Willms Woche diesmal mit linken Tendenzen

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»Genet dürfte als jemand gelten, der zu jener Menschenkategorie gehört, deren moralische Verantwortlichkeit leicht gemildert ist.« Zu diesem Schluss kam ein Gutachten, das 1943 über den 33jährigen Jean Genet erstellt wurde. Damals konnte der Schriftsteller bereits auf 10 Gefängnisaufenthalte bedingt durch Diebstahl und Landstreicherei zurückblicken. Auch mit seinem literarischen Werk eckte Genet mehr als einmal an. Die Prüfstelle wilfür jugendgefährdende Inhalte hielt ihn aufgrund pornografischer Darstellungen stets im Auge und die USA verweigerten dem Autor gar wegen »sexueller Abweichungen« die Einreise. Jean Genet wäre am 19. Dezember 97 Jahre alt geworden.

Während Genet recht unverhohlen mit der RAF liebäugelte, litt Heinrich Böll darunter, als geistiger Sympathisant des Terrorismus gescholten zu werden. 1972, kurz nachdem ihm der Nobelpreis verliehen worden war, geriet Böll in die öffentliche Kritik, weil er einen menschlichen Umgang mit den Mitgliedern der RAF gefordert hatte. Von Terrorsympathie konnte jedoch bei Böll keine Rede sein. Er engagierte sich bis zu seinem Tod im Jahr 1985 zunehmend in der Friedensbewegung und half unter anderem bei der Gründung von Cap Anamur. Am 21. Dezember feiern wir Bölls 90. Geburtstag.

Linke (wenngleich auch gemäßigte) Tendenzen wies auch Kurt Tucholsky auf, dessen Todestag sich am 21. Dezember zum 72. Mal jährt. Er wurde nie müde, in seinen Arbeiten als Journalist und Schriftsteller vor der nationalsozialistischen Machtergreifung zu warnen. Erich Kästner sollte ihn nach dem zweiten Weltkrieg einen »kleinen, dicken Berliner« nennen, »der mit einer Schreibmaschine eine Katastrophe verhindern« wollte. Es schmerzte Tucholsky sehr, dass niemand seinen Warnungen Gehör schenkte. Welche Ausmaße die Katastrophe wirklich annehmen sollte, erlebte der 1935 gestorbene Autor nicht mehr. Wir aber wünschen uns, man hätte auf ihn gehört.

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