Satzfischer - Das literarische Kreativprojekt des Literatur-Cafés in Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag
Hier lesen Sie die besten Beiträge der sechsten Runde (Mai '02 - Juni '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Rainer Merkel eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Das Jahr der Wunder«. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048440-1. 19,90 EUR: Cover: Das Jahr der Wunder

Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?

Nachdenken
von Olaf Meusel, 39118 Magdeburg (Deutschand)

Per Modem sind wir stets verbunden
mit Rio, Tokio und Hawai.
Versurfen dabei viele Stunden.
Doch was empfinden wir dabei?
Verpassen wir das wahre Leben
trotzdem wir ständig online sind?
Wir wollen Großes nur erstreben
werden für Kleinigkeiten blind.
Schenken wir jenen die uns wichtig
dabei auch noch genügend Zeit?
Denn wenn Gefühle nur noch flüchtig
regiert bald Hoffnungslosigkeit.
Seid zueinander ehrlich, offen.
Legt aus der Hand die Maus.
Bleibt für die Zukunft doch ein Hoffen?
Macht den Computer aus.

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Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?
von Barbara Raich, 39040 Auer (BZ) (Italien)

Sie saß auf seinem Schoß und küsste in auf den Nacken. Sein Blick war auf den flimmernden Bildschirm gerichtet. Er war im Internet. Chatten. 17 war sie,er 19."Hey Schatz,wie soll ich mich ihr beschreiben?"fragte er die auf seinem Schoß Sitzende. "Gar nicht!",dachte sie,denn was sollte es denn eine andere angehen,wie er aussieht?!"Schreib was du willst;du weißt ja selbst,wie du aussiehst."Meinte sie dann. Er küsste sie auf den Mund und kurz darauf erhob sie sich. Sie hatte sich den Abend anders vorgestellt. Ziemlich anders. Vielleicht hatte er es gar nicht registriert,jedenfalls lag sie jetzt auf dem Bett und schubste die Decke auf den Boden. Sie war müde,gelangweilt und die warme Abendluft schien die Energie regelrecht aufzusaugen,die bis vor wenigen Momenten noch in ihrem Körper war."Er wird schon kommen, wird schon merken, dass ich mich langweile und er diesen blöden Computer besser ausschalten sollte!"ging es ihr durch den Kopf.
Draußen fing es langsam an zu dämmern,der Mond schimmerte pastellfarben als Sichel am Himmel und durch das Dachfenster."Falls du mich suchst, ich bin hier!"Die Worte lagen ihr auf der Zunge,und "Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?!" Doch er würde wohl von selbst auf die Idee kommen irgendwann einmal nach ihr zu sehen.
Nach langen 5 Minuten schaute er ins Zimmer."Was machst du hier?" "Liegen..." Einige Augenblicke später hörte sie,wie er den Computer ausschaltete und endlich kam er zu ihr. Sie sah ihn nicht an,als er siech neben sie setzte. "Bin müde.",sagte sie leise, nachdem er sie sanft gerüttelt hatte. Sie versuchte ihn ihren leichten Ärger anmerken zu lassen und so entstand ein kurzes Schweigen: Sie zwang sich nichts zu sagen und er blieb auch still.
Doch sie konnte ihm nicht lange böse sein -wie immer- dazu hatte sie ihn viel zu gern. Denn obwohl sie erst seit kurzem zusammen waren, mochte sie ihn schon sehr.
Deshalb brach sie auch nun das Eis:" Du, Schatz", fing sie an, und ihr Kopf ruhte dabei auf seiner Brust,"was hatte deine Mutter da gestern gemeint, als..."
An dem Abend war das Gespräch nicht so locker wie sonst. Es lag etwas unaussprechbares in der Luft.
"Wie lange sind wir jetzt eigentlich zusammen?" "Morgen werden's 3 Wochen!"sagte sie, lächelte ihn an und schmiegte sich noch dichter an seinen Körper. In der kurzen Stille die darauf entstand konnte sie vernehmen, wie ihre Armbanduhr die verstreichenden Sekunden in Laute umwandelte.
Und er:"Du, ich muss dir etwas sagen..."

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Es hat aufgehört zu regnen
von Sonja Mietlewski, 91091 Weisendorf (Deutschand)

Lang ist`s her, als ich dich das letzte Mal bat "willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?" Du hast meine kleine Bitte befolgt und wir hatten eine schöne Zeit miteinander. Wir sahen uns noch verliebt in die Augen und konnten es kaum erwarten einander zu entkleiden. Lang ist`s her. In meinen Herzen fing es an zu regnen, meine Seele weinte. Doch du hast nichts gemerkt. Wir haben uns entfernt und schließlich getrennt. Und irgendwann hat es in mir aufgehört zu regnen. Nun beginnt sich der graue Nebelschleier zu entfernen und die Wolken lichten sich. Ich werde dich nie vergessen, aber in meinen Herzen ist nun Platz für ein neues Glück.

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abschalten
von Ilana Funken, 33014 Bad Driburg (Deutschand)

Ich zucke zusammen als er den Raum betritt.
Wenn ich ihn ausschalte, dann ist es vorbei, denke ich, fahre mit den Fingern traning über die Tastatur. Der Bildschrim flimmert und meine Augen tun mir weh.
"Nein, gleich. Noch einen Moment, ja?"
Er verläßt den Raum und wieder bin ich allein. Mit mir, mit Dir. Ganz einsam.
Wenn ich ihn anlasse, dann habe ich eine Chance. Ein Netz, dass mich auffängt einen Grund , eine Berechtigung.

Ich höre wie er sich im Bad die Zähne putzt, wie er aus seiner verschwitzten jeans steigt, sich mit seinem Deostick abreibt, statt sich zu waschen.
Ich höre seine Schritte, seine feuchten Fußsohlen auf den Fliesen, wie er vom Waschbecken zur Toilette und wieder zurück tapst.

Gleich wird er wiederkommen. Wird mich wieder fragen.

Der Computer surrt momotonisch und fast glaube ich ihn seufzen zu hören.
Der Briefkasten auf dem Bildschirm ist noch immer leer. Kein Trost, keine Lösung.
Ein Loch im Netz.

Ich lasse ihn warten, kann sein ungeduldige Atmung in meinem Nacken spüren, obwohl er nicht im Raum steht.

Keine Post.

"Kommst du?"

Ich nicke, schalte den Computer ab und gehe wie ferngesteuert ins Schlafzimmer.
Dann schalte ich mich ab.

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ausschalten
von Thomas Neu, 69115 Heidelberg (Deutschand)

willst du nicht deinen computer ausschalten
kehr ihm den rücken dem apperat dem kalten
zieh raus den stecker geh aus dem haus
stürz dich ins Leben mit dem kopf voraus

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