Satzfischer - Das literarische Kreativprojekt des Literatur-Cafés in Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag
Hier lesen Sie die besten Beiträge der sechsten Runde (Mai '02 - Juni '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Rainer Merkel eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Das Jahr der Wunder«. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048440-1. 19,90 EUR: Cover: Das Jahr der Wunder

Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?

Der Computer
von Christina Neuhaus, 58099 Hagen (Deutschand)

Sie. Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?
Er: Nein.
Sie: Wieso denn das??? Vor einer Viertelstunde erst hast du gesagt, dir tun die Augen weh. Kannst du dich denn nicht mehr daran erinnern?
Er: Doch.
Sie: Ja, warum denn dann nicht? Wenn du so weitermachst, ist nicht nur deine Brille eckig, sondern auch deine Augen.
Er: Du weißt auch nicht, was du willst.
Sie: Wieso denn das, jetzt laberst du aber Blödsinn.
Er: Tu ich gar nicht. Du fragst mich, ob ich den Computer nicht ausschalten will und ich sage nein. Dann kommst du mir mit Argumenten, die eindeutig darauf hinweisen, das ich den Computer ausschalten soll. Dabei habe ich doch gesagt, dass ich ihn nicht nicht ausschalten will. Ich habe nie gesagt, dass ich ihn anlassen will. Siehst du, ich schalte ihn aus, zufrieden?
Sie: Du und dein verdammter Sturrkopf.

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Ich komme gleich
von Liane Lehnhoff, 81375 München (Deutschand)

"Jaaaa, ich komme gleich", mühelos durchdrang Brittas wohlklingende Stimme Wände und Türen.
Henrik griff sich an den Kopf, musste sie immer so schreien? Konnte sie sich nicht etwas zurückhaltender benehmen?. Er setzte sich ans Fenster, um noch einmal über seinen Entscheidung nachzudenken. Wollte er diese Frau wirklich heiraten?
Nach zehn Minuten stand er entschlossen auf, behende wie ein Panther, stieg er in den ersten Stock und klopfte an Brittas Tür. Bevor er sie öffnen konnte, schlug ihm wieder das markerschütternde -"Jaaaa, ich komme gleich" - entgegen.
Unschlüssig verharrte er. Er klopfte noch einmal und öffnete die Tür bevor sie noch antworten konnte. Leise und beherrscht fragte er: "Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten und zu mir in das Wohnzimmer kommen?"
Britta drehte den Kopf, ohne die Hand von der Maus zu nehmen. "Ich sagte doch, dass ich gleich komme. Ich will nur noch die paar Files hochladen, dann ist die Site fertig. Sei doch nicht so ungeduldig. Ich habe gesagt, dass ich das heute noch ins Netz stelle." Ohne sich weiter um Henrik zu kümmern, wandte sie sich wieder dem Bildschirm zu. Ihre Finger trommelten hektisch auf die Tastatur, dazwischen setzte sie mit kurzen Rucken effektiv die Maus ein. Die Außenwelt erreichte sie nicht mehr.
Sie bemerkte nicht, dass Henrik erst noch zehn Minuten reglos hinter ihr stand, dann anfing auf und ab zu tigern, wobei sich sein Gesicht immer mehr verhärtetet. Sie hörte nicht sein Hüsteln und Räuspern mit dem er sich bemerkbar machen wollte. Er schritt den Flur auf und ab und sah jedesmal ins Zimmer, wenn er an ihrer Tür vorbei kam.
Britta hackte weiter hektisch, um mit ihrer Website fertig zu werden. Natürlich klappte das nicht so wie sie sich das vorgestellt hatte, aber sie ließ in ihrer Konzentration auf die Arbeit nicht nach.
Henrik hielt es nicht mehr aus. Er trat leise hinter Britta, fischte ein Kabel aus dem Gewirr, schlang es schnell um ihren Hals und zog die Schlaufe zusammen. Als Britta merkte was geschah, bekam sie schon fast keine Luft mehr. Sie griff in Panik um sich und erreichte den Brieföffner, einen scharfen asiatischen Dolch. Ohne zu zielen stach sie mehrmals hinter sich. Der Druck um den Hals nahm ab, sie konnte das Kabel abstreifen.
Als sich Britta umdrehte lag Henrik in einer Blutlache zu ihren Füßen. Ganz heiser rief sie Polizei und Krankenwagen.
Während sie wartete, arbeitete sie weiter. "Jaaaa, ich komme gleich", hörte der Sanitäter, als er klingelte.

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Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?
von Ursula Knie, 50678 Köln (Deutschand)

Ein geliehenes Leben
lebe ich
in Räumen ohne Raum

Computergeflimmer
ersetzt mir die Sonne
den Tag

nur manchmal reißen sich von meinen Lippen
Worte wie Vogelschreie

der Blick wandert lustlos
über die staubgraue Landschaft der Geräte
Tastaturenwälder

noch bleibt mir
die sonnenbeschienene Platane
vor meinem Fenster

sie wurzelt wie ich
in karger Erde

doch die Tage welken
schon vor dem Abend

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Verführung
von Rosmarie Schumacher, 53518 Wimbach (Deutschand)

Als ich prickelnd vor Freude mit meiner schwarzen Reizwäsche hinter ihm stand,
zärtlich meine Hände um seinen Hals legte und sagte:
" Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?",
kippte langsam sein wuchtiger Körper nach vorne, bis sein hängender Kopf mit einem dumpfen Geräusch auf die Glasplatte schlug.
Da wusste ich sofort, nie mehr würde ich ihn mehr verführen können.

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Kontor Streich, oder wie es heißt
von Wolfito, 55122 Mainz (Deutschand)

„Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?“ fragte sie genervt.
„Bitte Mama, lass mich in Ruhe. Ich spiel im Internet zusammen mit vier Freunden gegen eine andere Mannschaft.“
„Ja, aber das seit vier Stunden. Mach mal Pause. Gestern auf der Lan Party habt ihr die ganze Nacht gespielt. Das kann doch nicht gesund sein. Hast Du für morgen keine Aufgaben?“
„Hab ich gestern gemacht. War voll leicht.“
„Das sagst du immer. Wenn alles so leicht ist, warum kommen andauernd blaue Briefe von der Schule. Und warum bitteschön muss ich andauernd zu deinen Lehrern gehen und mir ihre Klagen über deine miesen Leistungen anhören?“
„Wer hat sich beschwert?“
„Meier der Mathematiklehrer, Frau Schneider in Physik, Frau Niedermayer in Latein und sogar dein Sportlehrer hat sich beschwert. Du wirkst abwesend und unkonzentriert und deine Mitarbeit ist gleich Null.“
„Alles Arschlöcher. Müsste man alle abknallen, diese Lügner. Die haben nichts drauf. Können nichts erklären und meckern nur.“
„Du machst mir Angst mit solchen Worten. Das Leben ist nicht wie dieses Ballerspiel, das du immer spielst, Kontor Streich, oder wie es heißt.“
„Das heißt Counter Strike und ist geil.“
„Was heißt geil. Ist es geil andere Leute zu erschießen?“
„Mama! Erstens ist es ein Strategiespiel und zweitens sind es virtuelle Menschen.“
„Trotzdem sieht es eklig aus. Dieses viele Blut.“
„Geile Grafikkarte. Schau Mama, dem sieht man die Eingeweide.“
„Los mach aus und komm lernen. Es wäre besser gewesen, wenn dein Vater auch den Computer mitgenommen hätte, als er auszog. Dann hätten wir deine schulischen Probleme nicht. Hörst du schlecht: mach endlich den Computer aus!“
„Welche Probleme?“ sagte er und drückte ab, „geil, klingt wie auf der Soundkarte, die AK 47 …“

© Wolfgang Klein, 2002 Mainz

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