| Hier lesen Sie die besten Beiträge der neunten Runde (Oktober '02 - November '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von David R. MacDonald eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Die Straße nach Cape Breton«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-015329-4. 19,90 EUR: |  | Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Ein Kuss vor vielen Wochen . . . von fiona, 65929 Frankfurt am Main (Deutschland) die zeit verrinnt ein kuss nur, vor vielen wochen ihr bild verschwimmt doch die erinnerung, sie bleibt. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Mittendrin von Natalia Grießbach, 40223 Düsseldorf (Deutschland) Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Er schmeckte noch ihre verschwitzte Haut, spürte ihren Atem, saugte das Vergangene in sich ein, alle Ihre Bewegungen, ihr Flüstern, ihre ganzen Wahrnehmungen. Ihre Sehnsucht ging in ihn über, übernahm ihn, erst schleichend wie der leiser Sommerregen, dann stürmisch, alles vernichtend wie ein Tornado. Ihre Offenbarungen erschreckten und schmerzten und erfreuten ihn und gaben ihm Mut weiter zu machen. Immer wieder weiter zu machen, ohne dabei ans Aufhören zu denken, weil sie es so wollte, weil er sich ihr ausgeliefert fühlte, weil er sich ergab.
Was bedeuten schon die zwei und zwanzig Jahre Altersunterschied, wem interessieren schon Falten und müde vom Leben Augen. Wer hält sich noch an die gesellschaftliche Normen und Moralvorstellungen, wenn die, so tief in dir vergrabene Leidenschaft, plötzlich deine Lust erweckt, deine Sinne zuspitzt und mit liebender Hand deinen Verstand betäubt.
Nein es war kein einmaliges Abenteuer, auch nicht die Suche nach einem neuen Kick. Es war auch nicht die Neugierde, nein. Es war auf ein Mal da, dieses Gefühl... Er befand sich bereits mittendrin, dorthin getrieben bis zum jenen Punkt, wo es kein zurück mehr gab.
Acht Jahre lang sah er sie immer einsam in der Küche sitzen, am Herd kochend, Wäsche waschend, ihren Sonn umsorgend, eigene Wünsche zurückhaltend, immer freundlich und beklemmend still. Ihr Sohn wuchs zu einem Mann heran, er wuchs mit ihm, verbrachte jede freie Minute in seinem Haus, ihrem Haus... Sie beobachtete, wartete ab. Sie ließ ihm Zeit. Jede Menge Zeit um sich an sie zu gewöhnen, um sie zu verstehen, um sich ihrer nah zu fühlen. Doch er hat sie bis jetzt nie richtig begriffen.
Jetzt war der Vorhang gefallen, das lange Vorspiel war vorbei. Er wusste nun, wo er hingehört, nahm den vor langer Zeit freigewordenen Platz ein. Er war mittendrin, nicht als Zuschauer, als Hauptdarsteller. Er wusste, dass dieses süße Geheimnis sie beide für immer verbinden wird, etwas was man ihnen nicht mehr wegnehmen kann, und dass sie ihn beim nächsten Treffen mit ganz anderen Augen angucken wird. Mit vielversprechenden Augen einer zum Leben wiedererweckter Frau. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Vulkankuss auf Gomera von Ina Sommer, 91054 Erlangen (Deutschland) Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Die Gedanken durchzogen seinen vor sich hindösenden Geist wie Nebelschwaden die Lorbeerwälder von Gomera durchzogen hatten. Gomera, Juni 2002, die Hitze lag im Tal, im Valle, die Einheimischen ächzten, die rot gewordenen Touristen lagen am schwarzen Strand, die Ladeninhaber machten Siesta, der Taxifahrer pfiff ein Lied. Malte lief den staubigen Pfad zu einer Obstfarm hinauf, den blauen Hut tief ins Gesicht gezogen. "Er will dich küssen.", das gebrochene Spanisch einer Zugereisten, als ein kleiner frecher Frosch auf Maltes Schulter hüpft. Emma hieß sie, ein Name, der nicht zu ihr passte. Sie war nicht pummelig. Sie war kein häuslicher Typ. Sie war nicht das, was Malte sich unter einer Emma vorstellte. Sie lud ihn ein. Trommeln beim Sonnenuntergang, "wenn das Meer die Sonne auffrisst.". Ihre Freunde trommelten, die Kinder tanzten, selbst die Touristen saßen andächtig da und verfolgten das Spiel der Sonne. Danach küsste Emma ihn. Küssen war nicht das richtige Wort dafür, eine Untertreibung. Was zwischen ihnen passierte glich einem schlafenden Vulkan, der plötzlich zu spucken lernte. Am nächsten Tag im Flugzeug packte Malte seinen blauen Hut in den Rucksack und winkte Emma aus mehreren Tausend Höhe. "Ich werde dich sehen.", hatte sie gemeint, "wenn du mit dem Flugzeug über die Wolken tanzt." Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Erinnerung von jula Fliegener, 12279 Berlin (Deutschland) Das Salz deiner Haut auf den Lippen, Musik in der Seele und immer wieder nur du. In meinen Träumen, in meinen Gedanken,.. an meinem Mund. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Der Brief von Hardam, Werner, 38667 Bad Harzburg (Deutschland) Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. War es wirklich so lange her? An jede Einzelheit ihres letzten Zusammentreffens konnte er sich erinnern. Wo war sie jetzt? Warum schrieb sie ihm nicht, gab Nachricht? Aber er wusste, dass sein Hoffen umsonst war. Sie hatten ausgemacht sich ein Jahr nicht um den anderen zu kümmern. Um eigene Wege zu gehen, wie sie sagten. Um herauszufinden, ob es noch andere gab, die zu Ihnen passten. War das kein vernünftiger Plan? Erst nach Ablauf eines Jahres wollten sie sich treffen. Um zusammen zu bleiben oder - Abschied zu nehmen für immer! Er schaute auf den Kalender. Das Jahr war noch lange nicht herum. Was war er nur für ein Esel gewesen! Welch ein Fehler sie so ziehen zu lassen! Er schloss die Augen, wieder spürte er den Geschmack ihres Kusses auf seinen Lippen. Gab es wirklich keine Möglichkeit sie zurückzubekommen? Da klingelte es. Er schreckte hoch. War sie wieder da? Er lief zur Tür und riss die auf. Es war der Postbote. Der kramte in seinem Postsack. "Ich habe einen Brief für Sie", sagte er trocken. "Vom Finanzamt - Sie müssen hier unterschreiben." Mechanisch setzte er seine Unterschrift auf ein Formular, das ihm der Postbote hinhielt, nahm den Brief vom Finanzamt entgegen. "Ich kann Ihnen an der Tür hier auch gleich die restliche Post geben." Der Postbote drückte ihm einen weiteren Brief in die Hand. Sein Blick fiel auf den Umschlag. Sein Herz schlug plötzlich bis zum Hals. Er war von ihr! Ihre Schrift!. Endlich! Kaum schaffte er es, sich beim Boten zu bedanken und die Tür zu schließen. Er wankte zum Sofa zurück, setzte sich, starrte auf den Brief. Es kam ihm so vor, als ob die Berührung des Papieres wie Feuer brannte. Dann nahm er einen Brieföffner, begann den Umschlag behutsam zu öffnen. Sie hatte sich gemeldet! Das allein war wichtig. Vorsichtig nahm er einige eng beschriebene Seiten heraus... Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |