| Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: |  | Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Sein Blick aufs Meer von Wanja Wolbehag, 96049 Bamberg (Deutschland) Carolin rannte, ihr Herz schlug heftig und die kalte Luft brannte in ihrer Kehle. Sie rannte davon, vor den Worten, die er ihr ins Gesicht geschleudert hatte. Sie blickt zurück, doch er ist ihr nicht gefolgt. Nicht einmal gefolgt war er ihr. Sie lente sich gegen einen Pfahl und versuchte, ihren Atem wiederzugewinnen. Doch Angst schuettelt ihren Körper, Gedanken wueten in ihrem Schädel. Am Strand waren sie entlangspaziert Hand in Hand, nichts war anders gewesen als gestern oder früher. Eine Unruhe hatte sie befallen, eine merkwuerdige Angst, hässliche Gedanken flammten auf und versuchten sie zu verletzen. Das hatte sie ihm sagen wollen, aber wie. Noch immer ausser Atem lief sie zum Auto. Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Versuchte sich zu beruhigen, den Kopf frei zu kriegen. Sie hatte ihn angeschaut, als sie der Schwindel erfasste. Er, immer mit Blick aufs Meer. ¨”Ich hab Angst”, hatte sie gesagt. "Und der Weg ist noch weit”, hatte er erwidert, ohne sie anzuschauen. "Und die Wellen sind hoch und kräftig die Winde, ein Nebel liegt schwer zwischen Land und dem Meer”. "Mir gehts nicht gut”, hatte sie gesagt und ihn an der Schulter gepackt,” irgendwas stimmt nicht”. Er hatte sie angeschaut und wieder weggeschaut und war weitergelaufen. "Wenn Du Angst hast, ich weiss, warum…und gelacht hatte er. Schon hatte sie eine Kälte gespürt, wer weiss, woher, von innen. Und er wie immer mit Blick aufs Meer.. Ihr war kalt geworden und schlecht hatte sie sich gefühlt auf einmal, sie wollte sich festhalten an seinem Arm, bat ihn mit flehendem Blick. Er schaut aufs Meer, dann dreht er sich um und schlägt sie, aber ins Gesicht und sie weiss nicht warum und sie weint und duckt sich, doch er schlägt sie nicht mehr. Dann rennt sie davon, nicht vor den Schlägen, vor ihm. Und jetzt sitzt sie im Auto und weint und zuckt und denkt, warum, es war doch alles wieder gut. Er kann doch nicht wissen, nein er weiss nicht, denn er war nicht hier, keine Spur. Und sie blickt in den Spiegel und auf einmal weiss sie, denn die Spuren sind unverkennbar, man sieht es in ihren Augen, und er kennt mich. Dann steigt sie aus, sie geht zum Strand, hebt die Hände, der Wind weht, ihr Haar. Und sie rennt, um ihn zu suchen und seine Schläge. Wie verrückt läuft sie schneller und sieht ihn, doch er sieht sie nicht mehr, er steht dort alleine und blickt auf das Meer. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Du fährst heute nicht von Marie Haase, 23970 Wismar (Deutschland) Sie schloß die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Er lief um das Auto herum pochte kräftig gegen die Scheibe und Autotür und verlangte Einlaß. "Komm, mach keinen Scheiß, mach auf und laß uns fahren.."Bei Dir piepts wohl. Du kannst noch nicht fahren" argumentierte sie. "Ihr habt Gestern mit zwei Mannzwei Flaschen Kognak getrunken."Und eine Flasche Sekt",fügte er grinsend hinzu."Die war gar nicht für euch,sondern für unseren Hochzeitstag",aber ihr müßt ja immer trinken, bis alle Flaschen leer sind"Dann haben wir dann eben nichts. Ich kaufe keine neue Flasche"Sie verschränkte die Hände vor dem Körper und ließ sich in den Sitz fallen."Mach endlich auf, damit wir zu Deinen Eltern fahren können"Bei diesen Worten drohte er die Scheibe mit dem Hammer einzuschlagen.Sie tippte mit dem Finger an ihre Stirn.Ganz ruhig sprach sie, fast ein wenig provokatorisch klang es."Das tust Du tust Deinem Auto nicht an, denn du bist doch nicht blöd"Bei diesen Worten verließ sie das Auto, steckte den Schlüssel in die Hosentasche und ging ins Haus.Wortlos nahm sie aus einer Schieblade unterhalb der Werkbank eine Plastiktüte heraus." Hier. Wenn Du Dir so sicher bist, daß du schon fahren kannst, dann puste erst einmal. Wenn dasErgebnis aussagt, daß du keinen Alkohol mehr hast, dann können wir am Nachmittag fahre. Lege dich noch eine Stunde hin".Er steckte den Beutel in seine Hosentasche. Er kannte seine Fra gut. Er wußte, daß es ihr erbst war. Jetzt wo sie wieder im Haus war konnte er es ja versuchen. Kräftig pustete er in das Mundstück. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Einmal ist genug von Eveline Horstkotte, 58135 Hagen (Deutschland) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Das war knapp. Sehr knapp. Da stand er. Mit drohender Faust. Die Augen quollen aus ihren Höhlen. Gebleckte Zähne. Mein Gott. Wie oft hatte sie das erlebt. Ertragen. Ausgehalten. Einmal war Schluss. Heute war Schluss. Nie mehr. Nicht mit ihr. Sie griff nach dem Autoschlüssel. Spürte den Schmerz nicht. Das Stechen. Und Pochen. Nicht mehr. Steckte den Schlüssel ins Zündschloss. Ließ den Motor an. Gab Gas. Der Motor heulte auf. Legte den Gang ein. - Natürlich. Er. Stellte sich vors Auto. "Mach auf!" brüllte er. Ihr Arm. Bewegte sich. Wie von selbst. Automatisch. Richtung Türverriegelung. "Nun mach' schon! Stell' dich nicht so an! War doch nicht so gemeint." Faust im Magen. Kloß im Hals. Dieses Gefühl von - Schuld? Versagen? Zitternde Finger am Türöffner. Ein resignierter Seufzer. Ein unbedachtes Nachgeben im linken Fuß. "Bist du bekloppt? Willst du mich über den Haufen fahren? Blöde Kuh! Selbst zum Autofahren zu dämlich! Komm' du mir da raus! Dich mach' ich fertig!" Sie hielt kurz inne. In ihren Bewegungen. Für einen Moment. Startete erneut. Und gab Gas. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Der Waldschratt von Ursula Roffler, 8804 Au / ZH (Schweiz) Sie schloss die Autotür auf und liess sich auf den Sitz fallen, und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Erst jetzt begann sie zu zittern. Während sie versuchte, ruhiger zu atmen, legte sich langsam ihre Panik. Himmel, hatte sie sich erschrocken! Was war das gewesen? Ein Geistwesen, ein Waldschratt, oder was war es sonst? Diese Augen, mein Gott! Noch nie in ihrem Leben war sie so schnell davongerannt. Nun, da sie in Sicherheit war, nahm es sie schon sehr wunder, was eigentlich sie derart erschreckt hatte. Dabei hatte sie nur einen Abendspaziergang am Waldrand unternehmen wollen. Nachdem sie ein Stück gelaufen war, hatte sie lange auf der lauschigen Ruhebank unter der alten Buche gesessen und ein wenig vor sich hin geträumt. Und plötzlich war es stockdunkel geworden, der Wald hinter ihr war nun tiefschwarz und voller Geräusche. Nur keine Angst, hatte sie sich Mut zugesprochen. Zum Auto war es nicht weit. Sie hatte die Wahl, den kürzeren Weg durch den Wald zu nehmen oder aber um das Dickicht herum zum Parkplatz zu gehen. Da der Weg durch den Wald sehr viel kürzer war und die Dunkelheit überall etwa gleich, hatte sie die Abkürzung durch den Wald gewählt. Sie kannte den Weg von früher. Alles wäre gut gegangen, wenn nicht ihr linker Fuss sich in dieser Brombeerranke verfangen hätte. Da war sie abrupt hingefallen, beinahe schon bei ihrem Wagen. Natürlich hatte sie erschrocken halb-laut vor sich hin geschimpft. Es ist sehr unangenehm, in die Brombeerstauden zu fallen. Als sie sich wieder aufgerappelt hatte, fühlte sie Blicke auf sich gerichtet, und was für welche. Ein glühendes Augenpaar mit stechendem Blick fixierte sie unverwandt. Sie war entsetzt zusammengefahren, da hatte das Wesen sich erhoben und die Arme ausgebreitet, wie um nach ihr zu greifen. Schreiend war sie zum Parkplatz gerannt. Jetzt, im Wagen, fühlte sie sich sicher. Sie startete den Motor und liess die Scheinwerfer aufleuchten. Tröstliches Licht. Wie sie den Wagen wendete, erblickte sie einen grossen dunklen Nachtvogel, welcher mit ausgebreiteten Schwingen durch die Dunkelheit davon glitt. Ein Uhu? Ein riesiges Tier musste das sein. War es möglich, dass dieses Augenpaar mit dem stechenden Blick einem Uhu gehört hatte? Ein Uhu, über ihr auf einem Ast sitzend, und sie hatte i h n erschreckt als sie stolperte und fiel? Sie würde es nie wissen. In Zukunft würde sie wohl Abend-spaziergänge im freien Gelände durchführen, zum Waldläufer war sie eindeutig nicht geboren. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Schattensprung von Daniel Kirmse, 10587 Berlin (Deutschland) Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz schlug die Tür zu und verriegelte sie von innen. Ihr Atem ging rasend schnell. Schweißperlen besetzen ihre Stirn. Ihr ist warm. Ihre Finger krallen sich um das Lenkrad. Der ganze Körper ein einziger Krampf. Nur schwer konnte sie sich beruhigen. Das Blut rauschte ihr in den Ohren, ihr schwindelte. Langsam nur, ganz langsam hörte das Zittern auf. Der Krampf wich einer harmlosen Verspannung. Ihr Atem beruhigte sich ein wenig. Sie hatte es getan. Endlich hatte sie es getan. Immer wieder war sie davor zurückgeschreckt. Immer wieder davon gelaufen. Immer wieder hatte sie sich hinterher mit Vorwürfen gemartert, sich verflucht, beschimpft bis sie vor Verzweiflung schrie. Niemand hörte sie. Niemand wusste um ihr Problem. Sie traute sich nicht, darüber zu sprechen. Nicht mit den wenigen Freunden, die sie trotz allem noch hatte. Nicht mit Verwandten, von denen sie eh schon Jahre nichts mehr hörte. Nicht mit irgend jemand, aus Angst man könne sie für verrückt erklären, aus Angst man könne sie auslachen, aus Angst sie würde wieder verstoßen werden. Wie schon so oft in ihrem kurzen Leben. Wenn es einen roten Faden in ihrem Leben gab, dann den: Sie wurde verstoßen, abgewiesen, ausgenutzt. Immer wieder und immer wieder. Fatal, dass sie schon längst zu wissen glaubt, dass niemand, wirklich niemand sie haben will. Niemand wird sie je respektieren, sie so nehmen wie sie ist. Niemand, niemals. Sie trägt diese Ansicht so tief in sich, dass es ihr als Realität erscheint. Sie macht sich nichts vor, sie redet es sich nicht ein. Es ist so. Um so erstaunlicher, was heut geschah. Die letzen paar Tage passten nicht in ihr Leben. Sie spürte Dinge, fühlte Gedanken, die sie nicht für möglich hielt, nicht für möglich halten wollte. Niemand zerstört sich wissentlich sein Weltbild! Und doch, sie konnte nicht anders. Da war dieser Mann. Kein Fitnesstyp und auch kein Einstein, einfach ein Mann. Normal, durchschnittlich, bürgerlich unauffällig. Sie waren sich in der Bibliothek begegnet. Er hatte ein Buch überzogen und sie musste ihm dafür eine Strafgebühr berechnen. Und anstatt sich zu beschweren, wie es immer alle tun, lächelte er sie einfach an. Als er zahlte berührten sich ihre Finger einen Augenblick zu lange. Und als er ging zwinkerte er ihr mit seinem schönsten Lächeln zu. Und heute. Heute nahm sie all ihren Mut und fragte ihn, ob sie sich auf einen Kaffee verabreden wollen. Er hat ja gesagt. Und sie hat Angst. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |