Startseite Website Seite 145

Willms Woche: Harmlose Streiche und üble Gerüchte

Als 1802 beim großen Karnevalsumzug im verschlafenen preußischen Nest Posten plötzlich Karikaturen verteilt wurden, auf denen die prominente Obrigkeit in lächerlichen Posten abgebildet war, sorgte dies zunächst für viel Erheiterung. Jedenfalls so lange, bis die Verspotteten selbst die Zeichnungen in den Händen hielten. Zwar wurden die maskierten Bösewichte nie offiziell erwischt, doch war rasch klar, dass hinter dem Schabernack eine Gruppe junger Regierungsbeamter steckte, zu denen auch E.T.A. Hoffmann gehörte. Dieser erhielt wie geplant seine Beförderung zum Regierungsrat, wurde jedoch in das noch kleinere Provinznest Plotzk gewissermaßen strafversetzt. E.T.A. Hoffmann, der also neben seinem schriftstellerischen Talent auch ein geschicktes Händchen für Karikaturen besaß, feiert am 24. Januar seinen 232. Geburtstag.

Am 10. Februar 1910 wurde eine Delegation orientalischer Diplomaten von Vertretern der englischen Regierung über das höchst geheime Kriegsschiff HMS Dreadnought geführt.

P.E.N.-Zentrum unterstützt die Sammelklage gegen das Gesetz zur Speicherung und Vorratshaltung von Kommunikationsdaten

9

P.E.N.Mit einer kurzen aber prägnanten Stellungnahme gab das P.E.N.-Zentrum Deutschland heute bekannt, dass die Schriftstellervereinigung die Sammelklage und Verfassungsbeschwerde gegen das unlängst vom Bundestag verabschiedete »Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung« unterstützt. Der P.E.N. schreibt:

Das neue, vom Bundestag verabschiedete Gesetz ermöglicht die Massenspeicherung der Telefon- und Internetverbindungsdaten und setzt 80 Millionen Bürger automatisch in den Generalverdacht, ihre unbefangene Kommunikation enthalte Spuren, die zu Straftatbeständen führen könnten. Es lädt zum Missbrauch der Datenmengen für kommerzielle Zwecke ein. Es stellt einen gravierenden Verstoß gegen die Grundwerte des Rechtsstaats dar. Es ist unvereinbar mit den Prinzipien der von der Verfassung garantierten Pressefreiheit: es schränkt den Informantenschutz ein und sabotiert investigativen Journalismus.

Kurzkritik zum ersten ARD-RadioTatort: Ein denkbar schwacher Auftakt

trotaToidaRDas war sie also, die ersten Folge der neuen ARD-Hörspiel-Serie, die am Abend des 16. Januars 2008 ausgestrahlt wurde. Man hat sich einer »Fernsehmarke« bedient und nennt die akustische Version »RadioTatort«. Doch das ist fast schon die einzige Parallele. Eine weitere ist leider nicht zu hören: Für jede Folge ist wie beim Fernseh-Vorbild abwechselnd eine andere ARD-Sendeanstalt zuständig. Wenn man das anschließend ausgestrahlte selbstbeweihräuchernde Making-Of gehört hat, so gewinnt man einen kleinen Eindruck davon, welche Masse an Gebührengeldern offensichtlich für Recherche und Konzept verprasst wurde. Doch auch das war der ersten Folge nicht anzuhören. Nicht mal die Musik zitierte Doldingers berühmtes Tatort-Motiv.

»Der Emir«, so der Titel der ersten vom WDR produzierten Folge, war unterdurchschnittliche Hörspielkost. Weder inhaltlich noch akustisch konnte sie überzeugen, und der Hörkrimi war nur eines: langweilig.

Krimi-Hörspiel: Ab heute ist der ARD-Tatort auch im Radio zu hören

RadioTatortDie Fans der ARD-Krimireihe Tatort können sich freuen, denn ab heute gibt es diese nicht nur im Fernsehen zu sehen sondern auch im Radio zu hören. Jeden Monat wird eine neue Hörspielfolge ausgestrahlt, die exklusiv fürs Radio produziert wurde und auf allen beteiligten ARD-Kultursendern zu hören ist. Und das Beste: eine Woche lang nach der Sendung steht jede Episode als Download im Internet zur Verfügung.

Den Anfang macht heute Abend um 20:05 Uhr die Folge »Der Emir«. Das Konzept der Sendung ist identisch mit dem Fernseh-Format: Auch für den Radio-Tatort schicken die beteiligten ARD-Sender ihre eigenen regionalen Ermittlerteams los. Die heute Folge wurde vom WDR produziert und spielt auf historischem Duisburger Schimanski-Terrain. Mehr Hintergrundinfos gibts auf der Website zum neuen RadioTatort zu lesen.

Unspektakuläres Unwort: Herdprämie

4

HerdprämieWieder einmal hat eine selbsternannte selbstständige Jury das Unwort des Jahres 2007 gewählt. Doch auch in diesem Jahr muss man sich über die Entscheidung wundern. Dies konnte man bereits 2005 tun, als mit »Entlassungsproduktivität« ein Wort gekürt wurde, das niemand kannte. Ein unbekanntes Unwort.

Im Jahr 2007 soll »Herdprämie« das Unwort des Jahres gewesen sein. Es »diffamiere Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen«, so die Jury in ihrer Pressemitteilung. Detlef Gürtler schreibt in seinem Blog, dass diese Begründung unsinnig und das Unwort kein Unwort sei. Die Juryentscheidung sei, so Gürtler, lediglich vom »dümmsten Juryvorsitzende der Welt durchgesetzt« worden. Gürtler weiter: Es handelt sich bei der Herdprämie vielmehr um einen Kampfbegriff in der politischen Auseinandersetzung darum, unter welchen Umständen der Staat wieviel Betreuungsgeld zahlt. Wenn also mit dem Begriff Herdprämie jemand beleidigt wird, dann die CSU, und die hält das aus.

Der Nebel: Stephen Kings literarischer Schluss-Trick

Stephen King: Im MorgengrauenSelbstverständlich werden auch wir uns die Verfilmung von Stephen Kings Kurzroman »Der Nebel« ansehen. Bei uns konnten Sie mit etwas Glück Freikarten für den Film gewinnen. Der Film wird u.a. mit einem Zitat der us-amerikanischen Ausgabe der Zeitschrift MAXIM beworben. Diese attestiert der Literaturverfilmung »eines der überraschendsten Enden der Filmgeschichte«. Nicht nur diese Aussage war Grund genug für uns, vor dem Kinobesuch die literarische Vorlage zu lesen. Sie befindet sich im Band »Im Morgengrauen« (Ullstein Taschenbuch, deutsch von Alexandra von Reinhardt). King hat den Kurzroman Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts geschrieben, er ist also schon über 20 Jahre alt. Und wie endet die literarische Vorlage?

Nun, wir verraten wohl nicht zu viel, wenn wir sagen, dass im Buch die Geschichte absolut offen endet. Es gibt weder ein Happy-End noch ein dramatisches Ende, bei dem alle tot sind. Interessant ist jedoch der Kniff, mit dem King den Leser darauf vorbereitet, dass die Handlung zwei Seiten später einfach ohne großen Knalleffekt enden wird.

Wir verlosen Kinokarten für Stephen Kings »Der Nebel«

Der NebelAm kommenden Donnerstag, 17.01.2008, läuft in den deutschen Kinos mit »Der Nebel« eine neue Stephen King Verfilmung an. Und das beste: Wir haben hier 2 mal 2 Kinokarten von Senator-Film bekommen, die wir unter den Gästen des literaturcafe.de verlosen. Tragen Sie sich einfach bis zum 20. Januar in unser Teilnahmeformular ein, und die Gewinner bekommen die Karten umgehend per Post von uns geschickt. Die Karten können in jedem Kino eingelöst werden.

»Der Nebel« beruht auf der gleichnamigen Erzählung von Stephen King, die im Band »Im Morgengrauen« zu finden ist. Mit fast 200 Seiten ist sie recht umfangreich und hat Romanlänge.

Regisseur und Drehbuchautor des Films ist Frank Darabont, der bereits mit »Die Verurteilen« und »The Green Mile« zwei großartige King-Verfilmungen geschaffen hat. Gerade der für sieben Oscars nominierte Film »Die Verurteilen« (»The Shawshank Redemption«) gehört bei vielen Kinogängern zu den Top-10-Filmen überhaupt. Da hier jegliche übersinnlichen Horror-Effekte fehlen, sind viele erstaunt, dass die Geschichte von Stephen King stammt.

Ganz anders bei »Der Nebel«

Schreiben im Hotel: Der Deutscher Erzählerpreis

Deutscher ErzählerpreisEin neuer Literaturpreis wird am 1. März 2008 zum ersten Mal verliehen: Der Deutsche Erzählerpreis. Ausgezeichnet wird damit der Autor, der im Jahr zuvor den besten Band mit Erzählungen veröffentlicht hat. Erzählungen zu schreiben, das ist bei Autoren sehr beliebt, obwohl die Verlage das anders sehen. Ein Band mit Erzählungen verkauft sich nicht so gut wie ein Roman, die »große Form«. Der Preis soll dazu dienen, dass auch die »kleinere Form« beim Publikum an Beliebtheit gewinnt.

Gestiftet wird der Preis von Karl-Heinz Berkner, der im südbadischen Badenweiler das 5-Sterne-Hotel »Römerbad« besitzt. Die Idee selbst soll von Leif Mutschler stammen, dem Direktor des Hotels. Mutschler gilt mit seinen 28 Jahren als jüngster Direktor eines 5-Sterne-Hotels. Dotiert ist der Preis mit 5.000 Euro. Außerdem darf sich die Gewinnerin oder der Gewinner ein Vierteljahr lang wie Udo Lindenberg fühlen und auf Kosten des Edelhotels dort wohnen. Natürlich würde man sich wünschen, wenn der Preisträger die Hoteleindrücke gleich im nächsten Erzählband verarbeitet.

Bewerben kann man sich für den Preis nicht direkt, denn die siebenköpfige Jury sucht sich den Preisträger selbst aus. Zur siebenköpfigen Jury gehören im ersten Jahr der Preisvergabe neben ZEIT-Feuilletonchef Jens Jessen auch die Literaturkritikerin Sigrid Löffler.

Aktueller Nachtrag: Der erste Preisträger des Deutschen Erzählerpreises 2008 steht fest. Es ist Wolfgang Herrndorf mit seinem Erzählungsband »Diesseits des Van-Allen-Gürtels« (Eichborn Verlag). In der Jury-Begründung heißt es: Wolfgang Herrndorf erhält den »Deutschen Erzählerpreis« für sein ironisches und melancholisches Spiel mit zeitgenössischen Wirklichkeiten, seien es nun die Milieus von Werbeagenturen, Literatenzirkel oder die asozialen Ränder Ostdeutschlands. Der Band »Jenseits des Van-Allen-Gürtels« vereint Geschichten der Desillusionierung, die vom amüsanten oder bizarren Anlass direkt ins Herz mitmenschlicher Niedertracht führen.

Evangelische Erotik von der Volksbank gefördert

Anregende Frisur: Christian Friedrich Hunold alias MenantesJa gibt es das denn? Einen Literaturpreis für erotische Dichtung, der von einer evangelischen Kirchengemeinde ausgeschrieben und von den Volks- und Raiffeisenbanken gestiftet wird?

Ja, gibt es: den Menantes-Preis für erotische Dichtung der Evangelischen Kirchgemeinde Wandersleben in Thüringen. Mitmachen kann jeder und jede, der oder die ein unveröffentlichtes erotisches Gedicht oder eine Kurzgeschichte geschrieben hat. Vergeben werden ein Jurypreis (1.000 Euro) und ein Publikumspreis (500 Euro). Zudem werden die 5 besten Autorinnen zu einer öffentlichen Lesung im Pfarrhof in Wandersleben eingeladen. Die 25 besten Texte erscheinen in einer Anthologie. Einsendeschluss ist der 31. März 2008, und die genauen Teilnahmebedinugnen sind auf der Website des Menantes-Literaturpreises nachzulesen.

Benannt ist der Preis nach dem Barokdichter Christian Friedrich Hunold alias Menantes, der in Wandersleben geboren wurde.

Jetzt bewerben: Der 12. Klagenfurter Literaturkurs ist ausgeschrieben

Jetzt in Klagenfurt beworbenAn den vier Tagen vor den 32. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt (Bachmann-Preis), findet auch in diesem Jahr wieder der Klagenfurter Literaturkurs statt (22.-25. Juni 2008). Intensiv wird dort über die bei der Bewerbung eingereichten eigenen Texte diskutiert. Reisekosten, Unterkunft und Verpflegung werden vom Veranstalter übernommen. Eine der Stipendiatinnen im letzten Jahr war Fee Katrin Kanzler.

Wie immer gilt: Wer sich bewerben will, sollte zuvor die Voraussetzungen und Kriterien für eine Bewerbung gut durchlesen und einhalten. Wer zu den maximal 10 Teilnehmern gehören möchte, der oder die darf z. B. nicht älter als 35 Jahre alt sein und sollte mindestens eine literarische Veröffentlichung vorweisen können. Texte im Eigenverlag oder Veröffentlichungen im Internet zählen dabei nicht. Alles weitere ist auf der Website des Musilmuseums nachzulesen.

Irseer Pegasus Ob das fette Brauerei-Ross wirklich Flügel hat?

Gespannte Erwartung in Irsee (Klick zum Vergrößern) - Foto: Cornelia TravnicekDer Irseer Pegasus ist ein seit zehn Jahren stattfindendes Autorentreffen im Kloster Irsee. Um teilnehmen zu können, muss man sich bewerben und im Falle einer erfolgreichen Bewerbung ca. 200 Euro Teilnahmegebühr bezahlen. Ob sich das lohnt, wollte Cornelia Travnicek wissen. Ein weiterer Praxisbericht.

Warum ich gerade hier, im Burger King am Münchner Bahnhof, in eine Stimmung absoluter Traurigkeit und Einsamkeit verfalle, und das nur, weil schon das dritte gefühlsduselige Lied hintereinander im Radio läuft, das weiß ich nicht. Vielleicht, weil ich für drei Stunden heimatlos bin, solange dauert es noch bis mein Zug nach Hause abfährt. Der Irseer Pegasus 2008 ist zu Ende.

Cornelia Travnicek

berichtet im literaturcafe.de seit 2006 von ihrer bisherigen Autorenlaufbahn und davon, wohin es führen kann, wenn man eines Tages beschließt zu schreiben. Interessant für alle, die Ähnliches selbst erlebt haben, noch erleben wollen oder sich vielleicht nach der Lektüre entschließen, es doch besser zu lassen. Seinerzeit schrieb Cornelia unter dem Motto »Bis Klagenfurt anruft« sieben Berichte und einige Bonusfolgen u.a. über Veröffentlichungen, Preise, Lesungen, Literaturforen und die eigene Website.

Cornelia Travnicek: Chucks (Buchcover)Im Frühjahr 2012 erscheint Cornelia Travniceks erster Roman »Chucks« in der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA). Wie ergeht es einem als österreichische Autorin, wenn man zu einem großen deutschen Verlag wechselt? Erfüllt sich ein Autorinnentraum? Ist es der Karrieredurchbruch?

Unter dem Titel »Bis Klagenfurt anruft. Reloaded« setzt Cornelia Travnicek 2012 ihre Berichte im literaturcafe.de fort.

Im Juli 2012 las sie dann tatsächlich in Klagenfurt und gewann den mit 7.000 Euro dotierten Publikumspreis. 2012 ist sie Stadtschreiberin in Kärnten.

Klicken Sie hier, um alle bislang erschienenen Teile zu lesen »

www.corneliatravnicek.com

Cornelia Travnicek: Chucks: Roman. Taschenbuch. 2014. btb Verlag. ISBN/EAN: 9783442747023. EUR 8,99 » Bestellen bei amazon.de Anzeige)

Weil Gert Heidenreich der laut Vorstellung durch Herrn W. nicht nur Schriftsteller ist, sondern auch der Mann von Elke Heidenreich war angemerkt hat, er vermisse das Abweichen vom geradlinigen Erzählen, darum beginne ich im ersten Absatz am Ende. Zäume den Pegasus also von hinten auf. Oder vielleicht mit diesem Absatz wohl eher von der Seite. Alles eine Frage der Perspektive.

Der Irseer Pegasus definiert sich selbst als Autorentreffen und fand heuer zum zehnten Mal statt. Sich zu bewerben kostet nichts, das Eingeladenwerden allerdings doch. Warum bewirbt sich also eine Autorin, die sonst nie im Leben Teilnahmegebühren für einen wie auch immer gearteten Wettbewerb zahlen würde, bei einem Seminar, das Unkosten von ca. 350 Euro mit sich bringt (Seminarbeitrag von 199 Euro, Zug, Taxi und nicht inkludierte Getränke). Die Wahrheit ist: sie hat sich etwas davon erhofft, mit dem sie sich im Nachhinein rechtfertigen könnte.

Was am Ende davon blieb, außer dem nun aufgebrauchten Weihnachtsgeld: Hauptsächlich Müdigkeit. Denn die Tage des Seminars (3. bis 5. Januar 2008) sind bis zum Letzten vollgestopft mit Anwesenheitspflicht. Lesungen, Textbesprechungen und Diskussionen, bei denen grundsätzlich der Zeitplan nicht eingehalten wird was zu einer Verkürzung der ohnehin knapp bemessenen Pausenzeit führt. So ist man fast pausenlos (und) im Verzug.

Laut Ausschreibung sollten alle Teilnehmer mindestens eine eigenständige Veröffentlichung vorweisen. Oder Vergleichbares. Die meisten der Teilnehmer hatten Vergleichbares. Der Anteil an männlichen und weiblichen Autorinnen war ausgewogen, der Altersdurchschnitt war eher im oberen Bereich der Skala anzusiedeln. Gert Heidenreich war leider nur für die Lesung aus seinem Buch und die Teilnahme an der Podiumsdiskussion anwesend.

Am Ende des Workshops wird jedes Jahr ein Preis vergeben, der von den Autoren selbst bestimmt werden kann. Man bewertet alle seine Kollegen auf einer Skala von Null bis Fünf, die Punkte werden dann addiert. Sich selbst bewerten alle von vornherein mit Fünf, um auf eine einheitliche Basis zu gelangen, soweit ganz fair. Zusätzlich wird ein Jurypreis vergeben. 3. Platz und Jurypreisträger dürfen sich über die Deckung ihrer Ausgaben freuen, 2. Platz und 1. Platz kassieren da schon etwas mehr. Die Preisverleihung hat sich Gert Heidenreich nicht mehr angesehen.

Warum es gut war: Weil man wieder einmal unter andere Autoren kam, sich ausnahmsweise auch wieder mit dem handwerklichen Teil des Schreibens beschäftigte und einige nette Leute kennenlernte. Das Essen war auch gut. Warum es nicht so gut war: Weil es etwas gekostet hat und das nicht wenig, weil die meisten Autoren sich nicht einmal Notizen zur Kritik, die sie bekommen haben, machten, was eigentlich eine Diskussion unnötig macht, weil es viel zu viel in zu kurzer Zeit war. Und weil es traurig war.

Klinke in Irsee (Klick zum Vergrößern) - Foto: Cornelia TravnicekIch möchte hier einen sehr ehrlichen Absatz über junge Autoren schreiben. Wir glauben doch alle im Geheimen, dass wir ES irgendwann schaffen. Was dieses ES ist, das definieren wir nicht so genau. Einen Bestseller landen, den Deutschen Buchpreis gewinnen, den Nobelpreis, was auch immer. Genau darum ist der Irseer Pegasus traurig. Weil dort so viele Menschen waren, die es eben nicht geschafft hatten. Noch immer nicht haben. F. titulierte das ganze »B-Veranstaltung«. Da war also die B-Seite der Literatur. Regional »erfolgreiche« Autoren – auch unter den Veranstaltern. Als junger Autor hat man eine gewisse Vorstellung von dem Alter, in dem man es geschafft haben möchte. Die meisten der Kollegen lagen da leider darüber, manche sogar weit. Und irgendwie keimt dann in einem selbst die Angst, auch einmal in diesem Alter hier zu sitzen und noch immer zu warten. Darauf, dass es passiert. Und dahinter wieder steht die Angst, dass es nie passieren könnte.

Neben all dem war das alte Benediktinerkloster Irsee eine schöne Kulisse, von der man durch den Stress leider wenig sah. Ganz am Schluss wurde auch noch eine Respektlosigkeit an den Autoren begangen, welche die Stimmung Mancher dann doch etwas ins Negative schlagen ließ, wenn ich das so ausdrücken darf. Es ist ja toll, wenn man in einem schönen Barockzimmer ein Streichquartett aufspielen lässt und Reden schwingt und in all dem Pomp Autoren Geld schenkt. Dass man diese vier Autoren aber fünf Minuten bevor die Zeremonie beginnt, vor den Augen aller anderen in Grüppchen wartenden Autoren zu einem Foto mit der Presse bittet und somit banal und rüde zu verstehen gibt, wer nun die Preisträger sind, das ist in meinen Augen und auch in denen anderer Teilnehmer einfach respektlos und nichts anderes. Dann braucht man nämlich die ganze Zeremonie nicht mehr, es gibt keine Spannung dahinter und manche Autoren bleiben dann auch nicht so lange, sich nochmal diese vier Texte anzuhören, die sie teilweise ja erst am Vormittag lange und breit diskutiert haben.

Zusätzlich entstand manchmal der Eindruck einer Werbeveranstaltung. Oder dass manche Leute sich viel zu gerne selbst reden hören. Aber egal. Wer einen der gut dotierten Preise verliehen bekommt, bei dem mag sich das Ganze im Nachhinein durch eine rosa Brille betrachten lassen. Bei F. und mir, da war das etwas anders. Wir haben beschlossen: einmal und nie wieder. Nie wieder für etwas zahlen müssen. Lieber das Geld nehmen und Urlaub machen. Und die netten anderen Autoren im Internet kennenlernen (einige der Teilnehmer findet man unter anderem im Poetenladen). In die Liste von »keine Teilnahmegebühren« und »keine Zuschussverlage« reihten sich der Irseer Pegasus und vergleichbare Veranstaltungen, die nicht vollkommen kostenlos sind. Abgehoben sind wir also nicht.

Warum es am Samstag nach 20 Uhr nur eine einzige Verbindung von München nach Österreich gibt, die über Salzburg hinausgeht, ist mir ein Rätsel. Auf Bahnhöfen befindet man sich in einer Art Zwischenwelt. Hier am Ende dieses Berichts sind es nur noch zwei Stunden bis Mitternacht und damit zur Abfahrt meine Zuges. Die Lieder im Radio werden auch nicht fröhlicher.

Cornelia Tavnicek

Willms Woche: Irdische Genüsse mit und ohne Nikotin

Kaum ist er gestorben, da wird er auch schon wieder geboren: Kurt Tucholsky, dessen Todestag wir im Dezember noch gedachten, wäre am 9. Januar 118 Jahre alt geworden. Das Aushängeschild der literarischen Anti-Nazi-Bewegung schrieb seinerzeit unter mehreren Pseudonymen, darunter Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel. Ob er diese wirklich nur für die Arbeit brauchte, ist unklar: Tucholsky galt als Frauenheld, der stets mehrere Affären nebeneinander gehabt haben soll. Von seiner ersten Ehefrau ist jedenfalls folgender Ausspruch überliefert: »Als ich über die Damen wegsteigen musste, um in mein Bett zu kommen, ließ ich mich scheiden.«

So wichtig wie Tucholsky für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war, so entscheidend beeinflusste Heiner Müller die zweite.

»Die soziale Logik des Kleinbürgers läuft in der Konsequenz immer entweder aufs Aufhängen oder Wegsperren hinaus«

5

Ausriss aus dem FOCUSDie Litotes ist ein sprachliches Stilmittel. Indem man das Gegenteil einer Aussage verneint, mildert man sie ab (»Was du sagst ist nicht ganz richtig« statt »Was du sagst, ist falsch«) oder verschärft sie je nach Kontext ins Ironische (»Er war an der Aktion nicht unbeteiligt«). Insbesondere der Schwabe verwendet die Litotes gerne, um beispielsweise ein Essen überschwänglich zu loben (»I muaß scho saga, Ihre Schpätzla schmeckat net schlecht«). Der Litotes kann – muss aber nicht – als doppelte Verneinung auftreten (»Ich sage das nicht ohne Grund«).

Gerade mit der doppelten Verneinung kann man oftmals Dinge in einen Zusammenhang bringen, bei denen dieser sehr grenzwertig ist (»Ohne Hitler gäbe es keine Autobahn«).

Rodja Smolny und Lindbergh & Well: Tipps für betroffene Autorinnen und Autoren

Vertragsformulare von Lindberg & Well und MerkammerDas literaturcafe.de sprach mit Rechtsanwalt Wolfgang Schimmel vom Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di

Rodja Smolny trat als Literaturagent einer angeblich aus Schweden stammenden Agentur Lindbergh & Well auf. Er schrieb offenbar Hunderte von unbekannten Autoren an und schloss mit ihnen einen Agenturvertrag ab. Kurze Zeit später stellte er den Autoren die Vermittlung an einen Verlag in Aussicht, wenn diese zuvor bereit seien, das Manuskript auf eigene Kosten lektorieren zu lassen (wir berichteten). Beträge von mehreren Tausend Euro wurden hier genannt. Einträge im Handelsregister wiesen aus, dass Smolny mit dem Verlag und dem empfohlenen Lektoratsservice in Verbindung steht oder stand. Hierüber berichtete auch der NDR.

Obwohl dem literaturcafe.de bislang keine Fälle bekannt sind, bei denen die Autoren die zunächst geforderten 12.000 Euro für das Lektorat bezahlt haben, offerierte Smolny später ein »günstigeres« Angebot. Hier haben Autoren durchaus einige Hundert Euros bezahlt.

Doch selbst, wer nicht bezahlt hat: Zahlreiche Autorinnen und Autoren haben mit Smolny einen Agenturvertrag abgeschlossen. Viele Autoren haben die Frage an uns gerichtet, ob dieser gültig sei und wie sie nun reagieren sollten. Außerdem sorgen sich einige Autorinnen und Autoren um ihre Manuskripte, die sie Smolny geschickt haben. Sie haben Sorgen, Smolny könnte diese widerrechtlich für andere Zwecke missbrauchen.

Wir haben zu all diesen Punkten Wolfgang Schimmel befragt. Schimmel ist als Rechtsanwalt bei ver.di tätig und arbeitet für den zu ver.di gehörenden Verband deutscher Schriftsteller (VS). Daher kennt er die Branche und vor allen Dingen auch ihre dunklen Seiten sehr gut.

Kein & Aber mit kostenlosem Hörbuchradio auf der neuen Website

Internetradio von Kein & AberBislang noch relativ unbemerkt hat der Verlag Kein & Aber noch vor dem Weihnachtsfest seine Website neu gestaltet. So können nun auch die Termine der Verlagsautoren und die aktuellen Buch- und Audioproduktionen des Verlages per RSS-Feed beobachtet werden.

Highlight des neuen Internet-Auftritts ist jedoch ohne Frage das »Internetradio«, in dem nonstop verlagseigene Hör(buch)-Produktionen abgespielt werden, darunter Gerhard Polt, Harry Rowohlt oder auch Eckhard Henscheid. Der notwendige Flashplayer öffnet sich dabei praktischerweise in einem eigenen kleinen Browserfenster, sodass man weiterhören kann, auch wenn man bereits auf einer anderen Website surft oder – nicht nur am Computer – anderen Tätigkeiten nachgeht.

Eine feine Idee der Schweizer Verlagsmenschen, denn viele Produktionen machen Lust auf mehr, wie z.B. der Live-Mitschnitt des Saufens nach Regieanweisung mit Harry Rowohlt.