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Startseite Literarisches Leben Bis Klagenfurt anruft. Ein Praxisbericht. Teil 2

Bis Klagenfurt anruft. Ein Praxisbericht. Teil 2

Foren im InternetDiesmal: Literaturforen im Internet

In der ersten Folge habe ich die Internetforen zum Thema Literatur einen Sumpf genannt, denn genau das sind sie. Ein stinkender Morast, in dem man allzu leicht versinkt, in dem aber auf einzelnen versteckten Inseln die schönsten und exotischsten Pflänzchen blühen. Der Weg dahin ist versperrt mit halb vermoderten Baumstümpfen, und stellenweise soll es sogar Treibsand geben, doch wer den Mut hat ihn zu gehen, wird manchmal belohnt.

Ein Wort zum Thema Suchtfaktor: Während es in der großen weiten Literaturwelt Wochen und Monate dauern kann, Resonanz zu bekommen, ist das in einem Literaturforum im Internet mitunter ziemlich einfach. Eine kurze Anmeldung, einmal die eMail-Adresse angeben, an die man sich sowieso nur Spam schicken lässt, und schon ist man mitten drin im Geschehen. In Sekunden ist das erste Herzschmerzgedicht mit schmalztriefenden Zeilen hochgeladen, und man wartet gebannt auf die Reaktionen. Es kann sogar soweit gehen, dass man im Halbminutentakt die F5-Taste (Seite neu laden) drückt, nur um ja den großen Moment nicht zu versäumen, wenn sich einer der etablierten Foren-User des eigenen Ergusses dichterischer Ambitionen annimmt. Besondere Härtefälle verbringen ihre Wochenende ausschließlich mit der Kommentarfunktion.

Cornelia Travnicek

berichtet im literaturcafe.de seit 2006 von ihrer bisherigen Autorenlaufbahn und davon, wohin es führen kann, wenn man eines Tages beschließt zu schreiben. Interessant für alle, die Ähnliches selbst erlebt haben, noch erleben wollen oder sich vielleicht nach der Lektüre entschließen, es doch besser zu lassen. Seinerzeit schrieb Cornelia unter dem Motto »Bis Klagenfurt anruft« sieben Berichte und einige Bonusfolgen u.a. über Veröffentlichungen, Preise, Lesungen, Literaturforen und die eigene Website.

Cornelia Travnicek: Chucks (Buchcover)Im Frühjahr 2012 erscheint Cornelia Travniceks erster Roman »Chucks« in der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA). Wie ergeht es einem als österreichische Autorin, wenn man zu einem großen deutschen Verlag wechselt? Erfüllt sich ein Autorinnentraum? Ist es der Karrieredurchbruch?

Unter dem Titel »Bis Klagenfurt anruft. Reloaded« setzt Cornelia Travnicek 2012 ihre Berichte im literaturcafe.de fort.

Im Juli 2012 las sie dann tatsächlich in Klagenfurt und gewann den mit 7.000 Euro dotierten Publikumspreis. 2012 ist sie Stadtschreiberin in Kärnten.

Klicken Sie hier, um alle bislang erschienenen Teile zu lesen »

www.corneliatravnicek.com

Cornelia Travnicek: Chucks: Roman. Taschenbuch. 2014. btb Verlag. ISBN/EAN: 9783442747023. EUR 8,99 » Bestellen bei amazon.de Anzeige)

Sollte es vielleicht auch Kritik geben: einer ist sicher dabei, der einen netten Kommentar hinterlässt, wofür man sich dann mit einem ebenso netten Gegenkommentar revanchiert und sofort treibt die erste Dichterfreundschaft zarte Knospen. Allianzen gegenüber anderen nicht ausgeschlossen.

Wenn wider erwarten die Kommentare ausbleiben, kann man immer noch die bewährte Taktik des Mehrfach-Users anwenden, immer mit Bedacht auf unterschiedlichen Schreibstil und sich einfach mal selbst ein wenig hypen. Ein Stück Weltherrschaft ergattern sozusagen.

Natürlich kann man auch etwas lernen. Doch das muss nicht zwingend passieren. Eines ist wichtig: Ein gefestigtes Selbstvertrauen, die Fähigkeit zur Selbstkritik und eine Möglichkeit der Einschätzung der Kompetenz des Gegenübers. Dann kann man sich diesem Abenteuer durchaus hingeben, aber ein Forum wird auf keinen Fall jemals eine gute Schreibwerkstatt ersetzen.

Der Vorteil eines Literaturforums ist: man ist mal eben veröffentlicht. Der Nachteil ist: man ist veröffentlicht. Bei Wettbewerben, Anthologien oder Zeitschriften kann man meist keinen Text mehr einreichen, wenn er schon im Internet veröffentlicht ist. Andererseits kann man aber die Internetveröffentlichung nicht als »richtige« Veröffentlichung in die Positiv-Bilanz aufnehmen. Daher ist diese Form nur beschränkt und nur zu Übungszwecken geeignet.

Neben all dem Unkraut, das im Garten der Internetliteratur wächst und bekanntlich nicht vergeht, finden sich wie gesagt auch immer wieder einige Glanzstücke. So kann es auch vorkommen, dass man mitunter Leute, die man schon aus dem ein oder anderen Forum kennt, bei einer Lesung wiedertrifft. Oder deren Namen in einer Literaturzeitschrift liest. Mir sind mittlerweile drei andere Autorinnen bekannt, die ich zuerst im Internet getroffen habe.

Mein Fazit nach jahrelangem Literaturforum-Dasein: Sie sind als Spielwiese zu betrachten, aber irgendwann muss man erwachsen werden und beginnen, im richtigen Leben mitzuspielen.

Links
www.leselupe.de (Eingeschworene Gemeinschaft.)
www.textdiebe.de (Viele Features.)
literatur.org (Gewöhnungsbedürftige Grafik.)
www.junge-literatur.com (Noch im Wachsen.)

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1 Kommentar

  1. […] sein. Die eine Möglichkeit sind die Literaturforen mit ihren Userprofilen, aber darüber haben wir an dieser Stelle schon gesprochen. Die andere Möglichkeit ist eine eigene […]

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