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Willms Woche: Nicht alle Guten sterben jung

Am 2. Oktober wäre er 103 Jahre alt geworden, der Mann, der Religion und Verbrechen stets zu aufregenden Storys zu verweben wusste. Ebenso spannend wie sein literarisches Werk war jedoch auch Graham Greenes Leben. Aus Angst vor Langeweile stürzte sich der während des zweiten Weltkrieges als britischer Spion tätige Autor von einem Abenteuer ins nächste, reiste begleitet von abwechslungsreichen Frauengeschichten von Krisengebiet zu Krisengebiet und war darüber hinaus auch noch außerordentlich produktiv: Neben seinen zahlreichen Romanen und Bühnenstücken schrieb Greene auch als Drehbuchautor und Journalist. Obwohl er so oft wie kein zweiter für den Nobelpreis nominiert war, blieb ihm die begehrte Auszeichnung bis zuletzt verwehrt.

Harry Potter: Preisbindung macht erfinderisch

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Virtuelles Buchregal

Am 27. Oktober erscheint der siebte Harry-Potter-Band in deutscher Sprache. Für diese Ausgabe gilt zumindest in Deutschland die Preisbindung d.h. wer die deutsche Ausgabe in und nach Deutschland verkauft, muss dies zum vom Verlag festgelegten Preis von 24,90 Euro tun. Somit spielt der Preis bei der Werbung keine Rolle, und die deutschen Buchhändler müssen kreativ werden, um die Käufer zum Erwerb des Buches in der eigenen Buchhandlung zu animieren. Harry-Potter-Buchpartys und mitternächtlicher oder frühmorgendlicher Buchverkauf zählen sicherlich zu den bevorzugten Maßnahmen. Und da die Online-Buchhändler hier keinen Nachteil haben wollen, garantiert beispielsweise Amazon eine Buchzustellung am Erscheinungstag bis spätestens 9:30 Uhr. Kommt der Mann von DHL erst später, gibt es das Buch gratis, verspricht Amazon werbewirksam.

Da Amazon auch Dritten eine Provision gewährt, wird es natürlich interessant, Harry-Potter-Besteller auf dem Weg über die eigene Website zu Amazon zu lotsen.

Tischer liest Domberger über Baumeister

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Die Serigrafie »Phantom II« von Willi BaumeisterDas Siebdruckverfahren (Serigrafie) wurde nach dem 2. Weltkrieg auch in Deutschland von den Künstlern entdeckt. Insbesondere der Maler, Bühnenbildner und Typograph Willi Baumeister schuf mit diesem Verfahren bekannte Blätter. Baumeister hatte dieses Art zu drucken bei seinem Nachbarn, dem Drucktechniker und Erfinder Luitpold »Poldi« Domberger entdeckt. Zunächst war es der »gute Geruch«, der Baumeister ins Nachbarhaus führte – es waren die Lösungsmittel. So entstand eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Künstler Baumeister und dem Drucker Domberger. In der Galerie Domberger in Filderstadt bei Stuttgart sind noch bis zum 5. Oktober 2007 etliche Blätter aus den 50er-Jahren zu sehen. Drucke, die Domberger damals für 29 DM verkaufte und die heute mehrere Tausend Euro wert sind.

Anlässlich der Finissage am 5. Oktober 2007 liest der Inhaber des literaturcafe.de, Wolfgang Tischer, ab 19 Uhr aus den Lebenserinnerungen Luitpold Dombergers, der diese spannende und kreative Zeit und die Zusammenarbeit mit dem Künstler Baumeister beschreibt. Ein Text, der in dieser Lesung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird. Weitere Infos erhalten Sie auf der Website der Galerie Domberger oder unter der Telefonnummer +49 (0) 711-772040.

Willms Woche: Alkoholsüchtig, unverfälscht und schwul

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Willms' WocheJede Woche blickt Jennifer Willms knapp und subjektiv auf die literarischen Jahrestage der aktuellen Woche.

Wie bereitet man sich eigentlich auf den Literatur-Nobelpreis vor? Südstaaten-Ikone William Faulkner hatte da seine ganz eigene Methode: Getreu dem Motto »Man soll die Feste feiern, wie sie fallen« kippte sich der Zeit seines Lebens alkoholkranke Autor erst mal kräftig einen hinter die Binde. Der Brillanz seiner Rede tat dies keinen Abbruch, Faulkners Satz über seinen Glauben an die Menschheit wird auch heute noch gerne zitiert. Auch seine beiden Pulitzerpreise und den National Book Award dürfte Faulkner ausschweifend gefeiert haben. Auf seinen 110. Geburtstag am 25. September müssen wir leider ohne ihn anstoßen.

Skandale und Alkoholexzesse gibt es bei Donna Leon nicht. Die Amerikanerin wird wohl ihren 65. Geburtstag am 28. September ganz ruhig und gediegen in ihrer Wahlheimat Venedig feiern, in der auch die meisten ihrer Romane spielen. Während sich die Geschichten um den Polizisten Guido Brunetti in Deutschland großer Beliebtheit erfreuen, müssen die Italiener auf Donna Leon-Leseschmaus in ihrer Landessprache verzichten.

Diese Phrase ändert sich schlagartig

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Ab und zu spielen wir gerne das Google-Phrasen-Suchspiel. Diesmal ist uns eine Formulierung aufgefallen, die hin und wieder auf Buchumschlägen zu lesen ist. Noch häufiger findet man sie bei DVDs und Filmen, da dort offensichtlich weniger Mühe für die beschreibenden Texte verwendet wird.

Es ist die Phrase »ändert sich schlagartig, als…«. Und was da Google alles zutage fördert, das eine schlagartige Veränderung bewirkt:

  • als die Schröders ins leerstehende Nachbarhaus einziehen
  • als Seppis berüchtigter Onkel Alois Hintermoser den Trainer der D-Jugend-Mannschaft entlässt
  • als mir dieser knöchelfreundliche IKEA-Einkaufswagen von hinten in die Hacken schießt
  • als sie jedem die Frage stellt, warum er verheiratet ist
  • als der jetzt singende Manfred einen weiteren Schuß abgibt
  • als die vier Herren im besten Alter beschließen, den bequemen Fernsehsessel gegen einen anständigen Feuerstuhl auszutauschen 

Mehr bei der Google-Suche nach »ändert sich schlagartig als * * * * * * * * * * * * * * *«

oSkope: Buchsuche im Internet mal anders

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Buchsuche mit oSkopeDas Suchen nach Büchern im Internet ist nicht sonderlich spektakulär: Es gibt ein Eingabefeld, dort tippt man Autorin oder Titel ein – und wenn man sich nicht vertippt hat, bekommt man eine Liste mit Suchergebnissen angezeigt. Ein Stöbern, wie in einer echten Buchhandlung, ist nur bedingt möglich.

Der Suchdienst oSkope geht hier einen ganz neuen, visuellen Weg. Auf Basis von Amazon-Daten lassen sich dutzende Buchcover nebeneinander oder als Bücherstapel anordnen. Mit der Maus kann man interessante Cover anklicken und erhält weitere Infos. Eine weitere Anzeigeoption ordnet die Umschlagbilder sogar nach Preis und Verkaufsrang. Die dargestellten Buchcover sind zudem nach Kategorien einschränkbar, und zusätzliche Suchbegriffe können eingegeben werden, um die Buchabbildungen entsprechend weiter einzugrenzen.

Sehr schnell gerät man hier ins Stöbern wie in der Auslage einer echten Buchhandlung.

Von bösen Schurken und edlen Helden

»Diese Landschaftsbeschreibungen waren mir früher als junge und sehr ungeduldige Leserin viel zu langatmig, unnötiges Füllmaterial. Ich wollte Action. Und Action gab es in diesen Abenteuerromanen von verlässlicher Regelmäßigkeit. Ansonsten würde man ja auch nicht von Abenteuerromanen sprechen.«

In Zusammenarbeit mit der Schiller Buchhandlung in Stuttgart können Sie bei unserem monatlichen Quiz wieder mitraten. Und diesmal dürfte es wahrlich nicht schwer sein

Willms Woche: Gut King will Weile haben

Obwohl William Golding bereits im zarten Alter von 7 Jahren zu schreiben begann, war es ein langer, steiniger Weg bis zum Nobelpreis 1984. Viele Jahre lang kämpfte er erfolglos um Anerkennung. Das Manuskript seines späteren Welterfolges »Der Herr der Fliegen« wurde zunächst von mehr als 20 Verlagen abgelehnt. Golding, der am 19. September 96 Jahre alt geworden wäre, ist wohl das beste Beispiel dafür, dass es sich trotz Rückschlägen lohnt, hartnäckig sein Ziel zu verfolgen.

Auch Stephen Kings Manuskripte wurden zunächst ein ums andere Mal abgelehnt. Entmutigt begann er, selbst an seinen Fähigkeiten zu zweifeln, warf den Entwurf zu »Carrie« einfach in den Müll. Seine Frau fand den Text und spornte King dazu an, den Roman zu vollenden. Er dürfte ihr dafür wohl sehr dankbar sein: Mittlerweile gehört er zu den kommerziell erfolgreichsten Autoren überhaupt und ist zweifelsohne der ungekrönte »King« der Horrorliteratur. Am 21. September feiert er seinen 60. Geburtstag.

Leere Welt bei Weltbild

Weltbild in Second LifeFirmen, die zu Hype-Zeiten eine Präsenz in Second Life aufgebaut hatten, kamen glimpflich davon. Sie profitierten zwar nicht von den Besuchern in der virtuellen Zweitwelt, doch die Nennung des Firmennamens in den vielen Presseberichten über Second Life war besser als jede direkt bezahlte Werbung. Ein Paradebeispiel im Verlagsbereich ist Der Audio Verlag (DAV). Doch auch die Inseln der ehemalige Presse-Lieblinge, wie z. B. die der EnBW, stehen fast immer leer, wie der Journalist und Buchautor Jörg Reichertz unlängst in unserer Diskussionsrunde anmerkte.

Schlimm jedoch, wenn die internen Entscheidungsprozesse und Projektlaufzeiten so lang sind, dass die eigene Insel in Second Life erst dann fertig wird, nachdem die mediale Hype-Karawane schon weitergezogen ist. Trotz Unterstützung des Springer Verlags und seiner digitalen BILD-Zeitung, dem AvaStar, waren zur Eröffnungsfeier der Insel des Buch- und Medienhändlers Weltbild.de am vergangenen Samstagabend gerade mal 20 Avatare gleichzeitig da. Die Hälfte davon dürfte zum Haus gehört haben, die andere Hälfte sprach kaum Deutsch und entsprach daher nicht unbedingt der Zielgruppe oder stellte Fragen wie »Könnt ihr messen, wie viele Bestellklicks aus Second Life kommen?« und offenbarte, in welchem Auftrag man unterwegs war.

Weblog-Provider blog.de entfernt Beiträge nach Beschwerde eines ***

Betrachtet sich als zensiert: Das Autorenschrittmacher-BlogEs war wohl einer der interessantesten Schriftwechsel der Verlagsbranche, den Christine Koschmieder unlängst in Ausschnitten in ihrem Autorenschrittmacher-Weblog veröffentlichte. In über einem Dutzend Folgen publizierte sie die Korrespondenz, die der *** Rodja Smolny mit einem seiner Kunden führte. Smolny war Geschäftsführer der mittlerweile insolventen Mein Buch oHG, einem jener Verlage, bei denen die Autoren nicht unerhebliche Beträge an den Verlag zahlen, um veröffentlicht zu werden. Den naiven »Autoren« wird oft das Blaue vom Himmel versprochen, um sie zur Zahlung zu bewegen. Am Ende bleiben die Kunden meist auf ihren Büchern sitzen und nur der *** verdient an ihrer Eitelkeit. Viele der Verlage gehen daher mit Abmahnungen und anderen rechtlichen Instrumentarien gegen Kritiker vor, um diese mundtot zu machen. Ein schlechter Ruf ist nicht gut fürs Geschäft, zumal es die Branche immer schwieriger hat, seitdem Print-on-Demand Anbieter wie BoD oder Lulu die Veröffentlichung eines selbst finanzierten Buches wesentlich günstiger realisieren.

Umso aufschlussreicher waren die veröffentlichten Originalschreiben von Rodja Smolny aus den Jahren 2005 und 2006 an seinen Kunden, die endlich öffentlich machten, mit welchen Argumenten versucht wurde, den Kunden bei Laune zu halten und ihm weiteres Geld für zusätzliche Leistungen aus der Geldbörse zu ziehen.

Entdecke alle Möglichkeiten: Second-Life-Bücher zu gewinnen

Mit freundlicher Unterstützung der SmartBooks Publishing AG haben wir vier Exemplare des Buches »Second Life – Entdecke alle Möglichkeiten« von Jörg Reichertz im Wert von je 19,95 Euro verlost. Was mussten Sie dafür tun? Einen Screenshot Ihres Avatars mit dem literaturcafe.de-T-Shirt einsenden. Die T-Shirts gibt es kostenlos beim literaturcafe.de in Second Life. Einsendeschluss war der 31. Oktober 2007.

Jörg Reichertz, Journalist und Autor des Buches »Second Life – Entdecke alle Möglichkeiten«, war am 13.09.2007 zu Gast auf der virtuellen Lesebühne des Cafés in Second Life. Unsere Galerie zeigt einige Eindrücke der Lesung und Diskussion.

Media Markt startet Hörbuch-Podcast: Inhaltlich überzeugend, doch technisch mangelhaft integriert

Hörbuch-Podcast beim Media MarktNach über einem dreiviertel Jahr Planung und Vorbereitung ging nun der Media Markt Hörbuch-Podcast unter dem Titel »Hörmal« online. Darin werden aktuelle Hörbuch-Produktionen vorgestellt, die in den Media Märkten erhältlich sind. Für die Hörbuch-Bestückung der Elektronikmärkte ist die Hamburger edel distribution GmbH zuständig. Das Sortiment umfasst u.a. die Labels Argon, Audiobuch, DAV, Diogenes, Hörspiele-Welt, Random House Audio und Lübbe Audio. Die Kosten der Podcast-Poduktion werden daher nicht vom Media Markt oder edel getragen, sondern von den Hörbuchverlagen selbst, wie das Börsenblatt berichtet. Konzept und Produktion des Podcasts, der laut Börsenblatt künftig monatlich erscheinen soll, wird von audiooffice übernommen.

Inhaltlich kann die aktuelle, gut 25 Minuten lange Folge absolut überzeugen! Mit Christine Kewitz hat man eine Sprecherin engagiert, die den Podcast flott und angenehm moderiert.

Second Life: Was bleibt nach dem Hype? Lesung und Diskussion mit dem Buchautor Jörg Reichertz

Jörg Reichertz aka JoergPaul RodenbergerDie Veranstaltung findet statt am Donnerstag, 13.09.2007 um 20 Uhr auf der Lesebühne des literaturcafe.de in Second Life

Selten zuvor wurde ein Thema so gehypt wie die digitale Parallelwelt »Second Life«. Egal ob SPIEGEL oder Tagesthemen, FOCUS oder Stern TV, alle berichteten euphorisch, und für viele galt SL als Zukunft des Internet.

Und selten zuvor war ein Thema so schnell »durch« wie Second Life. Erstmals mussten die Betreiber der digitalen Welt unlängst einen Rückgang der Nutzer verkünden – speziell der zahlenden. Ist also alles vorbei? War es, wie Wolfgang Tischer in einem Interview mit dem Buchreport meinte, nur ein Thema, das die Agenturen erfunden haben, »um den Kunden dort eine unnötige Präsenz zu verkaufen«?

Wir wollen dies am kommenden Donnerstag, 13.09.2007 um 20 Uhr mit dem Journalisten und Buchautor Jörg Reichertz diskutieren. Reichertz, dessen Alter-Ego in Second Life JoergPaul Rodenberger lautet, schrieb den Reiseführer »Second Life – Entdecke alle Möglichkeiten« (Smartbooks, Edition CHIP) und ist ein ausgezeichneter Kenner der virtuellen Welt.

Bis Klagenfurt anruft. Ein Praxisbericht. Teil 9.

Die Tür steht offen...Diesmal: Quo vadis? Eine Zusammenfassung.

Auch wenn in der Überschrift »Zusammenfassung« steht, brauche ich mich hier wohl nicht wiederholen. Immerhin kann man jede Folge nachlesen, sofern man das möchte. Halten wir uns also lieber an das »Quo vadis?«.

Wohin geht der Jungautor also? Vielleicht sind es nur noch sieben Bücher bis zum großen Ruhm – oder man bleibt für immer mit seinen Veröffentlichungen im dreistelligen Auflagenbereich. Man kann es nie wissen, selten voraussagen. Bei manch einem hat Klagenfurt nie angerufen, bei manchem schon – und es hat auch nichts gebracht, manche waren dort und wurden verkannt.

Oft genug denkt man wohl an das Aufhören, fragt nach dem Sinn.

Willms Woche: Berühmte Züge der Literatur

Seine letzte Novelle sollte sein bekanntestes Werk werden: erst kurz vor seinem Tod veröffentlichte Theodor Storm den »Schimmelreiter«. Weniger bekannt ist vielleicht, dass Storm als echtes »Nordlicht« die Liebe zu seiner Heimat in vielen Gedichten zum Ausdruck brachte. Auch viele seiner Erzählungen spielen in und um Husum. Die deutsche Bahn ehrt den Schriftsteller dafür auf ihre ganz eigene Weise: Noch heute heißt eine Bahn von Husum nach Westerland »Schimmelreiter«. Theodor Storm wäre am 14. September 190 Jahre alt geworden.