| Hier lesen Sie die besten Beiträge der sechsten Runde (Mai '02 - Juni '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Rainer Merkel eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Das Jahr der Wunder«. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048440-1. 19,90 EUR: |  | Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten? Surfer-Song von Brigitte Gumminger, 94060 Pocking (Deutschand) Schneller, als tausend Pferde, surft man im Internet um die Erde. Klick, klick, klack. Der Mensch, neugierig von Natur, erhält Infos und Spaß pur. Klick, klick, klack.
Ob von Pocking nach Peking, von Passau nach Pisa, es gibt keine Grenzen, keine Zölle, keine Visa, keine Pässe, keine Mauern, kein Verkehrsgesetz, der Mensch ist frei im Internetz, und hängt online, an der Kabelleine, virtuell – zum Scheine. Klick, klick, klack.
Jedermann die Freiheit winkt, wenn er von Site zu Site linkt. Klick, klick, klack.
Dabei sitzt er bequem zuhause, bei Kuchen, Kaffee und Brettljause, vergisst die Probleme der Realität, und schmerzt der Nacken und ist es spät, cursort er zu X mit seiner Maus, ein Schlussakkord – und es ist aus. Begeistert träumt dann im warmen Bett, der Surfer vom netten Internet. Klick, klick, klack. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers t- Onlinekurs von Marie Haase, 23970 Wismar (Deutschand Deutschland) Ab heut bin ich auf Onlinekurs und willes dir auch sagen. Das alles ist noch neu für mich und schlägt mir auf den Magen. Mein Kreislauf, der ist heute fit Ich kann es kaum erwarten, daß ich mir dir Emailen kann drum will ich´s auch gleich starten.
Hab nochmals meinen lieben Dank für´s Modem und die Software. Damit gestalte ich ab heute das, was man auch nennt- Verkehr.
Wenn auch die Beine nicht viel taugen von mir, was macht das schon? Ich lauf´ per Online durch die Welt und fühl mich pudelwohl. So denk ich grad bei mir, verhalten Da geht die Türe auf und ganz verstört, hör ich die Mutter walten. Sie zuckt die Achseln und fragt mich Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten? Mein Kind, es ist schon tiefe Nacht.Wie lang willst du das aushalten? Nei, nein, mein Kindso wird das nichts. Das muß ich nicht verstehen.0Du gehst jetzt schnell ins Bett, mein Kuind, ja, das will ich jetzt sehen. Marie Haase Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Willst Du den Computer nicht ausmachen von Wiengarten, Elisabeth, 48361 Beelen (Deutschand/NRW) Willst du nicht deinen Computer ausschalten? Zum wiederholten Male stellte Artur die Frage an seinen Kollegen. 4.30 Uhr am Morgen war es nun schon. Langsam zogen Lichtpunkte am noch dunklen Himmel auf. Im Büro stapelten sich die Kaffeebecher. Mit dem warmen Sud aus dem Automaten hatten sich Ralf und Artur die Nacht über wach gehalten. Gestern im Moorfeld - draußen vor Hamburg - der schreckliche Fund. Das Mädchen war erst vier Jahre alt. Geschunden – missbraucht – bestialisch ermordet. Durch Zufall hatten die beiden Computerfahnder des Kriminalamtes ihr Bild einige Tage zuvor im Internet gefunden. Sie konnten nicht herausfinden, woher das Angebot kam: Frischfleisch – aufzubrauchen nach Bedarf -! Dann gestern das Kind – weggeworfen wie Abfall. Ähnliche Funde hatte es in den letzten zwei Monaten schon zehnmal gegeben. Ofmals saßen die beiden Beamten seitdem am Computer! Angespannt bis in die letzten Körperfasern hatten sie die ganze Nacht gearbeitet. Das Grauen musste ein Ende haben. Artur dachte zwischendurch an seine kleine Tochter. Solche Monster mussten gefangen werden. "Manchmal kann ich es nicht mehr aushalten. – Willst du ihn nicht ausmachen – Lass uns nach Hause gehen – Schluss für heute - . Ralf atmete schwer – drehte sich mit seinem Drehstuhl zum Fenster und starrte hinaus. "Ein paar Sachen will ich noch versuchen! Sie müssen doch zu kriegen sein – wer weiß wie viele Kinder sie schon wieder zum Kauf anbieten" Stille kroch in alle Ecken des Raumes – nur unterbrochen von dem leisen Knacken der Computertastatur. Artur starrte angespannt auf den Bildschirm, als wenn er durch ihn hindurchschauen könnte. "Ich krieg euch! – Ich krieg sie. "Die sind schlau – sie sind besser als andere – sonst hätten wir sie längst." Ralf blickte resigniert. "Komm ich glaub – jetzt tut sich was! – Komm schnell." In fieberhafter Eile huschten die Finger von Artur über das Buchstabenfeld – eine Seite nach der anderen öffnete sich. Nicht nur die Angebote erschienen. Er hatte den Code geknackt. Die Kontaktanschriften rückten ins Blickfeld. Der Drucker spukte sie schon schwarz auf weiß aus. "Hol die Bereitschaftsleute – hol gute - sie müssen los. Ralf stürmte aus dem Zimmer "Jetzt können wir starten "– erleichtert starrt Artur auf den Bildschirm. Tageslicht zog seine Kreise – langsam geht er zum Fenster – öffnet es – tief durchatmen – Ich hab sie! Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Game Over von Simona Noreik, 38259 Salzgitter (Deutschand) Sie streicht ihm über die Schulter. Langsam. Wie ein Test. Er zeigt keine Reaktion. "Nimm die Hand da weg." Und beinahe entschuldigend fügt er hinzu: "Bitte." "'Bitte'", höhnt sie. Stille. Ohne etwas zu erwidern steht er auf und begibt sich Richtung Schlafzimmer. Sie bleibt zurück. "Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?" Er dreht sich um. Ihr Gesicht ist vom Licht des Monitors in ein gespenstisches Weiß getaucht. Leise summt die veraltete Maschinerie. Zu nichts mehr zu gebrauchen. Täglich Systemfehler; ab und zu einen Ausfall, der sich bis jetzt aber immer beheben ließ. Letztendlich aber doch schlicht und einfach obsolet. 'Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten' - ja, und dann? Wie kann er sich sicher sein, dass der PC am nächsten Morgen noch funktionstüchtig sein würde? Was, wenn er sich nicht mehr anschalten ließe? Sie hat die Maschine schon immer gehasst. Wäre der Computer allerdings nicht mehr da, hätte er keine Probleme mehr mit ihm. Nie mehr Systemfehler, die es zu beheben gelten würde. Auch sie wäre einen leidlichen Teil ihres Lebens los. Vielleicht die beste Lösung für alle. Er geht einen Schritt auf sie zu. Sie verdreht ungeduldig die Augen. "Es ist spät, ich werde jetzt ins Bett gehen. Und du solltest dich auch beeilen, die verdammte Kiste endlich auszuschalten. Verbraucht zuviel Strom und leistet nichts." Kurzerhand geht sie an ihm vorbei, die Treppen hoch. Er sieht ihr nach. Dann wendet er sich der surrenden Maschine zu. Die Lichter blinken. 'Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten' - ja, warum eigentlich nicht? Es gibt heute ohnehin keinen Nutzen mehr für ihn. Alle Aufgaben erledigt. Kein Grund für unnötigen Stromverbrauch. Kein Grund für Stand-By. Entschlossen zieht er den Stecker. Der Monitor verdunkelt sich. Das Surren nimmt ein Ende. Aus und vorbei. So hockt er in der Finsternis, vielleicht für ein, zwei Minuten. Schließlich richtet er sich erneut auf, schließt den obersten Knopf seines Hemdes. Er hat seine Entscheidung getroffen. Möglicherweise würde vorher etwas frische Luft gut tun. Er geht zum Fenster und öffnet es. Der Wind weht ihm ins Gesicht. Er muss lächeln. Hier, umgeben von Stille und dem Geruch von Elektrizität.
Game over. Continue? Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Mein Lebensgefährte oder "Das Leben des P.C." von Nikolina Salvaggio c/o Crnoja, 60385 Frankfurt (Deutschand) ich sehe ihn, Tag ein Tag aus und niemals scheint er zu ermüden
von früh bis spät ist er bereit für mich kein Klagen, Leiden, Rügen
er braucht nicht viel, mit einigen Berührungen scheint er sich zu begnügen
um stund’ für stund’ mich zu ertragen braucht er kein Kompliment zum Tausch
und sollte er es wagen nicht unablässlich wach zu sein, so lange ich ihn brauch
wird er es mir verzeihen, ohne einen Hauch von Trauer über meine Wut
mit der ich ihn beschimpfte sein versagen rügte
denn weiß er, ohne eigenes Wissen, dass ich ihn brauch’ und er nur durch mich (m)ein Leben lebt. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |