| Hier lesen Sie die besten Beiträge der neunten Runde (Oktober '02 - November '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von David R. MacDonald eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Die Straße nach Cape Breton«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-015329-4. 19,90 EUR: |  | Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Abschied von Markus R., 60318 Frankfurt (Deutschland) Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Wie Abschied schmeckt? Vielleicht nach Metall, dachte er. Wie ein alter, schwarz angelaufener Nagel, der schon ein wenig Rost angesetzt hatte. Ein Nagel wie man ihn in der alten Garage seiner Eltern gefunden hätte, zwischen eingebeulten Pappschachteln und umwölkt von grauem Staub. Er blickte nach oben in eine weiße Wand. Verändert hatte sich nichts. Vorher wie nachher. Nur dass der weißverhangene Himmel die Decke seines Zimmers ersetzt hatte, und wie die Tage zuvor lag er einfach da und sah nach oben wie auf ein leeres Blatt Papier, das keine Antworten für ihn bereit hielt. Doch er hatte keine Fragen mehr, das war anders. Er musste nicht mehr mit dem Schädel auf die Tischplatte hämmern auf der Suche nach Antwort, sich nicht den Bleistift in die verkrustete Haut seiner Hand rammen um Schmerz mit Schmerz zu bekämpfen. Das Gefühl der Kälte war gewichen und er verspürte, wie ihn etwas wärmendes umgab. Als nähme eine dickflüssige Masse von seinem Köper Besitz. Er beobachtete, wie ihm von oben Fenster zuwinkten und stellte sich einen Augenblick vor, wie das aussehen musste: Er mitten im Hof ein Schlammbad nehmend, zwischen Wäscheständern (die längst keiner mehr benutzte) und alten Autos, nackt vielleicht. War er nackt? Nackt wie damals, als sie ging-ging-ging? Als sie ihn ein letztes Mal umarmte, ihre Haut auf seiner Haut. Als sie ihn das letzte mal küsste, mit ihren Lippen an die er keine Erinnerung mehr hatte und die auf keinem der Bilder einheitlich erschienen. Er hatte Fotoschachteln und Alben durchwühlt auf der Suche nach ihnen. Hatte Claire im Jeansanzug, im Bademantel, im Bikini und im Hochzeitskleid gesehen, auf Bänken sitzend auf Betten liegend und auf Wiesen kniend. Immer war sie Claire. Doch ihre Lippen waren nie dieselben. Mal waren sie schmal und wirkten bläulich, auf einem anderen Foto wirkten sie drall und überrrot, hier erweckten sie den Eindruck, als glänzten sie, als seien sie feucht oder mit Fett beschmiert und dort erschienen sie matt, fast ausgetrocknet, die Lippen einer alten Frau. Er sah hinauf zum Fenster, seinem Fenster. Zwei, vier, sechs, acht, zehn Stockwerke. Einen Augenblick dachte an all das Chaos in seiner Wohnung. Der Müll, die Fotos, die Kleider. Dann hörte er von ferne eine Sirene, metallisch wie ein Kuss. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Die Erregerspule von Andrea Ostendorf, 5071 Wals bei Salzburg (Österreich) Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Kometenwund dazuliegen, ein Titan, die Erinnerung ein WespenStich, der redlich erworbene Zynismus ErgussGestein, die Erinnerung, der Kuss, die Wespe, Amors Duett im Kuss mit der Wespe, die Erinnerung, den sinkenden Kuss, zertrümmern, den tosenden AtemWidder gen MinneMord rufen, horchen, immer mit dem Spott um die Wette wanken, Sperma im Miniskus, ja weine, sweet pink Sadist, dumme TenorMotetten passen, Musik wird Desaster, dem Monde, sputnikweit, keimt Wespe Amor, EndDunst die Erinnerung, ein SadoWink aus dem MutterNest, das Desperado des Titans, der aus dem KissenMut fällt, Amors SpukFest, die WindMette der Mimose, stete KindsWut, PAN OPTIKUM, DemeterWissen... Die summende Wespe durchfliegt ihn, der matt wie PockenMousse, in dürstender Mensis, wispert "Tand" mit dekadentem Wust, taucht in den PissoirMet, sein MessWein, verschüttet ihn, kratzt am MundSpat, die KöderTitten, der WimmerKoitus, das PestPessar kometenwund ist dem Titanen im Kuss mit der Wespe, wirr und weiss die Erinnerung, ohne roten Punkt. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Ich treffe dich in Montabaur von Wilhelm Fink, 22111 Hamburg (Deutschland) Zaubern schließt Zaudern aus, ich schiebe mich näher zu dir, ich atme Canabis-Geruch ein, Rückschwall, der von der Wand kommt, ich hebe dich hoch und merke, nicht viel Materie, keine Körperlast, du eine mondgeborene Waage, die nach Schönheit trachtet, die den Ausgleich wählt, die der Zwietracht ins schiefe Angesicht blickt, die den ganzen Mißverständnissen trotzt, den die anderen produzieren, die Fußpflegerinnen, die Buchmacherinnen der DJ.
Im Zentrum Zauber und rundherum ungewaschene Wäsche und ein kribbeliger, zerstreuter Mann, - wo geht dein Weg längs? Ich treffe dich in Montabaur, dort im Zentrumsgeschäft, wo sie den roten Punkt handeln, um den es geht, im Zentrum Zauber, in der Mundmitte beginn das Lächeln, dein Trompetenmund nach vorn gestülpt, in Lungenzügen atme ich dich ein, frisch gebrochenes Knabenkraut, Blütenduft plus alles andere, Schwäche und das Lächeln liederlicher Lust, das im Lagerverzeichnis schöner Künste unter Nr. 1 verzeichnet ist. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers 3 Wochen ... von Ela Vogel, 76327 Pfinztal (Deutschland) Er: 3 Wochen sind für mich die Welt, so lang ist's her. Jeder Mann der was auf sich hält; hätte längst das Feld bestellt...
Sie: Deinen Geschmack noch in meinem Mund - ein Kuß, so weit wie das Meer. Doch es schlug unsere letzte Stund, seitdem leid ich wie ein Hund.
Er: Die andere Frau, du hattest es gerochen. Bitte stell dir vor es wär wieder Sonnabend vor 3 Wochen und ich käm nochmal angekrochen
Würdest du die Chance ergreifen oder mich noch einmal abweisen?
Sie: Verletzte Eitelkeit - hattest du es gerochen? Ich stell mir vor es wär wieder Sonnabend vor 3 Wochen und du kämst nochmal angekrochen.
Diesmal würd ich die Chance ergreifen; diesmal würd ich dich nicht abweisen. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Gummibärchen von Sabine Heidemann, 25462 Rellingen (Deutschland) Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Er schmeckte nach Gummibärchen. Irgendwie mußte er immer an Gummibärchen denken, wenn er an sie dachte. Lag das an dem Kuss oder lag es vielleicht an ihrem Äußeren ? Ihre Figur war etwas knuffiger und sie liebte schrille Klamotten, am liebsten eben in Rot, Grün und Gelb. Sie kannten sich schon seit ihrer Schulzeit, aber er interessierte sich damals nicht wirklich für sie. Er war Schulsprecher und bei seinen Mitschülern sehr beliebt. Maja, so hieß sie, war eine kleine schrille Maus, die um jeden Preis auffallen wollte. Aber ihre Art sich zu geben kam bei den anderen nicht so gut an. Sie war in den ganzen Jahren eher eine Außenseiterin geblieben. Vor sechs Wochen trafen sie sich zufällig wieder. Er parkte sein Auto im Halteververbot in der Stadt. Maja war inzwischen Politesse und schrieb ihn pflichtbewußt auf. Gerade als sie ihm den Strafzettel hinter den Scheibenwischer heften wollte, kam er dazu. Mit großen Augen sah sie ihn an und fing an zu stottern. Sie entschuldigte sich für ihr Tun. Wenn sie gewußt hätte, das es sein Auto wäre, hätte sie ihn nicht aufgeschrieben. Erst da musterte er sie etwas genauer, aber er erkannte sie immer noch nicht. Da fiel sein Blick plötzlich auf dieses quietschgelbe Halstuch, und da schwante ihm langsam, mit wem er es zu tun hatte. Er dachte damals, mit seinem Charme und einem spontanen Kuß auf ihren Mund könne er diesen Strafzettel umgehen. Verstört lief sie davon. Dabei hatte sie ihn in der Schule doch immer so angehimmelt. Für sie mußten doch eigentlich ihre Träume von früher damit wahr geworden sein. Warum konnte er diesen Kuß bloß nicht vergessen ? Er sollte sie einmal anrufen. Vielleicht war für ihn jetzt die Zeit der Gummibärchen gekommen. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |