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Die Abgeschiedenheit des Krankenhauslebens

Cover: Wenn du schläfstÜber Matias Grzegorczyks Debütroman »Wenn du schläfst«

Als seine Freundin Alex einen Tisch gegen sein krankes Bein wirft, verlässt dieser ihre Wohnung und humpelt zum Bahnhof. Dort nimmt er den Zug, um in eine Spezialklinik zu fahren. Ihm gegenüber sitzt ein Mann, von dem ein Strahlen ausgeht: Paul. Alex verliert Blut, viel Blut. Im Zug wird er ohnmächtig und Paul kümmert sich darum, dass er ins Krankenhaus gebracht wird. Als Alex in der Klinik aufwacht, liegt neben ihm Clemens, sein Bettnachbar. Clemens hat kein Gesicht. Es ist bei einem Unfall verbrannt. Statt eines Antlitzes hat er nur noch Haut. Was macht eine solche Erfahrung aus einem Menschen? Nichts Gutes. Clemens hasst alle. Clemens ist einsam. Clemens ist böse.

Das trifft sich ganz gut, denn ab der ersten Seite begreift man, dass Alex, der Held in Matias Grzegorczyks Roman, ebenfalls kein sympathischer Zeitgenosse ist. Alex ist schlau, kalt und hart. Und genauso einsam wie sein Bettnachbar, nur dass ihm eine nicht ganz so hoffnungslose Zukunft bevor steht wie Clemens, den keiner mehr angucken mag. Außer den Ärzten, für die er eine Sensation ist.

Willms Woche: Lyrik und die hohe Kunst zu leben

Er war einer der letzten seiner Art. Nein, die Rede ist nicht von Berggorillas oder Sumatra-Tigern, sondern von einem Dichter. Einem französischen Dichter, um genau zu sein. Paul Valéry, am 30. Oktober vor 136 Jahren im südfranzösischen Sète geboren, gehörte zu den letzten Lyrikern, die von ihrem Status als Dichterfürst sehr gut leben konnten. Verlage und Zeitschriften forderten sogar regelmäßig Gedichte als Auftragsarbeiten, ein Umstand, den man sich im Jahr 2007 kaum noch vorstellen kann. Mit dem Tod Valérys sank der Stern der Lyrik und wartet bis zum heutigen Tag auf seine Renaissance.

Untrennbar mit dem Begriff Lyrik ist im deutschsprachigen Raum der Name Georg Heym verbunden.

literaturportal.de: Wenigstens Walter Kempowski ist tot

Auch auf literaturportal.de ist Walter Kempowski totEin Internetangebot, das sich als »Beitrag zur kulturellen Bildung« bezeichnet und ein »Informationsdienst« sein will, muss ständig und stetig weiterentwickelt und aktualisiert werden. Wer das literaturcafe.de kennt, der weiß, dass wir ständig und stetig daran erinnern, dass literaturportal.de all das nicht ist. Der Betreiber ist kein geringerer als das Deutsche Literaturarchiv in Marbach und der eingangs formulierte Anspruch wurde von Bildungsminister Bernd Neumann in einer Rede und Pressemitteilung aus dem Jahre 2006 erhoben. Vom Ministerium wurde laut dieser Mitteilung ein Zuschuss von 150.000 Euro gezahlt, der dem dilettantisch zusammengeschusterten Projekt nie anzusehen war. Vom Start weg war es ein »bildungspolitischer Unfall«, wie es Wieland Freund in der Welt formulierte. Ein offener Brief des literaturcafe.de, in dem wir den Minister um Stellungnahme baten, sorgte zwar für reichlichen Wirbel bei den Projektbeteiligten, doch Neumann selbst zog es vor, dass Problem nach kohlscher Manier auszusitzen. Der Brief blieb unbeantwortet, was Antwort genug war, denn das Eingestehen von Fehlern zählt nicht zu den politischen Tugenden.

Wie meine Stimme auch noch Harry Potter überlebte

Ein Harry-Potter-VorleserHeute war der große Tag für die deutschen Harry-Potter-Fans, denn die Übersetzung des 7. und letzten Potter-Bandes wird ab heute verkauft. Wie bei den anderen Bänden zuvor ist Klaus Fritz der Übersetzer, der die nicht gerade dünnen letzten Bände in beeindruckend schneller Zeit ins Deutsche brachte. Viele Buchhandlungen starteten spezielle Aktionen. Häufig begannen Potter-Partys bereits am Vorabend, um dann pünktlich um 0:00 Uhr den Verkauf zu starten. Wer sich nicht daran hielt und den letzten Potter früher verkaufte oder herausgab, riskierte hohe Strafzahlungen.

Vielerorts wurde aus dem neuen Band gelesen, und der Carlsen Verlag zeigte sich kulant und erlaubte es im Rahmen der Buchpartys. Mich hatte die Schiller Buchhandlung in Stuttgart gefragt, ob ich Lust hätte, für die Gäste eines Harry-Potter-Frühstücks zu lesen. Das war der Haken bei der Sache!

Willms Woche: Im Visier der Kritiker

Feierten wir in der letzten Woche noch den Geburtstag Oscar Wildes, so jährt sich am 22. Oktober der Ehrentag des Mannes zum 137. Mal, der Zeit seines Lebens im Schatten des »paradoxen Prinzen« stand. Viele machen Lord Alfred Douglas auch heute noch für den Fall des Dandys Wilde verantwortlich. Schaut man jedoch hinter die Fassade von Klatsch und Tratsch, stößt man nicht nur auf eine tragische Liebesgeschichte, sondern viel mehr noch auf einen genialen und zu Unrecht missachteten Poeten. Die Sonette aus Lord Alfreds Feder brauchen sich nicht einmal hinter denen Shakespeares zu verstecken. Höchste Zeit, ihnen eine faire Chance zu geben!

In die internationale Kritik geriet in jüngster Zeit auch zunehmend Beststeller-Autor Michael Crichton.

Unabhängige Verleger geben Tipps für’s Schreiben und Veröffentlichen

LeselampeWer lässt sich schon gerne Ratschläge erteilen? Dass Empfehlungen von Verlegern leicht auch für Unmut unter Autoren sorgen können, hat man an der regen Diskussion zu Andreas Paschedags Tipps an Autoren sehen können. Trotzdem: Ich habe mit der Verlegerin Bettina Hesse (Tisch 7) und dem Verleger Daniel Beskos (mairisch) gesprochen und sie gefragt, was sie Autoren, die noch nichts veröffentlicht haben, raten würden. Erfreulicherweise bekam ich darauf ganz verschiedene Antworten, die ich mir erlaubt habe, zusammenzufassen.

Bettina Hesse rät den Autoren zuvorderst, »bei sich zu bleiben«, in Thema und Stil nicht nach dem Publikum zu schielen. Das heißt natürlich auch, über das zu schreiben, was den Schreibenden bewegt, Geschichten zu erzählen, in denen man sich gut auskennt. An diesem Punkt kommt die Autobiographie ins Spiel, sollte man meinen. Die Frage, ob ein Text autobiographisch ist oder nicht, ist aber nicht das, was sie als Lektorin bewegt:

Willkommen in der Welt des Hintergrundrauschens

Homepage Andreas KurzUnd nochmal Frankfurter Buchmesse. Auch Andreas Kurz war dort. Sogar als Autor. Denn sein erstes Buch ist erschienen. Nicht irgendwo, sondern bei Eichborn. Eigentlich einen feine Sache. Doch Kurz‘ Roman »Nachtfalken« (176 Seiten, fexibles Hardcover) zählt nicht zu den Haupttiteln des Verlages.

Die meisten Buchcover thronen als Plakate oben an den Stellwänden. Meins ist nicht dabei. Für die Haupttitel gibt es eigens dekorierte Wände. Es gibt Gitarre-förmige Lesezeichen für Frank Goosens Buch »So viel Zeit«. Eine nette Idee. Mein Buch hat nur sich selbst. Verschämt werfe ich ihm einen Blick ins Regal zu. Willkommen in der Welt des Hintergrundrauschens.

Buchmesse-Rückblick 2007: »Wer pünktlich ist, hat keine Fantasie!«

Buchmesse-ImpressionBuchmesse 2007? Alles schon wieder vergessen? Gerade noch Medienrummel scheinbar ohne Ende und nun schon wieder lange vorbei. Damit nicht alles vergessen wird, fasst Barbara Fellgiebel ihre wichtigsten Eindrücke von fünf Messetagen erneut hier zusammen.

Meine Buchmesse 2007 beginnt mit der Angst sensibler Autorinnen und Autoren, die mich bitten, sie ja nicht anzusprechen, weil sie nach 10 Lesungen und 11 Interviews vielleicht nicht mehr so ganz kontrolliert und aufmerksam sind und dann in meinen bitterbösen Impressionen figurieren könnten … Das gibt mir zu denken.

Willms Woche: Paten, Paradoxa und Pulitzerpreise

Nicht einmal 12.000 Einwohner hat das sizilianische Städtchen Corleone, dennoch ist es Milliarden Menschen ein Begriff. Der fiktive Mafiaboss Vito Corleone verhalf nicht nur dem romantischen Örtchen zu Weltruhm, auch seinen Erfinder Mario Puzo machte der Held der Familiensaga »Der Pate« über Nacht zum Star. Puzos Beschäftigung mit seiner italienischen Herkunft zieht sich durch sein gesamtes Werk, sein letztes Epos »Die Familie« konnte er jedoch nicht mehr selbst vollenden. Er starb 1999 während der aufwendigen Recherchearbeiten. Am 15. Oktober wäre Mario Puzo 87 Jahre alt geworden.

»Taktlosigkeit ist der Entschluss, etwas zu sagen, das alle anderen denken.« Kaum jemand wird so oft zitiert wie Oscar Wilde

Frankfurter Buchmesse: Welche Tüte hätten Sie denn gern?

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Gestern hatten wir über die hübsche Tütenverteilerin aus dem Allgäu geschrieben. Und da dir Rückmeldung kam, man wolle darüber nicht nur lesen, sondern sie gerne mal sehen, folgt heute das Bild dazu. Und siehe da: das ZVAB hat aufgerüstet und vor dem Eingang der Frankfurter Buchmesse eine nicht minder hübsche Tütenverteilerin positioniert. Da fällt die Wahl schwer.

Tütenverteilerinnen vor der Frankfurter Buchmesse

Willkommen auf der Frankfurter Buchmesse – Wir sind da und lassen von uns hören

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Willkommen auf der Frankfurter BuchmesseDie 59. Frankfurter Buchmesse wurde gestern feierlich eröffnet, und bis zum Sonntag werden die Hallen von Büchern und Menschen durchflutet werden. Unser Interview-Terminkalender für die Messe ist eng gesteckt. Die ersten Gespräche im Buchmesse-Podcast werden daher erst später am Tag zu hören sein. Den Auftakt wird ein Gespräch mit dem Chefredakteur des Deutschen Börsenblattes Torsten Casimir machen. Das Online-Magazin des Börsenblattes – boersenblatt.net – wird in diesem Jahr ebenfalls unsere Interviews präsentieren. Des weiteren sind heute u.a. Gespräche mit Martin Mosebach, Fay Weldon und dem Kabarettisten Dieter Nuhr geplant.

Am Eingang der Messe wird in diesem Jahr der Kampf um die Tüten heftiger geführt. Große Tüten, in die die Messebesucher vornehmlich am Wochenende alles reinstopfen können, was man mitnehmen darf kann, werden den Massen gleich am Eingang gereicht. Tüten sind billige Werbeträger. Je größer desto besser. In den letzen Jahren dominierten die großen Papierumhängetaschen des ZVAB. Heute war Konkurrenz des Allgäus vorhanden. Schönere Tüten, schönere Tütenverteilerin. Und Österreichtüten. Diese jedoch viel zu klein. Ansonsten gilt die eiserne Regel: nie einen Prospekt in die Hand drücken lassen. Beim Messerundgang zählt  und zieht am Ende jedes Gramm am Arm.

Der Deutsche Buchpreis 2007 geht erwartungsgemäß an Julia Franck

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„Die ist halt vorzeigbar im Fernsehen und spricht grade Sätze“ sagte ein Dozent und Literaturkritiker auf meine Frage, wie eigentlich Frau Hacker den Buchpreis bekommen konnte. Ich wette, Frau Franck kann auch prima gerade Sätze sprechen. Außerdem geht es bei ihr um deutsche Vergangenheit, das muß sein für den Preis. Also, nicht so richtig weit zurückliegende Vergangenheit, eher so mit Krieg und Schuld. Außerdem gibt es eine jüdische Mutter, das ist schonmal sehr preiswürdig.

Dies schrieb bereit eine Woche vor der Preisverleihung Andrea Diener in ihrem Weblog. Und sie hat recht gehabt.

Ein Interview mit der Preisträgerin Julia Franck wird am Samstag in unserem Buchmesse-Podcast zu hören sein.

Julia Franck: Die Mittagsfrau: Roman. Gebundene Ausgabe. 2007. S. FISCHER. ISBN/EAN: 9783100226006. 19,90 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
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Julia Franck: Die Mittagsfrau: Roman. Taschenbuch. 2009. FISCHER Taschenbuch. ISBN/EAN: 9783596175529. 14,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
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Willms Woche: Unangenehme Themen

»Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten.« Dieses Zitat ist es, das man sofort mit den Tagebüchern des Literaturwissenschaftlers Victor Klemperer verbindet. Sie gehören zu den umfangreichsten und wichtigsten Zeugnissen aus der Zeit des Nationalsozialismus und zeigen im traurigen Detail, wie die gesellschaftliche Ausgrenzung und Verfolgung des Juden Klemperer immer dramatischere Formen annahm. Die Tagebücher erreichten seit ihrer Erstveröffentlichung im Jahr 1996 Rekordauflagen und sind aus dem Geschichtsunterricht kaum mehr wegzudenken. Eine ungekürzte Fassung der Aufzeichnungen von 1933 bis 1945 ist seit diesem Jahr auch erstmals in elektronischer Form erhältlich. Victor Klemperer wäre am 9. Oktober 126 Jahre alt geworden.

DUDEN-Podcast mit alten Weibern im Sommer

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DUDEN-PodcastFein! So langsam erscheinen immer mehr interessante Podcasts auch im Verlagsbereich. Ab sofort produziert die DUDEN-Redaktion einen 14-tägigen Audio-Podcast, in dem es u.a. um die Herkunft von Worten, Wörtern und Redewendungen gehen soll. Die erste Folge ist bereits online und widmet sich dem Begriff »Altweibersommer«.

Die Stimmen der Sprecher sind angenehm, echt und natürlich. Beim nächsten Mal sollten sich die beiden noch etwas locker machen, denn die abgelesenen Dialoge klingen noch etwa zu hölzern. Also, liebe DUDEN-Redaktion: lasst die Sprecher beim nächsten mal etwas freier improvisieren. Nicht zu sehr, denn daraus soll ja keine Radio-Comedy werden.

Anders als beim Mediamarkt gibt’s auf der dazugehörigen Info-Seite eine Erklärung des Begriffs »Podcast«, ein gutes Logo, einen RSS-Feed und einen Flash-Player, mit dem man sich die aktuelle Folge direkt auf der Website anhören kann. Gut gemacht!

Unabhängige Verlage ein subjektiver Bericht

Skulptur "Unabhängige Verlage"Kleine Verlage, junge Verlage, Independent-Verlage, junge Verleger und Büchermacher: Spätestens seit der Leipziger Buchmesse 2005 liest man so einiges über dieses Phänomen und das Interesse daran lässt nicht nach. Worüber spricht man eigentlich, wenn es um diese Verlage mit so prägnanten Namen wie Blumenbar, mairisch, Tisch 7 oder Kookbooks (keine Rezepte!) geht?

Jung und klein und unabhängig

Das sind drei durchaus sprechende Eigenschaften, will man das Phänomen beschreiben. Denn immer sind die Verlage personell klein und werden meist von nicht mehr als fünf Leuten gestemmt.

Konzernunabhängig sind sie zudem und die Verlagsprogramme können tendenziell wohl als »Independent« tituliert werden, oder zumindest »als ab vom Mainstream der großen Publikumsverlage«. Und jung? Wo hört jung auf und wo fängt alt an?