| Hier lesen Sie die besten Beiträge der dritten Runde (Feb '02 - März '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Andrea Paluch und Robert Habeck eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Hauke Haiens Tod«. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-059010-4. 18,90 EUR: |  | »Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?« Zerplatzter Traum von Herbert Dobner, 1110 Wien (ÖSTERREICH) Ein Mädchen, blond und gut gebaut ich steh' vor ihr und träume laut: Kann ich es mit auf's Zimmer nehmen ? Darauf sagt sie: du sollst dich schämen, ich geh' mit dir nicht auf das Zimmer vergiß mich jetzt und das für immer ! Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Übliche Begegnungen von Jan Albers, 81245 München (Deutschand) So hatte er sich das bei seiner Einstellung bei jenem renommierten Unternehmen nicht vorgestellt; obwohl der Job, in den er aus dem universitären Betrieb geradezu gestolpert war, das Timbre eines Cosmopoliten hatte mit der vermeintlichen Erfüllung aller Sehnsüchte seiner materiellen Generation. Wie schon so oft traf Max auch diesen ausgehenden Arbeitstag das leichte Mädchen unten an der Hotelbar; nach einiger Zeit war es ihm immerhin gelungen, einen selbst auferlegten Coolness-Zwang abzuschütteln, den er halb verärgert – halb schmunzelnd sein Konsalik-Syndrom nannte: seine Situation war wiederholt die eines billigen Romans. Er hatte sich mit dem Mädchen schon öfters unterhalten, und es war eine fast melancholische Vertrautheit entstanden, die wohl daher rührte, dass beide sich bald darin erkannt hatten, müde Ihre sonst übernommene Rolle spielen zu müssen: er weil es schon spätnachmittags war, sie weil es erst spätnachmittags war. Sie ließ sich, um das Gespräch nicht verstummen zu lassen - so weit, das Schweigen zu genießen, war das Zusammensein noch nicht – von ihm ein Diagramm auf ein Taschentuch skizzieren, und hörte aufmerksam seiner Stimme zu, möglicherweise sogar mehr der Stimme, als überhaupt dem was er sagte, schien es Max, als sie auf Ihrem Hocker unruhig zu werden schien, und kürzte seine Darstellungen ab. Einige Männer blinzelten ihr zu, was sie aber, aus Höflichkeit zu ihm, so interpretierte er, zu ignorieren schien. Langsam zahlte sie ihre Getränke beim Barmann, und zog mit einer, ihm unerklärlich scheinenden, Vielzahl von Stiften ihre Lippen nach, griff geistesabwesend nach dem Taschentuch und presste vorsichtig ihre Lippen darauf, als gelte es, das Tuch statt die Lippen zu schonen. Als der Barmann das Mädchen und ihn zurückhaltend höflich zu einem Gläschen auf seine Kosten einlud, blickte Max plötzlich hoch und fragte in die Leere: "Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen?" Ihre Gesichtsfarbe verblasste so allmählich, wie sie dahin gekommen war. Aus ihrer gekrümmten Haltung langsam aufschauend trafen sich ihre Augen mit denen des Barmanns. Einen Moment konzentrierten sich alle drei auf die Bewegungen der Anderen, und entspannten sich erst erleichtert, als Max` Hand sich in das Taschentuch eingrub, es in die Höhe hob und seinen Blick zu ihr wendete. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Eine Bitte mit Nachdruck von Liese Bast, 59872 Meschede (Deutschand) Thilde streichelte liebevoll über die abgeschürften Armlehnen. "So einfach geht das nicht. Ihr Alten habt aber auch immer verrücktere Ideen!" Schwester Marlies schnaufte wie eine ausrangierte Dampflock und verschränkte abwehrend ihre Arme über die Brust. "Liebe Schwester Marlies, Sie haben ja eine neue Frisur. Steht Ihnen wirklich..." "Das zieht nicht bei mir, Herr Meis! Sparen Sie sich das. Das Sofa kommt so nicht nach oben." Diesmal bebte der Busen samt Arme darüber. "Bitte, dieses Sofa erinnert mich so an früher. Es ist doch noch genug Platz in meinem Zimmer seit Gertrud nicht mehr... da ist." "Frau Groß, verstehen Sie doch. Wenn jeder ankommt und bringt Möbel mit, die er am Straßenrand findet." Schwester Marlies rümpfte die Nase. "Das Sofa ist doch noch tipptopp." Herr Weißflog klopfte kräftig gegen die Rückenlehne. "Genau", wusste Herr Meis zu bestätigen und wedelte die aufgewühlte Staubwolke in die falsche Richtung. Gleich würde sie auf die Palme gehen, da war er sicher. "Albert und ich – wir hatten früher auch so ein Sofa. Eine schöne Zeit war das. So wundervolle Erinnerungen." Thilde zog ein Taschentuch aus ihrer Handtasche und betupfte ihre trockenen Augen. "Ich fühle mich doch so einsam, alleine in diesem großen Zimmer. Der ganze Flur ist ja fast leer. Dieses schöne Sofa!" "Jetzt langt es! Das Haus ist im Moment nun mal nicht voll besetzt. Das wird sich schon wieder ändern. Dann haben Sie wieder mehr Gesellschaft da oben." "Ich bin so allein." Thilde schluchzte hinter vorgehaltener Hand. "Ihr seid schlimmer, als ein Haufen schreiender Bälger. Erst der herrenlose Köter und jetzt ein ausrangiertes Sofa. Also gut. Das ist das letzte Mal. Ich werde mit der Heimleitung reden, dass Sie in den Südflügel verlegt werden. Da hausen zwar nur Männer, aber bitte! Raus jetzt mit diesem Haufen Müll, sofort!" Schwester Marlies stampfte den Flur entlang und lies die Türen hinter sich krachen. "Siehst du, Thilde. Jetzt kommst du runter zu uns in den Südflügel. So einfach geht das." "Ich habe fast ein schlechtes Gewissen. Die arme Schwester Marlies." "Papperlapapp. Das macht richtig Spaß. Du wirst sehen. Was fordern wir denn nächste Woche?" "Rotwein zum Abendessen wäre toll." "Gute Idee, oder Eis zum Nachtisch." "Auch nicht schlecht." "Abends länger Ausgang." "Hervorragend." "Uns fällt schon was ein." "Da habe ich keine Bedenken." Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Im Schoß von www.literatalibre.de, 29456 Hitzacker (Deutschand) Er steht am Türrahmen und weint um nichts und um mehr, um sich, und um die vergammelte Liebe in ihm drin. Er zerschlägt den Kopf mitsamt quälender Erinnerungen am Holz; ein imaginärer Gegner er, ein Leben lang. Immer wieder er, immer er... Als er endlich müde vom stehen im Leben, vom Resümee, vom Stemmen gegen den Wind, vom Rauchen, Trinken, sitzt er auf dem Deckel einer gelben Kiste aus Plastik . Gerade ist er hier hergezogen aufs Land. Es ist kalt, März. Die Kartoffeln, die wohl seit dem Spätsommer in dem gelben Kasten lagern müssten, die verschrumpelten Äpfel, die sind so voller goldgelbem Schimmer wie der schlafende Sand, der feucht und satt in den Buchten am Strom liegt,-in diesem Panorama, dass er vom Balkon aus sehen konnte. Der Leidenschaft, seiner unerfüllten Liebe ist er geflohen, ihrem Geruch, einer Illusion, die den plötzlichen Tod starb, und die im letzten Sommer erst so verheißungsvoll und zukunftsträchtig begann, in dem Augenblick Zeit, als er in die Stadt gezogen und sie an der U-Bahn Station Bayerischer Platz traf. Er war auf dem Weg ein dort gelegenes Restaurant aufzusuchen als er sie bemerkte. Wie ein Blitz trafen sie sich ins Herz, so unwirklich, so plötzlich, so wahnsinnig in der Konsequenz. Er hat sich verändernd ab da. Sie trug ihn an den Rand des Seins, trug ihn bis in die Fremde; fordert ihm den Tod ab. Sie trug ein Kreuz, dass er ihr schenkte. Er schlägt seitlich den wärmenden Mantel zu den Knien ein. Teils sitzt er auf dem flauschigen Stoff. In den Plastikeimer, auf dem er harrt, und aus so unbedeutendem Nichts wie er sein Leben erachtete, fließt ihm das Blut ab. In offenen Herzwunden bohrt eine Lanze. Die Stimmbänder sind ihm durchschnitten, sonst würde er brüllen das die Welt zerbricht. Egal. Niemand kann diesem brennenden Schmerz wahrhaft nachfühlen, nicht einer diesen heißen Hauch Ewigkeit heranlassen; keiner, wirklich keiner, möchte in tagtäglichem Ritual gestört sein. Das Tuch senkt sich nun.Verschwommene angstschwitzende Augen die den bleibendem Fetzen sehen, die wissen, wie alle, dass der Matador jetzt den Degen leichthändig über die Armbeuge anlegt, zielt, mit dem Fetzen zischelt, knistert,-der Tod, und sich störend räuspert, um sich in ihm dann, direkt zwischen Leben und Vergehen, zu placieren... Sie sagte es ganz direkt als sie zusammen die U-Bahn bestiegen... "In der U-Bahn nicht!" als sie ihm unter der Jacke an die Hose ging. "Lass uns nach Hause." "Ja schnell, komm. Komm schon, komm-komm...!" Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Anita von Alexa, 47051 Duisburg (Deutschand) Kann ich es mit auf das Zimmer nehmen, fragte die kleine Lisa ihren Vater, und zeigte auf das winzige, schwarz-weiß- getigerte Kätzchen.
Er hatte ihr das Kätzchen mitgebracht, damit es sie nach dem Tod von Anita ein wenig tröstete.
Seit Anita nicht mehr da wahr, war buchstäblich die Sonne aus Lisas Leben verschwunden.
Anita war am letzten Montag nach einem Unfall, auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben.
Anita war der beste Mensch auf der ganzen Welt. Sie war immer für Lisa da, wenn diese sie brauchte. Sie wurde nie un- geduldig, wenn Lisa einmal wieder ihre Matheaufgaben nicht verstand, sie fand Lisas Jeans mit den Löchern an den Knien niedlich, nicht wie ihr Vater, der so etwas nur peinlich findet.
Anita konnte die schönsten Geschichten "von früher" erzählen, und vor allem konnte Anita den Weltallerbesten Pflaumenkuchen backen.
Ihr konnte Lisa alle ihre Geheimnisse und Sorgen anver- trauen.
Lisa´s Vater hatte sich Urlaub genommen, damit sie in dieser schwierigen Zeit nicht allein sein musste, aber er erkannte sehr schnell, dass sie beide sich nichts zu sagen hatten.
Eigentlich kannte er seine Tochter bisher nur von dem Gute-Nacht-Kuss, den er ihr sonst immer am späten Abend gab, wenn er von der Arbeit nach Hause kam. Den normal- erweise war ja Anita immer für Lisa da.
Warum musste seine Frau ausgerechte jetzt diesen Termin in den USA haben. Wenn sie nächste Woche zurückkommt, müssen sie sich Gedanken darüber machen, was mit Lisa geschehen soll. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |