| Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: |  | Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Abschied von Ulrike Linnenbrink, 48485 Neuenkirchen (Deutschland) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Schluchzend ließ sie sich in den Sitz fallen und klatschte die Hände vors Gesicht. Scheiße, Scheiße, verdammte Scheiße! Aber es war geschafft und nicht mehr rückgängig zu machen! Gut so. Doch sie hätte nicht gedacht, dass es so schwer sein würde, so verdammt schwer! Einen Moment lang konnte sie sich kaum rühren. Dann fischte sie ihren Rucksack vom Beifahrersitz und kramte in der Vordertasche nach der Zigarettenschachtel. Ihre Finger zitterten. Sie beugte sich ein wenig vor und betrachtete im Schein des brennenden Feuerzeugs ihr Gesicht im Rückspiegel. Gott, seh ich Scheiße aus! Sie schnippte die feuchte Strähne aus der Stirn und fuhr sich kurz über die Augen, tauchte dann die Zigarette in die Flamme, sackte wieder zurück. Gierig sog sie den Rauch in sich hinein. Er brannte in den Lungen, sie musste husten. In ihrem Kopf hallte das Schließen der Klappe nach. Auch das leise Wimmern dahinter. Immer wieder ...
Und jetzt?
Erst würde sie diesem Typen den Wagen zurück vor die Kneipe stellen. Hoffentlich hatte er noch nicht gemerkt, dass sie ihm den Schlüssel geklaut hatte. Dann nach Hause in die Platte und ein paar Stunden vielleicht auch Tage schlafen, schlafen, schlafen. Hoffentlich reichten die Aspirin, die sie zuhause hatte. Irgendwo mussten auch noch ein paar Ibuprophen herumfliegen. Falls es ganz schlimm kommen sollte, würde es vermutlich etwas Härteres sein müssen. Und später, irgendwann, wenn sie sich erholt haben würde, würde sie endlich den Bus nehmen und zu ihrer Mutter nach Heide fahren. Jetzt war es wieder möglich, jetzt sah man nichts mehr. Ein halbes Jahr lang hatte die sie am Telefon gelöchert. War nicht leicht, sich ständig neue Ausreden einfallen lassen zu müssen ...
Unwillkürlich griff sie sich an den Unterleib, drückte an gegen den neuen stechenden Schmerz. Nein, so hart hatte sie es sich nicht vorgestellt, so hart nicht. Zuletzt hatte sie wie eine Löwin gebrüllt, vergessen die Angst, dass die Nachbarn sie hören könnten, hatte sich gewunden und es in allen möglichen Stellungen probiert. Ganz allein ...
Ein Zug von der Zigarette noch, dann drückte sie sie in den Aschenbecher und drehte den Zündschlüssel. Der Motor heulte auf, und während der Wagen langsam vorwärts rollte, warf sie einen letzten Blick zurück.
Hoffentlich finden sie dich ganz bald, mein Kleiner ... Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Schwierige Entscheidung von Martina Bruns, 27283 Verden.Walle (Deutschland) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Jetzt lag alles in ihrer Hand, wenn sie nun versagte dann wäre es aus mit dem Traum der Karibik. Es ist ganz einfach, ich habe alles bis ins kleinste Detail geplant, hatte er zu ihr gesagt. Nun stand sie vor dem Wagen in dem die Frau ihres Liebhabers betrunken auf dem Fahrersitz saß und leise vor sich hinschnarchte. Sie überlegte kurz, kann ich das tun, ich kenne diese Frau doch gar nicht. Doch dann kamen ihr seine Worte wieder in den Sinn, wie er sie mit diesem Unglaublichen Lächeln ansah und sagte, "Wenn du das geschafft hast, dann kann uns niemand mehr trennen. Wir fliegen in die Sonne und lassen alles hinter uns." Nun zögerte sie keine Sekunde mehr. Sie nahm den ersten von fünf Benzinkanistern und schüttete ihn über das Auto, welches auf einem alten, verlassenen Parkplatz einer Fabrik stand. Sie schaute sich das Auto noch einmal an, dann setzte sie die Tat fort und schüttete die restlichen vier Kanister über das Fahrzeug. Nun blieb sie stehen und schon wieder kamen ihr Zweifel. Sollte sie das wirklich tun?? Sollte sie wirklich, nur für ihr eigenes Glück ein Menschenleben beenden?? Doch da dachte sie zum dritten mal an ihren Schatz für den sie alles tat, nur um ihn glücklich zu machen. Er hatte ihr so wunderbar süße Sachen ins Ohr geraunt wenn sie alleine waren und sie sehnte sich schon wieder nach ihm. Nein, sie hatte keine Lust mehr auf Versteckspielchen, sie hatte es satt immer nur zu verzichten weil seine Frau nichts merken sollte. Es musste eine Entscheidung fallen, und zwar sofort!! Nun holte sie ihr Feuerzeug aus der Guccitasche, die er ihr mal geschenkt hatte, zum ersten Jahrestag. Sie knipste das Feuerzeug an und langsam und genüsslich zog sie an ihrer Zigarette. Die Entscheidung war gefallen! Sollte er doch sehen wie er klarkam. Nur für einen Mann würde sie nicht ihre eigene Schwester umbringen. Sie drückte die Zigarette aus und schlug das Fenster des Autos ein. Sie zog ihre ältere Schwester aus dem Auto und brachte sie nach Hause. Später dachte sich noch einmal nach und lächelte kaum merklich. Eines wusste sie nun ganz sicher. Nie aber auch nie wieder würde sie einem Mann so willenlos Gehorsam schenken! Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Wenn nicht in dieser Welt, ... von Johann Nakovitz, 1050 Wien (Österreich) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Alles Vorbei! Die dumpfe Wucht verriegelte auch die Zuneigung zu dem Mann, der ... Sie kämpfte gegen die Mühlsteine, die sie zu ersticken drohten. Wie schön wäre doch dieser Tod, aber der Schmerz raubte alles bewusste Handeln aus dem leidenden Körper der Frau. Warum ist das kein Traum? Warum? Und die Wirklichkeit riss eine klaffende Wunde in Valeries Gesicht, aus der tiefschwarze Tränen flossen, die ihr einstiges Strahlen auslöschten.
Fünf Jahre lang hatte sie gelebt. Jahre echten Glaubens. Der Glaube an die Liebe, der Glaube an die Zukunft. Sogar der Glaube an Gott gewann wieder an Bedeutung. Was ist das für ein Gott, der Ungerechtigkeit und Intrige zulässt? Mein Reich ist nicht von dieser Welt! ....... Von welcher dann? Von welcher? Habe ich ihm nicht alles gegeben? Meinen Körper, meine Seele mein Kind! HIER muss ich bleiben nur für die Kleine. Sandy, wirst du mich verstehen können? Du bist ja noch fast ein Baby. Du hattest eine Familie, einen Vater ... Gleich bin ich bei dir, dann halt mich bitte, drück mich ganz fest. Ich brauch dich so sehr.
Valerie wollte für die nächsten Tage zu ihrer Mutter ziehen. Nach Hause in ihre gemeinsame Wohnung, die ihr Sam überlassen hat, wollte und konnte sie nicht. Sandy war bereits dort - ein kleiner Grund zu leben.
Vali! Komm her! Jetzt beruhige dich erst einmal. Ich habe frischen Kaffee gemacht. Vali, mein Liebes, was ist denn geschehen, hm? Gar nichts ist geschehen, das ist es ja; überhaupt nichts! Aber Sam glaubt mir kein Wort. Er ist total ausgeflippt, ist vorzeitig abgereist, er hat so ein Scheißprojekt, irgendwo in Übersee, er will gar nicht mehr kommen, er hasst mich ... Sieh mich an, Kind! Ich weiß, was du für Sam empfindest, und, mein Gott, er war doch immer so gut zu euch. Wenn er dich jemals geliebt hat... es wird sich alles aufklären. Jetzt ist er einmal auf der Suche nach sich selbst; weißt du, manchmal muss man auch von einem Menschen fortgehen, um ihn zu finden.
Ihre Verzweiflung wich zurück, und unter dem fürsorglichen Verständnis ihrer Mutter durchdrang Valerie ein heilender Schmerz. Ihre Stimme bebte, schauderndes Bangen und Hoffen durchzuckte noch ihren Leib.Ach, Ma! Bitte lass mich nur jetzt nicht zweifeln, bitte...! Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Wer zuletzt lacht ... von Anja Steinhardt, 27711 Osterholz-Scharmbeck (Deutschland) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Das würde ihn eine Weile beschäftigen. Silke konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als sie sich Joachims Gesicht vorstellte, das er machen würde, wenn er dies hier sah. Sicherlich würde er sie sofort verdächtigen, aber es spielte keine Rolle. Silke stieg in ihr eigenes Auto und fuhr auf die A1 Richtung Hamburg. Sie konnte sich Zeit lassen und die Fahrt nutzen, um ihre Strategie noch einmal durchzugehen. Endlich würde sie das Rennen machen. Sie sah die Titelstory schon vor sich und diesmal stand ihr Name darunter. Alles war genau vorbereitet. Einer der Kellner würde sie über die Küche in den Nebenraum einschleusen. Von hieraus konnte sie die Festlichkeiten beobachten - exklusiv. Wer mit wem und vor allem wer mit wem nicht. Ihr Chef würde staunen.
Das Klingeln des Handies riss Silke aus ihren Träumereien. Den Blick auf das Display hätte sie sich sparen können. Joachim, wer sonst. "Ja?" "Du miese kleine Ratte. Das kann doch nur dein Werk sein. Das ist meine Story. Du glaubst doch nicht, dass ich mich durch so eine Kleinigkeit aufhalten lasse. Ich nehme mir ein Taxi." "Das größere Problem dürfte wohl dein Presseausweis sein. Der liegt nämlich im Handschuhfach." Die Verbindung wurde abgebrochen. Und wenn er es doch noch schaffen würde, auch ohne Auto und Ausweis? Joachim war ein mieser Hund aber nicht blöde. Viel zu lange hatte sie sich von seinen blauen Augen blenden lassen, sich von ihm melken lassen wie eine Kuh. Sie hatte die Arbeit getan und er die Sahne geschleckt.
Ihre Stunde war fast vorbei, aber Silke hatte genügend Material gesammelt. Sie drückte dem Kellner die versprochene Summe in die Hand und fuhr los. Noch zwei Stunden bis zum Redaktionsschluss. Das würde sie schaffen. Der Text war fertig in ihrem Laptop. Fünf Minuten vor Annahmestop bog sie auf den Parkplatz ein, sie wollte gerade aussteigen, als Joachims verzerrte Miene vor dem Fenster auftauchte. Wie ein Irrer begann er an der Fahrertür zu reisen, die Gott Lob noch verriegelt war.
"Verdammt." Silke war den Tränen nahe. Joachim blickte zur Uhr und lehnte sich entspannt gegen die Kühlerhaube. Sollte er doch noch gewinnen? Nein, keines falls. Silke schaltete den Laptop an, verband ihn mit ihrem Handy und übermittelte den Text in aller Ruhe an die Redaktion. Sie achtete darauf, dass Joachim es nicht sehen konnte. Den Triumph wollte sie sich für Morgen aufsparen. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Vielleicht von Inga G. Koch, 14662 Friesack (Deutschland) "Willkommen zum Kaffeeklatsch!" Das lächelnde Gesicht meiner Freundin erscheint in der Tür, noch bevor ich ganz oben bin. "Stell dir mal vor, was ich heute..." Küsschen rechts, Küsschen links. "Du glaubst gar nicht, was..." Mantel an die Garderobe. "...Was ich heute erlebt habe!" "Nun setz dich doch erst mal!" "Also, mein Bus hielt an, ich guckte raus, und da stand sie." Tasse hochhalten zum Eingießen. "An dem großen Parkplatz war das, weißt du, vor der Altstadt. Wie heißt doch gleich diese Station?" "Rathausplatz?" "Ja, genau die meine ich. Und da stand sie vor einem Auto. So ein nichtssagendes Ding – du weißt schon – wie sie zu Hunderten herumfahren. Gerade wollte ich mich abwenden, da schloss sie die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz. Dann schien sie kurz zu überlegen. Und dann – du glaubst es nicht! – verriegelte sie die Tür von innen und schlug sie – Peng! – einfach wieder zu! Kannst du dir das vorstellen? Dann fuhr der Bus wieder an und ich sah sie gerade noch weggehen. Und die ganze Zeit überlege ich schon, warum sie das nur gemacht haben könnte? Ob das vielleicht das Auto von ihrer Schwester war, die ihr den Mann ausgespannt hat? Womöglich der Wagen von ihrem Freund, der sie verprügelt hat? Aber vielleicht war das auch so ein Vehikel wie meines von damals, mit dem man dauernd irgendwo hängen bleibt, weil schon wieder was kaputt ist, und sie hatte einfach die Nase voll davon? Doch dann hätte sie vermutlich auch noch wütend dagegen getreten – das hätte ich jedenfalls getan. Möglicherweise gehörte das Gefährt der Firma, die sie gerade entlassen hat? Ich vermute, dass sie noch recht jung war; jedenfalls sah ihre Kleidung danach aus. Und ihr Gesicht konnte ich leider nicht richtig sehen, weil ihre langen Haare dauernd davor wehten. Vielleicht hat sie sich mit Papi gestritten und wollte ihm eins auswischen? Oder sie geht noch zur Schule und hat die Schlüssel ihrem Lehrer geklaut? Und wenn sie vielleicht gar nicht wusste, was sie da macht, weil sie unter Drogen stand? Möglich auch, dass sie zu einer Erbengemeinschaft gehört, wo keiner dem anderen was gönnt? Oder könnte sie nicht auch eine Profi-Killerin sein, die gerade dabei ist, sich eine neue Identität zuzulegen?" Ding-ding-dong. "Deine Phantasie geht mal wieder mit dir durch," lächelt meine Freundin und steht auf. "Willkommen zum Kaffeeklatsch!" höre ich aus dem Flur, während ich endlich nach meiner Tasse angele. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |