| Hier lesen Sie die besten Beiträge der neunten Runde (Oktober '02 - November '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von David R. MacDonald eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Die Straße nach Cape Breton«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-015329-4. 19,90 EUR: |  | Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Der Kuss von Karin Kaiser, 78464 Konstanz (Deutschland) Der Kuss von ihr war ein Traumgebilde Seit Wochen düst er durch Engelsgefilde Sterne prasseln auf sein Haupt Sein Herz an Wahnsinn glaubt
Sie raubte ihm sein Denken Ohne ihm Ersatz zu schenken Noch nie pochte so sein Gemüt Als wäre er aus speziellem Geblüt
Jede Faser in ihm spricht Von Honig, Balsam und Himmelsgericht Obwohl der Kuss längst im Orbit schwebt Sind seine Lippen mit Hoffnung auf mehr umwebt Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Für mich von Dir von Pascale Eigensatz, 8049 Zürich (Schweiz) Ein Kuss so tief, ein Lächeln so schief, noch heute kann ich ihn schmecken
Ein Kuss so tief, nach mehr er rief, noch heute will ich mich nach ihm recken
Ein Kuss war Dein Geschenk an mich von Dir ganz allein für einen kleinen Moment warst mein
Ein Kuss; ich Deiner immer gedenk doch ich bin hier weit weg von Dir Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Warten von Grit Steinweller, 30539 Hannover (Deutschland) Warten mit Illusionen und Träumerei. Warten auf deren Realität.
Warten auf Zweisamkeit statt Einsamkeit. Warten auf Fröhlichkeit statt Traurigkeit.
Langes Warten auf diesen einen Moment!
Das lange Warten spricht von Sehnsucht nach Liebe.
Und ich hoffe: Dieser eine Moment wird der Anfang ewiger Liebe sein. Dieser eine Moment wird mir zeigen, was unendliche Liebe ist.
Ich warte auf diesen Moment.
Und ich weiß: Das Warten lohnt sich, weil ich diese Liebe mit DIR erleben werde. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Erinnerung an den Abschiedskuss von Patrick Weber, A-1190 Wien (Österreich) Bestimmt würde es morgen nicht anders sein. Nach einem geschäftigen Tag voll leerer, notwendiger Handlungen, die es nicht zulassen, dass er bei ihrer Ausführung sein Denken nicht unterdrückt, fällt er, R., ohne wirklichen Halt in einen Abend, eine Nacht, die sich durch kaum erbauliche Leere auszeichnen. Nichts galt es zu tun und er hatte zu viel Kaffee getrunken, um schlafen zu können. Auf seinem zu großen Bett lag er, als er spürte, wie Magensäure seine Speiseröhre hoch kroch. Sodbrennen, es paßte gut zu den Bildern in seinem Kopf. Er belächelte seine Situation und den Umstand, dass nur eine einzige Sache, wenn die Erinnerung an sie einmal von ihm Besitz ergriffen hatte, Gefühle lostreten konnte und ihn manche Nächte durchwachen ließ. Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. In Augenblicken, die die Leere anspannten und ihn offen liegen ließen, ihn so verletzlich und empfänglich für Impulse aus der Vergangenheit machten, die scheinbar aus dem Raum, doch wirklich aus ihm selbst nach seinem Bewußtsein griffen, in solchen Augenblicken zeichnete sich der Abschiedkuss verlässlich als erstes und am deutlichsten vor seinen Augen ab und zog den ganzen Tag hinter sich her. Es war nämlich ein unangenehmer Tag gewesen. -Man möchte glauben es hätte mindestens geregnet und er habe keinerlei Schutz vor der kalten Nässe gehabt, seine Schuhe wären durchnässt gewesen, doch er hätte den ganzen Weg zu Fuß zurücklegen müssen, den Weg zum Hafen, den Weg zurück ans andere Ende der Stadt. Man möchte meinen sie hätten sich zumindest umarmt und ihre Augen wären nicht nur vom Regen feucht gewesen; sie hätten Worte gleich Versprechen ausgetauscht oder wenigstens lange Blicke Bekundungen gleich. Auch er wollte das gerne glauben können. Doch es sollte nicht so einfach sein. Es war ansich ein strahlend schöner Tag gewesen. Die Sonne aber schien die Fasern ihrer Gefühle ausgetrocknet zu haben. Sie wurden brüchig bis sie schließlich zerrissen. Damit hätte er gut leben können, er würde die Muskelfasern seiner Liebe wohl eines Tages wieder regenerieren. Woran seine Verzweiflung hängen sollte, war die Erinnerung daran, wie ekelhaft der letzte Kuss geschmeckt hatte. Ihre Münder waren ausgetrocknet gewesen. Sie hatte einige Tage zuvor wieder zu rauchen begonnen und er glaubte noch aus der Erinnerung an den Kuss rekonstruieren zu können, was sie zu Mittag gegessen hatte. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Verpasste Chance von Sabine Böhringer, 70597 Stuttgart (Deutschland) Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Er hasste die Erinnerung, es trieb ihn seitdem um wie ein wild gewordenes Tier, aber es half nichts. Selbst im Traum verfolgte sie ihn. Er saß in der Straßenbahn Richtung Stadtmitte. Gedankenversunken sah er eine Frau an einer Haltestelle zusteigen, er sah sie nur kurz von der Seite und ihm blieb das Herz stehen. War sie das? Sie lehnte sich an die Haltestange bei der Tür und drehte ihm den Rücken zu. Er rutschte unruhig auf seinem Sitz herum. Warum drehte sie sich nicht um? Sie hatte dasselbe Haar wie Eva, blonde Locken, dieselbe Länge, ihre Figur konnte er unter ihrem sich plusternden Wintermantel nicht erkennen. Ein Film lief in Sekundenschnelle in seinem Kopf ab und ihm wurde heiß vor Scham. Tölpelhaft und gefühllos, ja, wie ein Sexbesessener hatte er sich benommen. Wie gerne würde er es rückgängig machen! Sollte er aufstehen und sie ansprechen? Etwas hielt ihn zurück. Er hatte sich mit Eva in der Sauna getroffen. Zugegeben, er war in erster Linie scharf auf sie gewesen, weiter dachte er nicht. Schließlich hatte er seit einem Jahr keinen Sex mehr gehabt und fühlte sich richtig ausgehungert. Und eine, die sich mit einem ihr fast fremden Mann auf die Saunabank schwingt, ist leichte Beute, dachte er. Diese Frau machte ihn ganz verrückt um die Lendengegend, jedes Mal, wenn er sie sah. Als sie sich in der Sammelumkleidekabine vor ihm auszog, hätte er sie am liebsten gleich ..., aber da waren zu viele Leute und er musste sich beherrschen. Dann endlich im Warmbecken nach dem dritten Saunagang: Sie waren alleine und sie ließ es zu, dass er sie küsste. Es war dieser Kuss, den er nicht vergessen konnte. Er schmiegte sich dabei an sie, immer weniger zärtlich, immer fordernder, zuletzt fast gewaltsam. Nein, er dachte nicht daran, was sie wollte. Er wollte. Aber sie zickte plötzlich herum und stieß ihn mit voller Wucht von sich weg. "So nicht!" schrie sie ihn an und ihr Augen funkelten. "Nicht hier und nicht jetzt." Trotzig wie ein kleiner Junge, der nicht sofort das Spielzeug kriegt, das er so gerne will, war er aus dem Becken gestiegen, hatte sein Handtuch geschnappt. "Ich verschwende nicht gerne meine Zeit", hatte er gesagt und war einfach gegangen. Endlich drehte sich die Frau in der Straßenbahn um und er sah ihr Gesicht. Er atmete auf und war zugleich zutiefst enttäuscht. Sie war es nicht. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |