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Willms Woche: Das Böse im Menschen und Goethe

Goethe kennt jeder, denken Sie? Erst neulich verschlug es mir in der Filiale einer bundesweiten Buchhandelskette den Atem: Die sympathische Verkäuferin entgegnete auf meine Frage, ob sie nachschauen könne, ob eine Ausgabe des »Werther« vorrätig sei, mit unschuldigem Lächeln: »Schiller… nein, Goethe, oder? Schreibt der sich mit „oe“?« Der Schock sitzt tief. Daher zur Sicherheit die Info: Am 28. August hätte Goethe mit »oe« seinen 258. Geburtstag gefeiert.

Nur wenige Frauen gingen neben Goethe in die Literaturgeschichte ein. Mary Shelley gehört zweifelsohne dazu. In ihrem Meisterwerk »Frankenstein oder der moderne Prometheus« machte sie nicht nur dem romantischen Rheintal – zurecht – eine Liebeserklärung, die Fragestellung, ob und in wieweit der Mensch Gott spielen darf, ist heute brisanter denn je. Wieso also nicht mal den 220. Geburtstag der Literatin zum Anlass nehmen, den »Frankenstein« noch einmal zu lesen oder hören?

Das Böse im Menschen, das auch »Frankenstein« zum Thema hat, musste Joseph Roth am eigenen Leib erfahren. Der österreichische Schriftsteller und Journalist verlor mit Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933 seine Heimat und floh nach Frankreich. Er war einer der ersten Intellektuellen, der Hitlers Pläne bis ins traurige Detail durchschaute. In einem Brief an Stefan Zweig schrieb er: »Ich gebe keinen Heller mehr für unser Leben. […] Die Hölle regiert.« Leider konnte er das Ende dieser Hölle nicht mehr erleben. Er starb 1939 im Pariser Exil. Am 2. September wäre er 112 Jahre alt geworden.

1 Kommentar

  1. Joseph Roth war bekennender Ostjude mit Neigung zum Katholizismus, Pazifist und Einjährig-Freiwilliger im Ersten Weltkrieg, zeitweise engagierter Sozialist und bald Propagandist einer erneuerten Habsburgmonarchie, analytischer Journalist und Legendenerzähler des eigenen Lebens, weitherziger Moralist und begnadeter Polemiker.

    In seinem ersten Roman »Das Spinnennetz« (1923) sah der hellsichtige Visionär Roth den Aufstieg der Nazis, die Verbrechen und den Terror schon früh voraus.

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