Satzfischer - Das literarische Kreativprojekt des Literatur-Cafés in Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag
Hier lesen Sie die besten Beiträge der neunten Runde (Oktober '02 - November '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von David R. MacDonald eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Die Straße nach Cape Breton«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-015329-4. 19,90 EUR: Cover: Die Straße nach Cape Breton

Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern.

Auf deiner Haut
von peka, 04103 Leipzig (Deutschland)

Küsse, Zungen, Augenschauen/ Haare, Hände, Liebessegen/ Hier, Dort, Fürimmer.

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Kaffee + Cardamom
von Heiko Elias Friedrich, 96264 Altenkunstadt (Deutschland)

Auf einem Plakat: Eduard Mörke liest am Samstag in der »Alten Post« aus seinem Buch »Der Kuss«. Der ehemalige Schalterraum der alten Post war gut gefüllt mit Literaturkennern, jene die sich als solche verstanden und einige wenige, Jo Schrempf zählte sich natürlich hierzu, die danach trachteten es vielleicht zu werden. Neben einer jungen Frau mit roten Haaren nahm er Platz, grüßte höflich - fast schon elegant. Ein Raunen, ein Klatschen - dann Stille. Der Star setzte sich, goß Wasser ins Glas, das Licht wurde gedämft. Es begann. Fasziniert blickte Schrempf auf den Vorleser, Mörke; dieser hatte eine unglaubliche Art Gefühle herauszukitzeln, sie vielmehr in die Ohren
hineinzugießen. Wortketten trugen die Zuhörer in die Situationen hinein, fesselte sie, er verzauberte durch perfekt gesetzten Ausdruck und ließ somit die Leute fühlen, was er gefühlt hatte, als er den »Kuss« niederschrieb. Nicht zuletzt gelang dies durch den überaus facettenreichen Einsatz Mörkes Stimmvolumens. Plötzlich - Dunkelheit. Ein Stromausfall riß die Hörerschar jäh aus der literarischen Illusion. Der Veranstalter suchte zu beruhigen und kramte wohl nach einer Lampe. Schrempf spürte zwei warme Hände auf den Wangen. Zuckte kurz zurück und hatte auch schon die weichen Lippen seiner Sitznachbarin am Mund. Die fremde Zunge schob sich vehement durch seine Lippen, transportierte auf nicht unangenehme Weise einen fremdartigen Geschmack hinein, kreiste einige Male um seine Zunge, klatschte gegen die Spitze und wich so rasch davon, wie sie erfühlt worden war. Paralysiert saß er da, die Hände verkrampft in den Sitzpolster. Das Herz schlug am Rand des Möglichen und des Halses. Es schien, als hatte sich die Rothaarige von Mörkes Lesung derart beflügeln lassen, dass sie sich außer Stande sah diesen Kuss für sich zu behalten. Über die Zuhörer huschte ein Lichtkegel. Die Nachbarin war weg, ihr Geschmack blieb. Ein Kuss vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu
erinnern. In einem neueröffneten Café wartet Schrempf auf einen Freund; blättert gedankenverloren in der Karte. Kaffee + Zimt, Kaffee + Kakao - seine Augen hängen fest. Das ist es, schießt es ihm durch den Kopf, Kaffee +
Cardamom danach schmeckte ihr Kuss. Genau, Cardamom! Er blickt auf, die Rothaarige steht an seinem Tisch. Zögerlich bestellt er einen Kaffee + Cardamom. Und den dazugehörigen Kuss, ruft er ihr mutig hinterher. Gute Wahl, sagt sie lächelnd...

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Die Liebe zweier Engel...
von Naomy-chan, 63065 Offenbach am Main (Deutschland)

Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Dennoch war der Augenblick als ihre Lippen sich berührten nicht mehr als wenige Sekunden. " Siehst du die Sternschnuppe, Uriel? Was wünchst du dir? ", hat er ihn gefragt. " Ich habe keine Wünsche...", der junge Mann legte seinen Kopf auf die Schulter des anderen. Die Erinnerung an diesen Abend und Uriel erfreuten ihn und bereitete ihm dennoch Schmerz. Uriel? Wie lange war sein Freund bereits auf der Reise? Nein, er war nicht nur sein Freund, er war mehr, sein Verehrer, sein Geliebter... " Du wirst bestimmt zurück kommen...", der blonde Jüngling strich sich die einzelnen Tränen von der Wange. Er ging zu dem kleinen Wandschränkchen und holte einige Papiere heraus. Sie waren alle von ihm... "My Dear Raphael... Du bist ein Engel am obersten Himmel, obwohl ich nicht bei dir sein kann, werde ich über dich wachen und immer an deiner Seite weilen...", einige Tränen tropften auf das Papier. Er erschrak, versuchte das Papier wieder zu trocknen. " Komm schnell zurück...", Raphael ging zum Fenster und öffnete es. Eine kühle Winterluft umschmeichelte seinen schmächtigen Körper. Er schloss die Augen und lehnte sich an die Fensterbank. Raphael hörte von weitem ein leises Summen. Ein Lied das ihm sehr bekannt war.
" Lunar Star Story - Wind´s nocturne", bei diesem Lied hatten sie zum ersten mal miteinander getanzt, sich im Wind bewegt, die Welt gehörte in diesem Moment ihnen. Er ging einige Meter vom Fenster in den Raum und fing an so zu tanzen wie damals. Immer wieder die Melodie des Liedes Summend. Er merkte nicht, wie sich die Tür hinter ihm leise öffnete und jemand eintrat. " Ein Engel auf Erden...", flüsterte die Person und näherte sich Raphael. Dieser war gerade fertig mit dem Lied. Er drehte sich mit geschlossenen Augen der Person zu. Dann öffnete er sie schlagartig. "Uriel...", er fiel dem braunhaarigen in die Arme. " Du bist zurück... Ich habe dich so vermisst...", einige Tränen tropften auf den dunklen Overall. " Ich dich auch, mein Raphael, ich habe dich auch so sehr vermisst.", Raphael weinte immernoch. " Du wirst mich doch niemals wieder verlassen, oder?", Uriel lächelte sanft. " Nie wieder... Mein Engel, wir sind für immer zusammen, eine Seele, eine Liebe...", der Rest des Satzes ging in einem innigen und tiefen Kuss über.

Ende

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Das Foto
von Sven Greve, 23611 Bad Schwartau (Deutschland)

Frank ließ die Tür ins Schloss fallen und es war klar, dass dies das letzte Mal sein würde. Er verharrte noch kurz auf dem Absatz, drehte dann den Schlüssel um und ging. Er hatte seine schwarze Tasche bei sich, sie war unauffällig, verbarg aber dennoch alles, was er am Morgen in der kurzen Zeit hatte finden können. Acht Uhr: Noch genau eine Stunde und sie würde aufwachen, alles würde so sein wie immer, nur zurückkommen würde er nicht. Es war grausam, im Begriff den einzigen Menschen, den er je geliebt hatte zu verlassen, tat er langsam einen Schritt nach dem anderen die Straße entlang. Was wird sie wohl denken? , Er holt wahrscheinlich schon Brötchen.‘ In etwa so würde sie reagieren. Keine Angst oder ähnliches. Er hatte Angst, unglaublich große sogar. Es war ganz still an diesem Morgen, irgendwann im November, die Welt begann zu erstarren, nur ein paar Blätter wurden vom Wind noch durch die Straßen getragen. Niemand war zu diesem Zeitpunkt unterwegs, einfach niemand. Ungewöhnlich, doch das wunderte ihn nicht. Ziellos lief er die Straßen entlang. Aus der Ferne kam ihm eine Gestalt entgegen, deren Silhouette sich leicht vom Nebel abhob, der noch in den Straßen hing. Es war die Gestalt einer alten Frau. Ihre Erscheinung war ungewöhnlich. Hinter sich her zog sie einen Karren, wie kleine Kinder ihn oft für ihr Spielzeug benutzen. Frank blieb stehen, der Karren war angefüllt mit Fotos. Etwas mit den Augen der Frau stimmte nicht, sie waren leer, fixierten nichts, bemerkten ihn gar nicht. Er lief weiter, drehte sich aber kurz darauf nochmals um. Sie war verschwunden. Nur in der Ferne konnte er etwas erkennen, der Wind trieb es durch die Straße. Es war Viereckig, ein kleines Blatt. Vielleicht eins der Fotos? Frank kehrte um, begann zu laufen, suchte das Bild der Gewalt des Windes zu entreißen. Er schaute ins Gesicht einer Jungen Frau. Unmöglich! Sie mußte noch schlafen, schaute ihm jedoch bereits vom Foto aus direkt in die Augen. Ihm wurde klar, dass er etwas wichtiges vergessen hatte, mußte schnell zurück. 8.50 Uhr: Noch zehn Minuten, er begann zu laufen. Hoffte sie würde noch schlafen. Frank fuhr den Schlüssel ins Schloß, öffnete die Tür und fand sie noch schlafend.- Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern.- der Abschiedskuss. Frank ließ die Tür ins Schloß fallen, verharrte noch kurz auf dem Absatz und ging.

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Die reife Frau!
von Kirsten Bauriedl, 63755 Alzenau (Deutschland)

Literaturcafeprojekt:

"Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern."

Die reife Frau!
Einst traf er sie am heißen Strand,
sie küsste ihn und er küsste sie.
Zusammen saßen Beide im Sand,
vergessen wird er den Kuss wohl nie.

Es war an einem schönen Sommertag,
die hübsche Frau, sah er zum ersten mal.
Es traf ihn, wie ein Hitzeschlag,
ihr Anblick war einfach fatal.

Als sie dann in das Wasser ging,
ging er ihr einfach hinter her.
Es sah so aus, als ob sie Fische fing,
sie anzusprechen, war nicht schwer.

Nach kurzem Reden verstummten sie,
und seine Lippen nach den Ihren bebten.
So fühlte er sich zuvor noch nie,
im Zauber der Liebe, die Beiden schwebten.

"Du bist eine richtige Traumfrau für mich"
sagte er und fragte sie gleich dann.
Ganz eng aneinander, setzten sie sich
und er fragte, ob er sie küssen kann.

Eine reife Frau und ein junger Spund
Es war egal, das Keiner den Anderen kennt.
Sie küssten sich einfach auf den Mund
Und wunderbar, fand er diesen Moment.

So traf ihr Mund dann auf den Seinen
Und ihre Lippen, waren ja so weich.
Die Hände hatte sie auf seinen Beinen
Und er fühlte sich etwas, wie ein Scheich.

Vielleicht verliebten sie sich ineinander,
denn Keiner von Ihnen, hatte Scham.
Die Zungen kreisten sanft miteinander
Und feucht war ihr Kuss und warm.

In ihrem Innersten, entstand eine Glut,
sie streichelte zärtlich seine Wangen.
Der Geschmack ihrer Spucke, war so gut
Und ihre Zungen, verschlungen, wie zwei Schlangen.

Ständig konnte er in ihre Augen sehen
Und bekam von der Frau, einfach nicht genug.
Der Kuss sollte niemals zu ende gehen,
doch die Zeit verging, wie im Flug.

Sie war seine bisher beste Küsserin,
so geküsst, hatte er zuvor noch nie.
Mehr als küssen, war nicht drin,
es waren zu viele Leute um sie.

Das Leben, nimmt halt seinen Lauf,
sie nahm die Lippen von den Seinen.
Plötzlich stand die schöne Frau auf
Und ihm war fast es fast zum weinen.

Vergessen wir er den Kuss wohl nie,
von der reifen Frau am heißen Strand.
Sie küsste ihn und er küsste sie
Und beide saßen sie zusammen im Sand.
K. Bauriedl

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