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Wir wünschen Ihnen alles Gute für 2008 mit unserem Jahresrückblick 2007

2007: Bilder eines JahresMit einem ganz persönlichen literarischen Jahresrückblick auf 2007 begrüßen wir Sie im neuen Jahr.

Das literaturcafe.de wünscht Ihnen für 2008 alles Gute und vor allen Dingen Glück, Zufriedenheit und Gesundheit!

Von einigen Dingen und Leuten wird man sicher auch in diesem Jahr noch einiges hören, doch blicken und linken wir zurück, auf das was uns 2007 bewegt hat. Aufgeteilt haben wir den Rückblick nach Monaten, auch wenn mache Dinge im vergangenen Jahr durchaus länger Thema waren.

Willms Woche mit Buchstaben und Punkten statt Vornamen

Um kein anderes Buch gab es in den USA so viele Prozesse und Verbotsbestrebungen wie um J. D. Salingers »Der Fänger im Roggen«. Die Originalausgabe enthält unter anderem 255 »goddam«s und 44 »fuck«s und stand in angelsächsischen Ländern über viele Jahre hinweg auf dem Index. Seiner Popularität tat dies keinen Abbruch. Salinger erschuf mit Holden Caulfield den modernen Teenager schlechthin, gefangen zwischen Weltschmerz und jugendlicher Paradoxie, so authentisch, dass sich seit der Erstveröffentlichung viele verwirrte Seelen im »Fänger« verstanden fühlten. Der Mörder John Lennons zählte ebenso dazu wie Charles Manson und der »Una-Bomber«. Aber keine Angst, der Coming of Age-Roman macht nicht unbedingt gewalttätig. Neben ehrenwerten Fürsprechern wie Siegfried Lenz genießt der »Fänger« mittlerweile Kultstatus als Schullektüre. Sein Autor J.D. Salinger wird am Neujahrstag 89 Jahre alt.

Für verwirrte Seelen werden wohl von vielen Menschen auch die Anhänger von J. R. R. Tolkien gehalten.

Unendlich dank Deutschlehrer

Unendliche Geschichte im KalenderDer Harenberg-Literaturkalender erinnert mich heute daran, dass es lange vor Harry Potter bereits ein Kinderbuch an der Spitze der Bestsellerliste gab. Vor 25 Jahren, also im Jahre 1982, war Michael Endes Unendliche Geschichte das meistverkaufte Buch.

Das Kalenderblatt erinnert mich auch daran, dass uns unser damaliger Deutschlehrer im Unterricht daraus vorgelesen hat. Ja, solche Lehrer gab es, die nicht nur die Klassiker behandelt haben. Auf meinem Weihnachtswunschzettel stand dann die Unendliche Geschichte ganz oben. Es war wohl das erste Buch, das ich mir explizit gewünscht habe. Also ist klar, in welcher Lektüre ich dank meines Deutschlehrers vor genau 25 Jahren versunken war.

Wolfgang Tischer 

Jaan Kross ist tot

Bücher von Jaan KrossWie sein amerikanischer Kollege Philip Roth wurde auch der estnische Schriftsteller Jaan Kross immer wieder als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. Man hatte ihm sogar schon den Anruf aus Schweden prophezeit. Doch er kam nie, und Kross wird ihn auch nicht mehr erleben, den er starb am vergangenen Donnerstag im Alter von 87 Jahren nach einer schweren Krankheit.

Kross‘ hat sich oft den historischen Stoffen gewidmet und seine Protagonisten waren meist der realen Geschichte Estlands entnommen. Die Sprache Jan Kross‘ ist präzise und detailreich und obwohl er damit seinen Figuren scheinbar sehr nahe kommt, bleibt ihr Innerstes doch dem Leser verborgen und unbegreiflich. Da ist beispielsweise der loyale Diplomat Friedrich Fromhold Martens (Professor Martens‘ Abreise), der in seiner politischen Karriere alles erreicht hat und doch damit hadert, dass er mit den politischen nicht immer auch die menschlichen Ideale verfolgt hat. Oder Timotheus Eberhard von Bock, der der Verrückte des Zaren genannt wird, der in Verbannung und Haft leben muss, obwohl er nicht verrückt ist – und er dies später dann doch sogar selbst behauptet. Im geschichtlichen Stoff zeichnete Kross immer wieder Parallelen zu jüngsten Geschichte Estlands und Russlands. Doch als Leser muss man dies nicht wissen, um seine Romane zu lieben und einiges über die estnische Seele zu erfahren. Leider sind nur zwei seiner Bücher derzeit auf Deutsch lieferbar.

Jaan Kross; Helga Viira (Bearbeitung); Helga Viira (Übersetzung): Der Verrückte des Zaren: Historischer Roman. Gebundene Ausgabe. 1990. Carl Hanser. ISBN/EAN: 9783446160392
Jaan Kross; Irja Grönholm (Übersetzung): Wikmans Zöglinge: Roman. Gebundene Ausgabe. 2017. Osburg Verlag. ISBN/EAN: 9783955101299. 24,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Jaan Kross; Helga Viira (Übersetzung); Barbara Heitkam (Übersetzung): Das Leben des Balthasar Rüssow: Roman. Gebundene Ausgabe. 1995. Carl Hanser. ISBN/EAN: 9783446163874
Jaan Kross; Helga Viira (Übersetzung): Die Frauen von Wesenberg oder Der Aufstand der Bürger: Roman. Gebundene Ausgabe. 1997. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG. ISBN/EAN: 9783446191204

Beisetzungsanzeige: Ruht sanft meine Hoffnungen

Beisetzungsanzeige

Zwischen all der Weihnachtspost erreichte uns heute per Postkarte diese Beisetzungsanzeige, die wir der Trauergemeinde nicht vorenthalten wollen. Der vermutete Tathergang ist hier und hier nachzulesen und hier anzusehen. Wir sprechen unser tief empfundenes Beileid aus.

Maltes Weihnachtsgeschenk: Hartz IV

Textkritik im CaféVor Weihnachten sollte man keine schlechte Nachrichten überbringen. Stattdessen gibt es für Anne Bentkamp eine überaus gute Nachricht: Ihr Text erhielt von unserem Kritiker Malte Bremer die Höchstwertung von 5 Lesebrillen! Und da nicht viel an ihrer Kurzgeschichte auszusetzen war, ist die Kritik im Einzelnen sehr kurz. Darf ja auch mal sein, denn schließlich gab es in unserer Textkritik auch in diesem Jahr genügend Fälle, bei denen sich unser Kritiker offensichtlich eingehender mit dem Text beschäftigt hat als die Autorin oder der Autor selbst. Freuen Sie sich also auf die Lektüre von HARTZ IV.

Textkritik: HARTZ IV – Prosa

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Ich gehe so langsam wie möglich. Haben Sie je versucht, so langsam wie möglich zu gehen? Es ist schwierig, besonders, wenn man die Strecke gut kennt.
Immer wenn ich von der Jobbörse zurückkomme, weils mal wieder nichts für mich gab, gehe ich so langsam wie möglich. Denn es ist viel zu früh am Morgen, man muss vor 7.00 Uhr da sein. Wer bis 7.00 Uhr nicht verteilt ist, hat Pech gehabt. Der Tag hat noch gar nicht angefangen.
Wenn man die Zeit hätte verschlafen können, wäre nicht ganz so viel übrig. Aber so viel Zeit für einen Tag.
Im Rosenweg gibt es schräg gegenüber der Arbeitsvermittlung eine Kneipe, dort ist das Bier echt preiswert, sie hat ab 7.00 Uhr geöffnet. Aber ich gehe ganz langsam daran vorbei.
Meine Sachbearbeiterin in der Agentur für Arbeit, Frau Dietz, findet es üblich, dass ich immer wieder zur Jobbörse gehe. Das erhöhe meine Chancen, meint sie. Ich finde es löblich, dass ich langsam an der Kneipe vorbei gehe.
Ich fahre nicht mit dem Bus. Ich biege in die Vosselerstraße ein, dort sind kleine Vorgärten mit Blumen, vor einigen Häusern auch Gartenzwerge. Ich erzähle den Gartenzwergen, dass ich heute mal wieder leer ausgegangen bin. Eigentlich finde ich Gartenzwerge albern.
Die Vosselerstraße endet an der Binzstraße. Dort ist immer viel Verkehr. Die Autos fahren viel zu schnell. Sie wechseln oft unvermittelt die Spur, hupen und fahren zu dicht auf. Ich bleibe stehen und warte auf einen Unfall. Aber es ist noch nie etwas passiert, wenn ich dort stand.
Nach der Kreuzung kommt man an einem großen Autohaus vorbei. Um diese Zeit ist es noch geschlossen. Ich bleibe stehen. Im Fenster steht ein leuchtend hellgrüner Jaguar. Wer solche Autos wohl kauft? Zuhälter.
Den Simonsplatz mag ich besonders gern. Es ist ein Springbrunnen in der Mitte und ein paar Bänke und sonst ist er gepflastert, ganz kahl. In der Zeitung steht immer, wie schrecklich kahl er ist. Aber ich sitze auf einer Bank und kann alles sehen. Auf der einen Seite geht der Leegerwall vorbei, die drei anderen Seiten werden von einer schmalen Einbahnstraße eingefasst, so dass man ganz drum herum fahren kann. Es parken immer Autos auf dem Platz, obwohl das verboten ist. Am Ende der Einbahnstraße steht heute ein Notarztwagen. Das Blaulicht dreht sich stumm.
Ein Mann kommt an seinem geparkten Auto gleichzeitig mit der Politesse an. Sie diskutieren, er mit weit ausladender Gestik, sie schreibt, während sie spricht. Schließlich nimmt er das Knöllchen entgegen und steigt kopfschüttelnd in seinen Passat. Er fährt durch die kleine Einbahnstraße und kann nicht an dem Krankenwagen vorbei. Quer über den Platz zu fahren ist ebenfalls verboten. Der Simonsplatz ist überhaupt für Autos verboten. Die Politesse schreibt Knöllchen für die anderen parkenden Autos aus. Hinter dem Passat kommt ein dunkelblauer Mercedes zum Stehen. Der Fahrer hupt, bedeutet seinem Vordermann, man könne doch über den Platz ausweichen. Er selber ist durch eine Bank und einen Papierkorb völlig eingekeilt. Schon naht das dritte Auto, die Leute wollen eigentlich parken, trauen sich aber wohl nicht mehr. Der Passatfahrer deutet auf die Politesse, er will nicht über den Platz fahren. Hinter ihm hupen jetzt alle. Die Politesse ist fertig und geht ganz langsam über den Platz ohne die Hupenden auch nur eines Blickes zu würdigen. Kaum ist sie um eine Hausecke verschwunden, setzen die Autofahrer teilweise zurück, alle fahren mit einem Affentempo über den Platz, als wäre es ein Wettrennen. Ich bin froh, dass ich am Springbrunnen sitze, da bin ich nicht in der Schusslinie. Der Mercedesfahrer gewinnt, er fädelt sich als erster in den Verkehr des Leegerwalls ein, indem er einem Bus die Vorfahrt nimmt.
Die Sanitäter tragen ein junges Mädchen aus einem der schön renovierten Häuser. Sie sieht wie leblos aus.
Ich stehe auf und gehe weiter über den Leegerwall in die Fußgängerzone.
Die meisten Läden haben noch nicht geöffnet, aber bei einem von diesen Schnäppchenläden stellen sie gerade die Ständer mit Ramsch auf die Straße. Alles hier kostet nur einen Euro. Ich habe nur 50 Cent in der Tasche, ich stecke nie Geld ein, wenn ich nicht wirklich was kaufen will. Aber ich brauche auch nicht so dringend ein großes Paket mit Plastik-Wäscheklammern oder einen Wackel-Elvis. Auch kein Feuerzeug, das Rauchen habe ich mir abgewöhne, erfolgreich, seit einem Jahr.
Eine junge Frau kauft eine Packung mit 3 Spagetti-Sieben. Wofür braucht man 3 Spagetti-Siebe?
Sie hat ihre blonden Locken total raffiniert hoch gesteckt, jeweils eine Locke kringelt sich über den Ohren, sieht toll aus. Ich überlege, wie das halten kann. Sie merkt wohl, dass ich sie anstarre, und dreht sich um. Da beschäftige ich mich schnell mit den Mikrofaser-Putzlappen im Regal vor mir. Als sie bezahlt hat, gehe ich ihr nach.
Sie geht die Gerbergasse hinunter. Die Fußgängerzone füllt sich hier langsam, ich glaube, sie sieht mich nicht. Sie geht in eine Bäckerei. Ich sehe durch die Scheibe, wie sie sich einen Kaffee und ein Brötchen bestellt. Ich begutachte die Auslagen der Schaufenster in der Nähe.
Sie kommt aus der Bäckerei und schlenkert die Plastiktüte mit den Spagetti-Sieben hin und her. Sie geht wippend in ihren engen Jeans. Die Sonne kommt raus, es wird ein schöner Tag. Wir haben das Ende der Fußgängerzone erreicht. Sie schaut nach links und rechts, bevor sie an der Braunstraße über eine rote Ampel geht. Könnte sein, dass sie mich gesehen hat. Ich lasse mich etwas zurückfallen. Glücklicherweise springt die Ampel im richtigen Moment auf Grün.
Ich sehe, wie sie in die kleine Ammonsgasse abbiegt. Das ist eine Abkürzung zum Hochwall. Als ich die Gasse betrete, dreht sie sich vor der Kurve gerade zu mir um. Jetzt hat sie mich ganz sicher gesehen und auch wieder erkannt. Ich kann nirgendwohin ausweichen und schlendere betont lässig weiter. Sie dreht sich abrupt wieder um und geht jetzt wesentlich schneller. Schade, ich würde sie gern noch einmal aus der Nähe sehen. Ich beschleunige ebenfalls. Auf dem Hochwall wendet sie sich nach links stadtauswärts. Nach vielleicht 50 Metern rennt sie völlig unerwartet über die vierspurige Straße, einfach so querbeet in der Mitte zwischen zwei Kreuzungen. Ein Auto erwischt sie fast. Die Bremsen quietschen. Wenn ich jetzt bis zur nächsten Ampel gehe, ist die bestimmt rot. Also mache ich es ihr nach, wenn auch etwas vorsichtiger. Ich verliere kostbare Zeit. Gott sei Dank ist der Hochwall hier ganz gerade. Weit hinten sehe ich sie rennen. Jetzt ist schon alles egal. Ein Dauerlauf wird mir gut tun.
Ich sehe gerade noch, wie sie im Gebäude der Techniker-Krankenkasse verschwindet. Da muss ich wohl noch mal einen Zahn zulegen. Ich bin es nicht mehr gewöhnt, so zu rennen. Völlig außer Atem komme ich vor der Eingangstür an.
Es ist eine große Drehtür. Ich liebe Drehtüren, ich schlängele mich hinein, fast ohne das Glas zu berühren. Drinnen fragt mich ein Portier sehr freundlich: Guten Morgen, zu wem möchten Sie bitte?
Ich stottere: hem … guten Morgen ich glaube Die Drehtür nimmt mich wohlwollend wieder auf und bringt mich weg von dem Portier.
Nette Ringellöckchen waren das.
Ich muss mich erstmal orientieren und wieder zu Atem kommen. Die Techniker-Krankenkasse ist am Hochwall nicht weit vom Stadtpark. Da kann ich ja heute durch den Park nach Hause gehen, ist nur ein kleiner Umweg.
Im Park kann man die Leute morgens an Werktagen grob in zwei Gruppen unterteilen: Mütter (seltener Väter) mit Kleinkindern und Leute, die allein sind und nichts zu tun haben (mit und ohne Hund).
Heute ist ein Mütter-und-Kinder-Tag.
Manchmal setze ich mich auf eine Bank und höre den Gesprächen der Mütter zu.
… Cynthia ist ja erst vier, aber sie kann schon ihren Namen schreiben, wir haben ihr dieses neue Computerprogramm gekauft, du weit schon, Kids Training oder wie das heißt, das ist super, total kindgerecht. … Ja, weit du, Chiara habe ich jetzt in der Ballettschule angemeldet. Sie ist ja so musikalisch. Aber die musikalische Früherziehung bei uns im Kindergarten ist wirklich grottenschlecht, da muss man halt Alternativen suchen … Chiara, pass auf, nicht, das ist Hundedreck … ach, Chiara!
Heute gehe ich schnell weiter, plötzlich geht mir der Kinderlärm total auf die Nerven. Irgendwie geht mir der ganze Park auf die Nerven, die Grünflächen, die Blumen, die Sonne. Ich komme am Hudekampsweg heraus.
Auf der linken Seite ist der große Supermarkt. Dort gehe ich um diese Zeit immer hinein. An der Käsetheke stelle ich mich in die Schlange und probiere von den Käsehäppchen. Dann schlendere ich weiter, ohne Käse zu kaufen. Manchmal gibt es auch eine aufgeschnittene Ananas oder eine neue Schokoladensorte zu probieren. Heute ist eine Weinprobe, ich nehme Käse und Wein. Das ist mein zweites Frühstück.
Jetzt bin ich schon im Berggartenviertel, das sieht ganz anders aus als es heißt, ziemlich viele Hochhäuser aus den siebziger Jahren hier. Noch 200 Meter den Ohlsenring hinunter, Nummer 23.
Ich bin zu Hause, der Fahrstuhl ist schon wieder außer Betrieb. Ich wohne im 5. Stock Einraumwohnung mit Balkon. Treppensteigen ist gesund.

Es ist kurz nach zehn, als ich den Fernseher anmache Brisant, die Wiederholung vom Vortag.

© 2007 by Anne Bentkamp. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Wunderbar & erschreckend!
Lakonisch, einfach, schmucklos, präzise beobachtet, komisch (Ringellöckchen) und dabei grausam, wenn man sich vorstellt: Was macht der Ich-Erzähler jetzt den Rest des Tages? Der Woche? Des Monats? Des Lebens?

Die Kritik im Einzelnen

Wie sieht jemand wie leblos aus? Steckt dahinter die Hoffnung, die Betroffene lebe entgegen dem äußeren Anschein noch? Da aber bislang wesentlich äußere Eindrücke wiedergegeben werden, würde ich wie streichen: Sie sieht leblos aus. zurck
Das Stottern wird anschließend sichtbar es braucht also diesen Warnhinweis gar nicht: Streichen! zurck

Kostenloser Online-Workshop für Autoren

Coverausschnitt: Ein Roman in einem JahrAnlässlich des neuen Buches »Ein Roman in einem Jahr«, das im März 2008 erscheinen wird, startet der Autorenhaus-Verlag einen kostenlosen Online-Workshop, der im Januar 2008 beginnt. Jede Woche gibt es dann ein neues Kapitel des Buches zu lesen und jede zweite Woche eine Übungsaufgabe, zu der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Übungstexte eintragen und mit anderen Autoren lesen und kommentieren können.

»Ein Roman in einem Jahr« ist die deutsche Ausgabe eines Lehrbuches über kreatives Schreiben von Louise Doughty. Basis war eine Literatursendung der BBC.

Der Autorenhaus-Verlag hat sich mit seinem Programm auf Fach- und Sachbücher für Autorinnen und Autoren spezialisiert. Schon seit Jahren gibt er das Deutsches Jahrbuch für Autoren, Autorinnen heraus, das neben dem Handbuch für Autorinnen und Autoren des Uschtrin-Verlags ein Werk ist, das jede(r) Schreibende besitzen sollte.

Louise Doughty (Übersetzung); Kerstin Winter (Übersetzung): Ein Roman in einem Jahr: Eine Anleitung zum Kreativen Schreiben in 52 Kapiteln. Broschiert. 2008. Autorenhaus-Verlag. ISBN/EAN: 9783866710351

Unbedingte Weihnachtshörempfehlung mit einer Warnung

WeihnachtserinnerungenMit Nachdruck und noch vollkommen im Bann dieser fantastischen Produktion empfehlen wir überschwänglich ein Weihnachtshörbuch aus dem Hause Kein & Aber. Noch ist es Zeit, diese CD online zu bestellen oder in der nächsten Buchhandlung zu schauen, ob sie dort vorrätig ist.

Es sind zwei Erzählungen von Truman Capote, zusammen 60 Minuten lang. Die eine stammt aus dem Jahre 1956, die andere wurde 26 Jahre später geschrieben. Zwei Geschichten über eine wunderbare und ungewöhnliche Freundschaft, die die gleiche Hauptfigur besitzen, einen kleinen Jungen namens Buddy. Capote erzählt meisterlich leicht von zwei unterschiedlichen Weihnachtserinnerungen. Eine Melancholie liegt über allem, Geschichten mit der Stimmung eines ruhigen Weihnachtsmorgens – mit einem leichten Schuss Kitsch. So wie schöne Weihnachtsgeschichten eben sein müssen.

Rodja Smolny und Lindbergh & Well: NDR berichtet über dubiosen Literaturagenten

Ausschnitt aus einem Screenshot der angeblichen schwedischen Literaturagentur Lindbergh & Well, die Rodja Smolny in Deutschland vertratAls deutscher Vertreter der angeblich aus Schweden stammenden Literaturagentur Lindbergh & Well versuchte Rodja Smolny Geld von arglosen Autoren abzukassieren (wir berichteten). Viele seiner potenziellen Opfer fand er übers Internet. Allein anhand der uns vorliegenden Rückmeldungen von Autorinnen und Autoren, muss Smolny offenbar Dutzenden, wenn nicht gar Hunderten von Autoren Hoffnung auf Veröffentlichung ihrer Werke gemacht haben, wenn diese Geld für ein kostenpflichtiges Lektorat bezahlen. Dies natürlich bei einer Firma, an der Rodja Smolny selbst beteiligt war. Autoren sprechen in der Regel von um die 12.000 Euro, die für die Korrektur von oftmals nur knapp über 100 Manuskriptseiten anfallen sollten.

Jetzt berichtet auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) in seinem »Hamburg Journal« über die kreative Geschäftsidee des Literaturagenten Rodja Smolny von Lindbergh & Well. Die Sendung wird im Regionalfenster Hamburg des NDR am Montag, 17.12.2007 um 19.30 Uhr ausgestrahlt. Per Live-Stream ist der Bericht weltweit auch im Internet zu sehen. Außerdem wird die Sendung im allgemeinen dritten Fernsehprogramm des NDR am 18.12.2007 um 9:30 Uhr wiederholt. Dann ist sie auch bundesweit über Satellit oder Kabel zu empfangen.

Nachtrag: Mittlerweile ist der Beitrag auch bei YouTube verfügbar

Willms Woche diesmal mit linken Tendenzen

»Genet dürfte als jemand gelten, der zu jener Menschenkategorie gehört, deren moralische Verantwortlichkeit leicht gemildert ist.« Zu diesem Schluss kam ein Gutachten, das 1943 über den 33jährigen Jean Genet erstellt wurde. Damals konnte der Schriftsteller bereits auf 10 Gefängnisaufenthalte bedingt durch Diebstahl und Landstreicherei zurückblicken. Auch mit seinem literarischen Werk eckte Genet mehr als einmal an. Die Prüfstelle wilfür jugendgefährdende Inhalte hielt ihn aufgrund pornografischer Darstellungen stets im Auge und die USA verweigerten dem Autor gar wegen »sexueller Abweichungen« die Einreise. Jean Genet wäre am 19. Dezember 97 Jahre alt geworden.

Während Genet recht unverhohlen mit der RAF liebäugelte, litt Heinrich Böll darunter, als geistiger Sympathisant des Terrorismus gescholten zu werden.

Rodja Smolny und Lindbergh & Well: Bauernfängerei unter arglosen Autoren

Abgeschaltet: Die Website von Lindbergh & WellAus gegebenem Anlass warnen wir alle Autorinnen und Autoren davor, direkt oder indirekt Geld für eine Veröffentlichung zu zahlen! Dies gilt auch für etwaige Lektoratsdienstleistungen, egal wie diese begründet werden. Eine Ausnahme hiervon bilden selbstverständlich seriöse Print-on-Demand-Anbieter wie BoD oder lulu.com.

In letzter Zeit wurden Autorinnen und Autoren von einem Mann namens Rodja Smolny angeschrieben, der als Agent der angeblich aus Schweden stammenden Literaturagentur Lindbergh & Well auftritt (Websites mittlerweile gelöscht). Er schreibt bevorzugt Autoren an, die in Internet-Foren veröffentlichen und schaltete Werbebanner auf entsprechenden Websites, um neue »Kunden« zu gewinnen. Sein Auftreten ist dabei tadellos und sein Stil absolut Vertrauen erweckend. Er warnt sogar vor Zuschussverlagen und betont glaubhaft, dass es absolut in seinem Interesse sei, dass ein Autor gerecht bezahlt werde. Eine flüchtige Google-Recherche weist ihn ebenfalls als absoluten Experten im Agenturgeschäft aus. Zitat aus einem Artikel:

„Ich bekomme jetzt noch Anfragen, ob ich auf der Buchmesse Zeit für Autoren habe“, sagt Rodja Smolny, Aushängeschild der schwedischen Literaturagentur „Lindbergh & Well“ im deutschsprachigen Raum. „Dabei bin ich seit Wochen ausgebucht, selbst beim Essen sitze ich mit Kollegen aus aller Welt zusammen“, so Smolny. Er macht dabei allerdings keinen traurigen Eindruck, er freut sich auf das weltgrößte Treffen seiner Branche.

Die meisten dieser Artikel wurden jedoch zuvor von ihm selbst in Presseportalen wie open-pr.de veröffentlicht, was für den Laien nicht immer sofort ersichtlich ist. Mit diesen Artikeln will Smolny offenbar verhindern, dass seine nicht unumstrittenen Tätigkeiten als Geschäftsführer der mittlerweile insolventen MeinBuch oHG sofort ins Auge fallen und entsprechende Artikel von Google nicht gleich auf der ersten Seite gelistet werden. Unliebsame Beiträge in Weblogs lässt er auch schon mal gegen den Willen der Bloggerin durch den Blog-Provider entfernen.

Hörbuchportal am Ende: claudio.de gibt auf

Claudio ist kein Hörbuchportal mehrHinter einigen Internet-Angeboten steckt eine solch gewaltige Marketing-, Konzern- und Netzwerkmacht, dass sie fast zum Erfolg verdammt sind. Doch nicht immer ist dies garantiert. Das musste vor einigen Jahren der Bertelsmann-Konzern mit bol.de erfahren, als er damit Amazon Konkurrenz machen wollte. Heute existiert die Website noch dem Namen nach, gehört jedoch zu buch.de und ist nur blau eingefärbt.

Und jetzt traf es Burda mit seinem Hörbuch-Downloadportal claudio.de, das es in dieser Form nicht mehr gibt. Offiziell ist von Sortimentserweiterung zu lesen. Tatsache ist jedoch, dass claudio.de zum Medienshoppingportal des Burda-Verlags verkommen ist, bei dem Hörbücher zum Herunterladen nur eine marginale Rolle spielen, ähnlich wie dies libri.de schon länger anbietet. claudio.de ist austauschbar geworden – ein medialer Gemischtwarenladen.

Zu groß war offenbar die Macht des Konkurrenten Audible, der mit starken Partnern wie Amazon und Apple aufwarten kann, zu gering der Kundenkreis, der Hörbücher digital erwerben will und zu klein und überlastet die Mannschaft, die für den claudio-Betrieb zuständig war.

Willms Woche diesmal vollkommen unzensiert

Ironie und Sarkasmus setzen nicht nur Intelligenz aufseiten des Empfängers voraus, sondern vor allem auch die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen und Fünfe auch mal gerade sein zu lassen. Welche dieser Kompetenzen den Deutschen Anfang des 19. Jahrhunderts fehlte, soll hier unbeantwortet bleiben, die Bücher Heinrich Heines jedenfalls waren zur dieser Zeit einer strengen Zensur unterworfen. Heine antwortete in »Das Buch Le Grand« wiederum mit Satire: Die deutschen Censoren — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — —- — — — — — — — – — — — — — — — — — — — — —- — — — — Dummköpfe — —- — — — — — — — — —- — — — — — — — — — — — — —
Am 13. Dezember feiern wir Heines 210. Geburtstag.

Ein Jahr älter wird am 13. Dezember auch der Mann, dessen Bücher seit über 30 Jahren Kinderherzen höher schlagen lassen.

perlentaucher.de darf weiterhin Buchkritiken zuammenfassen und verkaufen

FAZ gegen PerlentaucherDas Urteil wurde verschoben und lange erwartet – jetzt ist es verkündet: Das Online-Angebot perlentaucher.de darf weiterhin Buchkritiken von Tageszeitungen zusammenfassen und diese Zusammenfassungen auch verkaufen.

Die Frankfurter Allgemeinen Zeitung und die Süddeutschen Zeitung hatten gegen diese Praxis geklagt, da sie in den Zusammenfassungen, die z. T. Zitate der Originalkritiken enthalten, eine Urheberrechtsverletzung sehen.

Das Frankfurter Landgericht schloss sich auch in zweiter Instanz dieser Meinung der Kläger nicht an.

Das Urteil wurde mit Spannung erwartet, denn hätten FAZ und SZ Recht bekommen, so wäre mit negative Auswirkungen auch auf andere Web-Angebote und Blogs zu rechnen gewesen, da auch dort häufig Artikel Dritter zitiert werden. Mehr zum Urteil und zur Begründung ist im Heise-Newsticker nachzulesen.