| Hier lesen Sie die besten Beiträge der siebten Runde (Sommerrunde/Juni '02 - September '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Alice Munro eingefallen sind. Der Satz stammt aus der Erzählung »Die Kinder bleiben hier«. Sie findet sich im Buch »Der Traum meiner Mutter«. Aus dem Englischen von Heidi Zerning. S. Fischer Verlag. ISBN 3-10-048817-2. 18,00 EUR: |  | Sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Im Parkhaus von AFW, 41569 Rommerskirchen (Deutschland) Sie schloss die Autotür auf und warf den Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Geschafft. Sie atmete heftig, klemmte sich hinters Steuer und griff das Schlüsselbund vom Beifahrersitz.. Mit zitternden Händen brachte sie den Zündschlüssel ins Schloss. Ihre Plateusohlen rutschten von der Kupplung, die Knie versagten den Dienst. Das wutverzerrte Gesicht ihres Verfolgers presste sich ans Seitenfenster. Seine Fäuste trommelten wild an die Scheibe. Eingeengt hockte sie unter der Blechhaube. Sie bekam den Wagen nicht in Gang. Sie trat mit Vehemenz auf das Gaspedal, immer wieder. Abgesoffen! "Du Hure! Du Schandweib!" Die Fäuste prasselten drauflos. Bemerkte denn niemand was? Ihr Wagen stand auf dem Frauenparkplatz nahe der Eingangstür zum 3. Parkdeck. Außer ihr und diesem Kerl befanden sich in diesem Moment keine Leute auf dem Deck."Lieber Gott, lieber Gott, so hilf mir doch!" hämmerte es in ihrem Kopf. Ihr Handy klingelte. Ihre Hände waren nicht frei. Sie drehte den Zündschlüssel, bis die Batterie leer war und in den letzten Zügen röhrte. Ein schadenfrohes gellendes Gelächter ließ sie schaudern. Aus und vorbei? "Komm steig aus, treiben wir’s im Aufzug!" grölte der ausgerastete Mann. Version 1: Und sie stieg aus. Sie entsperrte von innen die Wagentür und schob sich raus wie eine Marionette. Todesmutig stand sie da, eine schlanke junge Frau mit schulterlangen roten Haaren. Sie schlug mit dem Mut der Verzweiflung das Schlüsselbund in sein verblüfftes Gesicht. Er taumelte, fiel auf den Rücken und zappelte hilflos mit allen Vieren. In diesem Augenblick erschienen drei Polizisten in der Tür zum Parkdeck. Endlich konnten sie den lang gesuchten Parkhausmörder dingfest machen. Version 2: Sie konnte nicht mehr aussteigen. "Herzstillstand" stellte der herbeigerufene Notarzt fest. Eine attraktive Frau saß zusammengesunken hinter dem Steuer ihres AUDI. Ihr Kopf war auf die Hupe gefallen. Einige Tage später folgte ein tief trauernder Mann dem Sarg seiner Frau, die in einem Parkhaus in der Altstadt an Herzversagen verstorben war.Keine Menschenseele hatte was bemerkt. Geschafft! Er wird das ansehnliche Vermögen seiner Frau erben. Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, wenn er an den Auftritt im Parkhaus dachte.Er wusste genau, wie herzkrank seine Frau war. Warum wollte sie sich auch scheiden lassen? Weinend stand er am offenen Grab, als er die Kondolenzen entgegennahm. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers 21st Century's Cinderella von Georg Schmid, 81375 München (Deutschand) Baby you can't drive my car.
Laß mich in Ruhe laß mich in Frieden verpiss dich geh endlich weg.
Yes I'm gonna be the star.
Ab in die Truhe leg dich auf Eis kannst mich nicht lieben schick keinen Beweis.
Baby you can't drive my car.
Mach bloß den Abflug will dich nicht sehen hast den Schlüssel verloren jetzt mußt du gehen.
But Baby I love you beep beep yeah - Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Rendezvous mit dem Tod von Stella Eva Henrich, 70195 Stuttgart (Deutschland) Sie schloss die Tür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Die Autortür knallte laut. Mit Wucht hatte sie die Fahrertür zugeschlagen. Das Geräusch erschrak sie. Plötzlich war sie wieder hellwach. Sie riss die Augen auf und guckte auf die verschlossene Türe. Sie hatte sich ausgesperrt. Jetzt stand sie vor ihrem Auto, die Tränen kullerten über ihre Wangen. Sie schluchzte. Was für eine Nachricht, dachte sie im gleichen Augenblick. Mein Kind magersüchtig, in Lebensgefahr, ein Fall für die Psychiatrie. Wie hatte das alles nur passieren können. Die Kleine war doch so ein aufgewecktes und lebensfrohes Kind. Es strahlte immer, sobald es Gewürze und Speisen roch. Damals im Basar von Bagdad tollte es durch die Läden. Es folge dem Duft der arabischen Welt, hatte das Kind gesagt. Und es liebte die Gerüche von Cayennepfeffer, Curry und Koriander. Im Gesicht ihres Kindes sah sie, dass es träumte. Mit offenen Augen strahlte es Bilder in die Welt. Träumerin, dachte sie. Süße kleine Träumerin. Ihre Tränen ließen sich nicht bremsen, schossen hemmungslos aus ihr heraus. Die Haut ihres Gesichts spannte. Kleine Nadelspitzen schlugen Purzelbäume in ihren Fingerkuppen. Das Herz hämmerte im Rhythmus von Technobeat gegen ihren Brustkorb und drohte stehen zu bleiben. Die Beine wackelten unter ihr. Ihr Körper schien sich aufzulösen. Ich bin eine leere Hülle, überfiel sie das Selbstmitleid auf dem Parkplatz der Kinderklinik stehend. Sie konnte ihren Körper nicht mehr spüren. Sie hatte sich von ihm gelöst, so als wäre sie aus ihm herausgetreten. Sie erschrak. Zuckte zusammen. Im selben Moment legte jemand schwerelos seine Hand auf ihre linke Schulter, eine kräftige Hand. Sie lebte? Mit gesenktem Kopf drehte sie sich der Person entgegen. Blickte auf deren Schuhe. Nike Turnschuhe. Solche, die Basketballer tragen, um höher springen zu können. Sie haben sich nichts vorzuwerfen, flüsterte der Hochspringer. Sie müssen jetzt aber stark sein. Ihre Tochter braucht sie. Und außerdem sollten sie im Moment nicht Autofahren. Ich bringe sie gerne nach Hause. Kommen sie. Mein Auto parkt nicht weit von hier entfernt. Sie hörte nur zu, sprach nicht. Und vertraute. Anscheinend hatte sie Besuch von einem Engel bekommen. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Die Szene von Middel, 58135 Hagen (Deutschand) "Bitte nur einmal noch, tu mir den Gefallen und ... und tu ihn dir". Nein nicht noch einmal dachte sie, schließlich hatte sie nun den halben Tag damit verbracht, am Anfang geduldig, später schon sichtlich gereizt, zuletzt unwillig und nun, nun hatte sie einfach keine Lust mehr. Aber ihr Manager ließ nicht locker. "Wenn du diesen Film drehen möchtest und wenn du Erfolg haben möchtest und... " - er versuchte so eindinglich wie nötig und trotzdem so sanft wie möglich zu klingen - " ... wenn du endlich den Durchbruch schaffen möchtest, dann musst du auch solche Szenen drehen". Ja, verdammt nochmal, das war ihr auch klar. Sie wusste, dass sie Szene drehen musste. Nicht weil es ihr Manager verlangte und erst Recht nicht weil sie ihr so gut gefiel, nein, einzig und allein weil der Regisseur es so wollte. Und, wollte sie die Szene heute noch in den Kasten bringen und damit endlich diesen Film beenden, würde sie es endlich mit der Leidenschaft und Inbrunst drehen müssen, wie all die Szenen zuvor, unterschieden sie sich auch wie Tag und Nacht von dieser hier. Es half alles nichts, bevor sie dies hier nicht zur vollsten Zufriedenheit des Regisseurs abgedreht hat, das wusste sie genau, würde dieser akribische und auf den Kunstgehalt seiner Filme so besonderen Wert legende Mann nie Ruhe geben. Also versuchte sie sich wieder auf das Wesentliche, ihre Rolle zu konzentrieren. Sie zog an ihrer Zigarette, überprüfte kurz ihr Make-up, ging langsam aber bestimmt auf ihr Position. Sie wartete auf die Klappe ... Und zum 48sten Mal tat sie das, was im Drehbuch stand, sie schloss die Autotür auf und warf die Schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Und noch immer konnte sie sich nicht im entferntesten einen Reim darauf machen, was diese Szene in einem Pornofilm verloren hatte. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Rache, wem Rache gebührt von Christina Neuhaus, 58099 Hagen (Deutschland) Nie wieder würde sie dieses Auto besteigen; und er auch nicht. Sie erinnerte sich an den Tag, an dem er es gewagt hatte, sie zu betrügen. Ein leichter Hauch von Parfüm hatte in der Luft gelegen. Sie hatte seine Stimme im Schlafzimmer gehört, aber dannn, dannn hatte sie noch eine Stimme gehört. Es war eine junge, weibliche Stimme gewesen. Nach kurzem Überlegen erkannte sie diese Stimme als die des jungen Mädchens, das gelegentlich im Haushalt half. Sie stellte die Einkaufstüten in der Küche ab und ging zum Schlafzimmer. Langsam öffnete sie die Tür, doch der Anblickder sich ihr bot, sollte alles andere bisher Gesehene in den Schatten stellen. Sie sah ihn gemeinsam mit dem Mädchen im Bett liegen. Beide vergnügten sich und hatten offensichtlich Gefallen an dem Körper des anderen Gefallen gefunden. Ihr stockte der Atem, dann erwachte sie aus ihrem Schockzustand. Sie schre ihren Mann an, was ihm denn einfiele, einfach mit so einem kleinen Flittchen ins Bett zu steigen. Sie hatte das Mädchen angebrüllt gefälligst zu verschwinden, ihrem Mann eine Ohrfeige gegeben und auch ihn rausgeschickt. Er haatte versucht sich zu entschulogen, aber sie hatte garnicht hingehört. Sobald sie allein im Zimmer gewesen war, war sie zusammengebrochen. Nach einiger Zeit war sie dann wieder aufegstanden und hatte angefangen ihre Koffer zu packen. Sie hatte ihre Papiere rausgesucht und ihr Geld eingesteckt. Auf dem Weg nach draußen noch schnell eine Vase zu Bruch gebracht und sich seine Autoschlüssel genommen. Dann hatte sie sich in seinen Jaguar gesetzt. In seinen Jaguar war er schon immer total vernarrt gewesen und jetzt fuhr sie ihn, aber er hätte sie eben nicht betrügen dürfen. Sie fuhr die Hauptstraße entlang und hielt bei einem kleinem Parkplatz. Sie stieg aus und schloss ab. Sie überlegte, was sie jetzt tun wollte. Schließlich beschloss sie bei ihrer Schwester unterzukommen, aber was sollte sie mit dem Auto tun? Da kam ihr eine Idee: Sie schloss die Autotür auf und warf die schlüssel auf den Sitz und verriegelte die Tür von innen und schlug sie zu. Grimmig lächelnd machte sie sich auf den Weg zu ihrer Schwester. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |