Satzfischer - Das literarische Kreativprojekt des Literatur-Cafés in Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag
Hier lesen Sie die besten Beiträge der neunten Runde (Oktober '02 - November '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von David R. MacDonald eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Die Straße nach Cape Breton«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-015329-4. 19,90 EUR: Cover: Die Straße nach Cape Breton

Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern.

auch sonst eher sprachlos
von mea, 44225 Dortmund (Deutschland)

"Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern." - (ist geklaut. der satz. weiss leider nicht von wem)

er aber - liegt nur da... ganz ohne sich zu erinnern.
das macht mich sprach- bis fassungslos!

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Ganz normal
von AS, 50999 Köln (Deutschland)

Eigentlich war alles klar. Sie hatten sich im Gloria kennengelernt und waren sich auf Anhieb symphatisch. Eine flüchtige Berührung beim Tanzen, ein noch unsicheres Lächeln. Dann gingen sie zur Theke. Anfangs oberflächliche Gespräche aber tiefe Blicke. Tanzen, reden, flirten bis nur noch die Frage blieb: Zu mir oder zu dir?
Er gab ihm einen Kuss.

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auch wenn meine Mailaddresse nicht so aussieht, ich komme aus Deutschland
von Anokh Singh, 21109 Hamburg (Deutschland)

Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte, als dazuliegen und sich zu erinnern. Es waren Erinnerungen an schöne Tage. Tage mit Ihr, die er einfach nicht vergessen wollte. Er konnte es nicht. Ihr Geruch, Ihre Wärme, all dies war noch immer in der Luft. Betrübt schloss er seine Augen, um sich noch ein letztes mal an die Ihren zu erinnern. Da waren sie wieder; smaragdgrün schimmernde Augen. Sie waren der Spiegel Ihrer reinen Seele. Ihm war klar, dass er niemals einem Menschen wie Ihr zuvor begegnet war und es wahrscheinlich nie mehr würde.
Die Daunendecke ruhte schwer wie Marmor auf ihm, wie eigentlich alles und jeder. Der Kopf schmerzte, als er sich aufrichtete und aus dem Bett stieg. Er stellte sich vor den großen Spiegel, den er einst auf Ihren Wunsch hin an der Kommode gegenüber der Bettkante montiert hatte. Nur langsam hob er seinen Blick, um hinein zu sehen. Im Spiegel sah er das Bett und auf ihm eine schöne junge Frau mit glänzend schwarzem Haar, sie lächelte herzlich. Zu ihr legte sich ein sportlich aussehender Mann. Sie küssten sich.
Er sah sich selbst mit ihr zusammen, dann blickte er wieder in sein eigenes Gesicht. Es war in leichte Falten gelegt, die Augen waren Blutrot unterlaufen und einzelne Tränen rannen die Wangen hinunter. Nichts würde mehr so sein, wie es einst war und alles würde so bleiben wie jetzt. Dieser Morgen könnte der letzte und endgültige seines Lebens sein. Diese Welt hatte nichts mehr für ihn übrig, genauso wenig wie er für das Leben. Er war es leid Mühe und Trauer weiterhin ertragen zu müssen. Kein Morgen mehr. Nicht mal mehr ein Heute.
Er zog sich Jeans über und ging hinaus auf die Veranda. Sie bot einen großartigen Blick auf die Elbe, die ,sonst so kraftvoll, heute langsam dahin floss. Schwer sank sein Körper in einen schwarzen Leder- Chef- Sessel. Daneben stand eine Kiste voll von hochprozentigem. In der Nacht zuvor hatte er in einem Getränkeladen vorbeigeschaut.
Mit stetigem Blick in die Morgensonne nahm er die erste Flasche von seiner Linken, öffnete sie und trank.
An diesem Morgen würde er trinken, bis ihn der Alkohol langsam in den Schlaf wiegte. Und am nächsten Morgen wäre er wieder bei Ihr.

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Strarke Erinnerungen
von Galina Boschmann, 47441 Moers (Deutschland)

Er lag auf seinem Bett, die Arme unter den Kopf gelegt und erinnerte sich an die Zeit, die er in den Vereinigten Staaten verbracht hatte. Mit ihr. Sie hatten wundervolle 3 Wochen miteinander verbracht und sich schwer verliebt. Der Abschied verlief der Situation entsprechend problematisch und zog sich in die Länge hin. "Ich muss los", hatte er gesagt. "Ich werde dich vermissen", hatte sie ihm geantwortet und gab ihm einen langen, zärtlichen Kuss auf seine Lippen. "Ich werde wiederkommen", sagte er damals und eilte zur Rolltreppe, die in die 2. Etage führte, wo seine mitreisenden Austauschschüler aus Deutschland bereits auf ihn warteten. Nun waren viele Wochen vergangen, doch der Geschmack ihres Kusses durchfuhr ihn noch immer.

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Im Sande verlaufen
von katbur, 02906 Klitten (Deutschland)

"Merde, Merde, ich krieg dich schon noch." Er rannte über den heißen Sand. Die Sonne warf ihre Leidenschaft hinab und Jack sah Merdes Lachen, das, schaute sie sich nach ihm um, seine Beine immer schneller laufen ließ.

Heute und wie so oft, seitdem er um ihre Taille gegriffen hatte, um sie in den Sand zu drücken und sich zu ihren Lippen zu dehnen, dachte er zurück an das Leben und einen letzten Kuss.

Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern.

Dann blickte er zum Sofa, auf dem sie lag, lautlos und mit einem Seidenlaken bedeckt und er die Welt von außen fürchtete. Ihr Körper war kalt, doch ihr Haar fiel weich. Er berührte es. Voller Schuld.

An der Wohnungstür pinnte seit geraumer Zeit für Ankömmlinge lesbar: "Wie immer sind wir unterwegs."

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