| Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: |  | Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Traumatisches Ereignis vor dem Knall von Ada Fischer, 10437 Berlin (Deutschland) Welch ein Blödsinn, schießt es mir durch den Kopf, während ich meiner Kollegin zuhöre. Und doch, das trau ich ihr einfach nicht zu, sie ist doch völlig phantasie-, humorlos, die kann sich so was einfach nicht ausdenken. Sie berichtet über ein dramatisches Ereignis, dem angeblich ihre Mutter ausgesetzt war. Ich erzähle es meiner Freundin. Die schaut mich skeptisch an, sagt, die spinnt. Ich schüttle den Kopf, beschreib ihr meine Kollegin, die käme nie auf die Idee, sich so etwas auszudenken, glaub mir. Sie lacht, hemmungslos laut. Ihr Lachen flutet durch meine Wohnung, den Innenhof, durch geöffnete Fenster in gegenüberliegende Wohnungen. Sie hört nicht auf. Krampfhaft versuche ich, ihr den Mund zuzuhalten, flehe, nicht so laut. Ich muss das Fenster schließen, denke ich verzweifelt. Sie versperrt mir den Weg, hält mich fest. Verflucht noch mal, schrei ich sie an, was sollen denn die Leute denken? Meine Freundin stöhnt auf, ich kann nicht mehr, mir tut der Bauch schon weh. Bitte erzähl nochmal, bitte, bitte. Sie schaut mich flehentlich an. Zögerlich beginne ich. Ja, weißt du, sie hat die Autotür aufgeschlossen, die Schlü... Meine Freundin unterbricht, okay, aber was hat sie dann angeblich gemacht? Ich flüstere, dann hat sie die Tür von innen zugeriegelt und ... Na toll, fällt sie mir ins Wort, hatte sie etwa Angst, geklaut zu werden? Ich tu das ja auch nicht, antworte ich, aber es gibt halt überängstliche Menschen, und ... Sie unterbricht wieder, weiter, stößt sie hervor. Stotternd fahr ich fort, dann ... hat sie ... die Tür ... zugeschlag... Den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, bricht sie erneut in dieses mir jetzt unangenehm klingende Lachen aus. Hör doch endlich auf, denke ich ärgerlich, ich wusste es ja schon vorher, selbst meiner besten Freundin kann ich es nicht erzählen. Ich fass es nicht, stoppt krächzend meine Freundin meinen Gedankenzug. Plötzlich schaut sie mich nachdenklich an. Du glaubst wirklich diesen Schwachsinn, Liebste? Sie streichelt mitleidig meine Wange, du bist doch sonst so kritisch, hinterfragst gern, und nun? Scheiße, denke ich. Mit zitternder Hand zünde ich mir eine Zigarette an. Doch da, ein Knall! Ich schrecke hoch, bin Schweiß gebadet, begreife, ein Traum, Gott sei Dank. Ich lache, bin erleichtert. Nichts ist wirklich so passiert, alles Spinnereien, total verrückt, muss ich meiner Freundin erzählen, meine, sie schon jetzt lachen zu hören. Ich bin normal und die Kollegin auch. Eigentlich schade. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Kurzschluß von Bodo Zwingmann, 34369 Hofgeismar (Deutschland) Sie schloß die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und warf sie zu. Mit einer raschen Geste stoppte sie ein Taxi, das vorüber fuhr. Fluchend setzte sie sich auf die Rücksitzbank, nannte dem Taxifahrer ihre Adresse und suchte in der Handtasche nach einem Tempotuch. Schweiß perlte auf ihrer Stirn. Jetzt war Schluß. Keinen Tag länger wollte sie sich um dieses Miststück kümmern. Gerade wenn es wichtig war, enttäuschte er sie. Morgen würde sie die Angelegenheit klären. Ihre ganze Liebe hatte sie ihm geschenkt, viele schöne Stunden mit ihm verbracht. Nein, so konnte es nicht weitergehen. Die Karre mußte endlich weg. Und der Kerl, der jetzt mit seinen Saufkumpanen an der Theke saß, auch. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Zugeschlagene Türen von Ute Janßen, 36251 Bad Hersfeld (Deutschland) Nein!, wütend knallte sie die Haustür zu. Sie war nicht mehr bereit, immer wieder klein beizugeben, nur um ihn davon abzuhalten sie zu verlassen. Jetzt wollte sie gehen. Einen kleinen Moment zögerte sie noch, dachte über einen effektvollen Abgang nach. Dann fasste sie einen Entschluss, schloss die Haustür wieder auf und holte beide Schlüssel für seinen geliebten Porsche vom Haken. Leise ging sie ins Schlafzimmer. Sie war froh, dass es nur wenige Sachen waren, die sie in seiner Wohnung deponiert hatte. Schnell, bevor er auf die Idee kommen konnte, dass irgendetwas nicht stimmen könnte, packte sie alles zusammen. Den Wohnungsschlüssel ließ sie gut sichtbar auf der Kommode im Flur liegen. Nach dem Verlassen des Hauses atmete sie tief durch. Sie schloss die Tür des Porsche auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Mit hocherhobenem Kopf und einem zufriedenen Lächeln im Gesicht machte sie sich auf den Weg. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Atemlos von Linda Bernert, 01277 Dresden (Deutschland) Stille. Nur ihr Atem geht in der Dunkelheit. Und nur ihr Herz. Sie spürt wie ihr Puls vibriert. Sich pochend wie eine Schlinge um ihren Hals legt. Ihre Finger streichen sanft über die Scheibe. Ganz marmoriert. Die Kälte engt sie ein. Ihre Finger sind starr. Und ihr wird bewusst: Sie ist allein. Mit ihrer Wut, ihrem Frust. Das Geschehene wird klar Und sie kann nicht verstehen, Warum sie weggelaufen ist. Aber so war es schon immer. Problemen kann sie sich nicht stellen. Kann nicht einsehen, dass auch sie Fehler macht. Und andere darunter leiden. Sie spürt wie sie über sich selber lacht. Doch mit Tränen im Gesicht. Noch nie hat sie ihren Egoismus so sehr gehasst, Wie in diesem Augenblick. Was sie im Beruf anfasst, Wird zu Gold. Wird zu Ruhm. Aber wenn sie nach Hause kommt Öffnet ihr die Einsamkeit die Tür. Und erfüllt jeder Atemzug sie mit dieser Last. Versagt zu haben.. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Am Drücker von luso, 29633 Munster (Deutschland) Er nahm den Tattootürknauf und schob das Rechteck in den Raum und vernagelte die Tür von innen und schlug zu. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |