| Hier lesen Sie die besten Beiträge der sechsten Runde (Mai '02 - Juni '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Rainer Merkel eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Das Jahr der Wunder«. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048440-1. 19,90 EUR: |  | Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten? Willst Du denn nicht Deinen Computer ausschalten. Bitte! von Susanne Müller, 97950 Gerchsheim (Deutschand) Ariane reagierte nicht. Wie sollte sie auch erklären, dass sie sich ohne ihren PC von der Welt abgeschnitten fühlte. Auf ihrem Bildschirmschoner war eine Gruppe Jugendlicher zu sehen. Und sie hatte für jeden Einzelnen nicht nur einen Namen sondern eine ganze Biographie erfunden.
Aufseufzend wandte sie sich wieder ihrer Arbeit zu. Vor ihr lag ein cremefarbener sehr teurer Briefbogen, auf den sie schon in ihrer schwungvollen Handschrift mehrere Zeilen geschrieben hatte.
Liebste Sabine, ich warte schon so lange darauf, dass ich Dich wiedersehen darf. Drei endlose Tage und Nächte liegen hinter mir. So viele Stunden, in denen ich nur an Dich denken konnte. An Dich, die schönste Frau, die ich je gesehen haben.
Ariane schaute nachdenklich auf das Foto, das ihr Auftraggeber ihr gegeben hatte. Diese Sabine war wirklich hübsch. Mit kurzen strubbeligen blonden Haaren, großen grünen Augen und einem sympathischen Lächeln. Trotzdem fiel es ihr schwer den gewünschten Liebesbrief für Herrn Gerdes zu schreiben. Er war so viel älter als seine Sabine und irgendwie so grau und mittelmäßig.
Ariane kaute auf ihrem teuren Montblanc-Füller herum. Irgendwie fiel ihr heute nichts ein. Sie konnte sich bei besten Willen nicht vorstellen, welche Worte Herr Gerdes in sich hatte und nur nicht ausdrücken konnte.
Sie wandte sich ihrem PC zu. Sie schaute auf Tom, Bernd, Sammy, Birgit und Christiane. Für sie alle könnte sie Briefe schreiben, die das Herz jedes Lesers entzücken und rühren könnten. Warum waren ihre Bildschirmfreunde nur so viel lebendiger für sie als ihre echten Bekannten.
"Ariane, Willst Du denn nicht Deinen Computer ausschalten? So wirst Du doch nie mit Deinen Briefen fertig," nörgelte ihre Schwester. "Du wirst nie genug Geld zusammen bekommen, um mit mir nach Silicon Valley zu fliegen."
Ariane seufzte, stellte den Computer ab und schrieb
Mir fehlen die Worte, um Dir die Tiefe meiner Empfindungen zu schildern. Sie sind in meinem Herzen und in meinem Kopf, aber sie finden den Weg in meinen Mund nicht. Bitte gib mir die Gelegenheit, Dir mit Taten zu beweisen, wie ich Dich liebe. Willst Du denn nicht Deinen Computer abstellen – und Dich endlich wieder mit mir treffen? Bitte melde Dich bei mir Mit sehnsüchtigen Grüße Bernhard Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Zeitgeist von Karl Josef Boussard, 66299 Friedrichsthal (Deutschand) Willst du denn nicht deinen Computer abschalten ? Man könnte sonst meinen: Moorhuhn zu verwalten.
PC und Internet, global,universell, die Welt, kein Ruhebett, Jugend ist in und hell.
Top, der Start ins Leben, Werte und Erziehung, nehmen und auch geben, das ist die Forderung!
Soziale Kompetenz, sie muss an Frau und Mann. Das Leben ist kein Lenz, schalt den Computer an! Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Im Sog der Zeit von Ursula Escherlor, 26386 Wilhelmshaven (Deutschand) Sonntagmittag. Ute geht immer wieder zwischen Küche und Esszimmer hin und her. Sie deckt den Tisch für Nachmittagsgäste. Es sieht so aus, als sei sie davon überzeugt, dass diese überaus hungrig auf Kuchen und Leckereien sein würden. Und noch ein prüfender Blick auf die kunstvoll gefalteten Servietten. Ute ist zufrieden. Doch dann bemerkt sie, dass vier Gedecke fehlen. Sie fasst sich an den Kopf. Ich habe die Brocks völlig vergessen, die bringen vielleicht auch noch ihre Kinder mit. Sie stellt fest, dass der Tisch für acht Personen viel zu klein ist. Er muss ausgezogen werden, denkt sie und blickt auf die Uhr. Oh Gott, schon so spät. Sie können jeden Moment klingeln. Ute ist beunruhigt, weil ihr die Zeit davon läuft. Dann fällt ihr Onno ein. Entschlossen lautstark ruft sie: "Onno, wo steckst du?" Sie geht schnellen Schrittes in sein Arbeitszimmer, wartet eine Antwort gar nicht erst ab. "Das ist ja wieder klar, ich organisiere alles für deine Gäste und du drückst dich vor dem Computer herum." Onno verharrt in seiner Position, den Rücken gebeugt, den Kopf vorn rüber geneigt, die Augen gebannt auf den Bildschirm gerichtet, eiserne Konzentration. Ute stellt sich neben das Wunderwerk von Technik und Mensch und macht ihrer momentanen Stimmung Luft: "Kriech doch ganz rein, dann bist du noch näher dran. Kriegst du eigentlich gar nichts mehr mit? Ich brauche deine Hilfe!" "Ja, - Moment," antwortet Onno monoton und tippt weiter. "Wir müssen den Tisch ausziehen, nun steh’ doch endlich auf!" "Moment noch, gleich, - geh’ doch schon mal." Onno chattet. Ute geht pikiert. Hektisch räumt sie den Tisch ab, damit die Ausziehstelle sichtbar wird. In diesem Moment klingelt es. Ute ist schweißgebadet und ruft mit fast erstickter Stimme: "Onno, öffnest du die Tür? Ich kann nicht!" Der hingegen antwortet tranig: "Moment, ich komme gleich!" Diese Antwort lässt hoffen. Die schwere Glasplatte des Tisches legt Ute noch ins Raster ein und öffnet dann die Haustür. Wenig später decken die Gäste nach Utes Anleitung den Tisch wieder ein - haben sich somit ihren Kaffee verdient. Nach dieser Aktion geht sie äußerst entschlossen zu Onno. Dieser hat wohl bemerkt, dass er gebraucht wird, steht auf und sagt übertrieben freundlich: "So, da bin ich." Ute sieht, dass der Computer noch eingeschaltet ist, das verheißt nichts Gutes. Bevor Onno sein Zimmer verlässt, fragt sie ihn deshalb unmissverständlich: "Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?" Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Marlen von Gabriele Öhlinger, A-4614 Marchtrenk (Österreich) "Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?", fragte er sie zum wiederholten Male. Doch er wusste, es war ein weiterer vergeblicher Versuch, sie zum Aufstehen zu bewegen, denn er kannte die Antwort bereits. Nein, sie wollte nicht. Die Informationen, die sie aus dem Internet geholt hatte, ließen sie nicht mehr los. Sie hatte alles sorgfältig abgespeichert und las es immer und immer wieder. Schon lange war sie auf der Suche nach ihm und nun, nachdem sie alle nur denkbaren Möglichkeiten ausgeschöpft hatte und dabei war, sich damit abzufinden, dass alles wohl ein großes Rätsel bleiben würde, hatte sie seinen Namen zur Abfrage in eine Suchmaschine eingegeben. Mit diesem Ergebnis hatte sie nie und nimmer gerechnet. Seit zwei Tagen saß sie nun vor dem Computer und starrte in den Monitor. Las den Text immer und immer wieder. Konnte das wirklich wahr sein? Sie war nicht einmal fähig, mit jemandem darüber zu reden, so sehr hatte diese Sache sie in ihren Bann gezogen. Er begann, sich ernsthaft Sorgen zu machen. Natürlich hatte auch er das gelesen, was sie gespeichert hatte. Er brauchte ihr dazu nur über die Schultern zu schauen, denn sie saß ja seit zwei Tagen beinahe ohne Unterbrechung davor. Was sollte er tun? Sie mit Gewalt wegzerren? Einfach den Stromstecker ziehen? Er hoffte darauf, dass sie dem Irrsinn bald von selbst ein Ende setzen würde. Plötzlich stand sie auf, ging zielstrebig in die Küche, holte sich etwas zu trinken, kam zurück, beendete das Textverarbeitungsprogramm, schaltete den Computer aus und setzte sich in ihren Lieblingssessel neben dem Bücherregal. Sie machte es sich bequem, zog die Beine an und nahm die Decke, die über der Lehne lag, um sich zu wärmen. Versonnen saß sie da, trank in kleinen Schlucken aus ihrem Glas und versuchte, ihre Gedanken zu sortieren. Sie konnte es nicht glauben. Das sollte die Antwort auf all ihre Fragen sein, nach der sie so lange gesucht hatte. Damit hatte sie nicht gerechnet. Wie sollte sie bloß damit fertig werden? Gerne hätte sie ihn anders in Erinnerung behalten. Aber jetzt war das nicht mehr möglich. Marlen war allein. Völlig allein. Sie beschloss, ihn ein für alle Mal zu vergessen. Mit diesem Vorsatz stand sie auf, ging noch einmal kurz ins Bad und legte sich schließlich völlig erschöpft in ihr Bett, das sie vor acht Monaten noch mit ihm geteilt hatte, bevor er völlig unerwartet aus ihrem Leben verschwand. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Ich habe den Computer jetzt ausgeschaltet... von Rosemarie C. Barth, 39120 Magdeburg (Deutschand) "Willst du denn nicht deinen Computer ausschalten?" ruft Udo seiner Frau Lea zu. "Es ist spät, du mußt früh raus!" Keine Antwort. Udo murmelt: "Schlimm mit dem Mädel, seit sie an der Autorenakademie studiert, sitzt sie nur noch und schreibt." Doch da - ein Lebenszeichen von Lea: "Moment noch, Liebling. Die "Teich-Presse" braucht bis morgen eine kurze Gewitterimpression. Dauert nicht mehr lange..."
"Ein grandioses Gewitter
Ich liebe dieses Gefühl. Ich lehne mich weit aus dem offenen Fenster und der Himmel fängt langsam an zu dunkeln. Der Wind weht immer stärker und ich spüre ihn vibrierend auf meiner Haut. Kühl ist er, nicht kalt, ein angenehmes Gefühl. Mir läuft ein behagliches Prickeln über den Rücken. In der Ferne sehe ich sie schon blitzen, bläulich zittern sie am Himmel, die zackenförmigen Wetterleuchten. Da, war das nicht der erste Tropfen? Nein, doch noch nicht. Menschen rennen hektisch umher und versuchen ihre Sachen zu schützen, Liegestühle werden zusammen gestellt, Campingtische abgedeckt. Schneller, schneller - gleich ist es da. Sekunden später herrscht eine bleierne Stille. Doch dann rollt plötzlich das erste Donnerwetter durch die Luft. Ein gewaltiger Blitz zuckt hinterher. Jetzt immer öfter, es kommt unerbittlich mit lautem Groll näher, viel näher. Der Donner kracht jetzt noch länger und viel lauter. Ein altes Hausportal quietscht, doch ein kräftiges Himmelsgeschmetter übertönt alles. Prächtige Kastanienbäume biegen sich im Wind, immer stärker heult er, aber noch nicht unangenehm. Doch kein einziger Tropfen fällt. Zieht es etwa vorbei? Laubblätter wirbeln durch die schwüle Luft. Schon wieder ein kräftiger Donnerschlag. Ich warte jetzt beinahe ungeduldig. Wann beginnt es endlich zu regnen? Da, der Himmel färbt sich tiefschwarz. Endlich, der erste Tropfen. Er kullert an meinem nackten Arm herunter, so langsam, als wolle er den innigen Moment nie mehr vergessen. Jetzt beginnt es! Immer ausgelassener fallen die Tropfen, platsch, platsch... Riesentropfen - immer größere. Jetzt stürzt das Wasser aus dem Himmel. Ich genieße es. Ein grandioses Gewitter. Ja, ich liebe das Gefühl. Zufrieden schließe ich das Fenster, lege mich auf mein Sofa und beginne zu träumen – vom heißen, strahlenden Sommertag, der vielleicht wieder ein solch wunderbares Gewitter hervorruft."
"Hallo Liebling, Udolein - schläfst du schon? Ich habe den Computer jetzt ausgeschaltet." "Hrrrrrrrr..." "Oh, Gott, na dann mal, gute Nacht!" Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |