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Leere Welt bei Weltbild

Weltbild in Second LifeFirmen, die zu Hype-Zeiten eine Präsenz in Second Life aufgebaut hatten, kamen glimpflich davon. Sie profitierten zwar nicht von den Besuchern in der virtuellen Zweitwelt, doch die Nennung des Firmennamens in den vielen Presseberichten über Second Life war besser als jede direkt bezahlte Werbung. Ein Paradebeispiel im Verlagsbereich ist Der Audio Verlag (DAV). Doch auch die Inseln der ehemalige Presse-Lieblinge, wie z. B. die der EnBW, stehen fast immer leer, wie der Journalist und Buchautor Jörg Reichertz unlängst in unserer Diskussionsrunde anmerkte.

Schlimm jedoch, wenn die internen Entscheidungsprozesse und Projektlaufzeiten so lang sind, dass die eigene Insel in Second Life erst dann fertig wird, nachdem die mediale Hype-Karawane schon weitergezogen ist. Trotz Unterstützung des Springer Verlags und seiner digitalen BILD-Zeitung, dem AvaStar, waren zur Eröffnungsfeier der Insel des Buch- und Medienhändlers Weltbild.de am vergangenen Samstagabend gerade mal 20 Avatare gleichzeitig da. Die Hälfte davon dürfte zum Haus gehört haben, die andere Hälfte sprach kaum Deutsch und entsprach daher nicht unbedingt der Zielgruppe oder stellte Fragen wie »Könnt ihr messen, wie viele Bestellklicks aus Second Life kommen?« und offenbarte, in welchem Auftrag man unterwegs war.

Die Weltbild-Insel selbst schaut nett aus. Sie bietet das, was zig andere Firmenpräsenzen in Second Life auch bieten: einen Strand, an dem man surfen kann, ein paar Produkte, auf die man klicken kann, um zur Website weitergeleitet zu werden, einen »Wellnessbereich« und eine Veranstaltungsbühne. Kurz: sie ist einfallslos, austauschbar und langweilig. Doch billig war sie sicher nicht. Die Relation der Kosten zur Zahl der erreichten Kunden dürfte desaströs ausfallen.

Ob es vielleicht hilft, wenn demnächst auf der Weltbild-Insel ein digitaler Kai Diekmann einem digitalen Papst-Avatar eine digitale Bibel überreicht? Bei Weltbild arbeitet man zwar gerne mit der BILD-Zeitung zusammen, doch da das Medienunternehmen der katholischen Kirche gehört, scheidet der Einsatz von halbnackten Seite-1-Mädels zur Steigerung der Besucherzahlen definitiv aus.

6 Kommentare

  1. Es scheint mir zu bestätigen, daß das Internet – vor allem die darin vertretene Wirtschaft – weiterhin (und vielleicht als Grundprinzip ihrer Existenz) zur Blasenbildung neigt, die schon einmal – ohne daß man daraus gelernt hätte – zu heftigen ökonomischen Verwerfungen führte. Und der Hang, möglichst überall unübersehbare Bestellwege zu schaffen, ist definitiv eine Blase. Es mag nicht verkehrt sein, den Namen – hier “Weltbild” – im Bewußtsein möglichst vieler User präsent zu halten, doch neige ich der Vermutung zu, daß ein guter Shop nach einer gewissen Etablierungsphase alle aufkommenden Kundenbedürfnisse befriedigen und als fixer Anlaufhafen dienen kann. Mehr noch : die tausendfache Präsenz verärgert mich zunehmend, umso mehr als mir eine recht unsensible Art der Einnistung in eigentlich artfremde Domänen erfolgt. So ist etwa die Überschwemmung der Auktionsplattform ebay durch online – Buchhandlungen und ihren naturgemäß preisgebundenen Angeboten ein Dorn im Auge, da sie den Sinn und Nutzen dieser Seite (der Erwerb billiger und gebrauchter Waren) für mich und vermutlich andere User massiv einschränkt. Zudem wird das Auktionsprinizip damit großflächig ausgehebelt. Bei Second Life, das mir aus Gründen des Betriebssystems nicht zugänglich ist, ist es wohl kaum anders : aus einem Kommunikations – und Freizeitportal entwickelt sich zunehmend eine (vermeintliche) Konsummeile, die allerdings die Interessen der Nutzer eben prinzipiell nicht bedienen kann und will. Man könnte das Verhalten solcher online – shops (egal welcher Branche) parasitär nennen, gäbe es nicht das grundsätzliche Einverständnis, nein sogar die Aufforderung der “Wirtsseiten”, die letztlich nur Generierung von Profiten interessiert scheinen, bis das Wegfallen des eigentlichen Sinnes – und damit der interessierten User – zum Platzen der Blase und zum Scheitern des Konzeptes oder gar einer ganzen Entwicklungslinie – verbunden mit den schon einmal erfahrenen Folgen für die Gesamtwirtschaft – führen wird / kann.

  2. […] gerade brechend voll war die Eröffnungsfeier der Dependance von Weltbild.de in Second Life. Laut Berichten “tummelten” sich gerade einmal 20 Avatare in der virtuellen Welt, von der eine große […]

  3. Warum nur halbnackte Seite-1-Mädel? Die größte Lüge ist die Halbwahrheit. Also kann die Forderung nur nach der ganzen Wahrheit lauten. Was hat die katholische Kirche gegen Mädel? http://bigbummi.blogg.de/eintrag.php?id=351 behandelt doch ein Thema, was zu mindest wohl nicht abgestritten werden kann. Auch nicht von der katholischen Kirche. Das mit dem digitalen Papst-Avatar ist eine riskante Sache. Der digitale Nachbau des Kölner Doms stellt doch derart hohe Anforderungen an seine Besucher, dass selbst der Papst ihn nicht betreten dürfte. Und heute muss alles auf die Titelseite, was die Verkaufsquoten wirklich oder vermeintlich erhöht.

    Und damit wären wir bei dem eigentlichen Anliegen. Die Werbung im Realen Leben ist für jeden sichtbar. Es wird viel Geld in Personal und Kreativität investiert. Die Werbung im Zweiten Leben ist nur für einen deutlich geringeren Personenkreis sichtbar. Deshalb wird wird also deutlich weniger Geld in Personal und Kreativität investiert. Vergessen wird, dass die Werbung auf mich als einzelne Person ausgerichtet ist. Im Realen Leben wird mir eine Offerte auf Hochglanzpapier überreicht. Im Zweiten Leben reicht irgend ein gering bezahlter Firmenmitarbeiter aus, der mal auf die Schnelle irgend etwas nebenbei erstellt. Ich bin aber in beiden Fällen die selbe Person. Vielleicht bewerte ich persönlich die Seriosität dieser Firma nach beiden Auftritten, vielleicht werfe ich das Hochglanzpapier auch nur ungelesen in die dafür vorgesehene Papiertüte.

    Hier müssen die Firmen noch viel lernen. Wenn eine Firma sich zur Werbung entschließt und dazu gehören auch die öffentlich sichtbaren Firmenpräsenzen, dann muss sie mich als Zielperson in jedem Falle ernst nehmen … oder sich unerkannt verstecken. Bei aller Kritik an Second Life, auch in der Realen Welt sehen vereinzelte Firmenpräsenzen etwas überholungsbedürftig aus.

    Nun der zweite Versuch – Hoch lebe der Sicherheitscode

  4. Die eigentliche Ursache liegt für mich in der Einstellung zur Werbung. Diese ist im Realen Leben für jeden sichtbar. Es wird viel Geld in Personal und Kreativität investiert. Die Werbung im Zweiten Leben ist nur für einen deutlich geringeren Personenkreis sichtbar. Deshalb wird also deutlich weniger Geld in Personal und Kreativität investiert. Vergessen wird, dass die Werbung auf mich als einzelne Person ausgerichtet ist. Im Realen Leben wird mir eine Offerte auf Hochglanzpapier überreicht. Im Zweiten Leben dümpelt irgend ein gering bezahlter Firmenmitarbeiter herum, der mal auf die Schnelle irgend etwas nebenbei erstellt. Ich bin aber in beiden Fällen die selbe Person. Vielleicht bewerte ich persönlich die Seriosität dieser Firma nach beiden Auftritten, vielleicht werfe ich das Hochglanzpapier auch nur ungelesen in die dafür vorgesehene Papiertüte.

    Hier müssen die Firmen noch viel lernen. Wenn eine Firma sich zur Werbung entschließt und dazu gehören auch die öffentlich sichtbaren Firmenpräsenzen, dann muss sie mich als Zielperson in jedem Falle ernst nehmen … oder sich unerkannt verstecken. Aber bei aller Kritik an Second Life, auch in der Realen Welt sehen vereinzelte Firmenpräsenzen etwas überholungsbedürftig aus.

  5. Die eigentliche Ursache liegt für mich in der Einstellung zur Werbung. Diese ist im Realen Leben für jeden sichtbar. Es wird viel Geld in Personal und Kreativität investiert. Die Werbung im Zweiten Leben ist nur für einen deutlich geringeren Personenkreis sichtbar. Deshalb wird also deutlich weniger Geld in Personal und Kreativität investiert. Vergessen wird, dass die Werbung auf mich als einzelne Person ausgerichtet ist. Im Realen Leben wird mir eine Offerte auf Hochglanzpapier überreicht. Im Zweiten Leben dümpelt irgend ein gering bezahlter Firmenmitarbeiter herum, der mal auf die Schnelle irgend etwas nebenbei erstellt. Ich bin aber in beiden Fällen die selbe Person. Vielleicht bewerte ich persönlich die Seriosität dieser Firma nach beiden Auftritten, vielleicht werfe ich das Hochglanzpapier auch nur ungelesen in die dafür vorgesehene Papiertüte.

    Hier müssen die Firmen noch viel lernen. Wenn eine Firma sich zur Werbung entschließt und dazu gehören auch die öffentlich sichtbaren Firmenpräsenzen, dann muss sie mich als Zielperson in jedem Falle ernst nehmen … oder sich unerkannt verstecken. Aber bei aller Kritik an Second Life, auch in der Realen Welt sehen vereinzelte Firmenpräsenzen etwas überholungsbedürftig aus.

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