Satzfischer - Das literarische Kreativprojekt des Literatur-Cafés in Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag - Sommerrunde
Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: Cover: Der Traum meiner Mutter

Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu.

Nie wieder
von Margit Farwig, 48 465 Schüttorf (Deutschland)

Sie war fett geworden seitdem das Auto vor ihrer Tür stand. Jeder neue Tag brachte neue Zentimeter ins Spiegelbild. Der Spiegel grinste sie von der Seite, von vorne und von hinten an, zum Schluss kramte er sein hämischstes Lachen hervor und entließ sie in ihre Verzweiflung. Alles was an Schlanksein erinnerte, bekam eine hässliche Wolldecke umgehängt. Sie war soweit, sich ihren Weg nur noch durch Wolldecken zu bahnen. Ihr Blick fing an, die Fäden von den Wolldecken aufzuribbeln, sie wollte das Blau des Himmels wiedersehen. Hätte sie das nur gelassen! Hatte sie eine Feder verschluckt? Ein Schlüssel zog sie auf, sie musste sich drehen und drehen, die hässlichen Wollfäden tanzten um sie herum und wickelten sie ein, bis aus ihrem ohnehin feisten Leib ein Kokon heranreifte, aus dem nur noch der Kopf herausragte und die Zehenspitzen ein Lebenszeichen von sich gaben. Selbst die dann rollenden Tränen warfen fettig glänzende Schatten. Ein Kitzeln an ihrer Nase weckte sie auf. Entsetzt erhob sie sich und rannte auf ihren dicken Beinen mitsamt dem Autoschlüssel die Treppe hinunter, aus der Tür hinaus. Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu.

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Der Schulparkplatz
von DerMönch, 8280 Kreuzlingen (Schweiz)

Danach fiel Aline zu Boden und weinte. Ihr war das Ganze einfach zu viel geworden mit dieser neuen Stelle als Lehrerin. Aber sie konnte jetzt auch nicht einfach alles aufgeben. Sie hatte die neue Klasse erst seit zwei Wochen und hätte noch mit ihr noch drei Jahre vor sich.
Der Wecker klingelte und sie stieg aus dem Bett um sich zu duschen. War alles nur ein böser Traum? Als sie dann in der Schule ankam, bemerkte sie, dass sich das Schulhaus verändert hatte. Sie wusste nicht genau was es war, aber irgend etwas hatte sich verändert. Die Schüler fehlten. Sie ging durch die grosse, mit Spiegeln an der Wand versehene, Eingangshalle hindurch und betrachtete sich im Spiegel. War das ihr Körper, ihr Gesicht? Ihr schien, als hätte sie auf einmal langes, schwarzes und fettiges Haar. Dazu zeigte sich eine dünne, hagere Gestalt im Spiegel, die sehr mitgenommenen aussah. Sie ging weiter in das Lehrerzimmer. Als sie durch die knarrende Holztür eintrat, wurde ihr unheimlich. Ein übler Geruch lag in der Luft. Es roch nach Verwesung, nach irgend etwas Abscheulichem. An der Wand hingen Fetzten von schwarzen Tüchern, die über die Fenster herab hingen. Auf einmal gab es einen Lärm und aus dem Nichts erschien ihr Lehrerkollegium. Auch sie sahen seltsam aus. Alle hatten sie schwarzes, mittellanges Haar und dünne Gestalten. Sie schienen Geister zu sein. Auch die Wände hatten sich verändert. Rechts eine Mauer, vor und hinter ihr ebenfalls. Aber auf der linken Seite war es offen und man konnte auf die Wiese sehen. Da erschienen alle 200 Schüler der Mittelschule Bodensee. Schwarze Haare, schwarze Kleider, dünne Gestalten. Aline wollte fliehen, aber rundherum waren die Mauern und diese seltsamen, furchterregenden Gestalten. In Luft auflösen konnte sie sich auch nicht. Was sollte sie tun.
"Aline!", rief jemand, "Aline!" Sie machte ihre Augen auf und sah Georges, einen Lehrer an der Schule. "Aline, hörst du mich?", fragte er. "Ja", antwortete sie. Ihre Stimme war fade und zerbrechlich. Georges half ihr auf einen Stuhl und sagte ihr, dass sie auf dem Parkplatz im Auto sass, und als sie ihm keine Antwort gab, habe er sie ins Notbett des Lehrerzimmers getragen. "Ich habe dir ein kaltes Tuch auf die Stirn getan, du warst sehr heiss und kreideweiss im Gesicht", erzählte er ihr.

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Schluss
von Olaf Detlefsen, 27419 Vierden (Deutschland)

Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu.

Auf dem Absatz drehte sie sich um lief, so schnell sie konnte, nach Haus.

Da saß sie nun. Tränen liefen über ihr Gesicht. Jahrelang
hatte sie sich für ihn aufgeopfert; und nun das! "Schluss ist! Ich liebe Dich nicht mehr!" hat er gesagt. Einfach so.
Keine Begründung, keine Gefühlsregung. Nichts.
"Aber wenigstend muss er jetzt seinen blöden Wagen
aufbrechen lassen, an dem er so hängt!" dachte sie, ging
zum Kühlschrank, griff sich den Wodka und nahm einen
tiefen Zug. Danach legte sie sich in's Bett und dachte:
"Vielleicht ist's ja nur ein Traum und morgen ist alles wieder
gut." Benebelt von den Tränen und dem Wodka schlief sie
ein...

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Wenn Mama wütend ist
von de Ginder, 63179 Obertshausen (Deutschland)

"Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu."

Diesen Satz hatte der zwölfjährige Sebastian in seinem Aufsatz mit dem Thema "Wenn Mama wütend ist" geschrieben. Der Lehrer, Herr Picard, maßregelte ihn zuerst wegen der vielen "und" und fragte in die Klasse, ob denn jemand einen Vorschlag für diesen Satz hätte, der ohne die "und" auskäme. Nach einigem Überlegen meldete sich Anna und Lehrer Picard nahm sie auch gleich dran. Anna verbesserte den Satz wiefolgt: "Sie schloss die Autotür auf, warf die Schlüssel auf den Sitz, verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu." Lehrer Picard war sichtlich zufrieden und lobte Anna, Sebastian aber grollte vor sich hin, Zorn stieg in ihm auf. Da meldete sich auch noch dieser Besserwisser Marcel und auch er wurde dran genommen. "Herr Picard", begann er, "wie kann man denn eine Tür zuletzt zuschlagen, wenn man sie schon verriegelt hat?" Der Lehrer bekam eine leichte Röte ins Gesicht, hatte er doch diesen wichtigen Aspekt zeitlicher Abläufe übersehen. "Sehr gut Sebastian, natürlich ist die Satzstellung zu korrigieren", sagte er, "wie würdest du den Satz ausdrücken?" Und so sprudelte es sogleich aus dem Mund des Klassenprimus:"Sie schloss die Autotür auf, warf die Schlüssel auf den Sitz, schlug die Tür zu und verriegelte sie von innen." "Sehr gut!" Dieses "sehr gut" wirbelte in Sebastians Kopf, er bekam eine Stinkwut. In der großen Pause folgte er Marcel auf die Toilette. Er wartete, bis er sein kleines Geschäft gemacht hatte. Dann schnappte er sich diesen Besserwisser, machte die nächstbeste Toilettentür auf, warf den Kerl auf die Schüssel, verriegelte die Tür und schlug zu. "Jetzt stimmt die alte Reihenfolge wieder", sagte er zu Marcel, hielt sich zufrieden die schmerzende Hand und dachte, wenn Mama wütend ist, dann macht sie das genau so!

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Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
von Babelfisch, 14469 Potsdam (Deutschland)

Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Geschafft! Und in letzter Sekunde!
Der Schatten löste sich von der Wand der Tiefgarage. "Nur jetzt nicht die Nerven verlieren!", dachte sie bei sich und startete hektisch. Sie würde nie wieder in diesem gigantischen Marktzentrum einkaufen. Der Motor heulte auf, die Reifen quietschten, der Wagen schoss in die Ausfahrt. Da, wieder dieser Schatten! Sie bremste abrupt. Einen Menschen so einfach umzufahren, das konnte sie nicht. Aus dem Schatten wurde im Licht der Ausfahrt langsam eine Gestalt. Es war ihr Mann. Sie hatte ihn zwischen den Werkzeugregalen geparkt und dort vergessen

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