| Hier lesen Sie die besten Beiträge der dritten Runde (Feb '02 - März '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Andrea Paluch und Robert Habeck eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Hauke Haiens Tod«. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-059010-4. 18,90 EUR: |  | »Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?« Verona's Problemen von Margret, Dingle, Co. Kerry/Irland (Irland) Der Jauch fragt Verona in Bremen "Kann ich ES mit auf's Zimmer nehmen?" Sagt Verona zu Jauch "Du, der Schmidt will ES auch, Ich glaube, da gibt es Problemen." Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Augen zu von Martina Klingl, 81669 München (Deutschland) Ich werde knallrot. Habe ich wirklich "es" gesagt? Hab ich. "Es" ist eindeutig ein "er", ein Wimpada zwar, aber noch lange kein "es". Der Wimpada sieht mich verärgert an. Recht hat er. Bevor ich mich korrigieren kann, schiebt mir der Portier schon mit einem wissenden Grinsen die Datacard über den Tresen. So ein Arsch, macht hier einen auf Stundenhotel. Als ob es mir um Sex geht. Ich seh zu dem Wimpada, seh die tiefblauen Augen, den muskulösen Körper. Natürlich geht es um Sex, sonst hätte ich ihn nicht gekauft. Oder? Ausreden gibt es viele. Zum Beispiel, dass alles besser ist als von einem Wonki an jeden X-beliebigen stundenweise verkauft zu werden. Dann gleich ganz. Ist doch besser. Ist es das? Ich weiß nicht. Jetzt ist es sowieso zu spät. Ich hab die Kohle rübergeschoben. Wir steigen in den Lift. Als wir in den 62. Stock hochgesaugt werden, vermeide ich jeden Blickkontakt mit dem Wimpada. Ich rieche ihn. Er riecht gut. Aber ich habe keine Lust auf Sex, mein Magen ist flau. Der Lift stoppt, das Display zeigt 62 an. Wir steigen aus. "Wie heißt du eigentlich?", frage ich. Der Wimpada grunzt leise und lächelt entschuldigend. Klar, Wimpadas können nicht sprechen. Ich bin unmöglich. Und ich hab den Wonki nicht mal nach seinem Namen gefragt, einfach gekauft. Naja, in meinem Zimmer ist Schreibzeug. Ich halte die Datacard vor den Türsensor. Die Tür öffnet sich lautlos. Wir treten ein. Die kalte Januarsonne fällt flach durch die schmutzige Fensterfront. Staub tanzt auf den Lichtbalken. Der Wimpada setzt sich aufs Bett und knöpft seine Weste auf. Das ist der Deal. Ist er nicht! Ich schüttel den Kopf. Er sieht mich fragend an, ich schüttel nochmal den Kopf und geh zum Fenster. Die Wolkenkratzer stechen aus dem dichten Smogteppich. Die Stadt ist Dreck. Mein Geld ist Dreck. Ich bin Dreck. Ich kann alles kaufen. Ich starre lange auf die Stadt runter. Als ich mich umdrehe, seh ich, das der Wimpada auf dem Bett eingeschlafen ist. Sein grünes Brustfell hebt und senkt sich. Das Licht ist jetzt apfelsinenfarben. Ich lege mich neben den Wimpada, behutsam, um ihn nicht zu wecken. Vorsichtig berühren meine klammen Finger das weiche Fell. Ich mach die Augen zu. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Andreas, 15. von S.F. Vaclav, A-1030 Wien (Österreich) So ein Scheißtag. Gestern hat der Profi gesagt, ich brauch' die HÜ nicht bis heute nachzubringen und heute klatscht er mich vor der ganzen Klasse auf. "Hauser, Sie Schnecke. Jetzt hamma Mitte März, und im Jänner war die Hausübung fällig. Wie wär's? Krieg' ich sie noch im März?" So ein Arsch. Die Gisi auch. Kichert wie teppert. Kräult ihm hinein. Fass' ich nicht. Überhaupt tut sie so, als wär' sie die Beste. Geht knapp bei mir vorbei, hat einen Blick drauf - und dann gibt sie Gas und geht zum Köhler. Zu dem Streber. "Die Ordination meiner Eltern." So ein Heini. Und ihr taugt das. Blöde Kuh. Und dann trifft der Meixner auch noch meine Mutter im Emma-Laden. "Frau Hauser, wissen Sie, dass Ihr Sohn den Großteil seiner Hausaufgaben nicht rechtzeitig abliefert?" Bin ich eine Spedition? So ein Wixer. Sie hat wieder gelitten und der Alte hat getobt. Weil sein Geld nehm' ich, aber leisten tu ich nix dafür, sagt er. Und er hätte sich alle Finger abgeschleckt, wenn er ins Gymmi hätte gehen dürfen. Aber ich küss' ihm ja nicht die Hände, dem alten Sack. Pfah, das war schon eine Action, wie ich mit dem Rad abgezischt bin! Aber jetzt ist es auch noch hin, weil der verdammte - nein, der Arco ist schon ok. Aber was muss der Köter ständig nach meinen Nikes schnappen! Und wo soll ich es reparieren? Jetzt ist es schon finster, in der Garage stehen die zwei Mofas vom Kinky und das Licht hat auch den Wackler - "Hey Mama! Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?" Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Nur eine einfache Frage von Renate Weller, 40229 Düsseldorf (Deutschand) "Sie werden es nicht erlauben!" zischte er ihr zu. "Wie kannst du das wissen? Du hast doch noch gar nicht gefragt. Du wirst sehen, niemand wird etwas dagegen haben." "Ich brauche nicht zu fragen. Ich weiß, dass sie es nicht gestatten werden." Anna überlegte krampfhaft doch vergeblich, wie sie dieses Gespräch in andere Bahnen lenken konnte. Sie wusste, dass er sich an diesem Thema festbeißen würde. Wie unruhig er auf seinem Sitz hin- und herrutschte. Gleich würden auch wieder seine Augen nervös zu zucken beginnen. Zuerst das rechte Auge, ganz zaghaft, kaum merklich, doch es dauerte immer nur wenige Minuten bis schließlich beide Augen ein heftiges Zucken befiel.
"Frag doch endlich!" "Nein!" "Ich kann einfach nicht verstehen, wie man wegen so einer Kleinigkeit, so einen Aufstand machen kann!" Franks rechtes Auge begann kaum merklich zu zucken. "Kleinigkeit? Du nimmst ja immer alles auf die leichte Schulter." "Vielleicht ist das besser, als aus allem ein Drama zu machen! Es ist doch nur eine einfache Frage! Es kann doch nicht so schwer sein, dem Kellner diese dämliche Frage zu stellen!" Sie bemühte sich leise zu sprechen, doch die umliegenden Gäste wurden bereits aufmerksam. Anna blickte in zwei völlig fassungslose Augen, die mittlerweile beide von einem heftigen Zucken umgeben wurden. Etwas verkrampft lächelte sie einen korpulenten Herrn, mittleren Alters am Nebentisch an, der verständnislos zu ihrem Tisch herüberschaute.
"Die Leute schauen schon." Mit einer Kopfbewegung deutete Anna auf den Herrn am Nebentisch. "Dann werde ich halt fragen." "Das wirst du nicht!" fuhr Frank Anna an und bemerkte erst zu spät, dass er lauter als geplant gesprochen hatte. Nun waren auch die anderen Gäste auf ihn aufmerksam geworden. "Das werde ich wohl tun oder meinst du etwa, dass ich dieses Affentheater noch länger mitmache?" Mit einer gezielten Handbewegung winkte Anna den Kellner zu sich. Franks Gesicht mutierte zu einer versteinerten Maske und es war schwer auszumachen ob sein Gesichtsausdruck Wut oder Angst wiederspiegelte. Anna hielt dem herannahenden Kellner ihr Glas Rotwein entgegen und fragte: "Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?" "Aber gerne meine Dame" erwiderte der Kellner in gewohnt freundlicher Art. Anna ergriff mit der anderen Hand Franks Glas und erhob sich. "Schreiben Sie das bitte auf unsere Rechnung." Der Kellner nickte und Anna verließ, ohne sich noch einmal zu ihrem verdutzten Begleiter umzudrehen, gezielten Schrittes den Schankraum. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen von Hildegard Lena Kuhlenberg, 50968 Köln (Deutschand) Es war an einem dieser überfüllten Badestrände, wo Hunderte von Menschen zusammengepfercht auf wenigen Quadratmetern sich in der Hitze braten lassen und ihre Zeit verbringen mit Nichtstun. In diese Trägheit hinein fielen die Worte eines etwa zehnjährigen Mädchens und eines wohl gleichaltrigen Jungen: "Du bist dran." "Ist es größer als ich?" "Nein." "Ist es hier am Strand?" "Ja." "Kann ich es anfassen?" "Nein." "Die Welle." "Die kann man ja anfassen." "Kann man nicht. Die ganze Welle nicht, nur an einer Stelle, und dann ist sie schon keine Welle mehr." "Ja, aber man kann sie irgendwie schon anfassen." " Man kann es also nicht anfassen?" "Nein." "Kannst du es jetzt sehen?" "Ja, ich kann es jetzt sehen." "Ich etwa nicht?" "Nein, du nicht." "Ist es hinter mir?" "Nein." "Na gut. Dann gucke ich eben in einen Spiegel. Kann ich es dann sehen?" "Nein, eigentlich nein." "Ja, was denn nun?" "Nein." "Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?" "Ja." "Wenn ich es nicht sehen und anfassen kann, kann ich es ja auch nicht mit auf das Zimmer nehmen." "Doch, mußt du sogar." "Dann muß es ja an mir dran sein oder drin sein." "Drin." "Meine Adern und das ganze Zeug innen drin." "Nein." "Also was jetzt. Außen nicht, innen nicht." "Doch innen ja." "Jetzt sag schon." "Mein Bild von dir." "Dein Bild von mir kannst du doch anfassen, Foto und so." "Ich meine ja, was ich mir so denke von dir." "Dann kann ich es ja nicht mit auf das Zimmer nehmen." "Klar kannst du es mit auf das Zimmer nehmen. Es ist ja in dir drin. Wo soll ich das denn sonst her haben?" "Ich nehm doch nicht dein Bild von mir mit auf das Zimmer. Ich will dein Bild gar nicht." "Mußt du aber. Kannst du nicht anders. Sonst kenn ich dich ja gar nicht. Dann können wir ja gar nicht mehr zusammen spielen." "Sag bloß, ohne Bild spielst du nicht mehr mit mir?" "Die sind doch da für immer, die Bilder. Die kann man ja nicht einfach vergessen." "Na gut. Und wenn ich jetzt ins Wasser gehe, mache ich dann dein Bild naß oder mein Bild ?" "Oh ja, komm, wir machen unsere Bilder naß!" Sie rannten Richtung Meer, und zurück blieb diese lähmende Hitze, in der man zu keinem klaren Gedanken fähig ist. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |