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perlentaucher.de darf weiterhin Buchkritiken zuammenfassen und verkaufen

FAZ gegen PerlentaucherDas Urteil wurde verschoben und lange erwartet – jetzt ist es verkündet: Das Online-Angebot perlentaucher.de darf weiterhin Buchkritiken von Tageszeitungen zusammenfassen und diese Zusammenfassungen auch verkaufen.

Die Frankfurter Allgemeinen Zeitung und die Süddeutschen Zeitung hatten gegen diese Praxis geklagt, da sie in den Zusammenfassungen, die z. T. Zitate der Originalkritiken enthalten, eine Urheberrechtsverletzung sehen.

Das Frankfurter Landgericht schloss sich auch in zweiter Instanz dieser Meinung der Kläger nicht an.

Das Urteil wurde mit Spannung erwartet, denn hätten FAZ und SZ Recht bekommen, so wäre mit negative Auswirkungen auch auf andere Web-Angebote und Blogs zu rechnen gewesen, da auch dort häufig Artikel Dritter zitiert werden. Mehr zum Urteil und zur Begründung ist im Heise-Newsticker nachzulesen.

Amazons Kindle als Lesegerät für Raubkopien

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Bericht in TechCrunchEin Hinweis, dass man auf Amazons neuem eBook-Lesegerät Kindle auch Raubkopien lesen kann, war überfällig. TechCrunch berichtet darüber, und die Verlage dürften sich in ihrer Angst bestätigt sehen.

Doch was TechCrunch beschreibt, ist nicht sonderlich spektakulär. Bislang sind die eBook-Dateien fürs Kindle (noch?) nicht geknackt worden, sondern TechCrunch verweist auf die Möglichkeit, dass man bereits als Raubkopie vorliegende digitalisierte Bücher in Sekundenschnelle auf das Kindle übertragen und dort lesen kann. Amazon habe keinerlei Filter oder Sperren eingebaut, um dies zu verhindern.

Raubkopien aktueller Bestseller, im Szene-Jargon »bookz« genannt, liegen in einschlägigen Foren und Tauschbörsen meist im PDF oder Word-Format vor. Diese können ohne Probleme als reine Textdatei auf das eBook-Lesegerät aus dem Hause Amazon übertragen werden. Das hochgelobte E-Paper-Display des Kindle sorgt für eine gestochen scharfe Darstellung. Neu ist also lediglich die Qualität und Portabilität, mit der die Lektüre raubkopierter Bücher dank Kindle möglich ist.

Das literaturcafe.de war am Samstag in München in Bewegung [Nachtrag]

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web.in.bewegungAm vergangenen Samstag (08.12.07) fand in München der Kongress web.in.bewegung.07 statt. Einen Tag lang ging es im Münchner Gasteig um Themen des so genannten Web 2.0, also um Weblogs, Social Communiys, Second Life und andere Bereiche. Veranstaltet wurde der eintägige Kongress von der Münchner Volkshochschule, und das vollständige Programm findet sich unter www.web-in-bewegung.de.

Auf der Liste der Referenten standen u.a. Deutschlands bekannteste Podcasterin Annik Rubens und Albert Warnecke von Yahoo! Deutschland, der über die Kommunikation im Web 2.0 berichten wird.

Ebenfalls mit dabei war Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de, der sich dem nicht immer einfachen Verhältnis zwischen Bloggern und Journalisten widmete und zeigte, welche Möglichkeiten Weblogs und Podcast bieten können – oder auch nicht.

Nachtrag: Wer hören will, wie’s war, der sollte in die 444. Folge von »Schlaflos in München« reinhören. Annik Rubens berichtet in ihrem Podcast vom Kongress und spricht mit einigen Referenten.

Die deutsche Sprache stirbt: 23 der 100 am häufigsten gebrauchten Wörter sind bereits englisch?

SlogometerSprachkritiker haben es schon lange befürchtet, doch nun ist es quasi amtlich: Englische Wörter nehmen in der deutschen Sprache immer mehr zu. In der aktuellen Ausgabe 40 der Zeitschrift GEO Wissen berichtet Prof. Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik, über eine erschreckende Zahl, die in einem großen deutschen Nachrichtenmagazin zu lesen war: »Die Zahl der Fremdwörter im Deutschen hat seit 15 Jahren dramatisch zugenommen, wie zum Beispiel der "Spiegel" schreibt. 1985 war nur einer der 100 am häufigsten verwendeten Begriffe englisch, heute sind es 23 – fast ein Viertel!«

Eine Zahl, die selbst für diejenigen erschreckend ist, die sich am »Denglisch« bislang weniger gestört haben. Immerhin sagt es Walter Krämer, der das Lexikon der Populären Irrtümer geschrieben hat und sicher alle Fakten zweimal prüft. Es wäre ja sonst überaus peinlich für ihn. Und diese Zahlen standen auch tatsächlich im SPIEGEL.

Aber glauben Sie das? 23 der im Deutschen am häufigsten verwendeten Begriffe sollen englisch sein?

Und in der Tat: diese Zahlen sind falsch!

Willms Woche: Seemann, Jurist und andere mehr oder weniger beliebte Berufe

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Willms' WocheJede Woche blickt Jennifer Willms knapp und subjektiv auf die literarischen Jahrestage der aktuellen Woche.

Er ist schon seit einiger Zeit aus der Hitparade der beliebtesten Berufe verschwunden: Joseph Conrad verspürte dagegen schon früh den Wunsch, Seemann zu werden, und erfüllte sich diesen Traum bereits im Alter von 16 Jahren. Jedoch loderte in Conrad die Leidenschaft für eine weitere Berufung: die Schriftstellerei. Die Erfahrungen, die er während seiner Reisen durch die Welt sammelte, flossen in sein literarisches Werk ein und so gilt Conrad bis heute als einer der wichtigsten Kritiker des europäischen Kolonialismus. Obwohl der in der Ukraine geborene Autor die englische Sprache erst im Erwachsenenalter erlernte, zählt er zudem zu den großen Meistern der britischen Literatur. Am 3. Dezember feiern wir Joseph Conrads 150. Geburtstag.

Der Beruf des Schriftstellers erfreut sich anders als der des Seemanns nach wie vor großer Beliebtheit. Was aber sollte man dafür studieren?

Maltes Meinung: VER ist zu verbessern

Maltes Meinung - Die Textkritik im literaturcafe.deRasch ist an diese Stelle nachzutragen, dass bereits seit vergangenem Freitag eine neue Textkritik von Malte Bremer in der entsprechenden Rubrik online ist. Diesmal geht es um Lyrik, und Maltes Bewertung liegt im Mittelfeld. Dabei hat das Gedicht nicht die übliche »Kritik im Einzelnen« bekommen. Normalerweise ist dies – wenn überhaupt – nur bei hervorragenden 5-Brillen-Wertungen der Fall. Doch diesmal entfällt die Detail-Bewertung, da Malte der Meinung war, dass am Gedicht mit dem Titel VER durchaus noch einiges zu verbessern ist.

Lesen Sie hier die vollständige Kritik zu »VER« >

Unser literarischer Adventskalender öffnet sich wieder

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Der literarische AdventskalenderHeutzutage, da einem fast jeder Online-Adventskalender mit Gewinnspielen entgegenbrüllt, ist unser literarischer Adventskalender schon so etwas wie eine besinnliche Insel der Ruhe. In diesem Jahr feiert er zudem Jubiläum, denn bereits im 10. Jahr findet sich hinter jedem Türchen ein Ausschnitt aus einem nie geschriebenen Roman. Aus diesem Anlass gibt es in diesem Jahr nicht nur neue Ausschnitte zu lesen, sondern Sie können sich auch auf ein paar »Klassiker« der letzten 10 Jahre freuen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Öffnen der virtuellen Bücher-Türchen und natürlich eine entspannte Vorweihnachtszeit.

Jeden Tag eine Büchertür: Hier geht’s zu unserem Adventskalender > 

Schlechteste Sex-Szene: Preis geht posthum an Norman Mailer

Sexszene (künstlich)Seit 1993 wird der Kritikerpreis für die schlechteste Sex-Szene von der englischen Zeitschrift Literary Review vergeben. Erstmals wurde in diesem Jahr ein verstorbener Autor ausgezeichnet, denn der Preis ging an Norman Mailer für die Beschreibung einer Oralsex-Szene in seinem Buch »Das Schloss im Wald«, in dem Hitlers Jugend beschrieben wird.

Der jährlich vergebene Preis soll Autorinnen und Autoren davon abhalten, peinliche und überflüssige Sexszenen zu (be)schreiben, die sich nicht selten negativ auf das ganze Buch auswirken. Der Grund liegt nicht etwa darin, dass die Szenen anstößig oder jugendgefährdend sein könnten, sondern diese Passagen sind oftmals reiner Textmüll.

Tektkritik: Ver – Lyrik

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VER

Verlassen              verdunkelt
verborgen          versteckt

verschlungen            verschüttet
verboten              verängstigt

verwoben       verkannt
verdächtig    verlogen

verfolgt  verfeinert
verspielt  vertraut

verdrängt
Verabredung
mit mir
auf meinen
Gedankenwegen

© 2007 by Henriette Jorjan. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Ein ansehnlich-anschauliches Spiel in der Tradition der optischen Gedichte.

Barockdichter haben es vorexerziert, Expressionisten und Autoren der 50er/60er (Heißenbüttel, Jandl, Gomringer, Astel usw.) wieder aufgegriffen.
Was zeigt nun in diesem Gedicht die äußere Form? Ist es ein Pokal (mit Deckel) als Belohnung dafür, sich selbst vergessen zu haben? Ist es eine Urne (mit Deckel) für den Toten, der das lyrische Ich ist, das sich verloren hat? Ist es ein Glas (ohne Deckel, die Überschrift Ver wäre dann aber nicht Teil der Form, sondern lediglich die Überschrift)? Auch über die Anordnung der ver-Wörter bin ich mir nicht im Klaren: Es gibt zwei- und dreisilbige, aber ich kann kein Ordnungssystem erkennen; manche enden auf -t, andere auf -en: aber auch hier ist keine Struktur zu erkennen, obwohl es zunächst so aussieht, als ob links die -en-Wörter stünden und rechts die mit -t. Dabei gäbe es genug ver-Wörter, die mit -en schließen ( z. B. verloren, verstohlen, verworren …)! Inhaltlich stehe ich vor ähnlichen Problemen: So kann ich eine Stimmungsänderung zwischen verlassen (Z. 1) und verspielt (Z. 8) feststellen, auch zwischen versteckt und vertraut (ebd.) aber so ist es nicht bei allen Wörtern; deshalb bin ich vorsichtig mit der Wertung, denn es sieht für mich so aus, als ließe sich hier noch allerlei verbessern!

Die Kritik im Einzelnen

entfällt

Willms Woche der Neurotiker

Es ist eines der meist unterschätzten Werke der Welt: Da man sie aus Kinder- und Schullektüren maßlos hinauskürzt, kennt kaum jemand die bissige Satire, die »Gullivers Reisen« in sich birgt. Zu Lebzeiten des Autors wusste man da schon eher um dessen »Biss«. Jonathan Swift galt als leicht reizbar, unhöflich und exzentrisch. Bereits seinen Dozenten an der Dubliner Universität war er als »rebellisch« aufgefallen. Vermutlich hatten sie mit dieser Einschätzung recht. Swifts Abhandlung über Fäkalien mit dem lieblichen Titel »Menschlicher Kot«, die er unter dem Pseudonym Dr. Shit veröffentlichte, lässt auf ein Mindestmaß an Exzentrik schließen. Am 30. November feiern wir, etwas höflicher als der Autor, Swifts 340. Geburtstag.

Bevor Samuel Clemens sich Mark Twain nannte, war er – nach kurzer Selbstständigkeit in der damals boomenden Goldgräber-Branche – als rasender Reporter unterwegs und versorgte die Bürger von Virginia City mit Tratsch und Klatsch aus den Saloons.

Die literarische Antwort darauf, warum man seine Kinder verhungern lässt

Michael Kumpfmüller: DurstEltern, die ihr Kind verhungern lassen, sind ein boulevard-medialer Glücksfall. Betroffen kann man die Frage nach dem »Warum?« stellen und sich über das auflagenfördernde Interesse der Öffentlichkeit freuen. Die Frage lässt sich nicht beantworten. Doch gerade das macht sie so faszinierend-interessant, und darüber hinaus darf man sich an der eigenen Abscheu erfreuen. »Hast du das gelesen? Unglaublich, dass sowas in Deutschland… da müssen doch die Behörden…«

Wie sowas passieren könnte, ist Michael Kumpfmüller in seinem 2003 erschienen Roman »Durst« nachgegangen. Mit einer nüchternen sachlichen Sprache schildert er in seinem Buch, wie es dazu kommt, dass eine Mutter ihre beiden Söhne in der Wohnung verdursten lässt. Wir weisen daher aus aktuellem Anlass auf unsere Buchbesprechung von damals hin.

Die Frage lässt sich nicht beantworten, aber die Lektüre von Kumpfmüllers Buch ist erhellender und intelligenter als die B***-Zeitung.

Michael Kumpfmüller: Durst: Roman. Gebundene Ausgabe. 2003. Kiepenheuer&Witsch ISBN/EAN: 9783462033168 16,90 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Michael Kumpfmüller: Durst: Roman. Kindle Ausgabe. 2012. Kiepenheuer & Witsch eBook 8,49 €  » Herunterladen bei amazon.de Anzeige

BoD versteigert 1 Kochbuch

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Sarah Wiener hat die Patenschaft für das Buch übernommen (Foto: BoD)Da BoD damit wirbt, dass dort Bücher bereits ab der Auflage 1 gedruckt werden, wird nun konsequenterweise das Unikat eines Buches bei eBay versteigert. Noch bis zum 1. Dezember 2007 kann für das zwei Kilo schwere Mitmach-Kochbuch geboten werden. Im Rahmen eines groß angelegten Aufrufs hatte BoD für dieses Kochbuch Rezepte gesammelt. Neben originell klingenden Beiträgen wie »Eintopf der Elfen« und »Draculabutter« gibt es darin auch Rezepte von Klassikern wie »Sauerbraten«. Rezepte konnte jede und jeder für das Kochbuch beisteuern, und die Starköche Sarah Wiener, Eckart Witzigmann und Ralf Zacherl haben die Patenschaft für das Projekt übernommen. Darüber hinaus haben auch andere Promis Rezepte beigesteuert. 561 Kochanleitungen sind insgesamt enthalten.

BoD verlost das Kochbuch für einen guten Zweck und stiftet den Erlös des von Sarah Wiener signierten Buches dem Hospiz von Hamburg Leuchtfeuer. Billig wird der Endpreis des Buches nicht werden, allerdings hat man damit definitiv ein einmaliges Weihnachtsgeschenk, das versandkostenfrei ins Haus geliefert wird. Die Versteigerung findet sich bei eBay im Bereich »Stars & Charity«

Amazon präsentiert Kindle: Die Zukunft des eBooks hat schon wieder begonnen

Newsweek-Titel von dieser WocheDer Online-Buchhändler Amazon.com hat am Montag, 19.11.2007, ein neues eigenes eBook-Lesegerät mit dem Namen Kindle präsentiert. Für deutsche Augen liest sich das recht schwäbisch. Übersetzt bedeutet »to kindle« so viel wie »anzünden«. Ein im Zusammenhang mit Büchern nicht unbelasteter Begriff.

Aber egal: Im alten Europa wird das neue Lesegerät ohnehin auf absehbare Zeit nicht erhältlich sein. Und an eine Bestellung in den USA sollte man nicht denken, denn das Gerät kann hierzulande technisch nicht betrieben werden, da es zum Empfang der Textdaten den us-amerikanischen Mobilfunkdienst EVDO benötigt. Allerdings dürften bei einer Kaufsumme von 399 Dollar für das Gerät auch amerikanische Käufer nicht begeistert sein. Für diesen Preis erhält man lediglich Gerät und Zubehör, aber noch keinen Text zum Lesen.

Duden Korrektor im Test: Wahnsinnig umgangssprachlich

In der Ausgabe 23/2007 hat die Computerzeitschrift c’t die Qualität von Rechtschreibprüfungen getestet. Bewertet wurden sowohl die Funktionalitäten, die Anwendungen wie Microsoft Office oder Open Office von Haus aus mitbringen, als auch die von Online-Schreibprogrammen wie Google Text & Tabellen und die externer Programme wie des Duden Korrektors. Eindeutiger Testsieger war der Duden Korrektor, der die meisten Fehler im Demo-Text erkannte.

Der DUDEN Korrektor prüft den Wahnsinn

Dies war für die Redaktion des literaturcafe.de der Moment, an dem wir beschlossen haben, das Programm zu erwerben und auf einem Redaktionscomputer zu testen.

Willms Woche: Genie und Wahnsinn in 3 Absätzen

Selma Lagerlöf gehört wie die letzte Woche gefeierte Astrid Lindgren zu den europäischen Größen der schreibenden Zunft. Nicht nur, weil ihr als erster Frau überhaupt im Jahr 1909 der Literaturnobelpreis verliehen wurde, sondern auch weil sie uns mit »Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen« das vermutlich liebevollste Portrait Schwedens geschenkt hat. Zwar ist sie als Nazi-Sympathisantin umstritten, Fakt ist jedoch, dass sie sich für die Rettung jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland einsetzte. Nicht nur die Schriftstellerin Nelly Sachs verdankte der stets gesellschaftlich engagierten Selma Lagerlöf das Leben. Am 20. November gedenken wir Lagerlöfs 149. Geburtstag.

Ein weiterer Nobelpreisträger hätte diese Woche was zu feiern: André Gide wäre am 22. November 138 Jahre alt geworden. Seine Biographie besteht zum größten Teil aus dem, was wohl die meisten Menschen naivromantisch unter der Lebensweise eines Schriftstellers verstehen: Reisen – andere kreative Leute treffen – Schreiben.