| Hier lesen Sie die besten Beiträge der zweiten Runde (Jan '02 - Feb '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Stefan Zweig eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Brennendes Geheimnis«. Fischer Taschenbuch 9311. ISBN 3-596-29311-1. 6,90 EUR: |  | Schon war alles in furchtbarster Aufregung und voll gefährlicher Vermutungen, als ein Herr die Nachricht brachte, er habe das Kind gegen drei Uhr am Bahnschalter gesehen. Eine Kiste voll Plunder von Liese Bast, 59872 Meschede (Deutschand) "Sie ist sicher entführt worden!" Frau Krause begann, ihre Flohmarkteinkäufe aus dem Kofferraum zu räumen. "Immerhin ist sie die Tochter eines angesehenen Bürgers dieser Stadt." "Entführer fahren nicht mit dem Zug. Vielleicht wollte die Kleine nur verreisen!" Herr Krause begutachtete skeptisch eine alte Schreibtischlampe. "So ein Quatsch! Eine Neun-Jährige verreist doch nicht alleine. Guten Tag Frau Ebermann, haben Sie schon gehört, die kleine Lisa..." "Ich weiß, die Entführer haben sich schon gemeldet. Sigi hat das aus einer todsicheren Quelle. Die Lampe hat ja gar keinen Stecker, Herr Krause." "Die läuft auf Batterie." Herr Krause verstaute verärgert die Lampe zurück in einen Karton. "Und außerdem fahren Entführer nicht mit dem Zug, basta!" "Wieso denn mit dem Zug? Sie wurde direkt vor der Schule abgefangen. Mit einem silbergrauen Mercedes, sagt Sigi. Das hat ihm sein Kumpel vom Sparclub erzählt. Der ist nämlich Beamter bei der Stadt. Eine Lehrerin hat dann sofort die Polizei verständigt." "Sie wurde aber trotzdem am Hauptbahnhof gesehen. Sie will sicher nur ihre Mutter in Bad Füssing besuchen. Die ist dort zur Kur." "Also Werner, das kannst du doch gar nicht wissen! Wer ist überhaupt der Mann, der sie am Bahnschalter gesehen haben will?" "Eben. Wer weiß, wo der herkommt." Frau Ebermann stemmte trotzig die Hände auf ihre ausladenden Hüften. "Man sollte der Polizei mitteilen, dass Schröders eine neue Haushälterin haben. Die steckt da sicher mit drin. Italienerin ist sie, glaube ich." "Stimmt und ihre Familie gehört sicher der Mafia an!" Herr Krause hob einen weiteren Karton aus dem Kofferraum. "Nein, so was!" "Hab ich mir doch gleich gedacht." "Und das in diesem Ort!" "Wir müssen der Polizei Meldung machen." "Da kommt ein Auto." "Oh, Herr Dr. Schröder hat ein neues Auto." "Da sitzt noch jemand drin." "Sicher jemand von der Polizei." "Es ist – Lisa!" "Guten Tag Herr Dr. Schröder." "Hallo Lisa, hast du mit dem Papa einen Ausflug gemacht?" "Ja, wir waren bei Mama. Es geht ihr schon wieder sehr gut. Nächste Woche kommt sie zurück. Auf Wiedersehen." "Auf Wiedersehen." "Sag ich ja, die Information mit dem Bahnhof war falsch. Da wollte sich nur jemand wichtig tun." "Stimmt, sie wurde wirklich vor der Schule abgefangen. Von ihrem eigenen Vater." Herr Krause schloss den Kofferraum. "Aber, dass wir eine von der Mafia in der Nachbarschaft haben! Jetzt heißt es, Augen offen halten! Dinge können da passieren. Auf Wiedersehen Frau Ebermann." Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Die Kinder Gottes von Bettina Eichhorst, 13347 Berlin (Deutschand) Schon war alles in furchtbarster Aufregung und voll gefährlicher Vermutungen, als ein Herr die Nachricht brachte, er habe das Kind gegen drei Uhr am Bahnschalter gesehen. "War jemand bei ihr?" fragte Kommissarin Ekstein den einzigen Zeugen seit dem Verschwinden des Kindes. Der Mann kratzte sich seinen Dreitagebart. "Ja. Es waren zwei Männer bei ihr." Als Jaqueline diese Worte hörte, rannte sie zu dem Mann und packte ihn am Kragen. "Was für Männer? Wo haben sie mein Kind hingebracht?", kreischte Jaqueline hysterisch. Kommissarin Ekstein legte ihre Hand auf Jaquelines Schulter. "Frau Westphal, wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um ihre Tochter zu finden." Aber Jaqueline war nicht zu beruhigen. Wie von Sinnen rannte sie den Bahnsteig entlang. "Sabrina!" Panik ergriff sie. Im Geiste sah sie ihre neunjährige Tochter tot auf den Gleisen liegen. Blutverschmiert, die Kleider vom Leib gerissen und sexuell missbraucht. Wie in Trance stolperte die etwas rundliche Frau über das Bahnhofsgelände und rief immer wieder: "Sabrina!" In der Zwischenzeit wandte sich Kommissarin Ekstein nochmals den Zeugen zu. "Wie sahen die Männer aus?" Er beugte sich zur Kommissarin und flüsterte ihr ins Ohr. "Diese Männer waren vollkommen in Weiß gekleidet. Die Gesichter unter Kapuzen versteckt." Er machte eine Pause und atmete tief durch. "Sie sind dort drüben im Wald verschwunden." "Die Kinder Gottes. Jetzt kriegen wir sie." Siegessicher gab Ekstein ihren Kollegen Anweisung, ihr zu folgen. "Frau Westphal. Kommen Sie!", rief Ekstein und winkte Jaqueline zu sich. Sie rannten durch den Wald. Kein Vogel zwitscherte, kein Tier war zu sehen. Es schien als läge etwas Unheil bringendes in der Luft. Völlig außer Atem erreichten sie eine Lichtung. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Jaqueline auf ein Grundstück, dass sich über mehrere Hektar Land erstreckte. "Frau Westphal, es gibt Hinweise, dass ihre Tochter sich in den Händen dieser Sekte befindet." Plötzlich zog ein beißender Brandgeruch durch den Wald. Flammen züngelten über das Grundstück und drohten es zu verschlingen. "Die Apokalypse hat begonnen", brüllte eine tiefe Männerstimme. "Gott ruft uns zu sich." Der Himmel wurde gleißend hell und eine ohrenbetäubende Explosion, riss Jaqueline und die Polizeibeamten zu Boden. "Sabrina!", schrie Jaqueline mit tränenerstickter Stimme. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Fähre nach Föhr von Dorothee Tataun, 40764 Langenfeld (Deutschand) Pünktlich um 14.10 Uhr sollte der IC 800 auf Gleis 14 des Hamburger Hauptbahnhofs einfahren, um ihn ebenso pünktlich um 14.13 Uhr wieder Richtung Niebüll zu verlassen. Anne kannte diese Verbindung, die sie und ihre Tochter bequem weiter nach Dagebüll brachte, von wo aus sie um 18.00 Uhr die Fähre nach Wyck nehmen würden. Es war 14.00 Uhr und für Anne kein Grund zur Eile, als sie mit Nina auf dem Weg zum Bahnsteig war. Am Kiosk wollte sie die Cosmopolitan kaufen. "Schatz setz dich einen Moment hier auf die Bank. Mami holt schnell eine Zeitung". "Ok" sagte Nina, die für ihr Alter sehr selbstständig war. Es waren nur wenige Schritte. Sie ergriff das Magazin und zahlte. Keine 30 Sekunden waren vergangen, als sie sich umdrehte. Die Bank war leer. "Nina" rief sie und schaute sich suchend um. "Nina" schrie sie lauter. Nichts! Es folgte eine hektische Suchaktion, aber keiner schien Nina bemerkt zu haben. Anne galt als besonnene Frau, aber nun hatte sie Mühe, einen klaren Gedanken zu fassen. Sie wollte zur Bahnpolizei rennen, aber da kamen ihr schon 2 Beamte entgegen. "Meine Tochter" stammelte sie. "Sie ist verloren gegangen, wahrscheinlich entführt, denn sie würde nie weglaufen oder mit Fremden mitgehen". Es wurde eine Durchsage mit exakter Beschreibung veranlasst. Anne sollte im Info-Center Platz zu nehmen und man bot ihr Kaffee an. Ihre Hand zitterte, als sie den Becher zum Mund führte. Über eine Stunde war vergangen. Die Durchsage wurde mehrfach wiederholt und man war aufgefordert, sich zu melden, falls man Nina gesehen habe. Viele Reisende nahmen Anteil und schon war alles in furchtbarster Aufregung und voll gefährlicher Vermutungen, als ein Herr die Nachricht brachte, er habe das Kind gegen 3 Uhr am Bahnschalter gesehen. Anne raste los. "Ja, hier war ein kleines Mädchen und hat sich nach dem nächsten Zug nach Dagebüll erkundigt" bestätigte der Fahrkartenverkäufer. "Haben sie denn die Suchmeldung nicht gehört? Wo ist sie hingegangen?" "Sie wollte zu Gleis 14". Nina saß auf der Bank, auf der Anne sie vor mehr als einer Stunde zu letzt gesehen hatte. "Oh Mami, ich glaubte Oma gesehen zu haben und bin zu ihr gelaufen, aber es war eine andere alte Dame und ich wollte höflich sein und habe sie zum Taxi begleitet. Dann habe ich mich verlaufen und nun sind Zug und Fähre weg" erklärte sie, während sie sich fest an Anne schmiegte, deren Augen sich mit Tränen füllten. "Hauptsache du bist heil wieder da. Die letzte Fähre geht erst um 20.15 Uhr". Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Engel von Ines Braun, 51067 Köln (Deutschand) Wenn ich abends im Bett liege und mich noch ein Weilchen mit dem Lieben Gott unterhalte, folge ich mit den Augen den flatternden Silhouetten, die in einiger Entfernung über dem verfallenen Gebäude kreisen. Tagsüber spiele ich mit meinen Schwestern in den Ställen oder wir fangen Ruderfüßer und Flußkrebse im nahen Bach. Das alte Gemäuer ist uns Kindern verboten, die Erwachsenen sagen, es gehe dort nicht mit rechten Dingen zu.
Über die Osterfeiertage kamen die Verwandten aus der Stadt zu Besuch. Tony brachte sein neues Fernglas mit, das auf wundersame Weise weit Entferntes ganz nah heranholen konnte. Wir übertrafen uns gegenseitig in unseren Entdeckungen, bis Tony behauptete, er hätte ein paar kleine, schwarze Engel in der Dämmerung um das alte Gemäuer aufsteigen sehen. Wir lachten ihn aus und erzählten dem Stadtkind von den Fledermäusen. Aber Tony war sich sicher und wartete ungeduldig auf den Abend um seine Vermutung zu bestätigen. Am nächsten Tag sprach er viel von Engeln und fragte die Erwachsenen nach dem verfallenen Gemäuer. Den alten Bahnschalter meinst du? Da fuhr früher mal die Eisenbahn vorbei, erklärte mein Vater Jetzt ist schon lange niemand mehr da. Nur Fledermäuse und Spinnen gibts da noch. Und ein paar Engel! rief ich und wir lachten, als Tony rot wurde. Abends im Bett fragte ich den Lieben Gott, was er zu Tonys Vermutung sagte. Er, der die Engel doch ein wenig besser kenne, aber er blieb mir eine Antwort schuldig. Dann war der Tag der Abreise da. Nachmittags standen die Koffer bereit, aber als wir Lebewohl sagen wollten, merkten wir, daß Tony fehlte. Ich lief rufend durch die Ställe, wir schauten am Bach nach und stellten das ganze Haus auf den Kopf. Schon war alles in furchtbarster Aufregung und voll gefährlicher Vermutungen, als ein Herr die Nachricht brachte, er habe das Kind gegen drei Uhr am alten Bahnschalter gesehen. Wir fanden Tony in der Ruine. Reglos starrte er ins Dunkel. Die Fledermäuse hingen in dichten Trauben von der Decke und rüsteten sich für ihren nächtlichen Ausflug. Als wir uns auf den Rückweg machten, schwärmten sie aus und flatterten dicht über unseren Köpfen ins Freie. Tony blickte jeder einzelnen nach und plötzlich tat er mir leid. Vielleicht warten deine Engel noch, bis es dunkel ist ...? Er schüttelte den Kopf. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und er öffnete verstohlen seine Hand. Zwei kleine Federn lagen darin, die von einem Lichtkranz umgeben waren und einen zarten Rosenduft verströmten. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Wo ist er von Hellmut Schmidt, 92237 Sulzbach-Rosenberg (Deutschand) Wo ist er? Wo ist er geblieben? So hörte man es in der Runde. Laut und aufgebracht stürmten die Worte aus den Mündern. Wo ist Old McKinleys Sohn? Wo ist er geblieben? Vor zwei Tagen verschwand er wie die Sonne verschwindet in der Nacht, so heimlich still und leise aber unabänderlich. Kamen Diebe in der Nacht um ihn zu stehlen? Kamen sie geschlichen auf leisen Sohlen? Wer weiß es? Wer weiß was geschah mit Old McKinleys Sohn? Hat ihn gedürstet nach den grünen Tälern der Heimat und nach dem frischen Tau der Freiheit, der nach durchschlafener Nacht unter sternenbedeckten Himmel auf der noch verschlafenen Erde liegt? Hat ihn die Lust auf Abenteuer in fremden Welten gepackt wie ein Fieberwahn? Wer weiß es? Wer weiß was geschah mit Old McKinleys Sohn? Nun sah man Sorgengeister im Hause Old McKinleys ein- und ausgehen. Diese Sorgengeister sie wurden nur noch mehr durch die Botschaft eines der Old McKinleys Sohn sah um 3 Uhr in den Nachmittagsstunden, wo die Sonne ihre heißesten Strahlen schon verschwendet hatte. Er hat ihn gesehen da wo die Züge ihre Gäste entließen und Neue aufnahmen. Nahmen sie Old McKinleys Sohn mit? Oder gaben sie ihn wieder her? Wer weiß es? Wer weiß was geschah mit Old McKinleys Sohn? Verschwunden blieb er wie die Sonne die Nachts hinter den hellen Mond sich versteckt. Doch wie die Sonne sich schleicht aus den nächtlichen Versteck so wird er wieder erscheinen, Old McKinleys Sohn. Dann werden wir wissen, was geschah mit Old McKinleys Sohn. Dann werden wir wissen. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |