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Buchtrailer: Wie man einen Marketing-Text schlecht vorliest und in Suchmaschinen nicht gefunden wird

Wir sind HeldenDa veröffentlicht die junge sympathische Band »Wir sind Helden« ihr Tourtagebuch bei S. Fischer, was ja ganz nett ist, vor allen Dingen für Fans. Und der Verlag erreicht neue Zielgruppen. »Wir-sind-Helden«-Hörer passen sicherlich besser zum Fischer-Verlag als Tokio-Hotel-Fans.

Es wäre ein gutes Potenzial gewesen, das Ganze online pfiffig zu bewerben. Stattdessen ist als »Trailer« auf der Website ein ziemlich peinliches Video zu sehen. Die Bandmitglieder sitzen und stehen gediegen vor einem offenen Kamin (wie witzig!) und lesen einen Text vor, den ihnen offenbar die Marketingabteilung in die Hand gedrückt hat. Die Vier scheinen ihn davor noch nie gesehen zu haben. Denn wie ist zu erklären, dass selbst Judith Holofernes ihn so schlecht vorliest abliest, als wüsste sie gar nicht, worum es in dem Text geht? Die Frau ist doch ein Bühnenprofi! Ihre Liedtexte singt sie doch auch mit der richtigen Betonung (Nachtrag: Mittlerweile hat der Verlag das Video entfernt).

Es ist ein Vorlese-Stil, wie man ihn manchmal bei Müttern und Vätern hören kann, wenn ein Kind sie bittet, aus einem Buch vorzulesen, das sie nicht kennen. Dann wird meist deutlich und etwas überbetont gelesen, ohne dass die Betonungen wirklich stimmig sind. Beim Lesen selbst erst merkt der Vorleser, was er da eigentlich liest und macht mit einer leichten Verzögerung Gesten oder Grimassen dazu.

Harper Collins Verlag stellt aktuellen Bestseller von Paulo Coelho kostenlos ins Netz

Jeweils einen Monat lang bietet der Harper Collins Verlag ab sofort ausgewählte Bücher vollständig und kostenlos im Internet an, darunter aktuell die englische Ausgabe von Paulo Coelhos »Die Hexe von Portobello« (The Witch of Portobello). Ob Coelho mit seinen provokanten Thesen zum Thema »Raubkopien« Einfluss auf diese Aktion hatte? Coelho selbst gibt sich in gewohnter Weise naiv und schreibt in seinem Blog, er habe davon in der Zeitung erfahren.

Die kostenlosen Bücher werden Seite für Seite als Bilddateien angeboten, sodass ein Ausdruck schwer möglich ist. Auf Handys oder gar dem Amazon Kindle kann das Werk nicht gelesen werden, theoretisch muss man also am Bildschirm schmökern. Es ist klar, dass die Aktion zum Kauf der Bücher anregen soll. Wie in einer Buchhandlung kann man allerdings vor dem Kauf im Werk blättern und mal hier und mal dort reinlesen. Zum Einbetten des Buches in die eigene Website steht zudem ein Flash-Widget bereit, das wir hier rechts beispielhaft eingebettet haben. Über ein Eingabefeld kann der Text vollständig durchsucht werden.

Unsere Meinung: Eine begrüßenswerte Aktion, die zeigt, dass mittlerweile einige Verlage das Internet verstanden haben.

Wikipedia zerstört den gedruckten Brockhaus – 50 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze

Der BROCKHAUSDer 11. Februar 2008 ist ein historischer Tag, denn die Jahrhunderte alte Ära der gedruckten Lexika geht zu Ende. Das geduckte Nachschlagewerk schlechthin, die Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden, wird es künftig nicht mehr geben. Die aktuelle 21. Auflage ist die letzte, eine 22. erscheint nicht mehr. Zu groß ist die kostenlose digitale Konkurrenz im Internet. Die Herausgeber des Brockhaus‘, das Bibliographisches Institut und die F. A. Brockhaus AG (Bifab), treten die Flucht nach vorne an und stellen die Inhalte ab Mai kostenlos und mit multimedialen Inhalten angereichert ins Netz. Finanziert werden soll das Angebot durch Werbung. Speziell für Schulen ist ein werbefreier Zugang geplant. Erste Erfahrungen hatte der Verlag bereits mit dem kleinen Bruder des Brockhaus‘, dem Meyers-Lexikon, gemacht, das bereits seit einiger Zeit kostenlos im Netz verfügbar ist.

Willms Woche: Mit und ohne manische Depressionen

Zwar begann der Amerikaner Sidney Sheldon erst in der zweiten Lebenshälfte eigene Bücher zu verfassen, doch da wusste er längst, wie der Krimihase läuft: Jahrelang hatte er als Bühnen- und Drehbuchautor in Hollywood gearbeitet und dort Spielfilme und auch Musicals entwickelt. Auch zwei Serienklassiker stammen aus der Feder Sidney Sheldons: Er schenkte uns sowohl die »Bezaubernde Jeannie«, in der Barbara Eden als naiver Flaschengeist das Leben des damals noch netten J. R. Ewing, pardon, Larry Hagman, auf den Kopf stellt, als auch »Hart aber herzlich« mit dem fast zum Erbrechen harmonischen Millionärsehepaar Hart, das zum puren Zeitvertreib knifflige Verbrechen aufdeckt. Beinahe wäre es zu all dem nie gekommen: Sidney Sheldon litt bereits als Jugendlicher an einer »bipolaren Störung«, auch als »manische Depression« bekannt. Sheldons Vater hielt den damals 17jährigen von einem Freitod durch eine Überdosis Schlaftabletten ab und ebnete so den Weg zu Sheldons Hollywood – und Schriftstellerkarriere. Das Multitalent Sidney Sheldon wäre am 11. Februar 91 Jahre alt geworden.

Lucky Luke, Tim und Struppi, die Schlümpfe – diese Figuren kennt man mittlerweile auf der ganzen Welt. Allesamt stammen sie aus Belgien und sind bei Weitem nicht die einzigen fiktiven Berühmtheiten, die das kleine Land hervorbrachte.

Filmkritik zur Stephen-King-Verfilmung: »Der Nebel« hat sich schnell verzogen

Der Nebel»Der Nebel« hat sich schnell aus den deutschen Kinos verzogen. Bereits in der dritten Woche nach Starttermin muss man länger suchen, um ein Kino zu finden, in dem der Film noch gezeigt wird. »Der Nebel« (The Mist, USA 2007) ist kein Blockbuster. Es gibt darin keine Hollywood-Stars (zumindest nicht die glamourösen), sodass die Medien über den Film kaum berichteten. Und ein Horrorfilm ist kein Werk für die breite Masse.

Doch Werbebudgets sind nicht alles. Nur wenn ein Film persönlich im Bekanntenkreis weiterempfohlen wird, hat er eine Aussicht, länger auf dem Spielplan zu bleiben.

Doch leider ist »Der Nebel« kein Film, den man unbedingt weiterempfehlen wird. Es ist jedoch auch kein Film, vor dem man die Leute warnen wird, was den Ticketverkauf ebenfalls fördern könnte. Jüngstes Beispiel war die FSK-Freigabe-Debatte des Films »Keinohrhasen« – ein Glücksfall für die PR-Abteilung.

»Der Nebel« ist die Verfilmung eines Kurzromans von Stephen King. Buch und Regie des Films lagen in den Händen von Frank Darabont, der mit früheren King-Adaptionen Meisterwerke wie »Die Verurteilten« (The Shawshank Redemption) auf die Leinwand brachte.

Mit »Der Nebel« konnte sich Darabont jedoch nicht entscheiden, ob er das Übersinnliche nur als Kulisse verwenden sollte, um menschliche Abgründe aufzuzeigen, oder ob er einen Horror-Film mit Splatter-Effekten drehen sollte. So wurde der Film von jedem etwas – und daher nichts Ganzes.

Maltes Meinung: Dazu ist bereits alles gesagt

Maltes Meinung - Die Textkritik im literaturcafe.deGerade wollten wir ansetzen und ein paar allgemeine Bemerkungen zur aktuellen Textkritik von Malte Bremer zum Gedicht »Ratio?« schreiben. Wir wollten unserer Verwunderung  Ausdruck verleihen, warum Menschen Malte nach wie vor solche Texte schicken, bei denen das Urteil von vorn herein klar ist, wenn man seine vorherigen Kritiken aufmerksam gelesen hat. Aber dann ist uns aufgefallen, dass wir all das schon mal geschrieben haben. Zur aktuellen Kritik »

Textkritik: Ratio? – Lyrik

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Wenn Gedanken von Liebe getragen,
verwirkliche sie,
ohne zu zagen.

Dein Verstand sagt,
dass du es nicht tuen musst.

Doch tust du es nicht,
hast du später Verdruss.

Denn dann, in späteren Jahren,
beklagt dein Verstand,

dein früheres Zagen!

© 2008 by Anke Kopietz. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Alberne Pseudolebensweisheit, auch noch schlecht verpackt!

Die Kritik im Einzelnen

Ich werde den Teufel tun und einen solchen Rat befolgen! Gott hat seinen Sohn geopfert, weil er angeblich die Welt liebt, aber ich werde meine Söhne nicht opfern! Denn weil ich sehe, dass alle Menschen nur leiden, aber ich sie liebe, werde ich stattdessen die ganze Menschheit (mich eingeschlossen, denn ich gehöre trotz allem dazu) vernichten (auch da gibt es ein bekanntes Vorbild, aber ich lasse keinen Noah zu!), möglichst auf einen Schlag, dann wäre Schluss mit dem Leiden. So will es das Gedicht, es soll mir eine Lehre sein!
Es geht natürlich auch ne Nummer kleiner: Ich liebe meine Frau, und ich weiß, dass sie z. B. von einem alten Triumph-Sportwagen träumt – aber ich habe die Kohle nicht! Da kommt mir der von meiner Liebe getragene Gedanke, eine Bank zu knacken … aber leide zage ich! Mehr Mut, Malte, frisch gewagt ist schon der halbe Triumph, du zaudernder Zage-Zausel!
Oh, ich weiß, natürlich, wie konnte ich nur so etwas Schreckliches unterstellen! Aber ich darf nicht zagen, denn meine Gedanken sind von der Liebe zur Literatur getragen! So steht es im Text, auch wenn es nicht so gemeint ist! Mich interessieren aber nicht die angeblich versteckten Meinungen, sondern die offenliegenden im Text, und der verbreitet Albernheiten!
Immerhin wird hier ein Rhythmus versucht, denn wenn man vor der abgesetzten Zeile zwei Leertakte Pause macht, ergibt sich fast einer – leider nur fast, denn die zweite Zeile fängt unbetont an, statt betont. zurück
Weg ist der Rhythmus und Reime gibt’s auch nicht mehr, vermutlich, weil jetzt der Verstand spricht, nämlich dass ich das nicht tuen muss, die Menschheit ausrotten und so: Recht hat er! zurück
Der Rhythmus ist wieder da, und es findet sich ein Reimwort zu vorangegangenen Strophe. Ich bin jedoch voll davon überzeugt, dass ich nach dem Knacken einer Bank mehr Verdruss habe, Liebe hin – Liebe her, aber es stimmt garantiert & hunterpro, dass ich mitsamt dem Rest der Menschheit keinen Verdruss mehr spüre, wenn ich alle ratzeputz wegmache. Nicht nachvollziehbar ist, warum in den beiden letzten Zweizeilern keine Paarreime mehr verwendet werden, auch ist nicht ersichtlich, warum sie getrennt sind, statt in einem Vierzeiler zusammengefasst, dann gäbe es zumindest einen Schweifreim, und inhaltlich gehören sie ganz eng zueinand, Verstand & Verdruss (zumindest in diesem Gedicht). zurück
Wurde in der ersten Strophe eine oberschlaue Lebensweisheit ausposaunt, in den beiden folgenden Zweizeilern dann mit erhobenen Zeigefingern (es sind schließlich zwei Zweizeiler) vor dem wankelmütigen Verstand gewarnt, folgt jetzt der schlagende Beweis in einem zweipluseins Zeiler (warum dieses Ströphlein nicht wie die erste gestaltet wird, um diesem lyrischen (?) Textlein zumindest noch einen sauberen Rahmen zu geben, braucht man sich eigentlich nicht zu fragen: der Text ist vermutlich von Liebe getragen und wurde geschrieben ganz flink, ohne zagen). Inhaltlich ist auch nichts mehr hinzuzufügen, denn wer den Rest seines Lebens tot ist, ist gefeit vor jedem Verdruss, und wenn ich im Knast sitze, werde ich mich allein darüber beklagen, nicht auf meinen Verstand gehört, sondern stattdessen diesem unsäglichen Text vertraut zu haben. zurück

Willms Woche: Gründerväter und Visionäre

Neben den sozialkritischen Romanen »Oliver Twist« und »David Copperfield« ist es vor allem die »Christmas Carol«, für die Charles Dickens bekannt ist. Mit der Erzählung über den grantigen Geizhals Ebenezer Scrooge schuf er das Genre der Weihnachtsgeschichten und beeinflusst bis zum heutigen Tage Autoren und Filmemacher. So zum Beispiel im Hause Disney: Dagobert Duck, der notorisch geizige Onkel Donald Ducks, nennt sich im Original Scrooge McDuck, diese Anspielung auf Dickens und damit die Versinnbildlichung des Geizes im Namen der Figur ging in der deutschen Übersetzung leider verloren. Charles Dickens, der zeit seines Lebens nicht müde wurde, auf die Armen und Hungerleidenden der Gesellschaft aufmerksam zu machen, wäre am 7. Februar 196 Jahre alt geworden.

Er führte uns 20.000 Meilen unter das Meer, zum Mittelpunkt der Erde und in 80 Tagen um die Welt: In Jules Verne schlug das Herz eines Abenteuers.

Hörbuchaufnahmen: Zurück aus dem Studio mit Katze

Katze im StudioAm vergangene Wochenende fanden die Aufnahmen für ein ganz besonderes Hörbuch statt, von dem demnächst an dieser Stelle mehr zu lesen und zu hören sein wird. Der Ort war ein kleines aber feines Studio im Westfälischen, nahe der niederländischen Grenze.

Nicht nur der Tontechniker und der Regisseur (und Autor in einer Person) lauschten der Stimme des Erzählers, sondern auch die Studiokatze.

So beginnt eine Reise in den Bandipur-Wald, der Sie demnächst selbst akustisch folgen können…

Paulo Coelho stellt Raubkopien der eigenen Werke ins Netz – und verkauft mehr Bücher

Screenshot aus dem Video mit der Rede Paulo Coelhos»Raubkopierer sind Verbrecher.« So lautet die einfache Kampagnen-Logik der Musikindustrie, der sich mittlerweile auch die Verlage angeschlossen haben. Demnach ist auch der Bestsellerautor Paulo Coelho (»Der Alchemist«, »Die Hexe von Portobello«) ein Verbrecher. Man hätte ihn am vorvergangenen Montag in München gleich verhaften sollen.

Vor über 100 Zuhörern gestand Coelho auf der DLD-Konferenz, dass nicht ein anonymer Fan, sondern er selbst die Website »Pirate Coelho« (piratecoelho.wordpress.com) ins Netz gestellt habe.

Coelho hat sämtliche illegalen digitalen Kopien seiner Werke im WWW und in den Tauschbörsen zusammengesammelt und verlinkt sie auf dieser Website. Um die Site noch populärer zu machen, hat er sie sogar auf seiner offiziellen Website verlinkt und in einem Blog-Eintrag mit gespieltem Entsetzen darauf verwiesen.

Warum tut dieser Mann das?

Betrügerische, inkompetente und amateurhafte Literaturagenten

Writer BewareDurch einen Hinweis in Erics Weblog sind wir auf eine überaus informative Webseite zum Thema Literaturagenten aufmerksam geworden, deren Lektüre wir mit Nachdruck empfehlen. Einziger Nachteil: die Seite stammt von der »Science Fiction and Fantasy Writers of America, Inc.« und ist daher komplett in englischer Sprache abgefasst. Speziell geht es auf der Seite darum, wie man betrügerische, stümperhafte oder schlichtweg inkompetente Literaturagenten erkennt. Der Abschnitt »Unehrliche Agenten« kommt einem doch bekannt vor. Niemals sollten Autoren an Literaturagenten Geld im Voraus bezahlen. Hier findet sich zur Warnung die ganze Palette, um den hoffnungsvollen Schreibern das Geld aus der Tasche zu ziehen: Vertragsabschlussgebühren, Gebühren für das Sichten des Manuskripts, Gebühren für ein Gutachten, die Vermittlung an ein bezahltes Lektorat, die Vermittlung an Zuschussverlage oder Print-on-Demand-Dienstleister usw. usf.

Fernsehtipp: Denis Scheck zu Gast bei Ray Bradbury

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DruckfrischHätte man uns gefragt, wir hätten vermutet, er sei schon längst tot. Nein, nicht Denis Scheck, sondern Ray Bradbury. Mit »Fahrenheit 451« hatte Letzterer bereits 1953 einen Klassiker der Science-Fiction-Literatur geschrieben, der eine ebenso düstere Zukunftsvision entwirft wie Orwells »1984«. In der von Bradbury beschriebene Zukunft ist das Lesen und der Besitz von Büchern verboten. 451 Fahrenheit ist die Temperatur, bei der Bücher beginnen zu brennen. Daher der Titel. Ein weiteres bekanntes Werk von Bradbury sind »Die Mars-Chroniken«.

88 Jahre ist Bradbury inzwischen alt und Denis Scheck hat ihn für seine Sendung »druckfrisch« besucht. In der Vorankündigung heißt es: Bradbury lebt in Los Angeles in einem bizarren Appartement zwischen Plastikdinosaurier und gigantischem Plasmabildschirm, und räsoniert finster raunend über die Zukunft der Gegenwart. »druckfrisch« wird am Sonntag, 3. Februar 2008 um 23:30 Uhr gesendet. Desweiteren sind Gila Lustiger und Hans Magnus Enzensberger im Gespräch mit Denis Scheck.

Nachtrag(end): Was war das? Entgegen der Vorankündigung kein Bradbury in der Sendung! Selbst im Videotext stand es noch, als die Sendung schon vorbei war. Grrrr…

Willms Woche: Schlägertypen, arme Schlucker und mögliche Trendsetter

»Wenn ich zu einem seiner Manuskripte Vorschläge machte, war er für gewöhnlich sehr nett und sagte ‚Ja, da werde ich drüber nachdenken.‘ Später würde ich dann feststellen, dass er keine meiner Ideen umgesetzt hatte.« Nicht nur im Umgang mit seinem Verleger Jason Epstein zeigte der New Yorker Norman Mailer, dass er seinen eigenen Kopf hatte. Der zweifache Pulitzer-Preisträger war wohl kein großer Freund von Kritik. Auf einer Dinnerparty schüttete der passionierte Boxer Mailer seinem Schriftsteller-Kollegen Gore Vidal zunächst Whisky ins Gesicht, schlug ihm anschließend auf den Kopf und versetzte ihm zum krönenden Abschluss noch einen Fausthieb auf den Mund. New York ist eben eine toughe Stadt, auch in Literatenkreisen. Der kürzlich verstorbene Norman Mailer wäre am 31. Januar 85 Jahre alt geworden.

Ein Schlägertyp war James Joyce nicht gerade.

Die Netzliteratur hat sich gesundgeschrumpft – Ein Interview mit Susanne Berkenheger

Susanne Berkenheger (Foto: privat)Susanne Berkenheger wurde als »Online-Literatin« bekannt und ist auf diesem Gebiet mehrfach preisgekrönt. Wie keine andere nutzte und nutzt sie das Medium als Kunstplattform. Hin und wieder trat sie mit ihren Internet-Werken auch live vor Publikum auf. Am 31. Januar 2008 ist Susanne Berkenheger in Second Life unterwegs, denn mit einer Lesung von ihr wird das virtuelle Literaturhaus der multikulturellen Internet-Literaturplattform readme.cc eröffnet. Künftig will man dort in der digitalen Welt regelmäßig Lesungen durchführen. Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de sprach mit Susanne Berkenheger über Kunst und Literatur im Internet damals und heute.

Hörtipp zum Nachlesen: Der literarische Alltag im Internet

D-Radio-Website»Schreiben in der Blogosphäre – Der literarische Alltag im Internet« so lautete der Titel einer halbstündigen Sendung, die am 22. Januar 2008 um 19:30 Uhr im Deutschlandradio Kultur zu hören war. Der Radio-Beitrag von Ralph Gerstenberg über bloggende Schriftsteller war überaus gelungen. Gerstenberg ließ die Autorinnen und Autoren selbst zu Wort kommen und hielt sich mit der Bewertung des Gesagten angenehm zurück. Man merkte, dass der Beitrag von jemandem erstellt war, der sich mit der Materie auskennt und die porträtierten Schriftsteller und ihre Beiträge im Web schon länger verfolgt. Erfreulich auch, dass nicht – wie sonst meist der Fall – die üblichen Web-2.0-Selbstdarsteller für die Interviews ausgesucht wurden, sondern überwiegend gestandene Literatinnen und Literaten, die meist schon seit Jahren bloggen. So beispielsweise die bei diesem Thema oft vergessene Else Buschheuer, die bereits täglich Texte ins Netz stellte, als es noch gar keine Weblogs gab, sondern das Ganze schlicht »Internet-Tagebuch« genannt wurde. Auch Alban Nikolai Herbst mit »Die Dschungel. Anderswelt.« kam zu Wort. Und ebenfalls die vom literaturcafe.de für den Hanser Verlag produzierten Podcasts mit Thomas Glavinic und Arno Geiger waren Thema.