| Hier lesen Sie die besten Beiträge der zweiten Runde (Jan '02 - Feb '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Stefan Zweig eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Brennendes Geheimnis«. Fischer Taschenbuch 9311. ISBN 3-596-29311-1. 6,90 EUR: |  | Schon war alles in furchtbarster Aufregung und voll gefährlicher Vermutungen, als ein Herr die Nachricht brachte, er habe das Kind gegen drei Uhr am Bahnschalter gesehen. lost & found von Dietholf M. Zerweck, 71642 Ludwigsburg (Deutschand) gerade mal auf himmel & hölle mitten zwischen zwei strichen durchgefallen ein mann von der gelben post hat mich in seinem paketsack aufgefangen zur gepäckaufbewahrung gebracht wo wir jetzt warten aufeinander. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Denise war krank von Jürgen Berus, 44575 Castrop-Rauxel (Deutschand) Denise war krank So krank Daß sie den Weg nicht fand Von der Schule kam sie nicht heim Schwindelgefühle unterbrachen Ihr Taggewohntes Turbulenzen um ihr kleines Sein
Mutter machte sich Sorgen Am Bahnhof lag ihr kleines Gepäck Was sollte sie tun
Mit Blaulicht wurde sie gefahren Gefahren, durchs triefende Naß Ins Krankenhaus hineingeschoben Mit dem Schicksal verwoben Weiße Kittel kämpften um ihr Leben Keine Hoffnung, des Kindes Ende Heimgeholt, emporgehoben
Es traf der Mutter Die Nachricht sehr hart Die Kunde vom Tode Vom nahen Tode ihres einzigen Kindes Wie ein Stich mit einem Schwert In ihrem Herzen Traf sie sehr hart
Mutter eilte zu dieser Stätte Dorthin Wohin ihre Tochter wurde gebracht Gebracht in ihrer letzten Stund Beeilt hatte sie sich Um ihre Tochter zu sehen Vielleicht ein letztes Mal Zum letzten Gespräch Sie eilte herbei
Unhörbar schrie sie ihren Schmerz Warum nur wir Schrie es innerlich raus Dann sah sie ihre Tochter Sah sie liegen So klein wie sie war Nein, oh weh Mutter schrie ihren Schmerz Tränen rannen
In dieser Nacht Jener unheimlichen Nacht Schlief Mutter in Kindes Nähe Um ihre kleine Hand zu halten Immer festzuhalten Aber irgendwann Sie konnte nicht mehr Vorherbestimmte Nacht ?
Mit laufender Nase Der Leere bewußt Stand sie auf,um zu flüchten Zu flüchten aus diesem Zimmer Mit brennender Kehle Wars nur ein Traum Sie trank ein Glas Wasser
In Erinnerungen schwelgend wie es damals war Nunu, Lala, Bubu, Baba Kleines erste Worte Ihre ersten Schritte Ihr stolzes Lächeln Als wenn es gestern war
Denise wurde wach Mutter versuchte zu erklären Ihrer kleinen Denise Was es bedeute, zu gehn Zu den Engeln zu gehn Mit einem Kloß im Hals Versuchte sie zu erklären
Ich weiss, ich weiss Entgegnete Denise rasch Man sagte mir, du kommst auch bald Im Engelreich, dort ist es schön So schön ich es auf Erden niemals sah Hab ich es dort Im Engelreich
Mama nicht weinen Ich hab Dich so lieb So lieb ich Dich habe Ich muß aber jetzt Da schau mal, diese Frau Jetzt muß ich aber gehn Sie lächelt mich an Ihr helles Kleid
Mutter sah nichts Die Ahnung kroch Sollten Sie die Tochter jetzt holen Zum Verscharren geboren Das dunkle Loch, mein lieber Gott Bitte hilf dieser Seele
Mami diese Leute Ich kenn sie all Wollen mich nun holen Und lächelt die Mutter ein letztes Mal an Ein Seufzer, lag still das kleine Geschöpf Der Hülle beraubt
Denise entschlief Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Wer hat Kati gesehen? von Werner Hardam, 38667 Bad Harzburg (Deutschand) Sie stand in der Haustür, hielt ein Pappschild in den Händen. 'Wer hat Kati gesehen?' stand in schnörkeliger Schrift darauf. Unter der Schrift sah man ein Foto, das den Kopf eines Mädchens zeigte. Passanten standen um sie herum, redeten, gestikulierten. Immer wieder blieben Leute stehen. "Was ist mit dieser Frau?", "Kati? Wer soll das sein?", "Ist ein Kind verschwunden?", "Wo? Wann?", "Wie ist es passiert?"... Sie beantwortete keine der Fragen, redete überhaupt nicht. Hielt nur das Schild hoch und sah traurig die Passanten an. Niemand konnte sich erinnern, das Mädchen auf dem Foto gesehen zu haben. Man überlegte, wog ab, stellte Mutmaßungen an. Die Polizei? War die verständigt? Niemand wusste Genaues. Vielleicht lag ein Verbrechen vor, man hört so viel über Kindesentführung. Schrecklich, wenn das so wäre! Schon war alles in furchtbarster Aufregung und voll gefährlicher Vermutungen, als ein Herr die Nachricht brachte, er habe das Kind gegen drei Uhr am Bahnschalter gesehen. Na also, es bestand noch Hoffnung! Einer der Passanten, der mehrfach schon das Wort ergriffen hatte, hob den Arm: "Wer sich zutraut, nach Kati zu suchen, kommt mit mir! Wir werden im Bahnhofsgelände nach ihr Ausschau halten." Die Passanten murmelten beifällig, einige traten heran, scharrten sich um den Wortführer. "Wir werden Kati finden", sagte der Sprecher zu der Frau mit dem Schild. "Sie können sich darauf verlassen!" Schon war er im Begriff, dem Suchtrupp das Zeichen zum Aufbruch zu geben, als sich die Haustür hinter der Frau öffnete. Jemand zog sie ins Haus, dann schloss sich die Tür. Die Passanten auf der Straße waren sprachlos. Was ging hier vor? Der Wortführer polterte wütend an die Haustür: "Sofort aufmachen!" Die Tür öffnete sich erneut, ein Mann mittleren Alters trat heraus und musterte schweigend die Menge. "Meine Schwester ist krank", sagte er schließlich. "Psychisch krank. Es ist schrecklich. - Vielen Dank für Ihre Anteilnahme und Ihr Mitgefühl." "Was ist mit Kati?" "Kati war die Tochter meiner Schwester. Sie ist vor zwei Jahren gestorben, an Lungenentzündung. Meine Schwester ist nie darüber hinweggekommen. Sie bildet sich heute noch ein, Kati sei nur fort gelaufen und man müsste sie suchen. Daher ihr Auftritt mit dem Schild. - Aber nochmals vielen Dank, dass Sie so viel Anteil genommen haben. Ich fürchte nur, es war umsonst." Die Tür schloss sich. Die Passanten sahen sich mit großen Augen an, so als wollten sie es nicht glauben. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Zur besten Teezeit von Sabine Hinterberger, 58638 Iserlohn (Deutschand) Schon war alles in furchtbarster Aufregung und voll gefährlicher Vermutungen, als ein Herr die Nachricht brachte, er habe das Kind gegen drei Uhr am Bahnschalter gesehen.
Als der Herr an der Haustür der Mutter klingelte, saß sie längst zusammengekauert unter den schlimmsten Vermutungen am Küchentisch. Langsam tauchte sie auf, aus ihrer Tasse mit abgestandenem, kaltem Tee. Mühsam schleppte sie sich den langen Flur entlang bis zur Haustür. Das Telefon klingelte ungehört.
Seine Nachricht folgte ihm und ihr zurück ins Haus. Durch den langen Flur. Vorbei am verstummten Telefon. Seine unausgesprochenen Worte gesellten sich zu der aufgerissenen Schachtel Marlboro auf dem Tisch. Er setzte sich ihr gegenüber. Schaute auf die heruntergelassenen Jalousien, die das Licht des Tages aussperrten. Die Teebeutel der letzten Tage lagen achtlos zwischen verschimmelten, hart gewordenen Brötchen und leeren Feuerzeugen.
Sie blickte ihn nicht an. Ihr Blick, gefangen von dem schmutzig braunen Teefleck neben dem überquellenden Aschenbecher. Wartete. Wartete in der dunklen Stille zwischen ihnen.
Seine Nachricht kroch unaufhaltsam über das verdreckt karierte Muster der Tischdecke. Sie klammerte sich an den abgebrochenen Henkel ihrer Teetasse. Wort um Wort näherte sich ihr. Sie bauten sich zu Sätzen vor ihr auf. Hörbar. Unüberhörbar. Sie blieb regungslos am Tisch sitzen, als er wieder aufstand. Seine Worte zurückließ bei ihr. Sie versank mit dem letzten Teebeutel wehrlos in ihrer Tasse.
Er war längst vorbei am Telefon, den Flur entlang geflohen. Die Haustür müsste reparierte werden, dachte er noch beim Hinausgehen... Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Ende gut, alles gut! von Marie-Luise Wendland, 44805 Bpcji, (Deutschand) Schon war alles in furchtbarster Aufregung und voll gefährlicher Vermutungen, als ein Herr die Nachricht brachte, er habe das Kind gegen drei Uhr am Bahnschalter gesehen. Die ganze Stadt hatte sich an der Suche beteiligt. Polizei, Hunde und eben die Einwohner fanden das 5 jährige Mädchen nicht. Und jetzt diese Nachricht! Das Kind wurde am Bahnschalter gesehen. War es allein? Der Mann, der die Nachricht gebracht hatte, konnte diese Frage nicht beantworten. Die Mutter der kleinen Laura hatte sich an der Suche nicht beteiligt. Sie saß zu Hause. War wie gelähmt. Ihr Blick war unverwandt auf das Telefon gerichtet. Vor dem Bahnschalter versammelten sich viele Leute. Man redete hektisch auf den Fahrkartenverkäufer ein, einen älteren Beamten. Zuerst verstand er gar nicht, was man von ihm erfahren wollte. Doch der junge Polizist sorgte für ein wenig Ruhe und fragte nun den Beamten, ob er gegen drei Uhr ein kleines Mädchen gesehen habe. ``Hier sind oft Kinder, die hier alles beobachten, weil der Bahnhof sie einfach interessiert,``antwortete der Beamte. Er solle doch einmal richtig in seinem Gedächtnis forschen, ob ein kleines Mädchen allein oder in Begleitung eine Fahrkarte gekauft habe, drang der Polizist in ihn. Dass er verzweifelt nachdachte, sah man ihm an. Sein Gesicht zeigte einen gequälten Ausdruck. Plötzlich erhellte es sich: ``Da war ein kleines Mädchen, das mir einen Euro auf den Schaltertisch legte und eine Fahrkarte nach Afghanistan lösen wollte. Ich sagte ihm, es solle zu seiner Mutter gehen und fragen, ob es allein nach Afghanistan reisen dürfe. Ich habe das ganze wohl nicht ernst genug genommen,``bedauerte der gute Mann. Durch den Menschenauflauf vor dem Bahnschalter aufmerksam geworden, kam eine ältere Dame von der Bahnhofsmission herbei. Als sie den Grund der Aufregung erfuhr, sagte sie: ´´Na, dann kommt mal mit mir zur Bahnhofsmission!``Der Polizist und die Menschen, die mit der Frau zur Mission gegangen waren, trauten ihren Augen nicht.Ein kleines Mädchen saß am Tisch, biß gerade in ein großes Stück Kuchen und trank Milch dazu. ``Ich wollte gerade die Polizei verständigen,`` bemerkte die Frau, ``doch die Kleine sollte sich zuerst einmal stärken.`` Laura habe ihr erzählt, sie habe ihm Fernsehen die Kinder in Afghanistan gesehen, die gar keine Spielsachen hätten. Da habe sie einen kleinen Koffer mit ihren Lieblingsspielsachen gepackt und wollte sie nach Afghanistan bringen. Der kleine Koffer stand dicht bei ihr. Jetzt aber nach Hause. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |