| Hier lesen Sie die besten Beiträge der neunten Runde (Oktober '02 - November '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von David R. MacDonald eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Die Straße nach Cape Breton«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-015329-4. 19,90 EUR: |  | Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. der maler von Stella Eva Henrich, 60009 Frankfurt am Main (Deutschland) ich saug dich auf mit meinen augen ziehe dich in mich hinein spüre deine zunge an meinem gaumen sie streichelt mich ganz sanft ganz fein
dein züngeln kitzelt doch lachen muss ich nicht
du leckst meine lippen dein warmer speichel fließt schamlos in mich hinein dein pinsel gleitet über meinen rücken jetzt strömt das blut die hände bizzeln
o wonnen, o welt, o musik, meine sinne wirbeln in der maienacht so farbenfroh ist dieses prickeln ich wünschte mir, es bliebe immer so
der küchentisch stöhnt unter den liebkosungen ich kann das brummen des kühlschranks noch vernehm´ ganz gleichmäßig und rhythmisch summt er vor sich hin
ich pendel mich aufs brummen ein spür deine kalte nase auf meinen lippen tief atmest du mich dabei ein
o maler, du bist still in mir versunken fast metaphysisch kletterst du in meine seele rein in mich hinab lässt los, lässt fallen vergisst dabei raum, zeit und wirklichkeit
ich lasse los ich lass mich fallen bin eins mit dir
jetzt bist du ich und ich bin du. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Tief von Andreas Kaltenpoth, 81539 München (Deutschland) Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Und der Duft - manchmal meinte er ihn in der Nase zu spüren, so fesselnd, so bezaubernd, als wollte er nie wieder etwas anderes riechen. Das Paar blitzender Augen, deren Blick ihm bis auf den innersten Grund gedrungen waren... So nah und doch so fern! Wenn dann seine Tränen zu rinnen begannen, wußte er wieder, warum er besser nicht zu viel Zeit zum Nachdenken hatte. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Es schmeckt nach Krieg von Cord Buch, 22455 Hamburg (Deutschland) Die Sonne verdunstet das Blut, schneller als es fließen kann. Er spürt, wie das Blut seinem Körper entflieht, Tropfen für Tropfen. Unter ihm feinkörniger Wüstensand, dessen Hitze er nicht mehr spürt. Die Erinnerungen des Verwundeten sind schon entflohen. Vor Wochen, vor dem Marschbefehl, der Kuss der Fahne. Jeder von ihnen küsste sie. Ein berauschender Geschmack, der Geschmack der Macht, der Geschmack des Todes.. Jetzt durchfährt ihn die Erinnerung an diesen Geschmack, doch er berauscht nicht mehr. Es schmeckt metallisch nach Blut, es schmeckt nach Öl. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Der lezte Kuss von Sabine Mucha, 91083 Baiersdorf (Deutschland) Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihm immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Wenn der Schmerz seinen Körper durchfuhr wie ein Blitzschlag. Seine Hände zu zittern begannen. Ihm der Schweiß auf der Stirn stand. Er wußte, daß sein Leben keinen Penny mehr wert war. Er sah die wunderschönen blauen, ausdrucksstarken Augen vor sich. Das goldblonde Haar, daß in der Sonne glänzte. Und er wußte, er würde sie nie wieder sehen. Mit der Zungenspitze berührte er seine Lippen und schloß die Augen. Eine Träne lief ihm über die Wange, und er schämte sich. Mit diesem Kuss, vor vielen Wochen und dem, was danach geschehen war, hatte er ihr Todesurteil unterzeichnet. Sie wußte es noch nicht. Und er spürte ganz deutlich, daß er es nicht mehr mit erleben würde. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Nur ein Kuss von Nicole Dietrich, 97204 Höchberg (Deutschland) Ein Kuss, vor vielen Wochen, aber sein Geschmack durchfuhr ihn immer noch, wenn er nichts zu tun hatte als dazuliegen und sich zu erinnern. Und das tat er fast immer. Daliegen und sich erinnern. Er hatte sonst nichts zu tun. Denn mit dem Kuss hatte sie ihr beider Leben genommen. Er hatte das Steuer verrissen, als sie sich so unerwartet auf seine Seite lehnte. Sein Leben war keines mehr, er war gelähmt und konnte nur noch an sie denken. Sie war Schuld daran, dass er schuldig an ihrem Tod wurde. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |