Satzfischer - Das literarische Kreativprojekt des Literatur-Cafés in Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag
Hier lesen Sie die besten Beiträge der sechsten Runde (Mai '02 - Juni '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Rainer Merkel eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Das Jahr der Wunder«. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048440-1. 19,90 EUR: Cover: Das Jahr der Wunder

Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?

Computer und andere Monster
von Werner Hardam, 38667 Bad Harzburg (Deutschand)

"Willst du denn nicht deinen Computer ausstellen?", rief sie wütend. Sie stand hinter ihm und bemühte sich seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
"Gleich", sagte er. "Nur noch dieses Spiel zu Ende... Ich habe es so gut wie gewonnen!" Er bewegte die Knöpfe an einer Konsole, es krachte in den Lautsprechern, und ein Kugelhagel fegte über den Schirm. Einige Monster, die gerade auf dem Bildschirm erschienen waren, wurden zu Staub verwandelt. Er lachte fröhlich.
"Verdammt!", schrie sie. "Hört dieses blödsinnige Geballere denn nie auf? Den ganzen Abend sitzt du vor dem Kasten! - Jetzt ist Schluss! Ich muss mit dir sprechen. Und zwar sofort!"
Mit Mühe gelang es ihm den Blick vom Bildschirm zu lösen und sich Sylvie zuzuwenden: "Was gibt es denn so dringend?" Er sah, dass sie Mantel und Schal trug. "Willst du weggehen? So spät?"
"Ja", sagte sie.
"Warum?"
"Weil ich es hier nicht mehr aushalte. Du und dein Computer! Jede freie Minute verbringst du davor. Spielen nennst du das. Ich wünschte, du würdest halb so viel Zeit für mich aufbringen."
"Du übertreibst." Kopfschüttelnd blickte er zurück auf den Schirm. "Es ist doch nur ein Spiel! Lehrreich obendrein. Es gibt Schlimmeres im Leben."
"Aber ich habe die Nase voll!" Sie schluchzte fast. "Ich halte es nicht mehr aus. Entweder du stellst dieses Ding ab - oder ich gehe, diesmal für immer!"
Er sah sie prüfend an. Sie schien es ernst zu meinen.
"Na gut", sagte er endlich. "Wenn du es willst." Der Bildschirm hatte sich in den letzten Minuten immer mehr mit kleinen Monstern gefüllt. Sie grinsten ihn böse an.
"Freut euch nicht zu früh", rief er ihnen grimmig zu. "Ich komme zurück und werde euch fertig machen! Das Grinsen wird euch schon vergehen! - Weißt du", sagte er dann, indem er sich halb zu Sylvie umdrehte, "seitdem ich auf Level 8 bin, hat man mir im Chatroom den Titel 'Rocko der Gefürchtete' gegeben!"
Er beendete das Programm und schaltete den Computer ab.
Da hörte er, wie die Wohnungstür sich schloss. War Sylvie gegangen? Er lauschte. Komisch, dachte er: sie wollte doch, dass ich den Computer ausstelle. Was hat sie denn jetzt?
Er starrte auf den dunklen Schirm. Frauen, überlegte er, warum sind sie so kompliziert? Dann schaltete er zornig den Computer wieder ein. So dringend schien es Sylvie mit der Aussprache nicht mehr zu sein. Und er überlegte, ob er in der Zeit, in der sie weg war, noch ein paar Monster abknallen sollte.

Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers

Geträumt ?
von Volker Ruwwe, 40822 Mettmann (Deutschand)

War da was ?
Meine Kinder sind im Haus, Frau und Hund schlafen, das Auto ist gesichert
Ich höre Schritte, Angst habe ich nicht aber meine Pumpgun durchgeladen,, sechsunddreißig Schuß sollen wohl reichen , für den Alltag.
Am Himmel schweben Hühner mit dämlichen Gesichtern, meinen Nachbarn mag ich nicht, ein Blödmann der den Rasen mäht, nur noch fünfunddreißig Schuß.
Die Sau neben mir mäht den Rasen überhaupt nicht, vierunddreißig Dinger habe ich noch im Lauf..
Muß man mir beim Einkauf den Einkaufswagen in die Hacken schieben ? Dreiunddreißig sind noch über.

Schweinehunde besetzen meinen Parkplatz, durchladen,, Parkplatz sichern.

Mit achtundzwanzig Schuss werde ich die Woche wohl noch überstehen .

Ich war noch nicht beim Arbeitsamt
das Sozialamt wird noch nerven.

Knolle bezahlen
Steuerberater brauche ich nicht, der hat Glück, wenn er es wüßte, würde er mir eine Rechnung schreiben..
Meinem Kollegen kann ich nur zu seiner Naivität gratulieren, ich hab noch was für ihn übrig.

Billy the Kid kennt fast jeder, wer kennt mich ?

Liebe Leute, die ihr schon tot seit ohne es zu wissen, euere Nachkommen werden meinen Namen kennen.

Schweiß lag auf meiner Stirn als ich erwachte.
Why?
Ein Bild aus alten Tagen kommt mit in den Kopf.

Der Soldat , getroffen , erschossen, sinkt nieder, haucht sein Leben aus,
die Empörung hält sich in Grenzen.

Wo ist Vietnam, Kambotscha oder Algerien? Schon vergesssen, mein Freund
Gibt es noch ein Kurdistan?
Bangladesch ist nicht nur ein Überschwemmungsgebiet.
In Belfast spielen Kinder die zur Kirche gehen.
Darf ich von Jugoslavien reden ?
Oder von uns?
Morgen?

Es werden Minen, Brutalo- Spiele, Raketen, Granaten verkauft, so als würden Unterschenkel an Bäumen wachsen.
Hier und da geht auch ein kleines Bömbchen über den Tisch.
Gegen Casch.

Traum aus.
Wecker klingelt, ich muß mich schütteln
meinen Blutzucker messen.

Ich liebe mein Leben und schenke dir meinen Parkplatz frohen Herzens
Meine Flinte liegt im Korn
Ich will und brauche sie nicht .


Bedenke , daß Du nur ein Mensch bist

Allen Lesern wünsche ich ein gutes Leben und einen besseren Traum.

Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers

Die Konkurrenz schläft nicht
von Christine Gradl, 92242 Hirschau (Deutschand)

Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten??
fragt sie und sieht ihm über die Schulter. Er zeigt keine Reaktion. Nervös räuspert sie sich. Es gibt im Moment wirklich Wichtigeres, als den Bildschirm. Nicht für ihn, oder doch? Zumindest hat er sie jetzt bemerkt. „Ach, Du bist schon zurück?“, meint er. „Hm“, die knappe Antwort. Eine Weile hört man nur das Klicken der Computertastatur. Sie wendet sich ab und will den Raum verlassen. Da plötzlich hebt er den Kopf. „Wo warst Du überhaupt?“ Erstaunen macht sich auf ihrem Gesicht breit. „Na beim Arzt. Du weißt doch, die Schwindelanfälle der letzten Tage!“ „Und – es ist doch alles in Ordnung – oder!“ fragt er und sieht sie abschätzend an.
Eine sanfte Röte überzieht ihr Gesicht. „Wie man`s nimmt!“ lacht sie. „Ja, was nun?“
klingt ungeduldig seine Stimme an ihr Ohr. „Du chattest zuviel“, lenkt sie vom Thema ab. Er hat sich bereits wieder seiner Lieblingsbeschäftigung zugewandt, schweigt und hämmert in die Tasten. Sie zieht entschlossen den Stecker aus der Steckdose. „Was willst Du eigentlich?“ protestiert er entrüstet, „typisch Frau, keine Ahnung von Technik.“ „Spätestens in acht Monaten wirst du Dich anderen Techniken zuwenden und Deine Computersessions gehören zu mindest vorläufig der Vergangenheit an,“ entgegnet sie schlagfertig mit einem überlegenen Lächeln. Er sieht sie an und begreift, springt auf, macht eine wegwerfende Handbewegung in Richtung Computer, nimmt sie bei den Händen und hat nichts Eiligeres zu tun, als seine verstaubte Kinderwiege vom Dachboden zu holen.

Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers

Tödliche Schüsse
von Ina Sommer, 91054 Erlangen (Deutschand)

Sie hält das Gewehr fest in ihrer Hand.
Da – ein Ausländer rennt vorbei. Hastig blickt er um sich,
aber sie hat ihn schon fest im Visier
bringt das Gewehr in Stellung
...und schießt.
Peng, es hallt durch ihren Kopfhörer,
er liegt am Boden, blutet.
Ein Banner "Gratuliere, Du bist ein echter Franzose".
Der Highscore: "Du hast unser Land von 6 Ausländern befreit."
"Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?"
die quakende Stimme ihrer Mutter aus dem Hintergrund.
"Die Jagd geht weiter." auf dem Bildschirm.
Sie drückt Enter.

Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers

Der PC macht was er will
von Stephanie Semisch, 59067 Hamm (Deutschand)

Zeile für Zeile füllte sich das Blatt. Je mehr ich schrieb, desto mehr versetzte ich mich in meine Geschichte. Wie beim Lesen erfasste mich die Sucht, mich in diese andere Welt zu versetzen. Ich war nur Zuschauer des Geschehens und am liebsten hätte ich eingegriffen, aber dass ist ja nicht möglich.

Ich tippte Buchstabe für Buchstabe meine Geschichte auf das Dokument. Doch was war das? Meine Geschichte veränderte sich. Hatte ich mich verschrieben? Ich verglich die Sätze. Da stand etwas ganz anderes auf dem PC. Löschen! Das habe ich nicht geschrieben. Diesmal schaute ich auf die Tastatur. Es war wie verhext. Ich las mit, was sich nun Buchstabe für Buchstabe zusammensetzte und war gespannt was geschehen würde. Meine Geschichte war das - nicht!

Das war nicht ich. Wer konnte so etwas tun? Ich dachte an einen Hacker. Sicherlich konnte ich mir in meiner Phantasie einiges vorstellen, aber ich saß an meinem PC und las nicht ein Buch. Ich markierte den ganzen Text und drückte die Taste zum Löschen. Nichts geschah. Noch mal! Wieder nichts.
„Nein, so geht das nicht, wenn du nicht auf der Stelle, dass tust, was ich dir sage, dann fliegst du aus dem Fenster.“ Ich sprach mit meinem PC. Ich lachte.
„Hey, du begriffsstutzige Maschine, ich gebe hier die Befehle und nicht du!“

Ich brachte meine Kinder in den Nachmittagskindergarten. Um Ruhe zu haben. Das Problem würde einige Zeit brauchen. Die Zeit verging wie im Flug. Mein Kopf qualmte.
„Steffi, sag mal spinnst du?“ Schrie mein plötzlich Mann durchs Treppenhaus.
„Wieso spinne ich, hast du einen schlechten Tag gehabt oder warum machst du mich gleich an, wenn du rüber kommst aus dem Büro.
„Vielleicht solltest du mal deine Gedanken ordnen und nicht den ganzen Tag vor dem PC hängen. Langsam aber sicher meine ich, dass du süchtig bist oder wie kannst du mir erklären, dass der Kindergarten anruft und fragt, warum wir unsere Kinder nicht abholen?
„Oh Gott, die habe ich ganz vergessen.“
„Ja sicher, ach, ich hab mal eben meine Kinder vergessen. Ach, ist ja nicht so schlimm, wofür gibt es denn den Kindergarten. Sollen sich doch nicht so anstellen. Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten? «“. Richtig sarkastisch sagte er das. Wütend schaute er mich an und ich spürte, dass das noch nicht das letzte Wort war, das er darüber verloren hatte.
„Ich hole nun die Kinder ab und erkläre, dass meine Frau einwenig durcheinander ist.“
Er schlug die Tür hinter sich zu.

Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers

Mehr Beiträge: Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Weiter
Zur Übersichtsseite des Satzfischers - Zu den Beiträgen der Runde 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor.