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Startseite Literarisches Leben 15. open mike: Rückblick und Interview zum wichtigsten Nachwuchsliteraturwettbewerb

15. open mike: Rückblick und Interview zum wichtigsten Nachwuchsliteraturwettbewerb

open mikeVom 3. bis 4. November 2007 gab es in der WABE der Berliner Literaturwerkstatt summa summarum acht Stunden Literatur aus deutschen Hinter- und Vorderlanden zu hören. Aus 660 Einsendungen wurden 21 Nachwuchsliteraten eingeladen, um exakt 15 Minuten ihre eingereichten Texte beim open mike vorzutragen.

Der open mike gilt als der wichtigste Nachwuchsliteraturwettbewerb – nicht etwa wegen des hoch dotierten Preisgeldes (die drei Finalisten teilen sich EUR 4.500), sondern wegen des großen Aufgebotes an Verlegern und Lektoren, die den Autoren lauschen und auch unter den Nicht-Finalisten Autorinnen und Autoren für Lesereihen oder Erzählungsbände »rekrutieren«. Auch dieses Jahr kamen zahlreiche Repräsentanten der großen und kleinen Verlage wie Piper, Rowohlt Berlin, S. Fischer, Luchterhand, Tisch 7, Mairisch und viele andere und natürlich die Literaturagenten.

Im Vorfeld lasen sich sechs Lektoren durch die 660 Einsendungen, von denen jeder eine kleine Zahl an Texten für die Lesung beim open mike auswählt, sprich: die Autoren nominiert. Jeder Autor und jede Autorin wird dem Publikum vor der Lesung kurz vorgestellt. Dabei erläutern die Lektoren auch, warum sie eben diesen Text ausgewählt haben. Über die Frage, ob Autor mit Text unter den drei Ersten landen wird, entscheidet jedoch die Jury, die sich in diesem Jahr aus Georg Klein, Antje Rávic Strubel und Raphael Urweider zusammen setzte. Dieses Jahr machten Johann Trupp (geb. 1979, arbeitet z.Zt. als Lagerist und besucht Schreibwerkstätten), Tina Ilse Gintrowski (geb. 1978, z.Zt. Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig) und die Lyrikerin Judith Zander (geb. 1980, Stipendiatin des Künstlerhauses Lukas in Ahrenshoop) das Rennen.

Mir sind zwei andere Autoren positiv aufgefallen, deren Texte sich u.a. dadurch auszeichnen, dass sie keine Identitätsgeschichten der Post-post-Generation erzählen. Christoph Steier wählte für seine Geschichte den ungewöhnlichen Handlungsort einer Missionsstation und außerdem die gelungene Perspektive eines elfjährigen Jungen. Theresa Paks Text ist durchzogen von dem leisen Wissen, dass der beste Humor aus dem Ernst kommt. Sie erzählt die immer wieder überraschende Geschichte eines Kochs, der sich in einer namenlosen Mittelgroßstadt wahrlich durchschlägt. Ein kurzes Interview mit Theresa Pak findet sich weiter unten. Alle 21 Wettbewerbstexte sind übrigens in der Anthologie »15. open mike« im Allitera Verlag erschienen.

Wenn man sich den Druck vorstellt, dem sich die Autoren auf der Lesebühne vor etwa 300 Zuhörern stellen, sollte man meinen, ihre Rezitationskunst müsste doch etwas leiden. Erstaunlicherweise nicht! In der Mehrzahl saßen und standen dort oben Schriftsteller, die ihren Text souverän zum Besten gegeben haben. Apropros Zuhörer: Der Saal war voll besetzt und zwar nicht mit der Generation 50+, die sonst oft das Lesepublikum stellen, sondern mit einer hoffnungsvollen Mischung aus jungen literaturinteressierten Leuten, Freunden der Autoren, Presse und Verlagsbranche.

Deutschlandradio sendet in der Nacht vom Sa, den 10. auf So, den 11. November 2007 ab 0.05 Uhr übrigens ein ausführliches Feature über den diesjährigen open mike mit Auszügen aus den Lesungen. Mehr Informationen und andere Meinungen zu Sinn und Unsinn der Veranstaltung findet man in Wolfgang Schneiders Artikel im Börsenblatt und in Silja Ukenas Bericht im Tagesspiegel.

Interview mit Theres Pak, nominiert für den open mike 2007

Das literaturcafe.de: Zuerst mal herzlichen Glückwunsch zur Nominierung und zu deiner tollen Lesung am Samstag in der Literaturwerkstatt in Berlin. Du wurdest ausgelost, mit deinem Text den Anfang von allen 21 Autorenlesungen zu machen. Begeistert hat dich das wahrscheinlich nicht unbedingt, oder?

Theresa Pak: Überhaupt nicht, aber nach meiner Lesung war ich doch sehr froh, dass die Aufregung endlich vorbei war.

Das literaturcafe.de: Wie hast du den open mike insgesamt erlebt?

Theresa Pak: Es war eine sehr gute Erfahrung, ich hatte es mir viel stressiger vorgestellt. Die Stimmung war gut.

Das literaturcafe.de: Hast du Lektoren und andere Autoren kennengelernt? Gab es organisierte Treffen am Rande der Veranstaltung oder oblag es eher dem einzelnen, mit wem er oder sie sprechen wollte?

Theresa Pak: Am ersten Abend gab es eine Lesung mit ehemaligen Teilnehmern, unter dem Motto: Leben nach dem Open Mike. Das war ganz gut als Einstimmung für den Wettbewerb. Beim anschließenden Abendessen konnte man die anderen Teilnehmer und Lektoren kennenlernen, was die Stimmung auch ganz gut aufgelockert hat. Es war zum Beispiel nicht so, dass jede Unterhaltung von so einem unangenehmen Konkurrenzgefühl begleitet war.

Das literaturcafe.de: Ist es so, wie man es von Buchmessen oder Ausstellungen in der Bildenden Kunst kennt, dass die wichtigen Entscheidungen abends in Schnapslaune getroffen werden?

Theresa Pak: Sorry, das kann ich gar nicht beurteilen.

Das literaturcafe.de: Was sagst du zum Gewinner Johann Trupp? Welche Texte haben dir außerdem besonders gefallen?

Theresa Pak: Wie die meisten Zuhörer habe ich während seiner Lesung gedacht, dass er Preisträger werden würde. Es ist wirklich ein sehr schöner Text. Unter anderem hat mir auch »An einem Ferientag« von Djawad Hossaini sehr gut gefallen.

Das literaturcafe.de: Vielen Dank für das kurze Interview und dir weiterhin noch viel Erfolg.

LiteraturWERKstatt Berlin (Herausgeber): 15. open mike: Internationaler Wettbewerb junger deutschsprachiger Prosa und Lyrik. Taschenbuch. 2007. Buch&Media. ISBN/EAN: 9783865202871. 12,80 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel

Bericht und Interview: Anika Stracke

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