| Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: |  | Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Im Schatten der Angst von Eberhard Falkenhagen, Frankfurt / Oder (Deutschland) Aufatmen Sicherheit tiefe Stille plötzlich der Schatten Herz pocht rast rast den Gedanken voraus wegweg der Schlüssel wowowo Wieder der Schatten Zittern Schweiß Angst schreckliche Angst Pochpochpochpochpoch schneller noch schneller Sieht Ein lauter Schrei... dann plumps Eigener Schatten im Kampf mit der Todesangst Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Sonnenaufgang von Simone Schiess, 50677 Köln (Deutschland) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Einen Moment sie betrachte den Wagen nachdenklich, dann gab sie ihm einen Klaps auf das rote Dach und drehte sich zu mir um. Das wäre geschafft! Ihre Stimme war betont beschwingt, aber sie konnte ihre Anspannung nicht ganz verbergen. Sie wandte sich wieder ab und sah hinaus aufs Meer. Die Sonne ging langsam hinter uns auf und verwandelte das Wasser in ein silbernes Tuch. Ein Leichentuch, schoss es mir durch den Kopf, aber ich sagte nichts. Die Zeit blieb stehen. Meine Füße klebten auf dem kalkigen Boden fest. Britts tiefer Seufzer erschreckte mich. Der Knall einer Pistole hätte mich nicht mehr zum Zittern bringen können. Los jetzt! Wir müssen beide schieben! Sonst schaffen wir es nicht! Ich zwang meine Füße zum Gehen und ahmte mechanisch ihre Bewegungen nach. Hände aufs Heck legen, leicht abstemmen und dann alle Kraft einsetzen. Der Wagen ließ sich leichter anschieben als ich gedacht hatte. Durch das Rückfenster sah ich Frank vornübergebeugt auf dem Lenkrad liegen. Sein Kopf war unnatürlich verdreht und seine Augen fest auf die Handbremse gerichtet. Und weg, schrie Britt und riss mich am Hemd zurück. Der rote Alfa rollte die letzten abschüssigen Meter auf die Klippen zu, fuhr noch ein wenig in der Luft, bevor er die Richtung ohne zu blinken änderte. Es platschte noch nicht einmal besonders laut, als er ins Meer eintauchte und Frank, der mich mehr als einmal grün und blau geprügelt hatte, mein Leben für immer verließ. Jetzt sind wir frei, sagte Britt. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Mondnacht von Gabriela Mondmann, 8330 Pfäffikon (Schweiz) Sie sass in dem Auto, von innen verriegelt, Regen lief in unverständlichen Zeichen die Scheiben herab. In der linken Ecke der Windschutzscheibe hing der verschwommerner Mond wie eine Blase. Sein Licht lief in die Tropfen. Nacht. Die Nacht tropft im fahlen Licht, dachte sie. Mit den Fingern fuhr sie durch ihr nasses Haar. Hier, dachte sie, werden sie mich nicht finden, aber sie wusste nicht einmal mehr wer sie suchte. Vergessen. Plötzlich schlug ihr Herz schneller, schlug im Hals in den Armen, liess die Fingerspitzen auf den feuchten Hosen zappeln. Panikartig öffnete sie die Tür. Sie werden mich nicht finden, dachte sie. Das einzige, woran sie sich erinnerte, dass niemand sie finden würden. Hastig stieg sie aus dem Auto. Rannte in den nahegelegenen Wald. Die Hosen klebten an ihren Beinen. In den Regen mischte sich Schnee, dreckiger Schnee aus den Wolken der anderen. Sie lief so lange bis sie nichts meh sah, dann fiel sie kopfvoran über eine Böschung und blieb liegen. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers tripps, trapps: ToT von Brac, 1030 Wien (Österreich) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu.
Mechanischer Akt. Rohr aus Fleisch. Das Kraftwerk pumpt. Nichts mit Bedeutung, nichts mit Liebe. Ein dumpf treibendes Pochen. Das Rubinrot ergießt sich und fließt irgendwohin. Aber es pumpt und trägt pathologische Erlösung.
Amputierte Träume springen von Kleinhirn zu Großhirn und in kleinen elektrischen Impulsen zeigt sich, dass da noch etwas lebt. Man muss genau hinsehen.
Komm, ich spieß dir deinen dominanten Augapfel auf meine Gabel, damit du sie besser sehen kannst:
Sie saß. Abszesse im Fleisch. Ungedanken im Unhirn. PolyGLATTE Mimikry. Sie lächelte und faulig schwarzes Fleisch wurde entblößt als sich ihre Lippen spreizten. Lacklachen und honigschwitzendes Warten. Zucken - darauf Reglosigkeit.
Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu und starb Tripps, Trapps: ToT! Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Der Tod und ein Auto von Taxine, 50171 Kerpen (Deutschland) Wir wollten in die Stadt fahren, diesem kleinen, staubigen Ort am Rande der Wüste. Wir hatten uns eine Knarre gekauft und wollten diesen Jungen erschießen. Wir waren keine Sadisten, wir wollten nur zusehen, wie ein Mensch vor unseren Augen verblutete. Das war nichts Neues oder gar eine geniale Idee, das war altbekannt und aus Liedtexten, Büchern und Filmen gelernt. Auch war diese Tatsache kein Zeichen der Langweile oder der Neugier, sondern lag daran, daß wir nicht genügend Phantasie besaßen, um unsere Kreativität anders ausdrücken zu können. Der Junge, der es sein sollte, hatte keine besondere Bedeutung für uns, wir kannten weder seinen Namen, noch hatte er uns in irgend einer Weise verärgert. Der Tod war für uns nichts Ungewöhnliches! Er kam von überall und ging auch überall hin. Er folgte dir oder zerrte an dir, und durchbrach, wie ein Schatten, deinen Werdegang, seit dem Tag deiner Geburt. In den Medien gestaltet, in den Büchern beschrieben, aus den Zeitungen geheuchelt, auf den Straßen erblickt... Wie sollte man da noch Angst vor ihm haben müssen? In der Andeutung eines Horizontes lag die Stadt in schlummernder Dämmerung vor uns. Plötzlich erblickte ich diese Rauchwolken, die unter der Motorhaube unseres Wagens empor stiegen. Krachend vernahmen wir Geräusche, die das Ende einer Auto Ära ankündigten, während der Auspuff stöhnte. Das paßte so gar nicht in unseren Plan. Meine Begleiterin stellte den Motor ab, worauf hin dieser in dichtem Nebel explodierte. Schweigend stiegen wir aus den Überresten des Wagens. Ich trat wütend gegen den rostigen Wagen. Sie schloß die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Ich blickte in die Dunkelheit der Nacht und über die Häuser hinweg und durch die Wolken hindurch. Unser Vorhaben war gescheitert, bevor es überhaupt begonnen hatte. Am Himmel zeichnete sich eine blinkende Kugel ab, die kreiste in langsamen Rhythmen über der Stadt und warf leuchtende Farbreflexe auf unsere Gesichter. War das etwa die Freiheit, geschrieben in neongelb glänzenden Leuchtbuchstaben? Auf irgend einem Straßenschild standen Meilenangaben, der Horizont färbte sich lila. Wir gingen zu Fuß weiter, in einen neuen Lebensabschnitt, und unsere Schritte waren unhörbar und hinterließen keinerlei Abdrücke im Staub der Straße. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |