Anzeige
Startseite Literatur online boersenblatt.net setzt Foren-Troll vor die Tür

boersenblatt.net setzt Foren-Troll vor die Tür

Bitte keine Trolle füttern! (Bildquelle: wikipedia.net)Mit einer ausführlichen und interessant zu lesenden Begründung gibt boersenblatt.net bekannt, dass einer der dort »Diskutierenden« dies künftig nicht weiter tun darf. Im April 2007 wurde die Online-Ausgabe des Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel neu gestaltet. Erstmals wurde dabei zu jeder Meldung eine Kommentarmöglichkeit eingeführt. Während sich diese Meinungsäußerungen in der Regel in Grenzen hielten, fielen in letzter Zeit einige Nachrichten im Bereich Antiquariat auf. Hier gab es pro Nachricht teilweise bis zu 100 Kommentare. Auslöser für diese Flut an Kommentaren war wie so oft ein Troll, der von den anderen Teilnehmern reichlich gefüttert wurde und sich so mit seinen ausufernden Beiträgen im Kommentar- und Forenbereich des Börsenblatts so richtig gemütlich machte. Doch anders als im Forum des literaturcafe.de, in dem Trolle meist anonym agieren, war der Provokateur bei boersenblatt.net kein Unbekannter, sondern der Freiburger Antiquar Peter Mulzer. Mulzer wurde mit seinen eigenwilligen Beiträgen schon in anderen Foren auffällig.

»Don’t feed the troll! – Bitte keine Trolle füttern!« lautet daher ein wichtiger Grundsatz in Internet-Foren. Insbesondere Internet-Anfänger und Foren-Neulinge beginnen oft den Versuch, mit Trollen zu diskutieren oder starten mit ihnen eine Auseinandersetzung im echten aber naiven Glauben, dass Trolle Argumenten zugänglich seien. Dabei ist genau dies das Futter, nach dem sie gieren und oftmals blühen sie dann erst richtig auf, indem sie entsprechende Beiträge nachlegen. Denn der Troll will bewundert und beachtet werden, ganz gleich, ob mit Lob oder Beschimpfungen. Nur eines mag er nicht: ignoriert zu werden. Daher tut er in der Regel alles, um die anderen Teilnehmer zu provozieren, und oftmals fällt es selbst Foren-Profis schwer, hier ruhig zu bleiben.

Auch für den Betreiber eines Forums ist das Nicht-Füttern von Trollen das erste Gebot. Daher nützen Appelle zur Mäßigung nichts. Und man sollte nie begründen, warum man einen Beitrag gelöscht hat oder den Troll vor die virtuelle Tür gesetzt hat. Denn dann passiert erstaunlicherweise oft das, was man fast lehrbuchhaft auch in den Kommentaren auf boersenbaltt.net zum Ausschluss Peter Mulzers sehen kann: Obwohl die Begründung von Börsenblatt Chefredakteur Torsten Casimir eloquent, gekonnt und durchaus nicht unpersönlich oder allzu abwertend gegenüber Herrn Mulzer formuliert ist, werden diese Worte von den anderen Kommentatoren sofort auf die Goldwaage gelegt und oftmals verbünden sich die, die zuvor den Troll mit Kommentaren bekämpften und fütterten, gegen den Betreiber des Forums. Einer der üblichen Vorwürfe ist der der Zensur, und auch dem Börsenblatt wird sofort von einem Kommentator ein totalitäres und antidemokratisches Verhalten vorgeworfen. Dabei ist ein Forum und Web-Angebot alles andere als ein Hort der Demokratie, denn letztendlich hat einer das sagen und kann daher ungefragt löschen und sperren wie er möchte: der Betreiber des Angebots.

Und die Diskussion zum Ausschluss Mulzers wird natürlich munter weitergehen, und man wird sie mit Interesse verfolgen können. Es ist dem Börsenblatt zu wünschen, dass sich diese offene Diskussionskultur nicht negativ auf die Mitmach- und Kommentarfunktionalitäten des Angebots auswirkt. Denn egal wie, eines wissen auch wir aus Erfahrung: solche Diskussionen führen nicht nur in juristische Grauzonen, sie können auch für die Moderatoren sehr belastend sein, was nicht immer auf die leichte Schulter zu nehmen ist.

3 Kommentare

  1. Liebe Leser,

    zum Kern der Sache habe ich die Redaktion aufgefordert, in geeignerter Weise eine Gegendarstellung zu veröffentlichen. Ich hoffe, daß das geschieht. Es ist eine sehr ernste Angelegenheit, die ich nicht mit den folgenden Zeilen vermischen möchte.

    Da aber auch sonst im obigen Beitrag munter und locker vom Hocker Dinge behauptet werden, die die Tatsachen in einem merkwürdig schiefen Licht erscheinen lassen – seis drum, vielleicht ist die Redaktion fair genug, mir Gelegenheit zu einigen Bemerkungen zu geben.

    Was ist ein “Troll”? Im Mittelpunkt dieses Begriffs steht für mich, daß s a c h f r e m d und mehr oder minder sinnlos gepostet wird. Davon kann bei mir keine Rede sein. Lesen Sie die Abschnitte beim Börsenverein in Ruhe durch, Sie werden mir Recht geben.

    Da ich mich – ein inzwischen wieder aufgegebener Gedanke – mit der Absicht getragen hatte, im Bereich der Bücherkunde und des Antiquariats journalistisch selbständig zu machen, geriet ich Ende August erstmals auf die “Antiquariats-Seite” des Börsenvereins. Sie schlief offensichtlich sanft vor sich hin, obgleich die interessanten Kurzmeldungen zum Kommentieren einluden. Ich beschloß, meine berufliche Sachkenntnis und vor allem die eher kümmerlichen Reste meines journalistischen Handwerkszeugs wieder zu reaktivieren und auszuprobieren, ob ich wohl lesbare, kritische, stets aber s a c h b e z o g e n e Antworten schreiben könne.

    Das klappte ganz ordentlich, ich war selber überrascht. Sie können beim Börsenverein weit über 50 sachbezogene kleinere Arbeiten aus meiner Feder lesen, alle entstanden zwischen August und Oktober 2007. Dieser Beiträge brauche ich mich nicht zu schämen.

    Notwendiger Exkurs am Rande: Ich habe ein langjähriges Universitätsstudium als Kriminologe hinter mir und arbeite mich seit einigen Jahren in den höchst gefährlichen, aber interessanten Bereich der Ephebophilie ein – soweit mir mein Brotberuf als Buchantiquar Zeit dazu läßt. Diesen Bereich meiner Arbeit – über den ich zu diskutieren hier nicht vor habe – streßt mich von der Täter- wie auch von der Opferseite sehr. Einige Antiquare wissen das seit Jahren und lieben es, mich mit überwiegend g e f ä l s c h t e n Usenet-“Dokumenten” bloßzustellen und zu diffamieren – – weil ihnen meine Kritik an ihrem lächerlich-peinlichen Genossenschaftsdesaster nicht paßt (dazu nichts weiter, ich will die Leser nicht ermüden).

    Der Börsenverein war in dieser Sache f a i r (weitaus fairer als bisher die Redaktion des vorliegenden Literaturforums) und verhielt sich neutral – in der richtigen Erkenntnis, daß es in ihrem Forum um die Sache des Antiquariats gehen sollte und das Herumwedeln mit Fälschungen aus dem Netz zum äußerst komplexen Thema der Pädophilie nicht Gegenstand eines Antiquariatsforums sein soll und auch nicht sein kann.

    Gestolpert bin ich vielmehr über zwei Sachverhalte, die manches über die i n n e r e Struktur des Börsenvereins aussagen.

    Zum einen erlaubte ich mir einen angriffslustig-ironischen, nach meiner Einschätzung aber durchaus verständnisvollen Beitrag über den – nun, sagen wir: eigenwilligen – Chef des Karl-May-Verlags in Bamberg. Nach Gutsherrenmanier wurde einige Tage später die T i l g u n g, also die brutalste Zensurform, meines Beitrags verfügt, o h n e mir irgendeine Gelegenheit zur Stellungnahme zuu geben.

    Das ist G u t s h e r r e n – M a n i e r, und das ist der Börsenverein.

    Ferner erlaubte ich mir, einige Kollegen, die es nach meiner Einschätzung mehr als “verdient” hatten, durch den Kakao zu ziehen mit einem gleichfalls ironischen Beitrag, der – was weiß ich – geeignet war, ihre Würde zu beeinträchtigen. Diese wandten sich, natürlich hinter meinem Rücken, an die Chefredaktion, und wiederum o h n e mir irgendeine Gelegenheit zu einer Stellungnahme zu geben, wurde

    G e h e i m d i p l o k a t i e exerziert und g e t i l g t.

    Nach der ersten Tilgung in Sachen Karl May wurde ich verwarnt, nach der zweiten des Forums verwiesen.

    Halten zu Gnaden, das ist eine ganz unwürdige Unart des Journalismus. Es ist auch ein schreiender Undank meinen vielen sachbezoghenen Beiträgen gegenüber, aus denen man ein kleines Buch zusammenstellen könnte zur gegenwärtigen Lage des Antiquariats.

    Keine Gelegenheit zur Rechtfertigung, in beiden Fällen nicht, keine Möglichkeit zur Stellungnahme, keine Chance zur Berichtigung – das ist u n f a i r.

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein.
Bitte geben Sie Ihren Namen ein