| Hier lesen Sie die besten Beiträge der zweiten Runde (Jan '02 - Feb '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Stefan Zweig eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Brennendes Geheimnis«. Fischer Taschenbuch 9311. ISBN 3-596-29311-1. 6,90 EUR: |  | Schon war alles in furchtbarster Aufregung und voll gefährlicher Vermutungen, als ein Herr die Nachricht brachte, er habe das Kind gegen drei Uhr am Bahnschalter gesehen. Mißverständnis von Dorothee Dunker, 37075 Göttingen (Deutschand) Die Eltern wollten es erst nicht glauben. Schließlich war Christine erst knapp vier Jahre alt und der Bahnhof lag entgegengesetzt am Ende des lang gestreckten Ortes. Die Mutter hatte morgens früh mit der Kleinen gesprochen. Christine saß vor dem Haus auf ihrem kleinen Schlitten. Als die Mutter eine Viertelstunde später wieder einen Blick nach draußen warf, war der Platz leer, Christine nicht mehr zu sehen. Zuerst suchte die Mutter im Garten , aber Christine blieb verschwunden. Die Mutter bekam Angst , rief ihren Mann an.
Der wollte sich erst nicht stören lassen, kam aber dann doch, schwang sich auf sein Fahrrad und fuhr die Umgebung ab. Er fuhr durch den Ort, fragte nach Christine, fuhr auch bis zum Ufer des Flusses, der sich trüb von Braunkohlenstaub am Ort vorbei schlängelte. Niemand hatte Christine gesehen, niemand konnte einen Hinweis geben.
Langsam ging es gegen Mittag. Die Mutter paßte das ältere Mädchen auf dem Heimweg von der Schule ab und berichtete ihr vom Verschwinden der kleinen Schwester. Zu zweit liefen sie mit zunehmender Angst weiter, quer über den Schützenplatz wieder zum Flußufer, starrten ratlos hinauf und hinunter. Auch keiner der Angler hatte etwas bemerkt, kein helfender Hinweis, nichts.
Und dann diese Nachricht. Sofort radelte der Vater aufgeregt los, rannte in die Bahnhofshalle und blieb erstaunt stehen. Am Eingang zu den Bahnsteigen, zu Füßen des Fahrkartenhäuschens saß seine kleine Tochter auf ihrem Schlitten, ruhig und still. Der Vater befragte aufgeregt den Bahnbeamten, wie lange die Kleine da schon säße, und dieser antwortete ruhig: Die, die sitzt schon lange hier. Aber auf Fragen antwortet sie nicht, nennt auch nicht ihren Namen. Da fiel es der Mutter wieder ein. Die letzte Frage der Kleinen vor ihrem Verschwinden war: Mama, wann fahren wir wieder Eisenbahn? Später, Kind hatte sie gedankenlos und schnell geantwortet.
Die Kleine hatte dem Versprechen vertraut, packte ihren Schlitten an der Schnur und zerrte ihn quer durch die ganze Stadt zum Bahnhof , mitten im Sommer. Und niemand der geschäftigen Erwachsenen hatte sie auf ihrem langen Weg bemerkt. Ruhig wartete sie am Ziel Stunden um Stunden auf die versprochene Fahrt. Aber daraus wurde zu ihrer tiefen Enttäuschung nichts. Es gab nur eine Fahrt auf dem Fahrrad mit einem sehr erleichterten Vater und ein Wiedertreffen mit einer schuldbewußten Mutter. Die ältere Schwester fand, man machte mal wieder zuviel Aufhebens von der Kleinen, wie so oft. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Um Drei von Elisabeth Küntzel-Budde, 65187 Wiesbaden (Deutschand) Kind, Wind, kalt um drei. Alles vorbei und doch nicht dahin, und doch dahin, Zeit, ohne Sinn.
Rege leitet, wegeleitet aufbereieitet, vorbereitet. Alles um drei vorbei?
Ein Fremder Mann! Hilfe. Vorbei gekommen mitgenommen um drei? Ein Kind am Schalter, noch nicht im richtigen Alter, aufgefunden, wiedergefunden, abgeholt vorbeigebracht. Das Kind war zu Hause, glücklich, um halb acht. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Der Ausreißer von Karl-Heinz Ganser, 52152 Simmerath (Deutschand) Schon war alles in furchtbarster Aufregung und voll gefährlicher Vermutungen, als ein Herr die Nachricht brachte, er habe das Kind gegen drei Uhr am Bahnschalter gesehen. "Dann ist ja klar, dass der Junge entführt worden ist!" rief die dicke Frau im Pelzmantel den anderen Reisenden zu, die sie in der Bahnhofshalle umringten. Eine junge Frau schluchzte. "Das ist überhaupt nicht klar!" entrüstete sich der Herr im grünen Lodenmantel. "Als ich vorhin im Vorbeigehen hörte, dass ein schwarzgelockter Junge verschwunden sei, da fiel mir ein, dass ich so ein Kind gesehen habe. Und das wollte ich Ihnen sagen, mehr nicht." Er musterte die Frau und fragte dann: "Warum stehen Sie eigentlich hier herum und lamentieren, anstatt etwas zu unternehmen?" "Ich hab` damit überhaupt nichts zu tun, fragen Sie die da!" Sie zeigte mit dem Finger auf die junge Frau in dem grauen Kostüm, die eine niedergeschlagenen Eindruck machte. Nach einer Weile sagte die junge Frau: "Mein Chef ist sofort zur Polizei gegangen, als wir gemerkt haben, dass Michael weg ist." Die Frau seufzte. Sie wies mit der Hand in Richtung des Zeitschriftenladens. "Da drüben wollten wir uns Lektüre für die Reise nach Zürich kaufen und als wir uns umdrehten ..." "War der Junge weg!" ergänzte die Frau im Pelzmantel. Dann wandte sie sich an den Mann und sagte energisch: "Los, Sie müssen jetzt sofort zur Polizei gehen und sagen, was Sie gesehen haben!" Der Mann murmelte etwas von blöder Situation und verschwand. Zehn Minuten später rannte plötzlich die junge Frau einem Mann entgegen, der einen Jungen hinter sich herzog. "Herr Heymann! Gott sei Dank! Sie haben Michael!" rief sie freudig erregt. Heymann versuchte zu lächeln, doch die Anspannung der letzten Stunde ließ nur ein müdes Grinsen aufkommen. "Stellen Sie sich vor, der Bengel saß schon im Intercity nach Hamburg." "Ja, aber ...wir wollen doch ... nach Zürich ... wieso ..." stotterte die junge Frau und blickte Heymann und den Jungen verständnislos an. "Ich wollte zu meiner Mutter und nicht in das blöde Hotel nach Zürich!" maulte Michael und zertrat wütend eine Cola-Dose, die gerade vor seine Füße rollte. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Happening von Kekkek, 10711 Berlin (Deutschand) Clone: Nein, nicht Clown oder Klauen. Dolly, remember, das doppelte Lottchen. Sie hebt die Brauen ein wenig, entläßt sie aus der Höh; na gut: hastjarecht. Vereinbart: Kinderwunsch zeitgemäß. Humanistische Tradition? Papperlapapp. Kommt Zeit kommt Kind. Wieland Herder? Ist doch graue Vorzeit!(aber auch anno dazumal denkbar: Hoffmann, das war n Kerl!) Und unser Sandmann pieselt Euros. Lehrter Bahnhof, 3:10AM hier also. ich befand mich in erregter Anspannung. Klar,rechtlich war alles geregelt. Die AGB der Firma ließen keinen Interpretationsspielraum zu. Aber Handel von geklonten Kindern übers Netz ist selbst heutzutage nicht Routine geworden. Mir fielen 1000 Dinge ein, die noch passieren konnten,oder schlimmer,die nicht in Zustand waren am Körper, hardwaremässig. So frosten wir in diesem Ungetüm von gläsernen Bahnhof und werden langsam aber sicher nervös. Hätten wir uns bloß abschließend geeinigt,wie weiter verfahren. Sofort weg, raus aus dem europäischen Sumpf und erstmal Luftschnappen. In Rotasien werden Höchstsummen bezahlt für 1.Klasse A-Kids,das wär zu überlegen. Oder Ihr nachgeben? Malsehen. Wieder fällt mir der zwielichtige Typ auf,der bei den Schalterrobotern wieselte. Was macht der hier nachts rum? Wie ein Pennbruder sah er nicht aus. Hm,alles nicht angetan, Sie zu beruhigen. Ich kannte Sie. Coolness war nicht zu erwarten. Wenn die Schwebebahn nicht eintrifft,wird Sie hysterisch. Nützt nichts,daß eine Verspätung wegen der Chips im Geschwindigkeitsprozessor bereits durchgegeben wurde. Die Zeit rieselte grausig langsam und matt aus der elektrischen Deckenuhr. Endlich die ersten Blitze aus Süden! Jetzt konnte es nicht lange dauern,da sah ich Schatten, schließlich die Maschine in Länge. Die Bahn schwebte herein auf Ebene7, statt wie angesagt auf der 5, wir mußten hetzen. Das hatte noch gefehlt, der dämliche Roboter, kann nicht mal 111 von 101 unterscheiden, war wohl ein Bit verrußt. Ich musste Sie jetzt fast tragen, war fast am Ende. Und dann das Desaster. Neben tausenden der üblichen fremd und fahlen Arbeitertypen war nichts, geschweige denn ein Kind zu entdecken. Unmittelbar darauf erschien der Typ, stellte sich als Agent der Firma vor,Kontrollaufgaben. Er hatte vorhin ein kleines Wesen gesehen, aber aufgrund der Tatsache, daß der Transport Verspätung hatte, nicht weiter darauf geachtet. Ich verstand, ein Ablenkungsmanöver,glasklar. Und der Typ dümmer als der hochgelobte Ansagechip. Aber nicht mit mir, da falle ich nicht rein. Jetzt könnte es losgehen! Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Bahnhofsblumen von Ralf Ortheil, 69483 Wald-Michelbach (Deutschand) Da lag er zusammengerollt mit angezogenen Knien, seinen alten braunen Teddybär im Arm, friedlich schlafend, einsam auf der Bank in der Bahnhofshalle. "Sven, Sven", rief sie schluchzend, beugte sich über ihn und küsste ihn unter Tränen. Sie hatten so fröhlich und ausgelassen in ihren Geburtstag noch weit nach Mitternacht hineingefeiert. Bis dann gegen drei Uhr der grauhaarige, ältere Mann in korrekter Geschäftskleidung in das klei-ne Lokal , unweit des Bahnhofs, mit der Nachricht hereinplatz-te:"Benachrichtigen Sie sofort die Polizei. Im Bahnhof liegt ein klei-nes Kind auf einer Bank." Lähmendes Schweigen in der Geburtstagsrunde, furchtbare Auf-regung und dann ein Stimmengewirr von allen Seiten mit abenteuer-lichen Vermutungen und bösen Vorahnungen. Bis einer der Männer vorschlug : " Kommt mit, lasst uns selbst nachsehen !" Fast alle folgten ihm den kurzen Weg in die Bahnhofshalle. ....Sven schlug die Augen auf, blinzelte etwas verwirrt zu der herum-stehenden Schar von leicht angeheiterten Frauen und Männern und sprach ganz leise und schlaftrunken : " Mama, ich habe Dich überall gesucht, ich wollte Dir doch als erster zum Geburtstag gratulieren." Sein kleinen Hände griffen unter die Bank, sammelten die etwas verstreut liegenden, bunten Wiesenblumen auf, die bereits ihre Köpfe ob der langen Bahnhofsnacht hängenliessen, und hielten sie seiner Mama entgegen. Noch Jahre später mussten sich alle Sträusse, die sie zu ihren Geburtstagen geschenkt erhielt, mit nächtlichen Bahnhofsblumen, wie sie zu sagen pflegte, vergleichen lassen. 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