| Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: |  | Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Höhenmesser von Sabine Scholz, 10143 Torino (Italien) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Es war sein Auto und ihr fiel ein, dass sie nicht einmal den Führerschein besaß. "Sie müssen das Leben mehr von der lustigen Seite sehen", war der Rat ihres Arztes gewesen, als er es aufgab, ihre Depressionen weiterhin medikamentös zu behandeln. Sie hatte es fünf Jahre versucht – ohne Erfolg. Wieder eine Hoffnung, die sie begraben hatte. Die Luft war stickig und roch nach Benzin. Ihre Haare fühlten sich feucht an, und ihr Kleid war zerknittert. Sie beschloss ins Freibad zu gehen. Sie war erstaunt, als Herr Kirche ebenfalls erschien, wie immer mit Anzug und Krawatte. Sie kam gerade aus dem Wasser, als er ihr zuwinkte. Sie hatte wieder mörderische Kopfschmerzen, freute sich aber dennoch über seinen Besuch. Als Herr Kirche seinen Diplomatenkoffer öffnete, staunte sie: kaum Akten, dafür zwei Flaschen Saft, Schokolade, ein Höhenmesser, ein Pfund Butter und keine Badehose. "Vorschriften sind da, um umgangen zu werden." meinte er. Damit das Gespräch nicht versiegte, las sie ihm aus einer Zeitschrift über Hypochondrie im Endstadium vor. Solche Menschen konnten ihren körperlichen Zustand nicht eine Minute lang vergessen. Sie hatten den Zustand der ständigen Selbstbeobachtung zur Lebensform entwickelt. Aus der gelegentlichen Wehleidigkeit, die alle mal befiel, war ein Lebensstil geworden. Herr Kirche dachte einen Moment nach, dann sagte er mit tragischem Unterton: "Abgesehen von einer wunden Stelle im Mund, einer Hautreizung, einem leichten Muskelschmerz, einem Hühnerauge, Herzklopfen und einer lästigen Müdigkeit, geht es mir ganz gut!" Sein Humor glitt ihr wie Hustensaft in die Kehle. Die Sonne brannte. Es war keine Wolke am Himmel zu sehen. Die Badegäste waren zusammengeballt wie Aspirin in einem vollen Fläschchen. Wenn sie aus dem Wasser kam, lagen ein Eis oder Pommes Frites für sie bereit. Irgend etwas schien Herrn Kirche auf sie zu fixieren, aber sie konnte sich nicht vorstellen was. Am Nachmittag trank er fünf Flaschen Bier, bestand darauf, ihr den Rücken mit einer antiallergischen Massagesalbe aus der Apotheke einzureiben, und ging selbst kein einziges Mal ins Wasser. Ihr gemeinsames Schweigen stieg an wie ein Fieberthermometer. Abends rief er sie dann an und sagte, dass er sich in sie verliebt hätte. Da wusste sie, dass es um ihn genauso traurig stand wie um sie. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Nie wieder von Viola Hagen, 38159 Vechelde (Deutschland) Carla rannte die Treppe hinunter, riß die Haustür auf und schlug sie mit einem lauten Knall zu. Das Geräusch tat ihr gut. Sie lief auf ihr Auto zu, ohne einen Blick nach links und rechts zu werfen. Schloß die Autotür auf, warf den Schlüssel auf den Sitz, verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Schweratmend saß sie, die Hände um das Lenkrad geklam-mert, da. "Verdammter Kerl", preßte sie zwischen zusam-mengebissenen Zähnen hervor. "Wie konnte er mir das an-tun!" Sie war früher von der Arbeit gekommen und freute sich auf Peter. Sie schloß die Wohnungstür auf und ging ins Wohn-zimmer. Sie traute ihren Augen nicht. Ihr Mann Peter lag mit ihrer Freundin Renate in eindeutiger Position auf dem Sofa. Sie stand einige Sekunden wie erstarrt da. Die Beiden blick-ten sie entsetzt an. "Das kann nicht wahr sein", flüsterte sie leichenblaß mit be-benden Lippen. Dann kann Leben in sie. Sie rannte auf Peter zu und versuchte ihn zu schlagen. Sie erwischte seine Haare und riß kräftig daran. Ich muß hier weg, sonst bringe ich ihn um, schoß es ihr durch den Kopf. Sie ließ ihren Kopf auf das Lenkrad fallen. Tränen schossen ihr in die Augen. Mit einer wütenden Handbewegung wischte sie sich über das Gesicht. Es klopfte heftig an die Autoscheibe. Peter stand dort und schrie: "Mach die Tür auf. Ich muß mit dir reden." "Ich aber nicht mir dir. Verschwinde." "Ich liebe dich." Carla stieß ein höhnisches Lachen aus. Mit zitternden Händen nahm sie den Autoschlüssel vom Sitz und versuchte ihn ins Zündschloß zu stecken. Peter schlug immer kräftiger gegen die Scheibe. Als es ihr endlich gelang den Motor anzulassen, raste sie mit quietschenden Reifen davon. Im Rückspiegel sah sie Peter mit erhobenen Armen auf den Bürgersteig springen. Sie wußte, egal was passieren würde, hierher kehrte sie nie wieder zurück. Das Kapitel Peter war abgeschlossen. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Die klingelnde Salatschüssel von Heidi Hoppe, 21635 Estebrügge (Deutschland) Tina stob schnaubend durchs Wohnzimmer, blickte nach rechts und links, schmiss sich auf den Boden um unter dem Sofa nachzusehen. Wo war er nur wieder, der Autoschlüssel? Die Zeit drängte. "Schatz, sieh doch mal in der Salatschüssel nach." Meistens hatte Peter Recht. Tina ging widerwillig zum Küchenschrank. Der Autoschlüssel lag tatsächlich in der Salatschüssel. Als sie ihn dort erblickte so mutterseelenallein, fiel es ihr wieder ein. Gerade als sie ins Haus gekommen war, hatte das Telefon geklingelt. Die Tür des Küchenschrankes stand offen und die Salatschlüssel schrie geradezu danach, ein Klingeln von sich geben zu wollen. Diesem Wunsch gab Tina nach, schmiss ganz lässig das Schlüsselbund Richtung Schrank. Jetzt hörte sie auch dieses Klingeln wieder. Wie gut ihr Gedächtnis doch hin und wieder funktionierte. "Tina Schatz, nun sei doch nicht so widerborstig. Sieh, ich weiß um deine Unzulänglich-keiten, akzeptier doch einfach, dass mein Gedächtnis besser funktioniert." "Nun reicht´s mir aber!" Seit nahezu fünfundzwanzig Jahren ging das so. Peter hatte gar eine Datei angelegt, in der er die Ablageplätze wichtiger Gegenstände wie das Portemonnaie, die Armbanduhr, die Fernsehzeitschrift und vieles mehr gespeichert hatte. "Schatz, guck doch mal in die Exel-Tabelle. Die Salatschüssel war ein absoluter Ausreißer. Prozentual rangiert…" Tina kochte vor Wut. Sie überlegte wie sie ihrem Eheliebsten eins auswischen konnte. Ihr Blick wanderte an das Schlüsselbord, an dem der Autoschlüssel ihres lieben Peter ordnungsgemäß hing, wie immer am dritten Haken von links. Ihr kam die zündende Idee. "Das ist ja interessant, Liebster. Druck mir die Tabelle doch mal aus." Flötete sie ihm zu. "Mach ich gern, dann muss ich aber auch los. Du weißt, heute ist Skatabend." Peter betätigte seinen Computer. Währenddessen machte sich Tina unauffällig auf den Weg zum Schlüsselbord, nahm den Schlüssel von Peters Wagen vorsichtig in die Hand ohne dass auch nur das leiseste Klimpern ihr Vorhaben hätte verraten können. Sie schloss seine Autotür auf, warf die Schlüssel auf den Sitz, verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Anschließend setzte sie sich in ihren Wagen und fuhr zum Italienischkurs. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Das Auto von Marianne Wolerts, 50825 Köln (Deutschand) Zum Kotzen, zum kotzen, zum kotzen
- ich find alles so scheiße – - wie kann das leben nur so beschissen sein ich hab tränen in den Augen der Magen tut mir weh einen Kloß im Hals die Lunge arbeitet nicht mehr
wieso ist alles immer nur so schrecklich ich könnte heulen
kein Geld zum studieren kein Job ohne Studium kein Mensch der mir hilft keine Seele die mich liebt kein Hirn mehr im Kopf kein Mumm in den Knochen kein Essen auf dem Tisch
dann kann man auch nicht kotzen wenn ich so weitermache heule ich noch die nächsten 100 Jahre immerhin hab ich ja noch meinen kleinen roadrunner ich fahr jetzt zum See und leg mich in die Sonne leckt mich alle Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Innenleben von Manuela Kirsch, 71254 Ditzingen (Deutschland) Er wartete an der Straßenlaterne Zeit war für ihn kein Problem entgegengekommen wäre er ihr gerne aber er konnte nicht anders als da zu stehen.
Sie schien Angst zu haben wirkte hektisch irgendwie Er wollte was sagen aber wußte nicht, wie.
Sie war grob zu ihm warf ihm den Schlüssel entgegen Er nahms einfach hin ihre Angst würde sich legen
Er bot ihr an, was er hatte und sie nahm es entgegen: verriegelte Tür, Fußbodenmatte Mobilität auf allen Wegen
Sie kannten sich lange - ihr Auto und sie doch was in ihm vorging, das erfuhr sie nie. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |