| Hier lesen Sie die besten Beiträge der dritten Runde (Feb '02 - März '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Andrea Paluch und Robert Habeck eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Hauke Haiens Tod«. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-059010-4. 18,90 EUR: |  | »Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?« Kann ich ... ? von Wilfried Engl, 27412 Dipshorn/Vorwerk (Deutschand) " Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen ? " " Natürlich. Sie brauchen sich auch gar nicht zu schämen. Es waren schon ganz Andere da, mit ärgeren Wünschen als dieser. Ja ! Und wer sollte etwas dagegen haben, wenn sie sich daran erquicken und laben ? Ist es nicht toll in der kühlen Nacht, hat man sowas mit heimgebracht ? Die, welche schon mal ohne es waren, bekamen danach ganz seltsames Gebaren ! Machen sie sich deshalb also keine Sorgen. Behalten sie es ruhig bis zum Morgen. Auch wenn sie nicht zum Schlafen kommen und sind zum Frühstück etwas benommen: es lohnt sich doch auf jeden Fall ! Man bekommt es ja auch nicht überall... Mal ist es hier, mal ist es dort. Mal ist es da, mal ist es fort. So seien sie sich ganz gewiss: ich sag es ihnen im Vertrauen. Hat es auch hier und da `nen Riss. Lassen sie es sich nicht klauen. Sie wären danach kaum zu retten... So ! Geh´n wir jetzt in unsre Betten. Gute Nacht ! " Erwacht ! Gelacht ! Mitgemacht ! Gewonnen ? Zerronnen ! Was bleibt, sind Wortkolonnen... Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Zimmer 18 geht nach Osten raus von Andreas. A. Riglione, 79189 Bad Krozingen (Deutschand) Kalle war stinklangweilig. Immer war er der Dumme, der den Posten des Nachtportiers besetzen musste. Sicher öfter als Heiner, dessen war er sich sicher, auch wenn er es nicht beweisen konnte. Er war nicht sehr helle. Er sah über die Schulter nach hinten ins Empfangsbüro und durchs Fenster hinaus zum sowjetischen Sektor. Das Brandenburger Tor in weiter Ferne war in der späten Dämmerung der Juninacht nur als Schemen erkennbar. Aus dem Augenwinkel nahm er den nagelneuen NSU wahr, der vor dem Haupteingang hielt, dem einzigen jetzt noch offenen. Nettes Auto. Er würde morgen seinem Nebenjob als Schmuggler in die Ostzone nachgehen. Nichts Grosses, nur ab und zu ein Rucksack voller Waren, die drüben nicht zu bekommen waren und für eine geringe Anhebung des Lebensstandards sorgten. Noch sahen die Russkis fast tatenlos zu, aber für wie lange noch? Vielleicht würden sie die Kontrollen an den Zonengrenzen bald noch mehr verstärken. Aber so lange sich damit eine schnelle Mark machen liess... Er wurde hellwach, als ein piekfein gekleideter Herr eintrat. Kalles Augen weiteten sich, als er sah, was von ihm mühsam mitgeschleppt wurde. "Verzeihen Sie, mein Herr, aber..." "Ich weiss, du kennst mich nicht, ich bin erst seit gestern hier Gast," fiel der Angesprochene ihm ins Wort. Unter seinem Hut wurde ein nettes, ältliches Gesicht mit weisen grünen Augen und einem grauen, gepflegten Schnurrbart sichtbar "Meier mein Name. Zimmer 18. Meinen Schlüssel bitte." Nach einem Blick auf die Gästeliste fischte Kalle zaghaft und ohne die Augen von ihm zu lassen, den Schlüssel hervor. "Ich weiss, es geht mich nichts an, mein Herr, aber..." "Da hast du recht, Junge, es geht dich nichts an. Und, kann ich es mit aufs Zimmer nehmen?" "Um ehrlich zu sein, ich denke nicht. Vielleicht wollen Sie, dass ich den Geschäftsleiter zu Rate ziehe..." Kalles Stimme erstarb, als Lehmann aus einer Tasche einen Stapel grüner Scheine mit einer übereinander gekreuzten Geige und einer Klarinette auf den Rückseiten vor ihm hinzublättern begann. "Sag’ ‚Halt’, sobald du spürst, wie Gedächtnisschwund bei dir einsetzt, Jungchen." Er blinzelte auf eine burschikose Art. "Aber übertreib’s nicht." "Gut, gut," bestätigte Kalle schnell, dessen Augen immer grösser wurden. Er griff zu. Mann, nie mehr schmuggeln... Meier. Na klar, dachte er grinsend. Dieser Kerl war so deutsch wie Cola und Kaugummi. Aber was konnte er nur damit in seinem Zimmer wollen? Ging Raum 18 nicht nach Osten hinaus, fragte er sich. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Eine Überraschung von Maria, 91413 Neustadt (Deutschand) "Herein!" klang es von drinnen. Zaghaft öffnete Jonas die Tür und betrat das Büro des Internatleiters. Wie immer, wenn Jonas mit Eckert zu tun hatte, spürte er leichtes Bauchgrimmen. Der machte die Schüler einfach nervös, ein unangenehmer Typ war er, dabei ätzend jovial. Was wollte Eckert nur von ihm- sein Gewissen war rein. Aber das hatte nichts zu bedeuten. "Ah, Schönfeld, da bist du ja, setz dich, mein Freund! Erstmal: Meinen Glückwunsch zu deinem Geburtstag!"- "Äh, ja, danke,"stotterte Jonas. "Ja, Schönfeld, warum ich dich habe rufen lassen: Dein Vormund war heute da. Er läßt dich herzlich grüßen, er hätte dir auch gerne gratuliert, er mußte jedoch gleich wieder weg. Er hat dir aber etwas hier gelassen..."- "Ja?"stammelte Jonas, er war erleichtert und verwirrt zugleich. "Allerdings," Eckert verlagerte sein massives Gewicht bequemer in dem ledernen Bürosessel, er lächelte nun. Jonas haßte ihn dafür. Nein, er würde nicht nachfragen! Eckert räusperte sich. "Es handelt sich um eine Hinterlassenschaft deiner Mutter- Gott hab sie selig. Ein Tagebuch. Sie hat in ihrem Testament verfügt, dass du es an deinem 11. Geburtstag erhalten sollst." Jonas wollte nicht, dass irgend jemand über seine Mutter sprach, die Erinnerungen sollten ihm allein gehören. Und nun Eckert von ihr reden zu hören- ihn überlief ein Frösteln. "Wo hab ich es denn hingetan- hier ist es", Eckert zog ein in Packpapier gewickeltes flaches Paket aus einer Schublade und drückte es ihm in die zitternden Hände. "Kann ich es mit auf mein Zimmer nehmen?" rutschte Jonas heraus, im selben Augenblick hätte er sich die Zunge abbeißen können. Um Erlaubnis zu fragen wie ein kleines Kind! "Natürlich, Schönfeld. Und nun wünsche ich dir noch einen guten Tag, feiert schön!" Wieder das unangenehme Grinsen. Jonas wollte nur noch weg. Mit einem heiseren Gruß stand er auf und verließ den Raum auf wackligen Beinen, das Paket umklammerte er mit beiden Händen. Oben in seinem Zimmer ließ er sich auf das Bett fallen, ihm war immer noch schwindlig, seine Gedanken standen Kopf. Nach einer Weile entfernte er mit klammen Fingern das Packpapier von dem Paket. Es war ein schlichtes blaues Buch ohne Aufschrift. Jonas spürte sein Herz hämmern. Langsam klappte er das Buch auf. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers kannüchesmütaufdaszümmernehmen? von giselheid j. schwarz, 72076 Tübingen (Deutschand) kannüchesmütaufdaszümmernehmen nüchmütaufdaszümmer nüdasnümmer danümm anü ü Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Die Erkenntnis von Dietmar Müller, 20144 Hamburg (Deutschand) " Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?" " Nein Clemens. Marie‘s Foto ist jetzt nicht mehr wichtig."
Er betrat das Zimmer. Masken hingen an der Wand und sogar eine Djembe stand dort, neben dem Bett. "Gute Wahl", dachte er; dieser Raum schien wie geschaffen für ihr Vorhaben. Jack folgte ihm. "Setze dich auf den Stuhl und konzentriere deinen Willen auf Marie", sprach er." Es ist wichtig für Dich, den Willen Deines Herzens in Gedanken zu ihr zu senden; und erliege nicht der Versuchung, deinem Ego diese Aufgabe zu überlassen." Jack nahm die Djembe und begann zu trommeln. Sein Sprechgesang setzte ein: "Hooh, hooh, hooh; hey, hey, hey; hooh, hooh, hooh!" Clemens konzentriete seine Gedanken und Gefühle auf Marie: "Liebe! Liebe! Liebe! Ob Sie es spüren würde? Wie schön Sie doch war. ihre Grübchen, ihr Lächeln, ihre zarten Brüste - er begehrte Sie." Jack schrie ihn an: "Du verlierst Dich in Deinem Ego, komm zu Dir, richte Deine Aufmerksamkeit auf Dein Herz!" Er war sofort wieder in seiner Konzentration, lies seine Sehnsüchte passieren und lenkte seine Aufmerksamkeit inmitten seines Herzens. Das Trommeln wurde schnelller, der Gesang lauter. Er gegann den Rhythmus zu fühlen , seine Kraft. Energie schien seinen Körper zu durchströmen. Der Rhythmus übernahm seinen Willen und leitete ihn in die Tiefen seines Bewußtseins. Er sah sich selbst fliegen, immer tiefer - unendlich tief. Er empfand Sein; im Dahinfliegen erkannte er die Unbegrenztheit des Ganzen. Hier spürte er die Wahrheit, keine IIlusion schien ihn gefangen zu halten. Es war rein. Eine Erkenntnis offenbahrte sich ihm: Seine Reise führte ihn in die Unendlichkeit. Das Trommeln drang mit einem lauten monotonen Rhythmus in sein Bewußtsein : Boohm, Buuhm, Boohm, Buuhm, Boohm, Buuhm. Er begann das Zimmer wahrzunehmen. Die Wände, das Bett, er fühlte den Stuhl. Das Trommeln stoppte. "Und"? frug Jack. "Wo bist Du gewesen?" "Jack", sagte er sichtlich ergriffen, "ich habe das Gefühl, ich bin bis in die Unendlichkeit vorgedrungen." "Und Marie?" Er war nun voller Klarheit. Mit fester Stimme ertönte es tief aus seiner Seele: "Es ist Sehnsucht, reine Sehnsucht; doch Liebe ist es nicht." Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |