seine Hand in ihrer Hand. Seine Augen. Früher so ausdrucksstark verloren jetzt die Entschlossenheit. Die strenge seiner Züge wurde weicher. Die Maske die er sein Leben lang trug fiel. Übrig blieb nur die Wahrheit. Seine Augen. Sie füllten sich mit tränen. Genau so taten es auch ihre. Die Mauern zwischen ihnen brachen. Übrig blieb nur das bedauern. Der Zeit die sie verloren als sie die Zeit noch hatten. Der Worte die sie nie aussprachen obwohl sie täglich sprachen. Übrig blieb nur sie.
Übrig blieb nur sie, und er in ihrem Kopf. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Schlüssel von Manuela Kindler, 41564 Kaarst (Deutschland) Nun sollte er doch mal sehen, wie er sein Auto aufbekam! Im Moment hätte sie ihn am Liebsten selbst in das Auto gesperrt. Immer diese blöden Ausreden: "Ich bin müde von der Arbeit." Oder sein ewiges "Heute bin ich geschafft." Sie mochte es nicht mehr hören. Sie hatten sich doch beide geschworen, niemals eins von diesen Ehepaaren zu werden, die abends nur vor dem Fernseher saßen. Langsam ging sie wieder hinauf und schloss die Wohnungstür auf. Er stand im Flur vor dem Spiegel und lächelte sie an: "Schatz, hast du Lust essen zu fahren?" "Was?" "Du möchtest doch seit Tagen ausgehen. Ich habe einen Tisch in der "Alten Zeit" reserviert." Ungläubig sah sie ihn an. "Warum sagst du das erst jetzt?" "Du erschienst mir vorhin gereizt. Ich wollte erst noch etwas warten. Du hast bestimmt einen anstrengenden Tag hinter dir in deiner Firma. Nun, was ist? Hast du Lust?" Verlegen kratzte sie sich am Kopf: "Eigentlich ja." "Ja dann lass uns fahren." "Aber das ist gerade das Problem", entgegnete sie kleinlaut. Fragend sah er sie an. Sie wand sich. "Wir können nicht fahren." "Warum das denn nicht?" "Tja, also weißt du...das Auto." "Jetzt spann mich nicht so auf die Folter. Was ist mit dem Auto?" Sie lächelte ihn schräg an. "Die Schlüssel. Ich habe sie verloren." Kopfschüttelnd sah er sie an. "Wie denn das?" "Och, ich wollte mir die Kassette aus dem Wagen holen. Die mit dem Jazz. Mir war halt so." Sie freute sich über diesen Einfall. Allerdings würde ihre Aktion von vorhin sie um das Ausgehen bringen. Oder? "Sag mal", fragte sie ihn mit einem Lächeln, "wo hast du die Ersatzschlüssel?" "Wenn ich das wüsste. Vielleicht in der Firma? Wie soll ich morgen nur zur Arbeit kommen?" Ratlos sah er sie an. Sie schlug vor: "Fahr mit dem Bus und schau nach, ob die anderen Schlüssel dort sind." Säuerlich entgegnete er: "Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Früh aufstehen muss ich dann auch noch. Na prima!" "Ich fahre jeden Tag mit dem Bus." Er runzelte die Stirn. "Aber nur zwanzig Minuten. Ich werde viel länger unterwegs sein. Ach, so ein Mist." Betreten schaute sie auf den Fußboden. Niemals würde sie zugeben, dass sie es absichtlich getan hatte. Er nahm sie in den Arm und sagte: "Komm, lass uns um die Ecke zum Italiener gehen. Der kocht doch auch ganz lecker." "Okay." Sie zogen hinter sich die Wohnungstür zu und bemerkten nicht, dass der Wohnungsschlüssel noch im Flur auf der Kommode lag. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |