
50 Jahre Bachmannpreis und der 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann im Juni: Auf einer Pressekonferenz hat der ORF die 14 Lesenden bekannt gegeben, die 2026 um den auf 30.000 Euro Preisgeld erhöhten Ingeborg-Bachmann-Preises lesen werden. Wir haben alles an Namen und Daten zusammengestellt, was sie über die Teilnehmenden und den Bewerb 2026 wissen müssen.
Am 22. Mai 2026 fand im Robert-Musil-Literaturmuseum in Klagenfurt die Pressekonferenz zu den 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur statt – und damit wurden auch die 14 Autorinnen und Autoren bekannt gegeben, die Ende Juni lesen werden. Das Feld reicht vom Debütanten bis zur mehrfach ausgezeichneten Romanautorin, von Köln bis Budapest. Alle Namen und die Statistik finden Sie unten in diesem Beitrag.
Die »50. Tage der deutschsprachigen Literatur«, wie die Veranstaltung rund um den Bachmannpreis offiziell heißt, findet vom 24. bis 28. Juni im ORF-Landesstudio Kärnten statt. Am Mittwoch, 24. Juni, wird die Lesereihenfolge ausgelost, vom 25. bis 27. Juni lesen die Autorinnen und Autoren und die Jury diskutiert live. Die Preisverleihung ist für Sonntag, 28. Juni, angesetzt – exakt an dem Tag, an dem vor 50 Jahren der erste Bachmannpreis vergeben wurde. Drei Tage zuvor, am 25. Juni, wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden.
Keine Veränderung bei Jury und Moderation

Wie bereits berichtet ist die 7-köpfige Jury auch im Jubiläumsjahr unverändert – zum dritten Mal in Folge tritt sie in gleicher Besetzung an. Den Vorsitz hat Klaus Kastberger, neben ihm sitzen Mara Delius, Laura de Weck, Mithu Sanyal, Brigitte Schwens-Harrant, Thomas Strässle und Philipp Tingler. Moderiert wird die Veranstaltung wieder von Peter Fässlacher und Cecile Schortmann.
Im literaturcafe.de wird es natürlich auch in diesem Jahr wieder die Abstimmung zum beliebtesten Jury-Mitglied geben. Im Jahr 2025 gewann Thomas Strässle diesen Titel.
Erstmals live auf 3sat: die Eröffnung
Eine Neuerung im Jubiläumsjahr: Die Eröffnungsfeier am 24. Juni wird erstmals ebenfalls live auf 3sat übertragen, von 19 bis 20.15 Uhr. Das zwingt zu einer deutlichen Straffung der – bislang dauerte die Eröffnung bis zu zweieinhalb Stunden. Technischer Leiter und Regisseur Klaus Wachschütz sprach auf der Pressekonferenz offen von der »größten Herausforderung« des Jahres: Das gesamte Programm der Eröffnung in knappe 75 Minuten unterzubringen und gleichzeitig Klagenfurt und Kärnten einem gesamten deutschsprachigen Publikum zu präsentieren, sei keine kleine Aufgabe. Einige Elemente wie die Nummernauslosung und die Klagenfurter Rede werden vorab aufgezeichnet. Die Auslosung der Lesereihenfolge wird schon am Abend zuvor (23. Juni 2026) erfolgen und kann ab 17.30 Uhr via Livestream unter bachmannpreis.ORF.at mitverfolgt werden. Die KlagenfurterDer Außenbereich des ORF-Geländes – der sogenannte Ingeborg-Bachmann-Park – wird derzeit umgestaltet und soll bis zur Veranstaltung fertig sein.
Klagenfurter Rede von Helga Schubert

Bei der Eröffnung am 24. Juni wird die nunmehr 27. Klagenfurter Rede zur Literatur zu hören sein. In diesem Jahr von Helga Schubert. Die Rede trägt den Titel »Und führe uns nicht in Versuchung«. Die 86-jährige Schriftstellerin verbindet mit dem Bachmannpreis eine besondere Geschichte: Von 1987 bis 1990 gehörte sie selbst der Jury an, und 2020 gewann sie mit ihrem Text »Vom Aufstehen« den Ingeborg-Bachmann-Preis – mit damals 80 Jahren war sie die älteste Gewinnerin. Dass sie 1980 eigentlich erstmals hätte als Lesende teilnehmen sollen, daran hinderte sie die DDR-Kulturbehörde mit einem Ausreiseverbot.
Der Bewerb selbst, also die drei Lesetage und die Preisverleihung, läuft nach bewährtem Muster ab.
Bachmannpreis-Podcast des literaturcafe.de wieder live vom Lendhafen
Wir vom literaturcafe.de werden ebenfalls wieder im Rahmenprogramm »Salon Inge« mit dem Bachmannpreis-Podcast dabei sein: An den drei Lesetagen jeweils um 18 Uhr werden die Folgen live vor Publikum am Klagenfurter Lendhafen aufgenommen, mit Wolfgang Tischer, Bozena Badura und einem täglich wechselnden Gast. Auch zur Eröffnung und nach der Preisverleihung wird es eine Folge direkt aus Klagenfurt geben.
Mehr Preisgeld und ein kommender Sponsoren-Wechsel
Das Preisgeld für den Ingeborg-Bachmann-Preis steigt im Jubiläumsjahr von 25.000 auf 30.000 Euro – ein Signal der Stadt Klagenfurt, die trotz schwieriger Haushaltslage hinter dem Bewerb steht. Auch der Kelag-Preis der Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft wird angehoben, von 10.000 auf 15.000 Euro. Insgesamt werden in diesem Jahr Preisgelder in Höhe von 75.000 Euro vergeben.
Einen Wechsel gibt es im kommenden Jahr bei den Sponsoren: Die BKS Bank, die bislang den Publikumspreis stiftete, scheidet nach diesem Jahr aus. Als Nachfolgerin springt ab 2027 die Kärntner Sparkasse ein. ORF-Kärnten-Landesdirektorin Karin Bernhard gab das auf der Pressekonferenz mit bemerkenswerter Offenheit bekannt – und ergänzte auf Journalistennachfrage, dass der gesamte Bewerb den ORF rund 500.000 Euro kostet. Dies sei im Vergleich zu anderen TV-Ereignissen wie dem ESC günstig, so Bernhard, weil vieles im Haus selbst geleistet werde, ohne externe Dienstleister.
143 Bewerbungen für den Literaturkurs NEU
Der Literaturkurs, der 2025 aus Budgetgründen ausfallen musste, kehrt zurück – nun unter dem Namen »Literaturkurs NEU«, organisiert vom Musilinstitut und kuratiert von Dominik Srienc, finanziert vom Land Kärnten und der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. 143 Bewerbungen gingen ein, neun Autorinnen und Autoren unter 35 Jahren wurden ausgewählt. Das Besondere in diesem Jahr: Die Tutorien finden sowohl im Musil-Haus als auch im Bachmann-Haus statt. Tutoren sind Thomas Lang, Julia Weber und Josef Winkler. Der Kurs findet vom 21. bis 24. Juni 2026 statt, also kurz vor dem Bewerb selbst.
Die 14 Lesenden beim Bachmannpreis 2026
Zehn der vierzehn Lesenden des Jahres 2026 kommen aus Deutschland, drei aus Österreich, eine aus der Schweiz. Mit Kinga Toth ist außerdem eine Autorin dabei, die nicht aus dem deutschsprachigen Kernraum stammt – sie kommt aus Ungarn und schreibt auf Deutsch, Ungarisch und Englisch. Slata Roschal wurde in St. Petersburg geboren und ist russisch-deutscher Herkunft.
Alle sieben Jurymitglieder haben jeweils zwei Autorinnen oder Autoren eingeladen. Die jüngste Teilnehmerin ist Derya Uzun, Jahrgang 1998, die noch an ihrem Debütroman arbeitet. Der älteste Lesende ist Wolfgang Popp, Jahrgang 1970, seit 2008 Kulturredakteur beim Ö1. Der Altersdurchschnitt liegt bei rund 42 Jahren.
Zu den bekanntesten Namen zählt Magdalena Schrefel, die österreichische Dramatikerin und Prosaschriftstellerin, deren Erzählband »Brauchbare Menschen« 2022 viel Beachtung fand. Slata Roschal publiziert sowohl Romane als auch Lyrik und ist derzeit Stadtschreiberin in Graz. Fiona Sironic stand mit ihrem 2025 erschienenen Debütroman auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Ozan Zakariya Keskinkilic gewann 2025 den ZDF-aspekte-Literaturpreis und den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis, sein Roman »Hundesohn« erschien bei Suhrkamp. Lena Schätte wurde für »Das Schwarz an den Händen meines Vaters« (S. Fischer, 2025) mit dem W.G.-Sebald-Literaturpreis 2024 ausgezeichnet, der Roman stand zudem auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2025.
Eine Besonderheit am Rande: Fiona Sironic nahm 2017 selbst am Klagenfurter Literaturkurs teil – der Weg von dort nach Klagenfurt als Wettbewerbsteilnehmerin hat bei ihr fast ein Jahrzehnt gedauert.
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| Name | Jg. | Herkunft | Wohnort | Eingeladen von | Bekannte Veröffentlichungen |
|---|---|---|---|---|---|
| Gesche Heumann | 1974 | D | Berlin | Philipp Tingler | »Lilo Palfys Beitrag zur Kunst« (Lilienfeld, 2018) |
| Ozan Zakariya Keskinkilic | 1989 | D | Berlin | Mara Delius | »Hundesohn« (Suhrkamp, 2025); »Prinzenbad« (Elif, 2022) |
| Seraina Kobler | 1982 | CH | Zürich | Philipp Tingler | »Tal der Schwalben« (Diogenes, 2026); Kriminalromane bei Diogenes |
| Wolfgang Popp | 1970 | A | Wien | Klaus Kastberger | »Die Ahnungslosen« (Edition Atelier, 2018); Kulturredakteur Ö1 |
| Kurt Prödel | 1991 | D | Köln | Thomas Strässle | »Klapper« (2025, lit.COLOGNE Debütpreis); »Salto« (2026) |
| Jovana Reisinger | 1989 | D | Berlin | Mara Delius | »Enjoy Schatz« (Korbinian, 2023); »Pleasure« (Park x Ullstein, 2024); Grimme-Preis 2026 |
| Caroline Rosales | 1982 | D | Berlin | Mithu Sanyal | »Die Ungelebten« (Ullstein, 2024); Kolumnistin der ZEIT |
| Slata Roschal | 1992 | RU/D | Berlin / Graz* | Klaus Kastberger | »Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten« (Ullstein/claassen, 2024); Lyrik |
| Lena Schätte | 1993 | D | Altena | Thomas Strässle | »Das Schwarz an den Händen meines Vaters« (S. Fischer, 2025; W.G.-Sebald-Preis 2024) |
| Magdalena Schrefel | 1984 | A | Berlin | Laura de Weck | »Brauchbare Menschen« (2022); »Das Blaue vom Himmel« (2023) |
| Fiona Sironic | 1995 | D/A | Wien | Laura de Weck | »Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald…« (Ecco, 2025; Shortlist Dt. Buchpreis 2025) |
| Christoph Szalay | 1987 | A | Haus im Ennstal | Brigitte Schwens-Harrant | »H U R T« (Ritter, 2024); »RÆNDERN« (Ritter, 2020) |
| Kinga Toth | 1983 | H | – | Brigitte Schwens-Harrant | »MariaMachina« (Matthes&Seitz, 2026); »Mondgesichter« (2022) |
| Derya Uzun | 1998 | D | Bayreuth | Mithu Sanyal | Schreibt am Debütroman; Essaywettbewerb Literaturhaus München 2023 |
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* Slata Roschal ist derzeit Stadtschreiberin in Graz.
Die vollständigen Biografien aller Lesenden finden sich auf bachmannpreis.orf.at.
Sechs Preise werden insgesamt vergeben
Insgesamt werden in diesem Jahr sechs Preise mit insgesamt 75.000 Euro Preisgeld vergeben: der mit 30.000 Euro dotierte Ingeborg-Bachmann-Preis der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee, der Kelag-Preis mit 15.000 Euro, der Deutschlandfunk-Preis mit 12.500 Euro, der 3sat-Preis mit 7.500 Euro, der BKS Bank-Publikumspreis mit 7.000 Euro, der mit einem Aufenthaltsstipendium des Kultur Festivals Carinthischer Sommer verbunden und weiteren 3.000 Euro dotiert ist.
Das Voting für den Publikumspreis läuft am Samstag, dem 28. Juni von 15.00 bis 20.00 Uhr, über dem Website des ORF.
Kein Bürgermeisterempfang, aber Straßenfest
Was in der Pressekonferenz nicht erwähnt wurde: Der traditionelle Empfang des Bürgermeisters im und am Schloss Loretto wird auch in diesem Jahr aus Kostengründen nicht stattfinden. Er fiel bereits im letzten Jahr aus. Stattdessen gibt es – ebenfalls wie im letzten Jahr – ein Straßenfest vor dem neuen Bachmann-Museum.
Wir sehen uns in Klagenfurt – und hören uns im Podcast!

