Mit sehr genüsslichen Worten macht sich Heise online über die Volltextsuche Online (VTO) her. Die Volltextsuche ist ein Projekt des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, mit der man der digitalisierenden Konkurrenz von Amazon und Google entgegentreten will. Alle drei Anbieter ermöglichen im Internet die Suche in Büchern. Aus urheberrechtlichen Gründen kann dabei natürlich nicht der ganze Buchinhalt »einfach so« angezeigt werden. Daher wird nur ein sehr begrenzter Teil vor und nach der Fundstelle online angezeigt, der dem Suchenden einen Eindruck geben soll, ob die gefundene Textstelle für ihn relevant ist und er das Buch kaufen oder in einer Bibliothek leihen sollte.
Heise online seziert die Volltextsuche online
Willms Woche: Bei Green, Jarry und Tolstoj geschnüffelt
In Privatsachen fremder Leute zu schnüffeln ist normalerweise ja verpönt. Bei Tagebüchern berühmter Literaten dagegen dürfen wir nicht nur ungestraft unsere Neugier befriedigen, sondern werden außerdem noch gut unterhalten. Schließlich stellen die Autoren meist auch an ihre privaten Aufzeichnungen hohe literarische Anforderungen.
»In wenigen Jahren wird es eine Amazon-Psychose geben«
Ein neuer Trend setzt ein. Autoren stehen nicht mehr scheinbar gelassen über den Dingen, sondern geben einen Einblick ins Ich und bekennen sich dazu, eitle Burschen zu sein, die von Neid und Missgunst zerfressen werden, wenn andere mehr Bücher verkaufen, bessere Kritiken bekommen oder öfters in den Medien präsent sind.
Thomas Glavinics neuer Roman »Das bin doch ich« gewährt einen unglaublich komischen und selbstentlarvenden Blick ins Innenleben eines Autors, der im Roman nicht anonymisiert wird, sondern Thomas Glavinic heißt. Ein absoluter Lesebefehl für alle Schreibenden!
Und auch der Autor Franzobel, der für das literaturcafe.de bereits seinerzeit den Literaturbetrieb auf die 7 Todsünden hin analysierte, gesteht nun offen in der Frankfurter Rundschau, dass Amazon sein Leben verändert hat: Was machst du da, ertappt mich manchmal meine Frau, die wahrscheinlich etwas Unanständiges vermutet, dabei sehe ich nur nach, was der Verkauf macht. So oft? Zwanzigmal am Tag? In wenigen Jahren, bin ich überzeugt, wird es eine Amazon-Psychose geben, werden in Schriftstellerheimen hunderte senile Schreiber von ihrem Ranking phantasieren, wird sich auch die Literaturgeschichte am Amazon-Ranking orientieren – ist ja auch um vieles einfacher. Mehr bei der FR Online.
Bis Klagenfurt anruft. Ein Praxisbericht. Teil 8.
Diesmal: Das eigene Buch.
Der größte Schritt in den Gipfel des Literatur-Olymps, die Krönung aller Bemühungen und die Materie gewordene Befriedigung des Autorinnen-Egos: das (erste) eigene Buch. Der eigene Name, der unter dem selbst gewählten Titel steht – außer die Lektorin hatte da ganz andere Ideen. Der selbst gewählte Einband – außer der Verlag hat sich etwas anderes ausgedacht. Die eigenen Texte, schwarz auf weiß und gebunden – außer nach all der Bearbeitung sind einem die Texte eigentlich fremd geworden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zu seinem ersten eigenen Buch zu kommen. Und zum zweiten. Eine einfache Möglichkeit ist ein Eigenverlag, aber darüber haben wir nun genug gesprochen. Eine nicht sehr einfache Möglichkeit ist es, mal eben einen kurzen Text zu schreiben, damit den open mike oder dergleichen zu gewinnen und dann darauf zu warten, bis einem mehrere Verlage das Haus einrennen, um dann erst zu beginnen, sein Buch zu schreiben.
Willms Woche: Das Böse im Menschen und Goethe
Goethe kennt jeder, denken Sie? Erst neulich verschlug es mir in der Filiale einer bundesweiten Buchhandelskette den Atem: Die sympathische Verkäuferin entgegnete auf meine Frage, ob sie nachschauen könne, ob eine Ausgabe des »Werther« vorrätig sei, mit unschuldigem Lächeln: »Schiller… nein, Goethe, oder? Schreibt der sich mit „oe“?« Der Schock sitzt tief. Daher zur Sicherheit die Info: Am 28. August hätte Goethe mit »oe« seinen 258. Geburtstag gefeiert.
Von technisch und juristisch verlorener Literatur
Kostenlose Internet-Angebote wie MySpace und blogger.com bieten Schriftstellern gute Möglichkeiten, für ihre Bücher zu werben und Kontakte zu knüpfen. Auch Leser können sich über diese Plattformen austauschen. Doch wer nicht aufpasst, ist unter Umständen seine Daten und Werke schnell los – technisch oder rechtlich.
Gerade für unbekannte Autoren, die ihr Buch bei BoD veröffentlicht haben, aber auch für Schriftsteller, die bei bekannten Verlagen publizieren, sind diese unter dem Sammelbegriff »Web 2.0« zusammengefassten Internet-Plattformen, ein schneller und kostengünstiger Weg zu werben. Bei MySpace ist schnell ein Profil erstellt, man kann dort Ausschnitte aus dem eigenen Werk präsentieren, die Termine der nächsten Lesungen bekanntgeben und in einem Weblog von seinen Schreiberfahrungen berichten. Bloggen, das kann man sehr schnell und unmittelbar mit Angeboten wie blogger.com. Im Nu ist man angemeldet und kann neugierige Leser an der Entstehung seines neuesten Romanes teilhaben lassen. Hoffentlich werden sie so zu späteren Käufern.
GEZ-Geschichte mit GEZ-Gebühr (Wert: 107.100 Euro)
Würde die Website akademie.de eine Unterlassungserklärung der GEZ unterschreiben, die akademie.de jüngst mit einer Abmahnung der Rundfunkgebühreneintreiber ins Haus flatterte, so wäre die Veröffentlichung der folgenden Geschichte auf akademie.de 107.100 Euro wert. Mehr über die Hintergründe beim SPIEGEL Online.
Ein Zeilenhonorar, von dem jeder Autor träumt. Lesen Sie also mit Genuss, denn Sie lesen eine Geschichte von Wert.
Drastische Preissenkung bei BoD: ISBN und Buchhandelsanschluss für 39 Euro
Ab sofort kann man beim Print-on-Demand-Dienstleitster BoD sein Buch in Eigenregie für nur 39 Euro veröffentlichen, statt bislang 149 Euro. In diesen 39 Euro enthalten ist eine Internationale Standard-Buchnummer (ISBN) und der Bestellanschluss an den Buchhandel. Dies bedeutete, dass diese Bücher sowohl bei den Online-Buchhandlungen gelistet und bestellbar sind als auch im stationären Buchhandel zu beziehen sind. Da BoD zum Buchgroßhändler Libri gehört, wird man jedoch in einer Buchhandlung, die sich vom Großhandels-Konkurrenten KNV beliefern lässt, das Buch nicht unbedingt mit Freude bestellen (Nachtrag: Nach Angaben von BoD hat sich diese Situation zwischenzeitlich gebessert, da BoD-Titel mittlerweile auch im Sortiment der Großhändler KNV und Umbreit aufgenommen sind).
Willms Woche: Preise im Namen
Kreatives Schreiben ist ja schon eine Kunst für sich. Wie schwer muss es erst sein, einen literarischen Text in einer fremden Sprache zu verfassen? Der Adelbert-von-Chamisso-Preis zeichnet seit 1985 Autoren aus, die genau dieses bewerkstelligen und als Ausländer ihren Teil zur Deutschen Literatur beitragen. Chamisso selbst war mit seiner Familie während der französischen Revolution aus der Champagne nach Berlin geflohen und schrieb dort unter anderem »Peter Schlemihls wundersame Geschichte«. Am 21. August jährt sich sein Todestag zum 169. Mal.
In vier bis fünf Sätzen etwas zum nächsten Jubilar zu sagen ist nahezu unmöglich. Der Versuch ist vermutlich sogar strafbar. Kaum jemand hat unsere Welt so sehr beeinflusst wie Friedrich Wilhelm Nietzsche. Das beweisen nicht zuletzt die Nietzsche-Artikel auf Wikipedia: 107 Jahre nach seinem Tod am 25. August kann man sich dort in mehr als 65 Sprachen über den Philosophen informieren.
Stephen King signiert in Australien heimlich seine Bücher
In der australischen Wüstenstadt Alice Springs betritt der Bestseller Autor Stephen King am vergangenen Dienstag die örtliche Filiale der Buchhandelskette Dymocks und beginnt, einige Exemplare seines Buches »Lisey’s Story« zu signieren. So berichten es australische Medien. Ein Kunde vermutet zunächst Vandalismus und informiert die Filialleiterin Bev Ellis. Als diese bei den Büchern ankommt, ist King bereits nicht mehr im Laden, doch Bev Ellis kann den Horror-Schriftsteller in der Obst- und Gemüse-Abteilung des nahe gelegenen Supermarkts ausfindig machen.
King war »liebenswert und charmant«, wollte jedoch unerkannt bleiben. Eines der signierten Exemplare erwarb der Kunde, der King zunächst für einen Vandalen hielt. Die restlichen Exemplare sollen für wohltätige Zwecke versteigert werden.
Das literaturcafe.de ist etwas langsam geworden
Einige haben es schon gemerkt, andere sogar gemailt und angerufen: Das literaturcafe.de ist gerade etwas langsam, da der Webserver an seine Grenzen gestoßen ist. Ab und zu tauchen sogar Fehler mit der ominösen Zahl 500 auf.
Wie sind bereits dabei, auf ein leistungsfähigeres System umzuziehen, was ein paar Tage dauern kann. Bis dahin bitte wir um Geduld. Danach ist dann hoffentlich alles wieder ganz schnell.
Update: Mit etwas Glück steht das neue System Ende der Woche zur Verfügung. Um bis dahin Ressourcen zu sparen, mussten wir leider auch das Forum deaktivieren. Sobald der Umzug auf das neue System erfolgt ist, wird es natürlich wieder in gewohnter Form bereitstehen.
Update II: Endlich, der Umzug auf einen größeren Server ist vollzogen und alles läuft wieder (21.08.2007).
Bis Klagenfurt anruft. Ein Praxisbericht. Teil 7.
Diesmal: Präsentation. Literaturwettbewerbe.
Wie sollte der Werdegang eines Autors aussehen? Wie kann man in einem Beruf, der keine anerkannte Ausbildung besitzt (abgesehen von einigen wenigen Literaturinstitutsplätzen), seine Qualifikation nachweisen? Womit macht man einem Verlag unmissverständlich klar, dass man diesen 500 Seiten starken Roman nicht aus einer Sonntagslaune heraus geschrieben hat, sondern dass auch etwas Können dahinter steckt?
Das ist als Autor – und vor allem als junger Autor – nicht einfach. Gar nicht einfach, um genau zu sein. Darum stellt man seine eigene Homepage ins Internet, versucht Lesungen zu ergattern oder bemüht sich um Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, um vielleicht seinen Namen um einige Promille bekannter zu machen.
Eine weitaus schnellere Möglichkeit, den eigenen Namen mit einem gewissen Bekanntheitsgrad zu korrelieren, ist das Gewinnen von Wettbewerben. Doch auch das ist – gar nicht einfach.
Stuttgart hat die größten Leselampen
Literatur braucht manchmal gute Ideen. Und die hatte man in Stuttgart. Im September wird in verschiedenen Stadtteilen unter Straßenlampen und anderen öffentlichen Lichtern gelesen. Dort werden von professionellen Sprechern zeitgenössische Texte über das Licht vorgetragen, von Max Frisch bis Albert Ostermaier. Karten zu 10 Euro (7 Euro) können im Vorfeld bei der Touristikinformation beim Bahnhof (i-punkt) erstanden werden. Gelesen wird am 7., 14., 21. und 28. September 2007 ab 21 Uhr in jeweils unterschiedlichen Stadtvierteln. Weitere Infos zur ungewöhnlichen Open-Air-Lesung gibt es auf der Website www.leselampe.eu
Neues Seminar mit Vito von Eichborn über das Innenleben der Verlage
Ein Kommentar von Vito von Eichborn löste vor kurzem die bislang längste und umfangreichste Diskussion zu einem Beitrag des literaturcafe.de aus. Eichborn, der seinerzeit den gleichnamigen Verlag mitgründete, wurde deutlich: Verlage suchen nach Verkaufsqualität und literarische Qualität. Da beides so gut wie nicht zu finden ist, entscheidet im Zweifelsfall die Verkaufsqualität, denn Verlage sind nun mal Wirtschaftsunternehmen. Und: »Leser entscheiden über das Leben und Sterben der Inhalte. Sonst niemand.«
Mit einem Seminar im Hamburger Literaturhaus will von Eichborn demnächst weitere Einblicke ins Leben der Verlage geben. Von den Möglichkeiten und Methoden der Verlagssuche über Marktkriterien, Qualität und Verkaufsqualität bis hin zu Copyright, Verträgen, Nebenrechten und Marketing werde alle Dinge angesprochen, die der Autor wissen sollte, um Verlage und Buchhandel zu verstehen. Kurz und knapp (und völlig unliterarisch): Wie wird der Inhalt zur »Ware Buch« und was geschieht damit? Laut Eichborn soll das Seminar »informativ sein, Spaß machen, auch Illusionen nehmen.«
Mit 140 Euro (zzgl. MwSt.) ist das Tagesseminar von 10 bis 19 Uhr diesmal sogar erschwinglich. Es findet statt am 7. Oktober 2007, einem Sonntag. Interessierte können sich direkt bei Vito von Eichborn unter der eMail-Adresse vitolibri (at) t-online.de anmelden.
Folge 129 vom 8. August 2007
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Ich druckte das letzte Kapitel aus und legte die Seiten zum Manuskript. Mit meinem ersten Arbeitstag zu Hause war ich rundherum zufrieden. Wie immer, wenn ein Roman abgeschlossen war, suchte ich in Gedanken nach einem geigneten Verlag.
Weigold! Die letzte Absage! Von Bettina Kracht!
Den Roman durfte ich nicht mit der Post schicken, mit diesem Ende musste ich ihn Bettina persönlich übergeben. Ich heftete das Manuskript in eine Mappe und bestellte bei Moosbauer ein Taxi. Mit der Suche nach meinem Polo wollte ich mich jetzt nicht aufhalten.
Der Zufall teilte mir Mehmet zu und keinen von den alten Kollegen, die unangenehme Fragen gestellt hätten, wie es geht und warum und wieso, erst recht, sobald ich das Fahrtziel genannt hätte. Das Gesprächsthema ergab sich von allein, weil Mehmet den Weg zur Franz-Ferdinand-Straße nicht kannte.
Während der dreißig Schritte von der Eingangstür zum Empfang war ich nervös. Ein Manuskript persönlich abzugeben hebt aus der Masse der unverlangten Einsendungen heraus, die Lektorin konnte die Einschätzung über den Text unmittelbar mit meiner Person verbinden; ich stellte nicht nur den Roman zur Beurteilung, sondern sozusagen auch mich selbst.
Eine Frau in meinem Alter saß hinter der Empfangstheke, in ein schickes, blau in blau getöntes Kostüm eines Sicherheitsunternehmens gekleidet.
Ich möge doch bitte einen Termin vereinbaren, war die freundliche Auskunft, nachdem sie telefoniert hatte. Einen Augenblick musste ich mich sammeln. Ich war ein unangemeldeter Termin mit einem unverlangten Manuskript in der Hand; das ist, als hätte ich weder eine Eintrittskarte zu einer Vorstellung noch das Geld, mir eine zu kaufen. Ein zweites Mal würde der Zufall keinen Fahrauftrag erteilen, um Bettina nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause zu bringen.
Ich verlegte mich aufs Bitten. Nur eine Viertelstunde, die Sache ließe sich nicht schriftlich erledigen. Es folgten weitere Telefonate und Bedauern. Demonstrativ setzte ich mich in einen der Besuchersessel und zeigte auf die Armbanduhr. Gleich fünf Uhr, sagte ich, und dass ich warten würde; Frau Kracht würde kaum wegen mir in ihrem Büro übernachten.
Eine knappe Stunde lang vertrieb ich mir die Zeit, den Gehenden von der Treppe oder vom Aufzug bis zum Ausgang nachzusehen und meine Fantasie an Kleidung, Gang und Gesichtsausdruck zu erproben. Heute war das Spiel eher Gewohnheit, ich war zu angespannt und darum nicht besonders konzentriert bei der Sache.
»Ist er das, dort im Sessel?«
Wie elektrisiert sprang ich auf.
»Mutter?«
Mir war das Wort einfach so herausgerutscht. Das Gesicht, die Farbe der Haare und der Schnitt hatten mich zu dem Irrtum verleitet, auch das Alter und die Figur stimmten, aber meine Mutter trug keine Brille. Mit dieser Frau konnte Stefan Bruhks nicht in die Priach gestürzt sein. Ich machte zwei, drei Schritte, zögerte und rannte los, gegen die Tür. Ich zappelte einige Sekunden an der Glasscheibe und war dann draußen und lief weiter, etwa für zwei Euro, wenn ich ein Taxameter am Bein gehabt hätte. Zwischendurch bemerkte ich, dass ich das Manuskript auf dem Tischchen neben dem Besuchersessel vergessen hatte. Frau Kracht würde den Roman also lesen und ich mich in die entfernteste Ecke verkriechen. Nicht, dass ich den Roman für schlecht hielt, er kam mir jetzt nur peinlich falsch besetzt vor.
Ich ging für weitere zwei Euro, bis ich an eine U-Bahn-Station kam und in den ersten Zug stieg. Vielleicht hielt Frau Kracht den Roman für ein Kompliment, dachte ich, und dass ich von den Konflikten, die mir das Schreiben einbrachte, die Nase voll hatte. Ich könnte wieder einmal lesen, nicht nur erste Sätze studieren, und meine Liebe zu Büchern neu beleben.
Nächster Halt Ägidiusplatz, sagte der Lautsprecher.
Ob ich in der Buchhandlung vorbeischauen sollte? Christine hatte mir mit ihrer schüchternen Freundlichkeit immer wohl getan. Wenn sie sich aufmerksam nach meinen Wünschen erkundigte, bildeten sich Falten auf ihrer Stirn, und der sanfte Blick, der die Frage nach dem Fortschritt meiner Arbeit begleitete, streichelte meine wunde Seele. Mit ihr könnte ich auch über andere Romane reden als über meine eigenen. Ein Gefühl von Geborgenheit breitete sich aus, trotzdem blieb ich skeptisch. Das Erlebnis bei Weigold war noch zu frisch, als dass ich mich nicht fragte, in welche Richtung ich diesmal vor mir selbst fliehen wollte.
Ein Fundstück aus den Studien über erste Sätze kam mir in den Sinn. Ich brauche jetzt Ruhe. Ich hatte kein Chalet in den schweizer Bergen, wie es Elizabeth von Arnim in ihrem Roman beschrieben hatte. Ob Christine mit mir die Begeisterung für die Almhütte teilen würde? Ich könnte sie dorthin entführen, gleich heute Nacht.

