Satzfischer - Das literarische Kreativprojekt des Literatur-Cafés in Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag
Hier lesen Sie die besten Beiträge der dritten Runde (Feb '02 - März '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Andrea Paluch und Robert Habeck eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Hauke Haiens Tod«. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-059010-4. 18,90 EUR: Cover: Hauke Haiens Tod

»Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?«

Das Wunder
von Marie-Luise Wendland, 44805 Bochum (Deutschand)

"Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?" fragte Annegret und zeigte der Krankenschwester ein kleines schwarzweißes Kätzchen, das leise miaute.
Die Krankenschwester machte eine abwehrende Geste. "Auf keinen Fall," zischte sie. "Das ist unhygienisch und verstößt gegen alle Vorschriften." Annegret gab so schnell nicht auf. Sie hielt das kleine Wollknäuel der Schwester dicht ans Gesicht. "Es wird mein Freundin Kathi wieder gesund machen," bettelte sie mit traurigen Augen. "Nein, und nochmals nein!" Die Schwester wurde jetzt richtig laut, brachte kein Verständnis für das Kind auf.
Annegret setzte sich auf die Bank in der Besucherecke, weinte leise vor sich hin und streichelte das Kätzchen.
Kathi war in den eiskalten Fluß gefallen und beinahe ertrunken. Retter hatten sie wiederbelebt, doch sie lag im Wachkoma.Bei ihrem letzten Besuch war Annegret ganz entsetzt, als sie ihre Freundin sah. Sie lag da, bewegte sich nicht, ihre Augen waren weit offen.
Das Kätzchen hatte Kathi zu ihrem letzten Geburtstag vor drei Wochen bekommen und liebte es abgöttisch.
Ein junger Arzt kam vorbei und fragte das weinende Kind nach dem Grund der Traurigkeit. Er hatte mehr Verständnis als die schnippische Krankenschwester. "Einen Versuch ist es wert," meinte er.
Überglücklich folgte Annegret dem Arzt auf das Krankenzimmer der Freundin. Vorsichtig nahm sie die schlaffe Hand von Kathi und strich mit ihr über das weiche Fell des Kätzchens. Sie wiederholte es immer und immer wieder. Plötztlich, sie wagte es gar nicht zu glauben, bewegte sich Kathis Hand. Dann, o Wunder, bewegten sich auch die Augen, bewegten sich sogar die Lippen, doch das Sprechen gelang nicht.
Annegret klingelte nach der Schwester. Sie kam und zugleich der Arzt.
Alle sprachen von einem Wunder, wollten alle das Kätzten, die kleine Heilerin, streicheln. Jetzt weinte Annegret vor Glück.

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Besuch vom Mars
von Elke Kuehnel, 91460 Baudenbach (Deutschand)

"Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?"
fragte ein Mauerblümchen aus Bremen.
Sie hielt in den Händchen
ein grünes Männchen.
Heutzutag' braucht man sich dafür nicht schämen!

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nachts so weiß
von brita, 3040 Fala, Coimbra (Portugal)

kann ich es mit aufs zimmer nehmen?
natürlich! es gehört dir. es ist das letzte. und vergiss nicht, was ich gesagt habe.
vielen dank! sie nahm die kleine figur zärtlich in ihre hände.
nichts vergesse ich. wenn ich's nur behalten darf !?
nun geh schon! er küsste sie auf die stirn.
dann schwebte sie wie eine prinzessin hinauf in ihr zimmer, wo sie es behutsam aus ihren fingern gleiten ließ. auf das emailtischchen, da passte es. so schön war es: so edel, so gütig, so ... sie musste es immer anschauen. wie es schimmerte und – wie es sie ansah – ! war es wahr, was er gesagt hatte? nur keine wolken am himmel, bitte, flehte sie.
sie machte sich früh für die nacht fertig. schlüpfte ins bett und wartete.
es war sternklar und der mond schien bald schon in die linke ecke ihres zimmers. langsam wanderte er weiter. noch lag das tischchen im dunkeln, aber wohl nicht mehr lang. heute hatte sie keine angst. (früher fürchtete sie sich, wenn das mondlicht lange schatten warf, weil sie darin grimassen und gespenster sah.)
nur nicht einschlafen. sie war aufgeregt, doch mit jedem zentimeter, den ihr zimmer heller wurde, nahm ihre müdigkeit zu, denn da war leise musik von draußen, die sie sanft in den schlaf sang. über die fingerspitzen drang wärme in sie, die sich wie eine welle ausbreitete, nach warmer milch mit honig schmeckte. und genau, als der mond den rand des tischchens berührte, fielen ihre augen ganz zu.
da sah sie es vor sich: lebensgroß. es drehte sich, neigte seinen kopf zu ihr. sein gläserner körper strahlte seidig, seine großen dunklen augen legten sich weich über sie und nahmen all ihre gedanken auf.
komm, meine kleine, sagte das einhorn.
sie wagte kaum, über die mähne zu streicheln, als es seinen kopf in ihren schoss legte. dann, wie von einer unsichtbaren hand, wurde sie auf seinen rücken gehoben. alles geschah von selbst. das fenster öffnete sich. im windhauch, der über seinen nacken floß, roch sie seinen wunderbaren duft: so leicht und blumig. sie war verzaubert.
als sie am morgen aufwachte, stand es wieder auf dem tischchen: klein und unbeweglich. doch sie brauchte nur die augen zusammenzukneifen, dann war da wieder das funkeln seines horns, genauso wie zuvor, als sie über den lichtern der stadt miteinander getanzt hatten.
und sie lächelten sich zu.

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Nachts
von MZ, 51067 Köln (Deutschand)

Herr Litt schreckt jäh auf. Die Nachtglocke dringt enervierend an sein Ohr, das er im back-office auf seinen zusammengerollten Trenchcoat gebettet hatte. Ein kurzer Blick auf die Uhr: vier Uhr morgens. Gewöhnlich kann er bis zum Beginn der Frühstückszeit ungestört schlafen. Rasch zieht er die Krawatte stramm und eilt mit langen Schritten zur Eingangstür. Im hellerleuchteten Drehkreuz steht eine elegante Gestalt, den Mantel über die Schultern geworfen. Ein Schwarzer, sehr groß und kräftig. Der Nachtportier heißt ihn freundlich willkommen. Jetzt kann er die restliche Kleidung ausmachen: hohe Stiefel aus feinem Leder, in einem der Schäfte steckt eine Gerte. In der blütenweißen Reithose zeichnen sich deutlich muskulöse Beine ab. Ungewöhnlicher Aufzug mitten in der Nacht, denkt Herr Litt. Doch in seinem langen Berufsleben hat er schon manch illustres Volk hier in der Stadt absteigen sehen.
"Ich hätte gerne ein Doppelzimmer für eine Nacht." In akzentfreiem Hochdeutsch spricht ihn der vornehme Herr an. "Gibt es auch Zimmer mit Badewanne?" "Ja, die Nacht kostet140 €. Frische Handtücher liegen ebenfalls bereit, wie ich sehe sind Sie ohne Gepäck."
"Nein, mein Gepäck hol ich noch." Herr Litt – im Umdrehen nach dem Schlüssel begriffen – sieht aus dem Augenwinkel wie etwas Seltsames den Eingang passiert. Er stutzt, sieht genauer hin. Zuerst ist da nur die feuerrote Mähne. Dann erkennt er eine junge Frau, in jeder Hand eine Tasche tragend. Sie ist nackt, nur der Rücken mit einem Umhang bedeckt. Sein Blick bleibt an ihren schweren, entblößten Brüsten haften, die von einem Ledergeschirr verziert werden. Ein Federbüschel thront auf ihrem Kopf wie bei Zirkuspferden. Um den Hals baumelt eine Trense. Mit stolzem fast übermenschlichem Gang durchschreitet sie die Eingangshalle. Erst jetzt läßt er seine Augen nach unten wandern: ihre Füße stecken in hufförmigen Stiefelchen. Rythmisch umspielt ein langer Schweif ihre Hufe und Steigbügel fallen an mächtigen Schenkeln herab.
Nur das gleichmäßige "Klack Klack" der Hufe auf dem Steinboden durchbricht die nächtliche Stille des Hotels. Herr Litt starrt mit geöffnetem Mund über die Schulter des Mannes hinweg. Dieser zieht unwillkürlich die rechte Augenbraue hoch und sieht ihn mißbilligend an. Dann folgt er dem entgeistertem Blick seines Gegenübers.
Mit einem gewinnenden Lächeln, jedoch nicht ohne ironischen Unterton in der Stimme sagt er dann: " Ah da kommt ja mein Pony! Kann ich es mit aufs Zimmer nehmen?"

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Ein ungewöhnlicher Gast
von Lothar, 41564 Kaarst (Deutschand)

"Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?" fragte ich höflich.
     Der Portier kratzte sich am Kopf und schien zu überlegen. Schliesslich sagte er:
     "Ich muss den Direktor fragen. Warten sie bitte einen Moment."
     Er griff zum Telefon, drückte eine Taste und sagte kurz darauf:
     "Herr Gärtner, hier ist eine Dame mit einem etwas ungewöhnlichen Haustier." Und nach einer kleinen Pause: "Es ist ein Schwein." Gleich darauf beendete er das Gespräch und wandte sich mir zu:
     "Der Herr Direktor möchte es sehen. Bitte gehen Sie den Gang rechts hinunter und folgen Sie dem Wegweiser 'Direktion'."
     Ich fand die Tür ohne Mühe, klopfte an und trat nach dem Herein-Ruf ein, gefolgt von meinem vierbeinigen Begleiter, der den Direktor mit misstrauischen Schweinsäuglein betrachtete. Dieser erhob sich von seinem Drehsessel, streckte mir die Hand entgegen und murmelte seinen Namen.
     "Renate Schüler", antwortete ich.
     "Ist es stubenrein?" lautete seine erste Frage.
     "Absolut," antwortete ich, "und ausserdem bellt es nicht, kratzt nicht an den Tapeten und bettelt nicht an den Tischen anderer Gäste."
     "Sie wollen es doch wohl nicht mit in den Speisesaal nehmen?"
     "Eigentlich speisen wir immer zusammen, aber es wäre sicher auch mit einem Platz in der Küche zufrieden."
     "Wie heisst es denn?"
     "George Bush!"
     "George Bush?" wiederholte der Direktor ungläubig. "Das grenzt ja schon fast an Beleidigung."
     "Da haben Sie Recht. Aber er weiss ja nichts von seinem berühmten Namensvetter. Ausserdem nenne ich ihn liebevoll JeeBee."
     Um es kurz zu machen! Der Direktor erlaubte mir nach einigem Hin und Her, JeeBee mit auf das Zimmer zu nehmen und unsere Flitterwochen verliefen sehr harmonisch. Mit JeeBee habe ich wirklich Schwein!

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