Bis Klagenfurt anruft. Ein Praxisbericht. Teil 3

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Bücher mit eigenen TextenDiesmal: Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien

Freudestrahlend wedelt das junge Mädchen mit der Zeitschrift in ihrer Hand, denn da steht ihr Name drin, schwarz auf weiß, und sogar ein Foto ist neben dem Text abgedruckt. Die Vermittlung über eine wohlmeinende Deutschprofessorin hat diese erste Veröffentlichung in einer Literaturzeitschrift ermöglicht. Die Klassenkollegen meinen, dass sie jetzt berühmt werden würde. Aber das alles ist schon ein paar Jahre her.

Heute stehen in meinem Regal mehr als zehn Anthologien und noch mehr Zeitschriften, in denen man meinen Namen und meine Texte findet, berühmt bin ich trotzdem immer noch nicht und werde es durch diese Veröffentlichungen auch nicht so schnell werden. Reich wird man davon auch nicht, manchmal sogar das Gegenteil.

Für die meisten Veröffentlichungen in Anthologien wird gar nichts oder sehr wenig bezahlt, und bei sehr vielen Zeitschriften ist es ebenso. Man verschenkt sozusagen seine Texte an die Herausgeber, die es vielleicht schaffen, damit Geld zu verdienen. Man macht es, um seinen Namen gedruckt zu sehen und damit andere Leute die eigenen Texte lesen.

Cornelia Travnicek

berichtet im literaturcafe.de seit 2006 von ihrer bisherigen Autorenlaufbahn und davon, wohin es führen kann, wenn man eines Tages beschließt zu schreiben. Interessant für alle, die Ähnliches selbst erlebt haben, noch erleben wollen oder sich vielleicht nach der Lektüre entschließen, es doch besser zu lassen. Seinerzeit schrieb Cornelia unter dem Motto »Bis Klagenfurt anruft« sieben Berichte und einige Bonusfolgen u.a. über Veröffentlichungen, Preise, Lesungen, Literaturforen und die eigene Website.

Cornelia Travnicek: Chucks (Buchcover)Im Frühjahr 2012 erscheint Cornelia Travniceks erster Roman »Chucks« in der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA). Wie ergeht es einem als österreichische Autorin, wenn man zu einem großen deutschen Verlag wechselt? Erfüllt sich ein Autorinnentraum? Ist es der Karrieredurchbruch?

Unter dem Titel »Bis Klagenfurt anruft. Reloaded« setzt Cornelia Travnicek 2012 ihre Berichte im literaturcafe.de fort.

Im Juli 2012 las sie dann tatsächlich in Klagenfurt und gewann den mit 7.000 Euro dotierten Publikumspreis. 2012 ist sie Stadtschreiberin in Kärnten.

Klicken Sie hier, um alle bislang erschienenen Teile zu lesen »

www.corneliatravnicek.com

Cornelia Travnicek: Chucks: Roman. Taschenbuch. 2014. btb Verlag. ISBN/EAN: 9783442747023. EUR 8,99 » Bestellen bei amazon.de Anzeige)

Natürlich ist es schöner, die eigenen Texte in gebundener Form vor sich liegen zu haben. Was dahinter steckt, wird oft übersehen. Da gibt es Wettbewerbe, bei denen man die Veröffentlichung quasi »gewinnen« kann, aber kein Belegexemplar erhält. Die Bücher darf man dann als veröffentlichter Autor zu einem Vorzugspreis zwischen 15 und 50 Euro erwerben und am Besten noch ein paar Exemplare für Freunde und Familie dazu. Damit finanziert man nur den Verlegern ein schönes Leben.

Ein hübsches Rechenbeispiel dazu: Nehmen Sie die Anzahl der in ihrem Literaturforum aktiven – oder Ihnen anderweitig bekannten – Autoren, welche in der gleichen Anthologie veröffentlicht wurden, mal 2 Komma 5, was dem durchschnittlichen Belegexemplarkauf entsprechen dürfte, und das Ganze mal dem Kaufpreis für die Anthologie. Wenn diese Summe Ihrer Meinung nach die Druckkosten für die Anthologie deckt, dann können Sie sich den Rest denken. Mir sind zumindest zwei jährlich stattfindende Wettbewerbe bekannt, bei denen diese Rechnung auf jeden Fall so laufen dürfte, bei einem der beiden erdreistet man sich sogar, eine von der veröffentlichten Seitenanzahl abhängige Gebühr vom Autoren zu verlangen, damit sein Text gedruckt wird.

Die Hoffnung auf einen großen Leserkreis ist auch nicht berechtigt. Persönlich habe ich sicher nur einen Bruchteil der mit mir abgedruckten Autoren gelesen. Der Leserkreis der meisten kleinen Literaturzeitschrift besteht aber aus niemanden anderen als den Schriftstellern, die eben die Zeitschrift immer mit Texten versorgen. Geschlossene Gesellschaft.

Der letzte Absatz gilt natürlich nicht für große, bekannte und auch international verbreitete Literaturzeitschriften. In Edit, Manuskripte oder dergleichen Formaten abgedruckt zu werden, ist eine ganz andere Sache.

Mein Fazit zu Zeitschriften und Anthologien:
Veröffentlichungen in kleineren Literaturzeitschriften und Anthologien, die den Autoren nichts kosten, sind schöne kleine Erfolge auf dem Weg zur eigenständigen Veröffentlichung. Anthologien als Nebenerscheinung von Literaturwettbewerben sind auch eine sehr positive Sache. In bekannte Literaturzeitschriften aufgenommen zu werden, kann ein kleiner Durchbruch sein.

Aber alles, was eine finanzielle Aufwendung des Autors selbst verlangt, ist es nicht wert. Weil wir Autoren mehr wert sind.